Mittwoch, 21. Mai 2014
Cold Specks: Noch kälter
Dienstag, 20. Mai 2014
The Roots: Die Unnachgiebigen
The Roots
„… And Then You Shoot Your Cousin“
(Def Jam)
Ein jeder findet sein Heil auf andere Weise: Kanye West plant die eigene Himmelfahrt mit Drone und Doom, wo Tyler und Earl Sweatshirt radikal zusammenstreichen, Jay-Z wiederum favorisiert die Kunst-Performance, der Wu-Tang-Clan verkauft Einzelstücke an den Meistbietenden und De La Soul finden old school noch immer Klasse – Hip Hop hat sich nicht nur in den letzten Jahren zu einem äußerst vielschichtigen Genre gewandelt und ist noch lange nicht am Ende. The Roots übernahmen dabei stets die Rolle der Outlaws, mit ihrem klugen Mishmash aus Rap, Soul und Punk gehörten sie nie so richtig zum Establishment, sie waren immer einen Schritt neben der üblichen Spur, vorndran sowieso. Nach der gelungenen Kollaboration mit Elvis Costello folgt nun das elfte Studioalbum und für’s Schlagwortverzeichnis darf man notieren: noch dunkler, noch gewöhnungsbedürftiger, noch langsamer.
Die tighten Beats von Platten wie „The Tipping Point“ oder „Game Theory“ sucht man hier fast vergebens, die Band hat ihren düsteren, angejazzten und mit reichlich Effekten versetzten Sound nochmals veredelt und an den entsprechenden Stellen nunmehr mit klassischem Instrumentarium verbaut. Zu Samples von Nina Simone und Mary Lou Williams gesellen sich also nicht nur die alten Bekannten Dice Raw und Greg Porn, sondern auch manche disharmonische Streichergruppe („The Coming“) oder grelle, atonale Einschübe („Dies Irae“). Und auch wenn die Beats noch fett sind, wurden sie doch merklich abgebremst und tropfen zähflüssig aus dem bewölkten Stimmungsbild. An manchen Stellen, so zum Beispiel beim exemplarischen „Black Rock“, klingen The Roots wie eine schwarzhumorige Rapversion der Bad Seeds, später im wunderbaren „Understand“ packen sie eine schlierige Orgel zu bitterbösen Rhymes über enttäuschte Hoffnungen und Bigotterie.
Für die Interpretation ihrer eher bedrückenden Sicht der Dinge haben sich die Musiker aus Philadelphia wieder die passenden Gäste vor’s Mikro geholt – Patty Crash darf mit ihrem verfremdeten Heliumstimmchen den Kontrapunkt zu den finsteren Raps von Black Thought setzen, gleiches gilt für Modesty Lycan auf der ersten Single „When People Cheer“. Ebenso gut gelingt Mercedes Martinez das Intro zu „The Coming“, bevor um sie herum das Chaos ausbricht, Raheem DeVaughn dagegen leiht seine souligen Gesang sowohl den tonnenschweren Drums von „The Unraveling“ als auch dem erstaunlich versöhnlichen Schlußstück „Tomorrow“. Zum Fadeout gibt es trotzdem ein paar bedrohlich schwingende Töne aus dem sargkalten Inneren eines Konzertflügels – ganz so simpel sind die Jungs dann doch nicht gestrickt, als dass sie einen mit ‘nem platten „Wird schon wieder…“ verabschieden wollten. Dafür ist die Lage letzten Endes zu ernst und schließlich hat man ja auch noch einen Ruf zu verteidigen. Deshalb: Gut gemacht. http://www.theroots.com/
„… And Then You Shoot Your Cousin“
(Def Jam)
Ein jeder findet sein Heil auf andere Weise: Kanye West plant die eigene Himmelfahrt mit Drone und Doom, wo Tyler und Earl Sweatshirt radikal zusammenstreichen, Jay-Z wiederum favorisiert die Kunst-Performance, der Wu-Tang-Clan verkauft Einzelstücke an den Meistbietenden und De La Soul finden old school noch immer Klasse – Hip Hop hat sich nicht nur in den letzten Jahren zu einem äußerst vielschichtigen Genre gewandelt und ist noch lange nicht am Ende. The Roots übernahmen dabei stets die Rolle der Outlaws, mit ihrem klugen Mishmash aus Rap, Soul und Punk gehörten sie nie so richtig zum Establishment, sie waren immer einen Schritt neben der üblichen Spur, vorndran sowieso. Nach der gelungenen Kollaboration mit Elvis Costello folgt nun das elfte Studioalbum und für’s Schlagwortverzeichnis darf man notieren: noch dunkler, noch gewöhnungsbedürftiger, noch langsamer.
