Donnerstag, 2. April 2020

Cable Ties: Nur Meckern reicht nicht

Cable Ties
„Far Enough“
(Merge Records)

Das ist ja das Schöne – es muß nicht immer alles neu sein, es ist nur wichtig, dass es gut gemacht ist. Die Cable Ties aus dem australischen Melbourne beispielsweise haben den Indierock ganz sicher nicht erfunden, aber sie spielen, ja verkörpern ihn auf perfekte Weise. Und zwar so, dass es bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit der besungenen Themen richtig Spaß macht. Seit gut drei Jahren stöpseln Gitarristin Jenny McKechnie, Bassist Nick Brown und Shauna Boyle am Schlagzeug ihrer Instrumente und Mikrofone in die gleichen Amps, sie kommen aus der ziemlich aktiven und wilden DIY-Punkszene der Millionenstadt, die auch und vor allem in den letzten Jahren ein Meltin Pot des Gender-, Trans- und Queer-Rock ist und haben sich dort mit ihrem 2017 erschienen, selbstbetitelten Debüt-Album einen Namen gemacht. Schon da gemahnte ihr Sound, gleichwohl noch sehr Post-Punk, an die Schwestern im Geiste der Riot-Girl-Bewegung in den Staaten, namentlich Bikini Kill und Sleater-Kinney.



Wer jetzt meint, der Hinweis wäre dann doch etwas hochgegriffen, sollte sich besser erst mal „Far Enough“, das vorliegende zweite Album des Trios, anhören – was hier an Energie aus den Boxen scheppert, muss nun wirklich keinen Vergleich scheuen. Es sind nur ganze acht Stücke auf der Platte, die aber haben es, teilweise mit beachtlichen Spieldauer, in sich. Gleich bei „Hope“, dem Opener, wird die Schlagzahl festgelegt, gibt’s nach einem gemächlichen Intro kräftig auf die Mütze: „If I can’t hope, nothing’s ever gonna change. So let your eyes roll, you’ll still be cool when we’re in flames”, heißt es da mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Und sollte danach immer noch wer an der Durchschlagskraft und Spielfreude der drei zweifeln, dann bekommt er/sie im anschließenden „Tell Them Where To Go“ ganz im Britten’schen Sinne von „The Young Persons Guide To The (ähm) Punk Band“ die ganze Kapelle in all ihrer Pracht, meint Wucht, vorgestellt: Polternde Schläge, ein herrlich flatternder Bass und kratzige Gitarren, dazu ermutigt die zornige Sängerin, den angeblichen Herren der Schöpfung ein paar passende Akkorde um die Ohren zu hauen: „Walk out your bedroom and steal your brother’s guitar, go see the folks who took rock back from blokes and who get who you really are – just ignore them all and play.”



Je länger man den Cable Ties zuhört, desto klarer wird, dass sie sich für dieses Album auch etwas ausgiebiger in den späten 70ern bedient haben, damals hieß das noch Hardrock und wurde von Frauen wie Joan Jett und Suzi Quatro intoniert – eine Vorliebe, die im Übrigen auch Amyl und ihre Sniffers, same place, same rage, mit den Kabelbindern teilt. Es folgen weitere Hammerstücke – das siebeneinhalbminütige „Lani“ (dieser Bass!), der bissige Kommentar zur arroganten Gattung des „Self-Made Man“ und das nicht weniger wütende Statement zur dramatischen Umweltkrise, hier gleich im Titel mit den unmissverständlichen Ermahnung „Anger’s Not Enough“ versehen. Wer bis jetzt nicht kapiert hat, dass Schimpfen allein nicht reicht, sondern dringend auch etwas getan werden muss, wird es wohl in diese Leben nicht mehr lernen. Allen anderen ist diese Platte Ansporn und Bestätigung zugleich.



Empress Of: Into the Club [Update]

Es läuft, so scheint es. Einen Tag nach der Albumankündigung der Geschwister HAIM geht auch schon die nächste Künstlerin in Sachen Pop an den Start: Loreley Rodriguez, besser bekannt unter ihrem Moniker Empress Of, hat gerade ihr nunmehr drittes Studioalbum "I'm Your Empress Of" (VÖ 3. April, Terrible Records) angekündigt. Nach den beiden ersten Platten "Me" (2015) und "Us" (2018) hat sie die zwölf neuen Stücke innerhalb von zwei Monaten in den Highlands ihrer Heimatstadt Los Angeles geschrieben, eines davon heißt "Give Me Another Chance" und kommt heute mit einem Video von Alexis Gomez und reichlich Club-Atmo daher. Unbedingt erwähnenswert ist in jedem Falle auch der Song, den Empress Of zum neuen Glanzstück "Look At Us Now Dad" von Banoffee beigesteuert hat, "Tennis Fan" ist ein wirklicher Glücksgriff aus der Tanzkiste (siehe unten).

Update: Und wir bleiben im Club, denn auch die neue Single "Love Is A Drug" kommt eindeutig aus der Glitzerkugel.





Mittwoch, 1. April 2020

Blanketman: Nicht von ungefähr

Das ist jetzt wahrscheinlich nicht sehr freundlich, aber wenn man Adam Hopper, den Leadsänger von Blanketman aus Manchester, das erste Mal zu Gesicht bekommt, macht man sich fast ein paar Sorgen mehr - so blass, dünn und ruhelos wie er aussieht. Allerdings wollen wir gern in Betracht ziehen, dass auch Größen wie Mark E. Smith, David Byrne oder Ian Curtis zu ihren Jugendzeiten nicht viel anders, meint gesünder, ausgeschaut haben, ihre Musik war dennoch großartig. Zufall also, dass die fünf so klingen wie eine Mischung aus dem Sound dieser Vorbilder? Keine Ahnung, fest steht, dass Blanketman gerade via PIAS ihre neue Single "Taking You With Me" veröffentlicht haben und was Hopper gemeinsam mit Bassist Jeremy Torralvo Godoy, Gitarrist Daniel Hand, Drummerin Ellie-Rose Elliot und Keyboarder Eden Hemphill da abliefert, ist astreiner Post-Punk, den man auch genau in diese Region verortet hätte. Das gilt ebenso für die beiden bislang erschienen, ähnlich hervorragenden Singles "The Long Arm Of Entrapment" und "Sick And Tired/Flip It Over" - da darf der Junge gern weiter so aussehen wie er will.





Cassia: Stimmungshoch

Gegen Musik im Easy-Goin'-Modus ist nichts zu sagen, schon gar nicht in Zeiten, da einem die Decke auf den Kopf zu fallen droht und die Auswüchse des Lagerkollers allgegenwärtig sind. Da passt es ganz gut, das die Jungs von Cassia aus dem britischen Macclesfield mit "Do Right" einen auf den ersten Blick sehr positiven Song ins Tagesprogramm laden. Rob Ellis, Lou Cotterill und Jacob Leff haben ihrer Vorliebe für stimmungsaufhellenden Afropop, die sie mit Vorbildern wie Paul Simon (älteren Datums) und Vampire Weekend (neuer Bauart) teilen, schon auf ihrem Debüt "Replica" Ausdruck verliehen, nun also via Ferryhouse Productions neues Material samt eines Lyric-Videos. Entstanden ist das Stück in Kapstadt, wo Sänger Rob Ellis eine längere und offenbar ziemlich eindrückliche Unterhaltung mit einem Freund hatte, der ihm die Augen über den miserablen Zustand der Welt öffnete - Ellis versuchte dann seinerseits, den Song als Aufforderung zu nutzen, die Dinge besser zu machen, statt sich in Trübsal treiben zu lassen. Wenn's nicht gleich beim ersten Mal klappen sollte, dann am besten am Samstag, den 4. April um 16:00 Uhr das Indie@Home-Festival auf Instagram anklicken, dort nämlich treten Cassia neben so vorzüglichen Acts wie AVEC, Some Sprouts, den Kytes und Umme Block auf - garantiert quarantänetauglich.



