Freitag, 3. Februar 2017

Elbow: Herzensangelegenheiten

Elbow
„Little Fictions“

(Polydor)

Als Guy Garvey vor knapp zwei Jahren seiner Soloplatte „Courting The Squall“ veröffentlichte, da haderte er, man durfte es hören und lesen, noch sehr mit seinen Dämonen, gab sich verletzlich, unstet und schien auf der Suche. Das, so darf man mit der Ankunft des siebten Albums seiner Band Elbow vermuten, hat sich nun ins erfreuliche Gegenteil verkehrt – aus dem wilden Sturm ist ein erfrischendes Lüftchen geworden, kurz: Den Mann hat es erwischt. Und zwar ziemlich arg. Im vergangenen Jahr hat Garvey ja bekanntlich Schauspielerin Rachael Stirling zum Traualtar geführt, diese Beziehung hat offenkundig sämtliche Unentschiedenheit und Zweifel aus seinem Leben vertrieben und so läßt er seine Zuhörer am neuen Glück ausgiebig teilhaben. Gleich die ersten drei Stücke auf „Little Fictions“, wie auch der überwiegende Rest allesamt orchestraler Großformatpop, kommen mit reichlich Sentiment daher: In „Magnificent (She Says)“ bringt ihn die Geburt neuen Lebens zum und Staunen, der “Gentle Storm” läßt Garveys Herz höher schlagen und selbst Sonnenaufgang und Planetenlauf sind nichts ohne die Augen, ohne die Gegenwart der Geliebten. Puh. Allzu dick aufgetragen kann das nennen, wer es bös mit ihm meint, sympathische Schwärmerei, wen die überhöhte Lyrik und die melancholische Gefühligkeit des Mannes nicht stören.



Auch wenn der epische Sound an Streichern und Chören kaum spart, nicht immer klingt es so schwer und philosophisch aufgeladen wie beispielsweise im gut achtminütigen Titelsong, wo Garvey die großen und kleinen Wunder dieser Welt verhandelt. Er kann es durchaus auch mit einem Augenzwinkern und feiner Ironie. Schon „All Disco“ (wie man hört, fußt das Stück auf einem Zitat von Pixies-Frontmann Frank Black) mahnt dazu, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen, später gibt er für „K2“ noch ein paar Vorurteile über seine Landsleute zum Besten und reimt „God send us to a digital end, with following strangers and swiping at friends. I’ll send you a postcard, see you in Hull, in a sweater made of Atacama llama wool…” Der Humor ist ihm jedenfalls nicht abhanden gekommen, wohl aber, das muß man leider einräumen, der Sinn für klanglich Überraschendes. Zu behaglich kuschelt sich die Band in ihre Melodien, viel zu selten wird mit Gewohnheiten gebrochen – man kann sich durchaus, gerade bei den ersten Werken nach der Jahrtausendwende, an deutlich lautere, schrägere Töne erinnern, hier aber bleibt der Beat zu oft gedämpft und die Gitarren brav bis verhalten. Mehr Mut, das will man Elbow also wünschen, dem Glück des charmanten Frontmannes soll das aber keinen Abbruch tun. http://elbow.co.uk/

13.07.  Jena, Kulturarena
14.07.  Arlesheim, Dom

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