Die tighten Beats von Platten wie „The Tipping Point“ oder „Game Theory“ sucht man hier fast vergebens, die Band hat ihren düsteren, angejazzten und mit reichlich Effekten versetzten Sound nochmals veredelt und an den entsprechenden Stellen nunmehr mit klassischem Instrumentarium verbaut. Zu Samples von Nina Simone und Mary Lou Williams gesellen sich also nicht nur die alten Bekannten Dice Raw und Greg Porn, sondern auch manche disharmonische Streichergruppe („The Coming“) oder grelle, atonale Einschübe („Dies Irae“). Und auch wenn die Beats noch fett sind, wurden sie doch merklich abgebremst und tropfen zähflüssig aus dem bewölkten Stimmungsbild. An manchen Stellen, so zum Beispiel beim exemplarischen „Black Rock“, klingen The Roots wie eine schwarzhumorige Rapversion der Bad Seeds, später im wunderbaren „Understand“ packen sie eine schlierige Orgel zu bitterbösen Rhymes über enttäuschte Hoffnungen und Bigotterie.
Für die Interpretation ihrer eher bedrückenden Sicht der Dinge haben sich die Musiker aus Philadelphia wieder die passenden Gäste vor’s Mikro geholt – Patty Crash darf mit ihrem verfremdeten Heliumstimmchen den Kontrapunkt zu den finsteren Raps von Black Thought setzen, gleiches gilt für Modesty Lycan auf der ersten Single „When People Cheer“. Ebenso gut gelingt Mercedes Martinez das Intro zu „The Coming“, bevor um sie herum das Chaos ausbricht, Raheem DeVaughn dagegen leiht seine souligen Gesang sowohl den tonnenschweren Drums von „The Unraveling“ als auch dem erstaunlich versöhnlichen Schlußstück „Tomorrow“. Zum Fadeout gibt es trotzdem ein paar bedrohlich schwingende Töne aus dem sargkalten Inneren eines Konzertflügels – ganz so simpel sind die Jungs dann doch nicht gestrickt, als dass sie einen mit ‘nem platten „Wird schon wieder…“ verabschieden wollten. Dafür ist die Lage letzten Endes zu ernst und schließlich hat man ja auch noch einen Ruf zu verteidigen. Deshalb: Gut gemacht. http://www.theroots.com/
Die Antwoord: Bestens vorgesorgt
Ob die Nachricht ein Grund zur Freude ist, darüber gibt es sicher mehr als eine Meinung: Das südafrikanische Rave-Duo Die Antwoord wird Ende Mai ein neues Album mit dem Titel "Donker Mag" veröffentlichen. Die Band, der nichts Provokantes, nichts Gruseliges fremd ist, bringt auf diesem auch den Titel "Cookie Thumper" unter, der hier schon zu sehen war, weitere Tracks nennen sich "Dont Fuk Me", "Happy Go Sucky Fucky", "Girl I Want 2 Eat U" und "Do Not Fuk Wif Da Kid" - für Aufregung ist also gesorgt. Zum neuen Stück "Pitbull Terrier" steht im Übrigen ein ausreichend splattriger Videoclip bereit ...
Zach Braff: Taschentücher bereithalten
Okay, wir haben es immer noch nicht, das lang angekündigte Filmsong-Duett mit Chris Martin und lovely Chan Marshall, das für den Film "Wish I Was Here" von Zach Braff zur Aufführung kommen soll. Aber was wir nun, da wir diesen zweiten, etwas längeren Trailer sehen, wissen: Wir werden reichlich Taschentücher brauchen, denn an dramatischen, theatralischen, komischen Momenten wird kein Mangel sein. Der Song, der hier zu hören ist, soll im Übrigen von den Shins stammen und ein neuer sein.
Slowdive: Zum Tauchgang nach Leipzig
Dass die britischen Slowdive in nahezu originaler Besetzung erstmals seit 1995 wieder auf den Bühnen dieser Welt gastieren, das weiß natürlich der Fan schon seit längerem, die Open Airs sind schließlich schon fest gebucht diesen Sommer. Gestern traten die Shoegazing-Pioniere im Londoner Hoxton Square Bar And Kitchen Club auf und spielten ein dreizehnteiliges Set. Arm dran war einzig und allein der oder die Besucher/in, der/die den kompletten Auftritt mit dem Smartphone filmte und so leider nur auf das Display starren musste - uns bleiben so einige erstaunlich hochwertige Aufnahmen und die Erkenntnis, dass die Musik der Band kaum etwas von ihrem Zauber verloren hat - zum Anfüttern hier "40 Days", der Rest dann bei Stereogum.