Dienstag, 31. März 2020

Pearl Jam: Die Wut von damals

Pearl Jam 
„Gigaton“
(Republic)

Ist das etwa undankbar? Oder anders: Was haben wir wohl erwartet, wenn Pearl Jam als die einzigen Überlebenden des Grunge der frühen 90er nach sieben Jahren noch einmal zum vermeintlich großen Wurf ansetzen? Nun, der Status dieser Band ist von einer Vitalität, dass man es fast mit der Angst zu tun bekommt – jedes ihrer bislang zehn Studioalben erreichte mindestens die Top Five der US-Charts, die Hälfte sprang sogar an die Spitze (was jetzt nicht zwingend etwas über deren Qualität aussagt, wohl aber über Erwartungshaltung und Treue der Anhängerschaft). Man darf wohl behaupten, dass Pearl Jam sowohl den Aufstieg als auch den Triumph des besagten Genres vorangetrieben haben, nicht wenige behaupten allerdings, als maßgebliche Galionsfiguren wären sie auch für die Kommerzialisierung und den Niedergang desselben verantwortlich. Zwei Schlagworte, die einem da sofort in den Sinn kommen: Cameron Crowe und Citizen Dick. Ersterer hat als Regisseur den damaligen Kinoerfolg des Grunge-Films „Singles“ zu verantworten, letzteres ist der Name der Band, in welcher Eddie Vedder, Jeff Ament und Stone Gossard, die drei maßgeblichen Pearl-Jam-Mitglieder, für den Streifen die Vorzeige-Slacker mimten. Einen Gefallen haben sie sich damit, zumindest in der Rückschau, nicht getan, die Behauptung, im Vergleich zu den ungleich kompromissloseren Nirvana wären Vedder und Kollegen nur Poser, wurde dadurch nicht wirklich entkräftet.



Vorurteile, größtenteils – sicher. Politisch integer waren Pearl Jam seit jeher, fehlende Leidenschaft konnte man ihnen (bis dato) ebenfalls kaum vorwerfen und dass eine unnachgiebige Haltung zwingend mit Selbstzerstörung – siehe Kurt Cobain – einhergehen muß, will nun auch niemand ernsthaft behaupten. Und trotzdem ist die neue Platte nicht weniger als eine Enttäuschung. Kein großer Wurf, giga sind an ihr nur die zu erwartenden Umsätze der nachfolgenden Stadiontour – was ist schiefgelaufen? Augen-(oder besser: ohren-)fällig gehen dem sonst so kraftstrotzdenden Quintett schon nach drei Songs die Wucht und die Ideen aus – „Who Ever Said“, „Superblood Wolfmoon“ und vor allem das (zugegebenermaßen) großartige „Dance Of The Clairvoyants“ starten mit viel Energie, markigen Riffs und eingeflochtenen Synth-Melodien, doch schon das folgende „Quick Escape“, ein recht konventioneller Rockfetzen, vermag dann aber das feine elektrische Gitarrensolo nicht mehr retten. Was folgt, ist müdes, nicht sonderlich inspiriertes Midtempo, mittelmäßige Americana, oldschool Bluesrock, Psychedelic, Balladen. Hier tritt einen nichts mehr in den Arsch (was doch in Zeiten wie diesen und in einem Heimatland wie dem ihren so bitter nötig gewesen wäre), Pearl Jam erscheinen vielmehr ideenlos und ob des großen Echos im Vorfeld vielleicht auch etwas selbstgefällig.



Und die Texte? Nun, auch da werden sie einerseits ihrer Rolle als Mahner, Proklamierer und politische Aktivisten gerecht. Erwartungsgemäß drehen sich die meisten Stücke um den besorgniserregenden Zustand des Planeten und die dürftige, weil verkümmerte Willensbildung daheim. Trump bekommt sein Fett weg (wenn auch in überschaubarem Maße), es wird viel gehofft und gebangt, in Frage gestellt und bezweifelt: „Focus on your focusness, don't allow for hopelessness, I've been hoping that our hope dies last. I don't know anything, I question everything, this life I love is going way too fast“ heißt es noch am Anfang, spätestens jedoch mit dem Doppel „Alright/Seven O’Clock“ kippt das Ganze in eine Art erbaulich-beschauliche Trostlosigkeit, die nur noch selten gebrochen wird, von der Wut früher Tage – Anlass genug gäbe es ja – ist nicht mehr viel zu hören. Ganz am Schluß wie zum Beweis ein paar dramatische Chöre, die sehnsüchtige Tagträumerei von „River Cross“ ergeht sich in düsteren Bildern. Gut gemeint das alles, gut gemacht ist es nicht, gefälliger Mainstream mit allzu vorhersehbaren Botschaften. Den Kampf gegen das etablierte System werden andere, jüngere ausfechten müssen, dieses Album holt niemanden von der Couch.

23.06.  Frankfurt, Festhalle
25.06.  Berlin, Waldbühne
07.07.  Wien, Stadthalle
17.07.  Zürich, Hallenstadion

GLOWS: Parallelen und Überraschungen

Die Musik dieser Tage wird ja, noch mehr als sonst, in Schlaf- und Wohnzimmern, in Hobbykellern und Privatstudios aufgenommen, Quarantäne, Isolation, solche Dinge. Da passt es ganz gut, dass dieser junge Mann hier namens GLOWS oder auch GG Skips gerade mit "Easy" einen neuen Track geteilt hat, der eben aus diesem Arbeitsumfeld kommen muß (wohl auch zu normalen Zeiten). Die Netzplattform DIY kürte den jungen Londoner dann auch gleich zum aufstrebenden Star und nicht nur uns fallen bei diesen Klängen wahrscheinlich The XX ein und ihr Mastermind Jamie "XX" Smith ein. Denn auch GLOWS ist neben seiner Solorolle Teil einer Band, nämlich der Post-Punk-Kapelle Sorry, ebenfalls aus der englischen Hauptstadt. Mit etwas Ausdauer findet man von ihm im Netz eine größere Anzahl an Songs, Remixen und Compilationen, wir geben hier neben dem recht aktuellen "Turn Fast" noch die Debüt-EP "J.L. Hooker Love Pleasure Forever" (2019) dazu. Sehr unterhaltsam im Übrigen ein Interview, das er mit Fred Perry geführt hat, dort outet er sich überraschenderweise als leidenschaftlicher Anhänger von Jerry Garcia ergo Dead Head.





Spector: Kein Grund zur Beschwerde

Ein neuen, letzten Song haben die überaus verehrten Spector aus London gerade von ihrer EP "Extended Play" veröffentlicht. Schon im vergangenen Jahr haben wir an gleicher Stelle die Stücke "Simplicity", "Half Life" und "I Won't Wait" vorgestellt, nun also abschließend noch "When Did We Get So Normal?". Der Song ist, nicht ganz so überraschend, schon einige Zeit im Kasten und Sänger Fred Macpherson hat deshalb ein paar erläuternde Sätze dazu ergänzt: "In diesen ungewöhnlichen Zeiten fühlt es sich merkwürdig an, einen Song namens 'When Did We Get So Normal?' zu bringen. Wir haben ihn geschrieben, als sich vieles in unserem Leben ein wenig zu oft wiederholte und zu routinemäßig ablief, was jetzt schon wieder sehr lange her ist. Wir haben viel zu viel Zeit mit den gleichen Menschen verbracht, langweilten uns, waren genervt davon, immer die gleichen Dinge wie alle anderen zu sehen, zu hören und zu essen, in den Spiegel zu schauen und zu erkennen, dass das eigene Leben nicht mehr das Abenteuer ist, nach dem es sich einst anfühlte", sagt er einem Musikmagazin, "Aber ich schätze, wir sitzen jetzt alle im selben Boot. Sogar die sexy und interessanten Menschen bleiben zu Hause, schauen fern und warten auf Pakete, also ist es vielleicht ein guter Soundtrack für die neue Normalität. Ich werde mich nie wieder über Cornwall beschweren."

Sonntag, 29. März 2020

Egyptian Blue: Erneute Signale

Da sind sie also wieder: Die Post-Punk-Band Egyptian Blue aus Brighton haben wir hier im vergangenen Jahr mit ihrer Debüt-EP "Collateral Damage" schon präsentieren dürfen, nun schicken sie sich an, den Nachfolger, ebenfalls eine 12", ins Rennen zu schicken. "Body Of Itch", so der Name, wird am 10. April wieder bei Yala! Records erscheinen, darauf enthalten neben dem im Februar veröffentlichten Stück "Never" auch der aktuell geteilte Song "Nylon Wire".



