Freitag, 30. April 2021

Shatten: Neuerfindung

Shatten
"Shatten"

(Rookie Records)

Schön ist das ja nie, wenn die Lieblingsband Schluß macht. Manch eine Kapelle hat den Abschied zwar fast schon zur dauerhaften Kunstform erhoben, jedes Jahr die letzte Tour, solange die Strahlkraft erhalten und das Publikum treu bleibt, kann das komischerweise sogar funktionieren. Bei Findus allerdings war 2016 tatsächlich Schluss - Schlagzeuger weg, Label perdu, Klappe zu. Doch weil man sich - alte Floskel -  im Leben immer mindestens zweimal sieht, gibt es Findus nun irgendwie doch wieder. Nicht dem Namen nach natürlich, denn Shatten sind eben nun mal Shatten. Aber wenn vier Mitglieder, also der Danny Steinmeyer (früher mal an der Gitarre, jetzt hinterm Schlagzeug), Kristian Kühl (Gitarre), Simeon Kschamer (Gesang) und Stefan Kühl (Bass) gemeinsam mit einem weiteren Gitarristen Jonas Kohlschmidt wieder das Studio und danach hoffentlich auch bald die Bühnenbretter entern, dann hat das schon ein klein wenig was von Homecoming.



Auch in Sachen Sound hat sich nicht so furchtbar viel verändert, Kschamers rostige Stimme, die kratzenden Gitarren, deutsche Texte, da darf man schon noch Punkrock zu sagen. Heißt ja auch nicht, dass ein paar schöne Hooks fehl am Platz wären - bei Songs wie "Einen Duft umarmen", "Falsche Faerthe" oder "Verdammte Enge" gibt es die nämlich in Bestform. Ansonsten alles gewohnt wuchtig, schnoddrig, düster - es geht um Verfall vs. Gentrifizierung, müden Trott und heißen Trotz. Für das Lob der Unangepasstheit wird Döblins Franz Biberkopf aus "Berlin Alexanderplatz" beliehen, bei "Taumeln" dann der tiefe Fall ins schwarze Nichts. Auch wenn das Gros der Stücke als klassische Dreieinhalbminüter daherkommt - sie versuchen durchaus, durch Breaks, Interludes und diverse Effekte die Sache unter Spannung zu halten. Und das gelingt ihnen überraschend gut.

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