Apropos Livetermine: Vorzumerken ist in jedem Falle das diesjährige Wave-Gothik-Treffen in Leipzig, dort werden Slowdive erstmals seit zwanzig Jahren auch in Deutschland spielen.
Apropos Livetermine: Vorzumerken ist in jedem Falle das diesjährige Wave-Gothik-Treffen in Leipzig, dort werden Slowdive erstmals seit zwanzig Jahren auch in Deutschland spielen.
BANKS: Noch eine Frage offen
Die Webadresse klingt schon mal spannend: http://fuckinwithagoddessandyougetalittlecolder.com/. Obwohl - eine Heldin hatten wir ja gerade erst und ob es zur Gottheit reichen wird, wissen wir erst Anfang September, wenn das Album gänzlich erschienen ist: BANKS hat jedenfalls einen weiteren Track von ihrem Debüt "Goddess" vernetzt, "Drowning" hat aber schon mal das Zeug zum heimlichen Hit.
Montag, 19. Mai 2014
Roses: Eine neue Liebe
Abe Vigoda standen, das ist noch gar nicht solange her, für reizvollen, kalifornischen Waverock, ihre letzte Platte "Crush" ließ sich wirklich gut hören und hielt einige Überraschungen bereit. Juan Velazquez, Gitarrist und Keyboarder der Band, hat nun mit Roses eine neue Lieblingsbeschäftigung gefunden und wird zusammen mit Marc Steinberg und Victor Herrera die erste EP "Dreamlover" bei Group Tightener veröffentlichen. Wer die New Yorker The Drums mag, dem wird auch dieser Sound gefallen - die erste Auskopplung nennt sich "Florence Girls" und steht bei Soundcloud in den Startlöchern.
Robyn vs. Röyksopp: Pump up the volume
In einer knappen Woche wird sie endlich erscheinen, die neue EP "Do It Again" der skandinavischen Allianz aus Robyn und Röyksopp. Vom Titel "Monument" gab es hier schon mal eine Hörprobe, nun ist bei einem schwedischen Textilfabrikanten das Video zu einem weitern Stück aufgetaucht - "Sayit" pumpt gewaltig und ein paar hübsche Tieraufnahmen gibt es auch noch dazu ...
Samstag, 17. Mai 2014
The Roots: Der Schrecken der Straße
Nicht ganz "Lucy und der Schrecken der Straße", aber die Richtung stimmt: The Roots haben sich von Joe Baughman ein quirliges Animationsvideo zum Song "Understand" drehen lassen, es werden reichlich Metaphern aufgefahren und die Kirchenorgel knödelt ihren Teil zu den knackigen Rhymes, anschauen kann man sich das Ganze bei Dailymotion, das Album "...And Then You Shoot Your Cousin" ist seit gestern im Handel.
Ed Schrader's Music Beat: Schöne Grüße an Nick Drake
Nicht mehr lang hin bis zum Erscheinen der neuen Platte, da trifft es sich ganz gut, dass es neues Material zum Anfüttern gibt und die beiden Jungs in Kürze in Deutschland landen: Ed Schrader's Music Beat werden bekanntermaßen die Future Islands auf ihrer Tour durch hiesige Clubs supporten, ihr Album "Party Jail", von dem es an gleicher Stelle schon das Stück "Televan" zu hören gab, wird am 27. Mai im Laden stehen. Hier nun "Pink Moons" und - mit den Worten der heißen Quelle Yours Truly - "Good luck dancing along."
Panes: Gut gerüstet
Wem die Gesichtszüge der jungen Dame auf dem Foto bekannt vorkommen, wen die Stimme eventuell vage an eine andere, etwas bekanntere erinnert, der liegt nicht falsch. Tyson McVey, der weibliche Part des Londoner Duos Panes, ist schließlich die Tochter von Neneh Cherry und hat als solche eine ganze Menge Talent mit auf den Weg bekommen. Zusammen mit Partner Shaun Savage hat sie nun eine erste EP veröffentlicht, vier Stücke enthält das selbstbetitelte Werk, alle leben von McVey's angenehm aufgerautem Timbre und klug verbastelter, trippiger Slow-Motion-Elektronik im Stile von Tricky.
Freitag, 16. Mai 2014
Bars Of Gold: Feinste Mischung
Wer hier zu genau hinschaut, dem kräuselt sich irgendwann das Hirn im Kasten: Bars Of Gold, Supergroup aus Detroit, haben aus ihrem aktuellen Album "Wheels" den Song "Blue Lightning" ausgekoppelt und mit einem Video versehen, das so einfach wie faszinierend ist. Die aus Mitgliedern von Bear vs. Shark und Wildcatting zusammengewürfelte Band unter Sänger Marc Paffi spielt einen sehr souligen Rock, der sehr an Fugazi oder auch Mother Tongue erinnert - feinste Mischung also.