Dua Lipa: Kontext, Baby!

Drei fixe Gedanken zum allgemeinen Gemecker über den Erfolg des neuen Albums "Future Nostalgia" von Dua Lipa: Was, wenn uns die Biografie der gebürtigen Londonerin, deren Eltern aus Priština im Kosovo stammen, als Schulbeispiel europäischer Integration dienen würde, noch dazu in einer Zeit, da sich ihr jetziges Heimatland gerade alle Mühe gibt, dieses Europa mitsamt seiner zwiegespaltenen Bevölkerung auf schnellstem Wege zu verlassen? Was, wenn ihr offensiver Umgang mit der eigenen Sexualität (frivol sagt man je heute wohl nicht mehr) ihre Art von feministischem Ansatz ist? Meint: Wenn du das nicht erträgst, Junge, was sich männliche Kollegen wie Bieber oder Timberlake unreflektiert und unkritisiert nehmen dürfen, dann läuft da ganz gewaltig etwas schief! Klar ist das alles sehr Spears, sehr Aguilera, sehr Lopez - aber: Kontext, Baby! Und überhaupt: Wenn die halbwüchsigen Töchter bei den ersten Tönen von „Physical“ wie auf Knopfdruck jubelnd zum coronabedingten Hausaufgaben-Workout das Arbeitszimmer stürmen, dann ahnt man, warum dieser Song, warum die ganze Platte, obschon ein recht simpel gestrickter Gegenentwurf zur Hl. Billie, so gut funktioniert. Deshalb hier noch mal im Schnelldurchlauf ...





Torres: Seltener Fund

Den allgemeinen Umständen geschuldet, gibt es derzeit ja eine Unmenge an Veröffentlichungen, die Künstler in der selbstverordneten Quaratäne mit dem Equipment fabrizieren, dass ihnen in den eigenen vier Wänden zur Verfügung steht - die Vielzahl an Musikpodcasts, Isolation-Sessions und Badezimmerkonzerten ist so unübersichtlich wie qualitativ oftmals höchst fragwürdig. Wie wohltuend deshalb, wenn man aus der Flut an Material ab und an mal eine kleine Perle herausfischen kann. Dass Geoff Barrow, streitlustiges Mitglied von Portishead, kaum etwas auf der Welt so sehr hasst wie den seiner Band zugeschriebenen Begriff Trip-Hop, weiß, wer ihm in den sozialen Netzwerken folgt. Wie er dagegen die Interpretation von "Wandering Star", einem der bekanntesten Tracks vom Debütalbum "Dummy" aus dem Jahr 1994, eingespielt von der amerikanischen Songwriterin Mackenzie Scott alias Torres, findet, ist noch nicht bekannt. Die Künstlerin aus Orlando/Florida, gerade mit ihrem Album "Silver Tongue" erfolgreich und tourtechnisch durch das Virus ausgebremst, hat ihre Version des Stückes gerade geteilt - wir finden: durchaus gelungen.

Samstag, 28. März 2020

Danube: Schwierige Umstände

Von Stella Lindner aka. Danube gab es hier ja im Januar mit "Touch Mahal" schon etwas zu hören - ein paar Tage her also und unter den gegebenen Umständen gefühlt eine komplett andere Zeit. Davon abgesehen aber (insofern das geht) präsentiert sich die Künstlerin auf ihrer neuen Single "Sense Is Where You Find It" deutlich introspektiver, dunkler. Lindner selbst sagt, es wäre das, was man einen Herzbruch-Song nennt, sechs Minuten mit sanften Percussions und sphärischer Elektronik und auch die erinnern wieder an eines ihrer Lieblingsreiseziele Indien. Unterstützt hat sie erneut Tobias Siebert, aufgenommen wurde im Studio von Radio Buellebrueck in Berlin. Wie man bei Facebook lesen kann, sind die Zeiten für sie und ihre Familie auch persönlich keine einfachen - sobald es die Umstände erlauben, wird es in diesem Jahr dann auch mehr von Danube zu hören geben.

Home Counties: Ansichten zur Stadtentwicklung

Zur Abwechslung mal wieder ganz was Frisches - diese fünf jungen Herren kommen aus Bristol und hören auf den Namen Home Counties. Und haben gerade mit "Redevelopment" einen ersten Song online gestellt, der mit seinen knapp drei Minuten in bester englischer Post-Punk-Tradition drauf los poltert. Zur Band zählen neben Sänger und Gitarrist Will Harrison noch Conor Kearney (auch Gitarre), Barn Peiser Pepin an den Keys, Bassist Sam Woodroffe und Drummer Dan Hearn. Der Song selbst ist ein Statement zur allgegenwärtigen Gentrifizierung, Harrison meint dazu: "Die erste Hälfte des Songs spiegelt die Sichtweise der Sanierer aus den 60er Jahren wieder, während die zweite den Umstand betrachtet, dass überall modernistische Gebäude abgerissen und durch mondänere Luxuswohnungen ersetzt werden. Wir wollen zeigen, dass diese Ideen von Nostalgie, städtischem Verfall und Fortschritt in Zyklen auftreten, es soll auch eine Empfehlung sein, mit den Argumenten gegen die Sanierung ebenso vorsichtig umzugehen wie mit denen für sie."

Freitag, 27. März 2020

Silk Mob: Elegant im Nebel

Und auch hier die Wahl, zwischen der Neuen von Haftbefehl und der etwas entspannteren Variante: Das deutsch-österreichische Joint Venture (rockistisch: Supergroup) mit dem Namen Silk Mob hat heute sein gleichnamiges Album veröffentlicht und weil das so unglaublich smoothe Mucke ist, die da aus dem Nebel (Trockeneis? Haha!) federt, gibt es hier zumindest mal einen kurzen Überblick über die bislang erschienenen Tracks von Donvtello, Opti Mane, Jamin, Lex Lugner und Fid Mella. Als da wären "Fenster auf", "Heute Ned", der sagenhafte "Bademantel" und die aktuelle Single "Belvedere". Quarantäne-Tunes, sagen sie. Könnte stimmen.







Kalipo vs. Local Suicide: Tanzbefehl

Tja, wo anfangen heute? Beim ollen Bob Dylan? Och nö, auch schön, Sensation, na klar, aber so richtig zum Ausschütteln ist das jetzt nix. Und eigentlich ist der Freitag ja ein Tanztag und da passt es ganz gut, dass unsere Freunde von Audiolith just heute über ihr Sublabel Hold Your Ground einen richtigen Banger an den Start bringen: Jakob Häglsperger, besser bekannt unter seinem Pseudonym Kalipo und an den Reglern für die Frittenbude, Ira Atari und Fuck Art, Let's Dance äußerst kompetent zu Gange, hat sich wiederholt mit dem griechischen/deutschen Duo Local Suicide zusammengetan und eine EP mit dem Namen "Wunderbar/Zig Zag" aufgenommen, die reichlich Remixmaterial dieser beiden Tracks enthält - einen Vorgeschmack davon gibt es hier schon mal zu hören, der Rest dann am 9. April beim Dealer des Vertrauens. Wer auf den Geschmack gekommen ist, darf sich bei Soundcloud übrigens auch noch die letzte 12" der drei "Dominator" anhören.





Donnerstag, 26. März 2020

RVG: Getrennte Wege [Update]

Da ist keine Parallelität zu erkennen, auch wenn die Gelegenheit günstig wäre: Unsere Bloglieblinge Sleaford Mods touren Anfang März erstmals durch Down Under - für die Fliegerei und/oder die Autostrecken beneiden wir sie nicht, beim Rest wären wir aber doch gern dabei. Auf den letzten Terminen in Deutschland wurden Jason Williamson und Andrew Fearn bekanntlich von der tollen australischen Band RVG begleitet, die Romy Vager Group stellte bei der Gelegenheit ihr Debüt "A Quality Of Mercy" vor und gewann dafür und vor allem für die beeindruckende Intensität ihrer Liveshows viele neue Anhänger. Nun kündigt die Band das Nachfolgealbum "Feral" an, am 24. April wird die Platte bei Fire Records erscheinen, produziert wurde sie laut Brooklyn Vegan von Victor Van Vugt, der auch schon PJ Harvey, Nick Cave und Robert Forster im Studio betreute. Mit "I Used To Love You" gibt es auch schon eine erste Single vorab, das sparsam inszenierte Video leitet die Aufmerksamkeit ganz auf Vagers Person bzw. Stimme und stammt von Tom Campbell. Die Tourtermine von RVG und den Sleaford Mods, damit zurück zum Einstieg, sind übrigens selten deckungsgleich, ein Support wird diesmal also nur schwer möglich sein.