Jack White: Ertränkte Gedanken
Schönes Bild, schöner Song: Jack White hat einen zweiten Song aus dem mit Spannung erwarteten Album "Lazaretto" vernetzt - "Just One Drink" ist ein wüster Spelunkenschunkler, White teilt ihn sich mit Lillie Mae Rische von den Peacocks, seiner Backingband. Anhören kann man sich den Klopper unter anderem bei Rolling Stone.
Arcade Fire: Vom Trauma zum Wunschtraum
Die Genderproblematik hat ja mittlerweile auch - am Wochenende hat man es erfahren dürfen - die europäischen Wohnzimmer erobert, die brutalstmögliche Gleichstellungspostille BILD "erklärt den Wurst-Körper" und alle, alle lachen mit. Europa wird herrlich tolerant - wer's glauben will... Dass man mit dem Thema auch anders umgehen kann und soll, zeigen Arcade Fire in ihrem Video zum Song "We Exist": Andrew Garfield, nebenbei noch als Spinnenmann im Geschäft, wechselt von der kaum erträglich Realität in einen Wunschtraum samt Konzertkulisse - zu sehen ist das Stück bei Vevo.
Donnerstag, 15. Mai 2014
Naomi Punk: Olympia alternativ
Das schnalzt ja ganz vortrefflich: Naomi Punk, Alternativ-Rock aus Olympia/Washington, haben den Nachfolger für ihr letztjähriges Debüt "The Feeling" im Kasten und Anfang August soll "Television Man" bei Captured Tracks erscheinen. Einen ersten Song der Band, die gerade mit Perfect Pussy und Parquet Courts unterwegs ist, darf man sich auch schon anhören und zwar das Titelstück der Platte.
Coldplay: Der Hoffnung ein paar Lieder
Coldplay
„Ghost Stories“
(Parlophone/Warner)
Es gab mal eine Zeit, da war es einfach, Coldplay zu mögen: An dem Debüt „Parachutes“, ihrem schwarzen Album, war nichts auszusetzen, kaum jemand, dem „Yellow“, „Sparks“ und „Spies“ nicht an’s Herz gingen. Auch weiß („A Rush Of Blood…“) und blau („X&Y“) konnten gefallen, und obwohl man glaubte zu ahnen, wo die Sache enden würde, erlag man der melancholischen Emphase, der großen Geste, mit der einen die vier jungen Männer ständig umarmen wollten. Es gab mal eine Zeit, da war es einfach, Coldplay nicht zu mögen. Die Umarmungen wurden zudringlicher, die überzuckerten Melodien dominierten in aller epischen Breite das Stadionrund, Pop war nur noch Pathos und wenn man dachte, das Leben zu feiern, war es doch nur eine verkitschte Version desselben. Spätestens, als Chris Martin alle Tränen der Welt zu einem Wasserfall zusammenreimte und Rihanna als chinesische Prinzessin an seine Seite lud – spätestens da kam man nicht mehr umhin, den Kopf zu schütteln, weil Coldplay neben den guten Ideen auch jegliches Maß verloren hatten. Einfach, wie gesagt.
Nun, so leicht wird‘s mit dem neuen Album nicht mehr laufen. „Ghost Stories“ taugt weder für die großen Elogen noch für billiges Bashing und das ist, nach allem, was zu befürchten stand, nicht die schlechteste Nachricht. Bevor jetzt wilde Hoffnungen Blüten treiben, Coldplay hätten ihre Vorliebe für traurig-schöne Klänge an der Studiotür abgegeben – das darf man getrost vergessen. Gefühliges und Rührendes nehmen auch auf dieser Platte noch den meisten Platz in Anspruch, Stücke wie „Always In My Head“, „Another’s Arms“ und „Oceans“ können entsprechende Erwartungen mühelos erfüllen und dürften auch zukünftig den einen oder anderen Serienplot verzieren. Was viel mehr erstaunt ist die Zurückhaltung, mit der die Musiker für diese und andere Songs zu Werke gehen. Da, wo sie früher schnurstracks in die Kleisterfalle getappt sind, genügen ihnen hier plötzlich ein paar Spuren weniger, vieles wirkt mit Bedacht und Vorsicht gewählt und klingt so auch gleich viel klarer und nuancierter.