Update: Mit einer Video zwischen Schlachterei und Horrorshow kommen uns RVG bei ihrer nächsten Single "Christian Neurosurgeon", wobei es hier weniger um die christlichen Wurzeln der Chirurgie geht, sondern eher um unsere Überlebensstrategien geht und wie wir mit ihnen umgehen in schwierigen Zeiten - sagt jedenfalls Sängerin Romy Vager.





Glass Animals: Hören und warten

Sie machen es wirklich spannend: Die Glass Animals aus dem britischen Oxford stehen für innovative Tanzmusik, derzeit zieren sie sich aber ein wenig mit der Bekanntgabe für ihr neues, drittes Album. Hatten wir im Dezember vergangenen Jahres mit "Tokyo Drifting" ihre erste Singleveröffentlichung seit "Pork Soda" aus 2017 gefeiert, an der ja auch Denzel Curry mitwirkte, gibt es jetzt den nächsten Dancetrack, diesmal ganz im Stile der 2000er (The Neptunes, Timbaland, Timberlake, etc.) - "Your Love (Déjà Vu)" macht noch mehr Appetit, aber weiterführende Informationen sind rare Ware. Auch in puncto Liveauftritte wird noch geknausert, ein paar Festivals, doch in Deutschland ist vorerst noch nichts geplant. Heißt: Hören und weiterwarten.

Run The Jewels: Heraus mit Gebrüll [Update]

Untätig waren diese beiden Herren in den letzten Jahren gewiss nicht - das widerspräche auch dem Grundverständnis ihres Jobs, und der ist in eben jenen Jahren nicht weniger politisch und deshalb nicht weniger dringlich geworden: Run The Jewels, also Killer Mike und El-P, zählen im US-amerikanischen Hip-Hop zu den ganz gewichtigen Stimmen, vor allem mit ihrer Meinung zum grassierenden Rassismus-Problem ihres Heimatlandes, also auch dem von Donald Trump befeuerten Unsinnsprinzip der white supremacy, halten sie nicht hinterm Berg - viel zu tun also. Um so erfreulicher, dass diese Beschäftigung auch in ein neues Album zu münden scheint - der Nachfolger von "RTJ3", erschienen im Dezember 2016, soll noch in diesem Jahr anstehen (mit dabei übrigens wieder Produzent Rick Rubin) und gerade haben die beiden einen mutmaßlich ersten Track davon mit dem Titel "The Yankee And The Brave" geteilt. Krasser Stoff mit ganz viel Wumms, es hätte nicht viel besser beginnen können.

Update: "Ooh LA LA" ist der nächste fette Track, gebastelt zusammen mit DJ Premier und Greg Nice.





Mittwoch, 25. März 2020

Baxter Dury: Blood, Sweat and Tears

Baxter Dury
„The Night Chancers“
(PIAS/Rough Trade)

Über die charmante Tatsache, dass sich Baxter Dury trotz seiner unleugbar britischen Herkunft mit seiner Musik eher der Zugehörigkeit zur französischen Bohéme verdächtig macht und ihm mit Serge Gainsbourg auch gleich das passende Role Model parat steht, wurde (auch hier) schon viel geschrieben. Anlass dazu gab spätestens die Veröffentlichung seines letzten Albums „Prince Of Tears“ im Herbst 2017 – ändern tut sich daran auch mit der neuen Platte nichts. Ganz im Gegenteil, Dury geht den eingeschlagenen Weg mit der lässigen Eleganz eines gefallenen Dandys entschlossen und konsequent weiter. Er, dem nach eigener Aussage die glattpolierten, oberflächlichen Lebensläufe vieler seiner Mitmenschen ein langweiliger Graus sind („I can only really talk about the confusion and the fog“/CLASH), lässt in seinen Liedern gern auf die Abgründe und seelischen Verwerfungen blicken, die unsere ach so moderne und aufgeklärte Gesellschaft hervorbringt – an den Rändern, in den Graubereichen, mit all den Verlockungen, die Anonymität, grenzenlose Selbstverwirklichung und sexuelle Promiskuität mit sich bringen. Seine Protagonisten sind auch auf „The Night Chancers“ nicht selten Gestrandete, Zweifelnde, Suchende, süchtig nach Anerkennung, Liebe und bereit, Grenzen zu überschreiten, wenn es gilt, die Neugier zu befriedigen und die innere Leere zu verdrängen.



Üble Gestalten auch, Stalker, „Slumlords“, gemeines Lachen, böse Gedanken, dreckige Fantasien, all das ist ihm nicht fremd und uns Zuhörern wäre es das auch nicht, wenn wir den dunklen Teil unseres Egos nicht so häufig verleugnen würden. Dury braucht diese verkrachten Existenzen, sie sind für seine Arbeit als Künstler unabdingbar: „All der versteckte Schmerz, der Schweiß, die Tränen - was auch immer. Man assoziiert etwas damit, man riecht es, man kann es fühlen. Es steckt eine echte Emotion hinter all dem“, meint er in besagtem Interview, trotzdem: „Ich bin ziemlich emotional. Aber ich bin kein Arschloch." Die Musik dazu gibt den spannenden Gegenpart, die schwelgerischen Chöre, die Streicher, die jazzigen Arrangements, der gebremste Funk, alles sehr warm, gefühlvoll, geschmeidig. Neben dem großen Franzosen kommen einem wieder und wieder Cave und Ferry in den Sinn, allerdings wird aus Dury im Vergleich zu diesen im Leben kein Sänger mehr, er beschränkt sich eher auf schnoddrige Rezitative oder verkappte Raps, was ohnehin besser zu seinem leicht demolierten Äußeren passt. Eine Nachtplatte, eine von der Schattenseite des Lebens. Und deshalb nicht gering zu schätzen.

04.05.  Hamburg, Mojo Club
05.05.  Berlin, Kesselhaus Kulturbrauerei
06.05.  Köln, Gebäude 9

Working Men's Club: Work in Progress

Man kann solche Musik gerade nicht hören, ohne an den gestrigen Tag und dessen bestimmende Nachricht zu denken - den viel zu frühen Tod von Gabi Delgado. Was DAF Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre angeschoben haben, gilt ja nicht zu Unrecht als die Urform des Techno und darüberhinaus als Mater für nachfolgende EBM-, Post-Punk- und Synthpop-Formationen. So auch den Working Men's Club, eine vierköpfige Band aus dem englischen Königreich. Der Tip für deren neuen Song "A.A.A.A." stammt von den Perlentauchern des Netzradios BYTE FM, wir hatten Sydney Minsky-Sargeant, Giulia Bonometti, Jake Bogacki und Liam Ogburn allerdings auch schon im vergangenen Jahr wegen ihrer Single "Teeth" kurz gestreift - schon damals waren sie das, was man jugendliche Agitatoren nennt. Die Lyrics erinnern in ihrer plakativen Kürze etwas an die Kolleg*innen von Chumbawamba, der Sound eher an Liasons Dangereuses oder eben DAF. Eine ältere Single legen wir noch dazu, im Februar schon erschien "White Rooms And People" - am 6. Juni soll bei Heavenly Recordings das selbstbetitelte Debüt erscheinen.



Bright Eyes: Nach all den Jahren

Fast wollte man es nicht glauben, aber ein Blick in die eigenen Bücher bestätigt es: Ganze neun Jahre ist es her, da die Bright Eyes ihr letztes Album "The People's Key" veröffentlicht haben und nicht zu Unrecht gab es hier damals große Lobeshymnen. Danach war vom Bandleader Conor Oberst reichlich Solomaterial zu hören, mit seiner Band allerdings hielt er sich lange zurück. Das ist nun vorbei, alle internen Konflikte, die zwischenzeitlich fast zur Auflösung führten, sollen beigelegt sein und nach dem Wechsel zum Label Dead Oceans ist mit dem Song "Persona Non Grata" nun auch neues Material zu haben. Das Stück entstammt nach offizieller Verlautbarung zwar noch keinem Album, sondern einer aktuellen Studiosession, aber wir dürfen wohl davon ausgehen, dass den Tourplänen auch bald handfeste Fakten zur nächsten Platte folgen werden - einen kleinen Brief an die Fans haben sie (siehe unten) jedenfalls schon mal geschrieben.

18.08.  Hamburg, Große Freiheit 36
21.08.  Berlin, Tempodrom
22.08.  Frankfurt, Batschkapp
25.08.  Köln, E-Werk
27.08.  Wien, Arena
28.08.  München, Muffathalle
29.08.  Zürich, Xtra



Rosalía: Dunkle Zeilen, dunkle Zeiten

Planbar ist momentan ja fast nichts, da hilft auch der tägliche, sehnsüchtige Blick bei Songkick nicht weiter. Eine Tour von Rosalía jedenfalls wird nicht nur hierzulande dringend erwartet und herbeigewünscht, wenigstens gibt es heute mit "Dolerme" mal wieder einen neuen Song, nachdem schon die letzten, also "Juro Que" und "A Palé" auf Dauerrotation liefen. Das Stück handelt vom Schmerz, den Liebe und vor allem die Zurückweisung auslösen können, von den Verwünschungen, Rachegelüsten und inneren Kämpfen. Düstere Zeilen für düstere Zeiten, die Hinweise auf der Zeichnung des Covers tun ein übriges dazu.





Nadine Shah: Alles, was sie nicht will [Update]

Wenn diese Frau ein neues Album ankündigt, darf sich mancher schon mal warm anziehen. Ein Satz, bei dem man ohne Gender-Sternchen auskommt, denn Nadine Shah ist eine ausgewiesene Feministin und es ist damit zu rechnen, dass gerade die Männer auch auf "Kitchen Sink", ihrer vierten Studioplatte nach "Holiday Destination", ihr verdientes Fett wegbekommen. Und eigentlich passiert das gleich vom Start weg, denn die erste Single "Ladies For Babies" geht sogleich zur Sache - in den Linernotes gibt sie zu Protokoll:

"Mein Bruder hat, als er jünger war, mal eine Bemerkung über Sexismus gemacht, er malte ein Bild von einem Mann, der eine Ziege umarmt, und dazu den Satz: 'Frauen für die Babys, Ziegen für die Liebe...'. Das blieb immer bei mir haften, wohl, weil es sich so dumm anhörte, aber vor allem, weil ich schon damals genau wußte, was damit gemeint war und welche Absicht dahintersteckte" und weiter: "Ich dachte auch an viele der Lieder, die ich damals gehört hätte, Lieder, die ich ohne Nachzudenken mitsang, ohne deren Bedeutung zu hinterfragen. 'Ladies for Babies' ist eine direkte Antwort auf 'All That She Wants' von Ace of Base. Ich habe einfach das Geschlecht vertauscht und mache mich über einen Ehemann lustig, der von mir als Ehefrau nichts anderes erwartet, als sein Kind auszutragen und die Rolle der gehorsamen, unterwürfigen Trophäenfrau zu spielen."

08.05.  Berlin, Pitchfork Festival

Update: Auch zur neuen Single "Trad" von Nadine Shah gibt es Erhellendes und Interessantes zu hören, nicht nur den Song selbst, sonder auch ein paar Einlassungen (gefunden bei DIY) zu diesem Stück und der Entstehungsgeschichte des Albums im Allgemeinen:

"Mein gesamter Freundeskreis, also die Frauen, mit denen ich aufgewachsen bin, hat jetzt Kinder. Ich habe miterlebt, wie einige der größten Idioten (nur als Scherz!) zu den erstaunlichsten Müttern wurden. Ich freue mich, bin richtig glücklich für sie. Ich mache mir Sorgen um sie, wenn sie an sich selbst zweifeln, und bin für sie da, um sie zu unterstützen, wenn sie mich brauchen. Ich bin stolz auf sie. Aber du kommst nicht umhin, ihre Situation mit der deiner zu vergleichen, und das ist es, was viele mich und viele meiner Freundinnen in unseren jetzt Jahren empfinden. Diesen Druck. Für das Album habe ich mit so vielen Frauen gesprochen. Frauen, die Kinder haben wollen und körperlich nicht können, Frauen, die körperlich können, aber sich dagegen entscheiden, ganz verschiedene Szenarien also. Meine gute Freundin, eine Frau in den späten 50er Jahren, hat sich entschieden, keine Kinder zu bekommen, und sie ist nach wie vor eine meiner Lieblingsmusikerinnen und die jugendlichste, lebendigste Person, die ich kenne. Ihre Geschichte ist auch auf diesem Album enthalten. Im Wesentlichen schreibe ich über Frauen, die ich einfach liebe. Die neuen Mütter, die Rockstars, die, die an sich selbst zweifeln und unsere Unterstützung brauchen, die, die krank sind, aber eine unbeschreibliche Stärke zeigen. Es gibt Muster und Traditionen, die vor Jahren festgelegt wurden, wie unser Leben als Frau sein sollte, und genau das hat sich jetzt völlig verändert, und ich bin so stolz darauf, eine Frau zu sein und von noch größeren umgeben zu sein".





Dienstag, 24. März 2020

Squid: Schräg und funky

Kann sich noch wer an die Topfpflanzen und Tennisschläger aus dem letzten Jahr erinnern? Nö? Schon zu lang her wohl. Jetzt, da alles zur Ruhe kommt, wäre es mal wieder an der Zeit, in den alten Posts zu kramen, dann nämlich kommen auch Squid zum Vorschein. 2019 haben die fünf Herren aus London nämlich ihre EP "Town Centre" veröffentlicht, Erstkontakt hatten sie hier mit dem Song "Houseplants" und einem schönen Sportfoto. Mittlerweile ist das Quintett zum Label Warp Records gewechselt und hat dort einen neuen Track mit dem Titel "Sludge" veröffentlicht - schön schräg, aber trotzdem funky und lässig. Wird sicher bald mehr zu hören sein, wir packen als Zugabe noch "Match Bet" aus dem vergangenen Sommer dazu. War ja auch ne schöne Zeit damals...





Muzz: Neues vom Ruhelosen [Update]

Neues aus New York City von einem, der noch nie lange stillhalten konnte: Paul Banks, Sänger der Kapelle Interpol, hat ja nun wahrlich schon vieles versucht, neben seinem Brotjob als Bandleader tat er sich durch diverse Soloarbeiten hervor (manche unter seinem Klarnamen, andere als Julian Plenti), veröffentlichte seine nicht ganz so heimlichen musikalischen Vorlieben auf Mixtapes und kollaborierte überraschend stimmig mit dem Wu-Tang-Member RZA als Banks And Steelz. Das reicht aber offenbar nicht, denn gerade hat der Mann die Gründung einer weiteren Band namens Muzz bekanntgegeben, mit dabei Matt Barrick (The Walkmen, Fleet Foxes) und Josh Kaufman (Bonny Light Horseman, Day Of The Dead). Eine erste Single steht mit "Bad Feeling" schon parat - stilistisch weit weniger dramatisch als Interpol, eher klassischer, zurückhaltender LoFi-Rock mit Jazzeinflüssen - über weitere Pläne ist vorerst aber noch nichts bekannt.

Update: Fast schon kontemplativ, in jedem Falle psychedelisch - die neue Single "Broken Tambourine" mit schönem Weltraumvideo von Griffin Frazen.