Mit Sicherheit die beiden besten Beispiele für diese neue Spielart sind die Singles „Magic“ und „Midnight“ – reichlich Elektronik, sparsam perlende Gitarrenhooks, ein bisschen Autotune und das richtige Gespür für die passende Kombination der Einzelteile, man möchte sich verwundert die Ohren reiben. Auch die entspannten Töne von „Ink“ sind ungewöhnlich, man darf wohl vermuten, dass der Band die Platten von Vampire Weekend nicht ganz fremd sind. Und ja – selbst wenn, wie bei „True Love“, die Grenze überschritten scheint, es dann doch dicker kommt, schiebt sich kurz vor Schluss plötzlich dieses raumgreifende, verzerrte Riff ins Bild und rückt das Stück wieder etwas zurecht. Wie gefährlich das Terrain ist, auf dem sie sich bewegen, wird einem bei „A Sky Full Of Stars“ bewußt: Da tritt die Versuchung in Gestalt des Eurotrash-Teufels an sie heran, einmal nicht aufgepasst, eingeschlagen – schon verhauen sie den Titel ganz so, wie es das Coldplay-Klischee verlangt. Nicht ganz verständlich deshalb, warum sie den eigentlichen Titeltrack „Ghost Story“ auf die Deluxe-Version auswildern, statt ihn gegen diesen bösen Ausrutscher zu tauschen.
Unterm Strich bleibt es auch thematisch beim klassischen Liebeslied, Chris Martin hatte hier ja, wie man hört, jede Menge persönlicher Erfahrungen, die er für die textliche Unterfütterung seiner Songs nutzen konnte. Coldplay gehören seit jeher zu den Bands, die sich hauptsächlich um das Zwischenmenschliche kümmern und deren Songtitel schon die ganze Geschichte im Namen tragen – man muss also, um es vorsichtig zu formulieren, nicht allzu kompliziert strukturiert sein, um zu wissen, worum es ihnen geht. Was ja nicht immer von Nachteil ist. Für dieses Album jedenfalls gilt: Wer die Band noch nie mochte, wird seine Meinung auch jetzt nicht ändern, vielleicht jedoch fangen sie diejenigen wieder ein, die sie einst mochten und nun unter Vorbehalt ablehnen, in der vagen Hoffnung, sie würden sich irgendwann doch noch von allzuviel Seichtheit emanzipieren. Könnte klappen, vielleicht… http://www.coldplay.com/
„Ghost Stories“
(Parlophone/Warner)
Es gab mal eine Zeit, da war es einfach, Coldplay zu mögen: An dem Debüt „Parachutes“, ihrem schwarzen Album, war nichts auszusetzen, kaum jemand, dem „Yellow“, „Sparks“ und „Spies“ nicht an’s Herz gingen. Auch weiß („A Rush Of Blood…“) und blau („X&Y“) konnten gefallen, und obwohl man glaubte zu ahnen, wo die Sache enden würde, erlag man der melancholischen Emphase, der großen Geste, mit der einen die vier jungen Männer ständig umarmen wollten. Es gab mal eine Zeit, da war es einfach, Coldplay nicht zu mögen. Die Umarmungen wurden zudringlicher, die überzuckerten Melodien dominierten in aller epischen Breite das Stadionrund, Pop war nur noch Pathos und wenn man dachte, das Leben zu feiern, war es doch nur eine verkitschte Version desselben. Spätestens, als Chris Martin alle Tränen der Welt zu einem Wasserfall zusammenreimte und Rihanna als chinesische Prinzessin an seine Seite lud – spätestens da kam man nicht mehr umhin, den Kopf zu schütteln, weil Coldplay neben den guten Ideen auch jegliches Maß verloren hatten. Einfach, wie gesagt.
Nun, so leicht wird‘s mit dem neuen Album nicht mehr laufen. „Ghost Stories“ taugt weder für die großen Elogen noch für billiges Bashing und das ist, nach allem, was zu befürchten stand, nicht die schlechteste Nachricht. Bevor jetzt wilde Hoffnungen Blüten treiben, Coldplay hätten ihre Vorliebe für traurig-schöne Klänge an der Studiotür abgegeben – das darf man getrost vergessen. Gefühliges und Rührendes nehmen auch auf dieser Platte noch den meisten Platz in Anspruch, Stücke wie „Always In My Head“, „Another’s Arms“ und „Oceans“ können entsprechende Erwartungen mühelos erfüllen und dürften auch zukünftig den einen oder anderen Serienplot verzieren. Was viel mehr erstaunt ist die Zurückhaltung, mit der die Musiker für diese und andere Songs zu Werke gehen. Da, wo sie früher schnurstracks in die Kleisterfalle getappt sind, genügen ihnen hier plötzlich ein paar Spuren weniger, vieles wirkt mit Bedacht und Vorsicht gewählt und klingt so auch gleich viel klarer und nuancierter.