Montag, 23. März 2020

Less Win: Spezialitäten

In manche Meldungen verirren sich Dinge, die man dort nie vermutet hätte,. Und diese unverhofften Nebensächlichkeiten sorgen dann dafür, dass man doch etwas genauer hinschaut. Oder hört. Post-Punk aus Kopenhagen, Dänemark ist jetzt per se mal keine Sensation. Das Trio Less Win darf sich aber trotzdem der Aufmerksamkeit sicher sein. Denn im Waschzettel zu ihrem gerade angekündigten dritten Album "Given Light" (VÖ 17. April bei The Big Oil Recording Company) steht unter anderem, dass sich die Band darauf neben dem Art-Rock auch dem Flamenco widmet. Flamenco!? Nicht ganz das übliche, möchte man meinen. Gitarrist Casper Morilla, der seiner Profession auch noch bei der etwas bekannteren Kapelle Iceage, ebenfalls Kopenhagen, nachgeht, hat sich einige Jahre mit dem traditionellen andalusischen Tanz beschäftigt und sieht in dieser speziellen Ausrichtung eine Möglichkeit, Gefühle und Geschichten besser vermitteln zu können. Der Bezug zu Spanien äußert sich übrigens auch im Namen des Albums, denn der dient dort als Umschreibung für die Geburt. Wie sich das alles dann anhört, wissen wir bislang noch nicht so ganz, auf den beiden ersten Platten ("GREAT" 2011 und "TRUST" 2016) ist dieser spezielle Bezug noch nicht zu hören und auch bei den Vorabsingles "Root And Branch" und "The Hanging" sucht man danach noch vergebens. Zu den dazugehörigen Videos von Kasper Troels Norregaard gibt es nebenbei auch noch eine Besonderheit - sie zeigen ausschließlich die Gesichter der Bandmitglieder, Vorbild sollen hierfür die sogenannten Screen Tests von Andy Warhol gewesen sein.





Sonntag, 22. März 2020

Leonie singt: Zu allen Zeiten

Leonie singt
„Horizont“
(Gutfeeling Records)

Es ist eben nur die halbe Wahrheit, dass derzeit alles von diesem doofen Virus überlagert wird und man deshalb über anderes nicht reden könne. Vielmehr scheint die Extremsituation, in der wir ausnahmslos alle stecken, das eher zu verstärken, worüber sich immer und jederzeit zu reden lohnt: Wo wollen wir hin? Was hoffen wir, dort zu finden? Wie sieht es mit unserer Mitmenschlichkeit, unserer Empathie, unserer Empfänglichkeit für die Nöte anderer aus? Wie gut kennen wir einander? Wie stark sind wir und reicht das, um durchzukommen? Fragen, die uns sonst im Unterbewusstsein eher leicht streifen, vielleicht auch ein wenig verunsichern, werden nun existenziell, drängend. Und bringen uns nicht selten aus dem Gleichgewicht.

Wir dürfen davon ausgehen, dass Leonie Felle von der dramatischen Zuspitzung unser aller Leben nichts ahnte, als sie die Lieder für ihr neues, zweites Album geschrieben hat, dennoch passen viele auf den zweiten Blick erstaunlich gut in die heutigen Tage. Dabei gehen die Gedanken nicht nur an die düsteren Zeilen des Eröffnungsstücks, die davon sprechen, dass es keinen Ausweg gibt. Der Titelsong kreist um die Ängste, die einen packen, wenn der Boden unter den Füßen zu schwanken beginnt, der Horizont kippt und wir den sicher geglaubten Halt verlieren. So abgeklärt, so klar hat in letzter Zeit noch selten jemand vom Zweifeln und möglichen Scheitern gesungen, Felle tut das in einer Klarheit und Bestimmtheit, die uns innehalten und staunen läßt.



Nicht zu Unrecht hat sie schon mit dem Debüt, auch dieses in einer Mischung aus deutschen und englischen Texten, auch hier stilistisch vielfältig zwischen Folk, Blues und klassischem Indierock, als weibliche Entsprechung des norddeutschen Grüblers und Grantlers Sven Regener (Element Of Crime) gegolten. Und auch ihre Band, bestehend aus Hagen Keller an Gitarre und Akkordeon, Bassist Jakob Egenrieder und Sascha Schwegeler an den Drums, musiziert auf ähnlich spielfreudige Art – wo dort die Trompete der Melancholie mächtig Vorschub leistet, übernimmt bei Leonie singt eine wunderbare Klarinette in Gastrolle die gleiche Funktion. Und wechselt sich wiederum mit schroffen Gitarren oder zarten Streichern ab, ganz danach, welcher Stimmung Felle gerade folgt.

Wir hören eindringliche Lieder über schwierige Momente und schwere Gedanken, die Zweisamkeit, Liebe oder Freundschaft auf den Prüfstand stellen („Wer weiß das schon“/ „Deine Reise“), trotzigen Eskapismus, in fast kindliche Wunschbilder verpackt („Stummer Fisch“). Lauschen ihren verstörenden Beobachtungen in kantigen Reimen, wenn der „Freund ohne Flügel“ lachend in die Tiefe stürzt und folgen ihr später bereitwillig Richtung „Schwarze Berge“, das Dunkel schleicht sich von hinten an, ist allgegenwärtig, unausweichlich. Und doch haben wir es selbst in der Hand, gibt sie uns eine wohlmeinende Empfehlung: „Halt deine Augen offen, such nach dem Licht“.



Es ist eine schöne Platte geworden. Die Wehmut ist zu greifen, aber sie erdrückt nicht, vieles klingt traurig, aber auch Charme und Witz kommen nicht zu kurz. Nicht alles gelingt perfekt, wie auch – das Cover von „I’ll Be Your Mirror“ wirkt seltsam gehetzt, das Weiche, mit dem Nicos Stimme im Original den Song von Velvet Underground prägt und trägt, vermisst man hier ganz. Wunderbar dagegen die zweite Neubearbeitung, so wie Felle Fugazis „I’m So Tired“ interpretiert, funktioniert das Stück und verliert nichts. Vor zwei Tagen hätte auf der Bühne des Münchner Kabaretts Heppel und Ettlich die offizielle Plattentaufe stattfinden sollen, doch der Konjunktiv hat dieser Tage die Regie übernommen und keiner weiß heute, wann das nachgeholt werden kann. Ein Trost bleibt derweil: Der Horizont daheim ist nur kleiner. Aber er bleibt sichtbar.

02.07.  Olching, Haus am See

Samstag, 21. März 2020

Warm Digits: Bunte Mischung

Okay, an Zeit, sich um neue Töne zu kümmern, mangelt es momentan nicht. Auch wenn sie gar nicht so neu sind, sondern einfach nur in den letzten Jahren an einem vorbeigesendet wurden. Andere Umlaufbahn also, doch in Zeiten der allgemeinen Entschleunigung findet eben vieles zueinander. So auch die Warm Digits, ein Krautrockduo, das je zur Hälfte aus Manchester und Newcastle-Upon-Tyne stammt und zwar in Person der beiden Soundtüftler Andrew Hodson und Steve Jefferis. Retro-futuristisch wird ihre Musik auch an verschiedener Stelle genannt, ein wenig Jazz, ein wenig Post-Punk, es gibt Gitarren, es gibt Discorhythmen und allerlei synthetisch Gelooptes. Klingt spannend, ist es auch. 2011 haben die beiden Herren ihr Debüt "Keep Warm ... With The Warm Digits" veröffentlicht, es folgten mit "Interchange" (2013) und "Wireless World" (2017) zwei weitere Alben - nun haben sie für den 3. April via Memphis Industries Studioplatte Nummer vier mit dem Titel "Flight Of Ideas" angekündigt. Und darauf findet sich eine erstaunlich große Schar an Gästen, neben Emma Pollock, The Lovely Eggs, Rozi Plain und The Orielles auch Paul Smith, Sänger der sattsam bekannten Indietruppe Maximo Park. Und weil wir etwas spät dran sind mit unserer Vorstellung, stehen es an dieser Stelle gleich vier Songs zur Vorstellung an - "The View From Nowhere Feat. Emma Pollock", "Feel The Panic Feat. The Lovely Eggs", "Fools Tomorrow" mit besagtem Paul Smith und das ganz aktuelle "Everyone Nervous Feat. Rozi Plain".