Mit Sicherheit die beiden besten Beispiele für diese neue Spielart sind die Singles „Magic“ und „Midnight“ – reichlich Elektronik, sparsam perlende Gitarrenhooks, ein bisschen Autotune und das richtige Gespür für die passende Kombination der Einzelteile, man möchte sich verwundert die Ohren reiben. Auch die entspannten Töne von „Ink“ sind ungewöhnlich, man darf wohl vermuten, dass der Band die Platten von Vampire Weekend nicht ganz fremd sind. Und ja – selbst wenn, wie bei „True Love“, die Grenze überschritten scheint, es dann doch dicker kommt, schiebt sich kurz vor Schluss plötzlich dieses raumgreifende, verzerrte Riff ins Bild und rückt das Stück wieder etwas zurecht. Wie gefährlich das Terrain ist, auf dem sie sich bewegen, wird einem bei „A Sky Full Of Stars“ bewußt: Da tritt die Versuchung in Gestalt des Eurotrash-Teufels an sie heran, einmal nicht aufgepasst, eingeschlagen – schon verhauen sie den Titel ganz so, wie es das Coldplay-Klischee verlangt. Nicht ganz verständlich deshalb, warum sie den eigentlichen Titeltrack „Ghost Story“ auf die Deluxe-Version auswildern, statt ihn gegen diesen bösen Ausrutscher zu tauschen.
Unterm Strich bleibt es auch thematisch beim klassischen Liebeslied, Chris Martin hatte hier ja, wie man hört, jede Menge persönlicher Erfahrungen, die er für die textliche Unterfütterung seiner Songs nutzen konnte. Coldplay gehören seit jeher zu den Bands, die sich hauptsächlich um das Zwischenmenschliche kümmern und deren Songtitel schon die ganze Geschichte im Namen tragen – man muss also, um es vorsichtig zu formulieren, nicht allzu kompliziert strukturiert sein, um zu wissen, worum es ihnen geht. Was ja nicht immer von Nachteil ist. Für dieses Album jedenfalls gilt: Wer die Band noch nie mochte, wird seine Meinung auch jetzt nicht ändern, vielleicht jedoch fangen sie diejenigen wieder ein, die sie einst mochten und nun unter Vorbehalt ablehnen, in der vagen Hoffnung, sie würden sich irgendwann doch noch von allzuviel Seichtheit emanzipieren. Könnte klappen, vielleicht… http://www.coldplay.com/
Mittwoch, 14. Mai 2014
Hockeysmith: Klare Kante
Von den Geschwistern Annabel und Georgia Hockey-Smith, unterwegs mit einer Art scharfkantigem Noisepop unter dem Namen Hockeysmith, war hier schon die Rede, wir haben den Titeltrack ihrer in diesen Tagen erscheinenden EP "But Blood" samt Video gestreamt. Nun gibt es mit "Hesitate" einen weiteren Track von der 12" zu hören und auch zu sehen, Regie führte Laura Coulson.
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Grundversorgung
Die Liga der Gewöhnlichen Gentlemen
„Alle Ampeln auf Gelb!“
(Tapete Records)
Sollte es nicht genau so sein? Sollte man in dem Moment, wenn sich die Nadel zum zweiten Mal von der schwarzen Scheibe löst, nicht ein besserer, ein glücklicherer Mensch sein? Sollte einen Musik im günstigsten Falle nicht mindestens mit einer Tagesration Lebenslust, Widerständigkeit, Trost und/oder kleinkrimineller Energie ausstatten? Es gab mal eine Hamburger Band, die ganz genau diese Wünsche Album für Album zu erfüllen wusste, Superpunk hießen sie und mit ihrer ungemein lässigen Mischung aus Northern Soul, Punk und Garagenpop schafften sie es tatsächlich, dass man den Tonträger mit seligem Grinsen und der Gewissheit zurückstellte, für die nächsten Stunden könne einem nichts und niemand die Stimmung versauen. Nun hat sich die Kapelle vor zwei Jahren zwar unter Sturzbächen von Tränen aufgelöst, Sänger Carsten Friedrichs und Tim Jürgens waren sich aber ihrer großen Verantwortung bewusst und füllten die entstandene Leerstelle umgehend mit der Liga der gewöhnlichen Gentlemen.
Und was soll man sagen – sofort bei Erscheinen des ersten Albums mit dem anbetungswürdigen Titel „Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar du)“ war klar, dass einem so viel nicht fehlen würde in Zukunft, smarter Twang, Schnoddrigkeit, alles noch da, dazu mit Frauen, Fußball, Fernsehfilme (Reihenfolge frei wählbar) drei der wichtigsten Komponenten für ein angenehmes Dasein. Es überrascht deshalb nicht, dass auch die aktuelle Scheibe allerlei Erbauliches bereithält, irgendwie fühlen sich die Lieder der Liga an wie eine aus der Zeit gefallene Fernsehshow in leicht verblassten Farben, man lernt auf sehr charmante Art auch immer was dazu. Den Filmemacher Werner Enke? Klar, kennt man nun auch – gerade hier in München. Peter-Ernst Eiffe? Stand Pate für den Titelsong und ist spätestens damit ab sofort eine feste Nummer. Planten un Blomen, Peter Sellers, das spornt nicht nur den Tänzer an, sondern sorgt auch dafür, dass man beim nächsten Trivial-Pursuit-Abend ein paar Tortenstücke mehr abfasst.
Erstaunlich – obwohl fast die Hälfte der Stücke auf der Schattenseite des Lebens zu Hause sind, will keine Miesepetrigkeit aufkommen: „Begrabt mich bei Planten un Blomen“, es geht abwärts, aber am passenden Sehnsuchtsort, „Das Unglück bin ich“ zeugt von gesunder Selbsteinschätzung, „Allein auf Partys“ erlebt man ohnehin viel spannendere Sachen und wenn mal wieder jemand über die dröge deutsche, gern auch deutschtümelnde Formatmucke schimpfen möchte, dann gilt „Rock-Pop national“ ab sofort als Maßstab. Der Rest wippt ebenso locker zu Zwischenmenschlichem, wobei „Amateur“ als klarer Favorit gelten darf – irgendeine andere Formation aus Hamburg hat mal dafür plädiert, „Im Zweifel für den Zweifel“ zu stimmen, die Liga tut Ähnliches auf ihre Weise und lässt den Dilettanten dreimal hochleben. Die Platte macht es einem wahrlich nicht schwer, ihre Schöpfer zu mögen und wer sie noch nicht live gesehen hat, der sollte das schleunigst nachholen, ein gelungener Abend ist für die Jungs einfach ein Klacks. http://diegentlemen.de/
14.05. Hannover, Faust
15.05. Stuttgart, Club Schocken Stuttgart
16.05. München, The Atomic Café
17.05. Frankfurt, Zoom
28.05. Bremen, Dete
29.05. Berlin, Lido Berlin
30.05. Lüneburg, Salon Hansen
31.05. Hamburg, Hafenklang
10.09. Bielefeld, Bunker Ulmenwall
11.09. Düsseldorf, Tube
12.09. Mainz, Schon schön
13.09. Aachen, Raststätte, Aachen
30.09. Bamberg, Morphclub
01.10. Zürich, Hafenkneipe
02.10. Ravensburg, Zehntscheuer
03.10. Nürnberg, club stereo
04.10. Leipzig, Tanzcafé Ilses Erika
„Alle Ampeln auf Gelb!“
(Tapete Records)
Sollte es nicht genau so sein? Sollte man in dem Moment, wenn sich die Nadel zum zweiten Mal von der schwarzen Scheibe löst, nicht ein besserer, ein glücklicherer Mensch sein? Sollte einen Musik im günstigsten Falle nicht mindestens mit einer Tagesration Lebenslust, Widerständigkeit, Trost und/oder kleinkrimineller Energie ausstatten? Es gab mal eine Hamburger Band, die ganz genau diese Wünsche Album für Album zu erfüllen wusste, Superpunk hießen sie und mit ihrer ungemein lässigen Mischung aus Northern Soul, Punk und Garagenpop schafften sie es tatsächlich, dass man den Tonträger mit seligem Grinsen und der Gewissheit zurückstellte, für die nächsten Stunden könne einem nichts und niemand die Stimmung versauen. Nun hat sich die Kapelle vor zwei Jahren zwar unter Sturzbächen von Tränen aufgelöst, Sänger Carsten Friedrichs und Tim Jürgens waren sich aber ihrer großen Verantwortung bewusst und füllten die entstandene Leerstelle umgehend mit der Liga der gewöhnlichen Gentlemen.