Billy Nomates: Gesamtkonzept [Update]

Es ist immer schön, einer Sache beim Werden zu zusehen. Natürlich nur, wenn es eine gute ist. Diese hier ist es definitiv: Die englische DIY-Künstlerin Billy Nomates hat sich im vergangenen Jahr einiges an Respekt verdient, weil sie sich in einem gemeinhin ziemlich roughen Ellebogen-Business mit ihrer Debütplatte "No" frech (und mit aller Berechtigung) nach vorn gedrängelt hat. Sie war sich nicht zu schade, über alle zur Verfügung stehenden Kanäle ihre Songs persönlich zu puschen - mittlerweile verfügt sie mit dem Label Invada Records von Geoff Barrow und Bands wie Beak und den Sleaford Mods über eine Reihe gewichtiger Fürsprecher und so dürfte die Veröffentlichung des ersten offiziellen Videoclips zum Titeltrack "No" eigentlich ein Selbstläufer werden. Okay, Selbstläufer sind solche Sachen nie und es wäre ja auch zu schade, schließlich sind genau diese, ihre Bemühungen ja Teil der sympathischen Attitüde, von den wütenden Texten und trockenen Beats einmal ganz zu schweigen.

Update: Aus der Menge an Quarantäne-Sessions und Isolation-Shows ragt diese hier definitiv heraus. Warum? Nun, weil es Billy Nomates ist. Und die stellt auf engstem Raum drei Songs ihres zukünftigen Albums vor, als da wären "Call In Sick", "No" und "Mudslinger". Aufstellen und mitmachen - besser als jede Aerobicsause, wird man klar im Kopf von.



Freitag, 20. März 2020

PAAR: Ohne Verluste

PAAR
"Die Notwendigkeit der Notwendigkeit"

(Grzegorzki Records)

Fast hätten wir vergessen, wie gut sie wirklich sind: Das Münchner Post-Punk-Trio PAAR, zuletzt mit dem Video zum Song "CRACK" von ihrer EP "HONE" in Erscheinung getreten, gehört zu jener Sorte Bands, die die Geduld ihrer Fans stets auf eine harte Probe stellen. Weil sie sich sehr viel Zeit nehmen für die Dinge, mit denen sie in die Öffentlichkeit gehen (auch der Clip zu "SYN" brauchte gefühlt Monate, ehe er sich aus dem Dunkel der Postproduktion wagte), wogegen nichts zu sagen ist, weil diese Dinge dann eben auch bemerkenswert gut gelingen. Ein Teufelskreis. Keine wirkliche Überraschung also, dass auch das Debütalbum lange auf sich warten ließ - und durchweg überzeugt. Die musikalischen Vorlieben von Sängerin Ly Nguyen, Rico Sperl (Bass, Electronics) und Matthias Zimmermann an der Gitarre liegen bekanntlich eher im Halbschatten - der Sound von PAAR kommt als Mischung aus Cold Wave, Gothrock, Shoegazing und Post-Punk daher und klingt dabei weiterhin dicht, hochmelodisch und sehr intensiv.

Wie der dunkel rollende Bass bei "Beauty Needs Witness" den Bau der wuchtigen Wall of Sound vorantreibt, sich aus den zerklüfteten Synth-Texturen in "Rework" wunderbare Gitarrenakkorde schälen, kurz darauf bei "Modern" verzerrte Riffs gemeinsam mit dem Gastgesang von Thomas Schamann alias Grotto Terrazza marschieren, das ist schon beeindruckend. PAAR gelten ja als leidenschaftliche Live-Band (was sie in Zeiten wie den jetzigen leider besonders hart trifft), dass sie die Energie ihrer Stücke ohne nennenswerten Verlust in die Aufnahmen gepackt bekommen, ist gewiss nicht alltäglich und sollte auch dem Produzenten Andor Bencze einigen Lorbeer einbringen. Denn obwohl auch für die restlichen Tracks des Albums die Pegel am Anschlag bleiben, geht hier nichts von Stimmung und Charakteristik der Stilmittel verloren - besonders "Metal" mit seinen frostigen Industrialklängen, die sich recht bald zur wilden Gitarrenjagd wandeln, sticht da hervor. Nach gut einer halben Stunde ist alles vorbei - und wir werden wieder warten müssen. Gelohnt hat sich's (auch hier) allemal. www.paarmusic.com

22.03.  München, Milla (Termin verschoben)
18.09.  Regensburg, Kulturzentrum Alte Mälzerei
07.12.  München, Rote Sonne

The Radio Dept.: Neues wagen [Update]

Auf ein neues Album zu hoffen wäre an dieser Stelle noch etwas übertrieben: Die schwedischen The Radio Dept. haben gerade einen neuen Song veröffentlicht - "The Absence Of Birds" ist ein verträumtes Stück - es geht, nicht schwer zu erraten, um Verlust, aber auch ums Neuanfagen, Wagen. Laut einem Statement von Johan Duncanson und Martin Carlberg ist im Laufe des Jahres mit weiterem Material zu rechnen, unklar ist allerdings, in welchem Format die Stücke in den Verkauf gehen werden, eine ganze Studioplatte wie die letzte "Running Out Of Love" (2016) ist nur eine Option unter vielen.

Update: Noch einmal neues Material aus Schweden - The Radio Dept. schicken der ersten Single mit "You Fear The Wrong Thing Baby" eine weitere hinterher. In der Pressmitteilung dazu heißt es: "When we recorded the song we had no idea what was coming. The text is against conservatism and a tribute to youth as a progressive force." Wie schnell sich doch die Zeiten ändern ...





Mittwoch, 18. März 2020

My Ugly Clementine: Gegenstücke

My Ugly Clementine
"Vitamin C"

(Ink Music)

Es gibt tatsächlich immer noch Menschen (fast ausschließlich männlichen Geschlechts), die behaupten, die weibliche Physis würde einer Qualifikation zur klassischen Rockmusikerin, also an Drums, Bass oder Gitarre, im Wege stehen. Klingt absurd bis doof, ist aber traurige Realität. Ganz so, als hätten es Künstlerinnen oder Bands wie Hole, The Breeders oder Liz Phair nicht schon vor Zeiten zu beachtlichem Ruhm geschafft. Drei Namen nur als kleinstmögliche Schnittmenge, doch auch diese stehen hier nicht ohne Grund, gehören sie doch zu den möglichen Vorbildern der Wiener All-Girl-Kapelle My Ugly Clementine. Als Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs, Kathrin Kolleritsch und Nastasja Ronck 2019 mit der Single "Never Be Yours" ihre Zusammenarbeit ankündigten, war die Resonanz nicht weniger als euphorisch, schließlich waren und sind die vier bis dato in höchst unterschiedlichen Projekten erfolgreich und die Chance, dass dem doch recht maskulin geprägten Austro-Rock-Revival endlich ein feminines Gegenstück erwachsen könnte, schien nur allzu verlockend. Spätestens heute und in Kenntnis dieser ersten Platte wissen wir, dass die Erwartungen keineswegs zu hoch gesteckt waren. Denn "Vitamin C" klingt als Debüt erfreulich frisch und lässig (wie man es eben aus Österreich derzeit erwarten kann) und hat dabei zu gleichen Teilen Witz und Kampfgeist zu bieten.



Schon der Opener "Playground" kommt als humorvolle bis sarkastische Nummer daher, zu grungigen Gitarren gibt's allerlei Seitenhiebe in Richtung überkommener Vorurteile und blöder Gemeinheiten, unter denen die Sache mit den kleinen Händen leider nur eine von vielen ist. Der Song gibt, wen wundert's bei der Besetzung, thematisch die Richtung vor - Empowerment, Gleichberechtigung, weibliches Selbstverständnis, Schlagworte, die auf jeden der zehn Songs verweisen, selbst wenn sie von scheinbar so banalen Dingen wie Freundschaft, überzogenen Erwartungen oder enttäuschter Liebe handeln. Der Sound dazu ist angenehm wandelbar, vom geschmeidigen Popsong über Blues- und Alternative-Rock bis hin zu Post-Punk-Anklängen ist eigentlich alles dabei, da werden mal schnell die Sugababes zitiert und an anderer Stellen fallen einem die wunderbaren Shangri-La's ein - weiß Gott nicht die schlechtesten Referenzen. Wer sich jetzt immer noch zu solch unsäglichen Behauptungen (siehe oben) versteigt, verwandle sich bitte umgehend in eine ausgetrocknete Clementine und friste sein kümmerliches Dasein zukünftig auf dem stinkenden Misthaufen der eigenen Beschränktheit.