Und was soll man sagen – sofort bei Erscheinen des ersten Albums mit dem anbetungswürdigen Titel „Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar du)“ war klar, dass einem so viel nicht fehlen würde in Zukunft, smarter Twang, Schnoddrigkeit, alles noch da, dazu mit Frauen, Fußball, Fernsehfilme (Reihenfolge frei wählbar) drei der wichtigsten Komponenten für ein angenehmes Dasein. Es überrascht deshalb nicht, dass auch die aktuelle Scheibe allerlei Erbauliches bereithält, irgendwie fühlen sich die Lieder der Liga an wie eine aus der Zeit gefallene Fernsehshow in leicht verblassten Farben, man lernt auf sehr charmante Art auch immer was dazu. Den Filmemacher Werner Enke? Klar, kennt man nun auch – gerade hier in München. Peter-Ernst Eiffe? Stand Pate für den Titelsong und ist spätestens damit ab sofort eine feste Nummer. Planten un Blomen, Peter Sellers, das spornt nicht nur den Tänzer an, sondern sorgt auch dafür, dass man beim nächsten Trivial-Pursuit-Abend ein paar Tortenstücke mehr abfasst.
Erstaunlich – obwohl fast die Hälfte der Stücke auf der Schattenseite des Lebens zu Hause sind, will keine Miesepetrigkeit aufkommen: „Begrabt mich bei Planten un Blomen“, es geht abwärts, aber am passenden Sehnsuchtsort, „Das Unglück bin ich“ zeugt von gesunder Selbsteinschätzung, „Allein auf Partys“ erlebt man ohnehin viel spannendere Sachen und wenn mal wieder jemand über die dröge deutsche, gern auch deutschtümelnde Formatmucke schimpfen möchte, dann gilt „Rock-Pop national“ ab sofort als Maßstab. Der Rest wippt ebenso locker zu Zwischenmenschlichem, wobei „Amateur“ als klarer Favorit gelten darf – irgendeine andere Formation aus Hamburg hat mal dafür plädiert, „Im Zweifel für den Zweifel“ zu stimmen, die Liga tut Ähnliches auf ihre Weise und lässt den Dilettanten dreimal hochleben. Die Platte macht es einem wahrlich nicht schwer, ihre Schöpfer zu mögen und wer sie noch nicht live gesehen hat, der sollte das schleunigst nachholen, ein gelungener Abend ist für die Jungs einfach ein Klacks. http://diegentlemen.de/
14.05. Hannover, Faust
15.05. Stuttgart, Club Schocken Stuttgart
16.05. München, The Atomic Café
17.05. Frankfurt, Zoom
28.05. Bremen, Dete
29.05. Berlin, Lido Berlin
30.05. Lüneburg, Salon Hansen
31.05. Hamburg, Hafenklang
10.09. Bielefeld, Bunker Ulmenwall
11.09. Düsseldorf, Tube
12.09. Mainz, Schon schön
13.09. Aachen, Raststätte, Aachen
30.09. Bamberg, Morphclub
01.10. Zürich, Hafenkneipe
02.10. Ravensburg, Zehntscheuer
03.10. Nürnberg, club stereo
04.10. Leipzig, Tanzcafé Ilses Erika
Poliça: Grobschnitt
Es dauert ja nur noch einen knappen Monat, dann kommen Poliça endlich wieder für ein paar Termine nach Deutschland. Channy Leaneagh hat zusammen mit ihren Kollegen nun Pläne für eine neue EP in der Nachfolge des Albums "Shulamith" bekanntgegeben - "Raw Edit" soll sie heißen, bei Memphis Industries erscheinen und den Titeltrack gibt's gleich anbei.
24.06. München, Freiheizhalle
25.06. Düsseldorf, Zakk
04.08. Leipzig, Täubchenthal
12.08. Frankfurt, Palmengarten
24.06. München, Freiheizhalle
25.06. Düsseldorf, Zakk
04.08. Leipzig, Täubchenthal
12.08. Frankfurt, Palmengarten
Blumfeld: Einst und jetzt
Viel heißere Meldungen als diese kann es für das deutsche Musikfeuilleton kaum geben: Blumfeld werden laut SPEX zum Jubiläum ihres Zweitwerks "L'Etat Et Moi" in Originalbesetzung wieder auf Tour gehen! Jochen Distelmeyer, Andre Rattay und Eike Bohlken haben sich dafür extra eine Facebookseite zugelegt, auf der man obiges Bild aus Gründertagen mit dem aktuellen Outfit vergleichen kann. Von neuem Material war bis jetzt allerdings noch nichts zu erfahren...
27.08. Köln, Live Music Hall
28.08. Frankfurt, Batschkapp
29.08. München, Theaterfabrik
30.08. Wien, Arena
11.09. Münster, Skaters Palace
12.09. Hamburg, Markthalle
13.09. Berlin, Astra
27.08. Köln, Live Music Hall
28.08. Frankfurt, Batschkapp
29.08. München, Theaterfabrik
30.08. Wien, Arena
11.09. Münster, Skaters Palace
12.09. Hamburg, Markthalle
13.09. Berlin, Astra
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