23.09.  Krems, Kino im Kesselhaus
24.09.  St. Pölten, Cinema Paradiso
25.09.  Vöcklabruck, OKH
27.09.  Berlin, Prachtwerk
28.09.  Hamburg, Uwe im Klubhaus St. Pauli
30.09.  Innsbruck, Die Bäckerei
01.10.  Dornbirn, Spielboden
02.10.  Salzburg, ARGEkultur
03.10.  Passau, Zeughaus
04.10.  Wien, Arena
02.12.  Nürnberg, MUZClub
03.12.  München, Milla
05.12.  Dramstadt, HoffArt
06.12.  Stuttgart, ClubCANN
10.12.  Graz, Orpheum extra
12.12.  Weyer, Bertholdsaal





The Pretenders: Grund zur Freude

Kürzlich hatten wir an dieser Stelle ja über das Misstrauen geschrieben, welches die Veröffentlichungen gealterter Ikon*innen (ha, sieht auch nicht schlecht aus) mehr oder weniger unterschwellig begleitet. Und auch wenn sonst dringend Vorsicht geboten ist, hier dürfen wir uns doch mal vorfristig freuen, denn Chrissie Hynde zählt zweifellos zu den anständigsten und unverstelltesten Frauen im Rockbusiness. Wenn sie und ihre Band The Pretenders also ein neues Album (nach "Alone" aus dem Jahr 2016) ankündigen, dann ist das schon eine sehr gute Nachricht - und daran herrscht ja momentan nicht gerade ein Überfluß. "Hate For Sale", so der Titel der Platte, soll am 1. Mai bei BMG erscheinen und "The Buzz" begleitet die Meldung als erste Single. Tourdaten gibt es momentan nur für die Staaten selbst (und ob die so stattfinden, wird sich erst noch zeigen), wer mag, kann stattdessen noch einmal das Interview mit Hynde lesen, das sie der Süddeutschen Zeitung 2019 zu ihrem Soloalbum "Valve Bone Woe" gegeben hat.

Dienstag, 17. März 2020

Burna Boy: Gigantisch lässig

Von Damini Ebunoluwa Ogulu aka. Burna Boy war hier bislang unverzeihlicherweise nur als Partner in Crime, also Kollaborateur die Rede, dabei hat der Mann aus Nigeria sich in den letzten Jahren unbestritten große Verdienste um die Verbreitung moderner afrikanischer Musik, also auch Reggaeton, Fusion, Dancehall, Afropop, erworben (und das wiederum ist eine ungenügende, weil verboten akademische Umschreibung für richtig geile Mucke). Erst 2019 erschien sein viertes Album "African Giant" und der Titel ist nicht ohne Grund sehr selbstbewusst gefasst, sind doch die (auch in Teilen hier aufgelisteten) Singles ziemlich feine Tunes. Nicht auf der Platte enthalten, also neu, ist dagegen das hier präsentierte "Odogwu", ausgestattet mit einem beneidenswert lässigen Flow.









Sonntag, 15. März 2020

Moaning: In Bewegung bleiben

Moaning
"Uneasy Laughter"
(Sub Pop)

Schon als sie im Frühjahr 2018 mit ihrem selbstbetitelten Major-Debüt aufmachten, zählten Moaning aus Los Angeles zu den erfrischendsten, weil wandlungsfähigen Vertretern des Post-Punk. Daran hat sich zum Glück auch mit dieser Platte nichts geändert. Denn erneut bleiben Sänger, Gitarrist und Songschreiber Sean Solomon, Pascal Stevenson an Bass und Keyboard und Drummer Andrew MacKelvie nicht bei Bewährtem stehen, sondern wagen sich an Neues. So ersetzen sie den zuvor bestimmenden Gitarrensound in Teilen durch wackelige, flächige Synth-Texturen, mal angelegt an die düstere Ästhetik der frühen 80er wie im Opener "Ego", dann wieder als nervöser Taktgeber wie beim wunderbaren Stück "Running". Natürlich spielen sie weiterhin die analogen, klassischen Instrumente, nur eben nicht mehr so bestimmend und nicht mehr so hart, zentrale Elemente des Moaning-Sounds waren und sind ohnehin die geschmeidigen Melodien und vor allem Solomons trauriger Gesang, der ihn als einen mutmaßlich so wachen wie sensiblen Künstler ausweist.



„Ich habe auf den Konzertreisen viel gelesen - Autoren wie Bell Hooks, Mark Fisher und Alain de Botton haben mich wirklich inspiriert. Ich möchte niemand sein, der junge Menschen dazu bringt, hoch hinauszukommen und als tragische Klischeekünstler zu enden “, sagt er beispielsweise in den Linernotes zum Album. "Was ich den Zuhörern lieber vermitteln möchte, ist, dass sie nicht allein sind mit dem, was sie denken und wie sie sich fühlen. 'Ego' und das gesamte Album handeln von diesen Themen - sich von unwichtigen Dingen zu trennen, damit man anderen Menschen helfen und präsent sein kann." Neben den erwähnten Tracks erweisen sich vor allem "Fall In Love" mit seinen dunkel wummernden Beats und das an Interpol erinnernde "Keep Out" als bestechende Kompositionen. Moaning haben, das wird schnell klar, einen weiteren, wichtigen Schritt vorwärts gemacht.

Samstag, 14. März 2020

The Psychedelic Furs: Besser abwarten

Kürzlich erschrocken, als die Nachricht die Runde machte, The House Of Love würden sich mit Plänen für ein Comeback beschäftigen - dazu ein aktuelles Foto: Echt jetzt!? Der Grad ist ein sehr schmaler. Und wie schnell die Wiederbelebung alter Helden ins Gruselige kippen kann, bekommt man derzeit auch beim neuen Album "Citizens Of Boomtown" von The Boomtown Rats vorgeführt - inspirationsloser Rockbrei, der jedes Klischee von alten weißen Männern, die offenbar keine Scham haben und dringend Geld brauchen, mühelos erfüllt. Man hätte Bob Geldof tatsächlich etwas mehr Gespür für das Mach- und Zumutbare gewünscht. Sei's drum, Vorsicht ist also angebracht und vorzeitiger Jubel gut zu überlegen, auch beim neuen Album von The Psychedelic Furs. 1992 eigentlich aufgelöst, gab es 2000 die Reunion und nun haben die Mannen um Richard Butler für den 1. Mai ein neues Album angekündigt - "Made Of Rain" ist das erste seit sage und schreibe 29 Jahren. Ende Januar gab es mit "Don't Believe" die erste Vorauskopplung zu hören, nun schicken sie "You'll Be Mine" hinterher. Und wir warten besser mal ab, bis das Ding komplett ist. So oder so, nur zur Sicherheit.





Rufus Wainwright: In herzlicher Verehrung [Update]

Joni Mitchell ist nicht jedermanns Sache, schon klar. Und wahrscheinlich braucht man für einen Zugang zu ihrer Musik sowohl ein gewisses Alter als auch jemanden, der einen in den Kanon der kanadischen Künstlerin einführt. Rufus Wainwright hat offensichtlich beides, denn zum einen ist der Mann selbst schon über die Mitte der Vierziger hinaus, sogar von edlem Grau gezeichnet, zum anderen hat ihm sein langjähriger Partner, der Berliner Regisseur Jörn Weisbrodt, seine Verehrung für Mitchell näherbringen können und so firmiert Wainwrights neue Single "Damsel in Distress" laut Selbstauskunft vor allem auch als Hommage an die Frau, der es bekanntlich momentan nicht sonderlich gutgeht, die aber offenbar auf ihre späten Tage noch einen neuen Fan gefunden hat. Der Song ist nach "Trouble In Paradise", das Stück erschien im Oktober vergangenen Jahres, das zweite Lebenszeichen Wainwrights im Hinblick auf die Veröffentlichung seines neuen Albums "Unfollow The Rules", das am 24. April bei BMG herauskommt. Das Animationsvideo, das immer auch etwas an die Revolver- und Submarine-Beatles erinnert, stammt übrigens vom preisgekrönten Zeichner und Filmemacher Josh Shaffner.

24.04.  Bremen, Die Glocke

Update: “Now more than ever, I think there’s nothing we desire more than to simply have a peaceful afternoon. Maybe at this moment, our living rooms are the best places to be. I hope you love this song as I do.” (Rufus Wainwright über seine neue Single "Peaceful Afternoon")