Freitag, 7. Mai 2021

Moderate Rebels: Dogma in Endlosschleife

Moderate Rebels
„If You See Something That Doesn’t Look Right I“

(Moshi Moshi)

Um Gefälligkeiten, das wird schon nach ein paar Takten klar, geht es hier ganz sicher nicht. Von frühen Auftritten des Londoner Kollektivs Moderate Rebels liest man aufregende Dinge – so haben sie zu Zeiten der Gründung im Jahr 2016 ihre erste Singleauskopplung „God Sent Us“ live gern auch mal auf eine halbe Stunde Spielzeit gestreckt, einfach, weil sie Spaß daran hatten und sehen wollten, was auf und vor der Bühne passiert. Sängerin Mo Bruce kürzlich in einem Interview: „We liked the idea that it felt provocative to ourselves as well as the audience.“ Das dürfte so auch für ihre Platten gelten – nach dem Debüt „The Sound Of Security“ und dem Nachfolger „Shared Values“ also ebenfalls für das zu erwartende Dreifachalbum „If You See Something That Doesn’t Look Right“, von dem wir gerade Teil eins in den Händen halten.



Das Kunstprojekt in volatiler Besetzung, zur Zeit bestehend aus Kate Worthington (Gesang), Emma Faulkner (Gesang), Anna Jones (Bass), Kevin Retoryka (Gitarre/Gesang), Susan Milanovich (Drums) und Mo Bruce (Keyboards, Gesang), setzt auf dem Mammutwerk konsequent weiter auf die Vermischung verschiedener Genres, hier besonders elektrischen Folk, 60’s-Sound, Psychedelia, Post-Punk und Krautrock. Und natürlich auf zwei ihrer markantesten Stilmittel, die sich am besten mit den Slogans „weniger ist mehr“ und „Wiederhole das, von dem du willst, dass es in Erinnerung bleibt“ beschreiben lassen. Zu ersterem gibt es, ebenfalls von Bruce, auch noch folgenden Hinweis: „The simplicity of less words, less chords, less of everything really is something that has been part of what we've done since the beginning.“



Weniger von allem also, der Sound der Moderate Rebels wirkt tatsächlich noch stringenter, oft reduziert und bei aller Schroffheit durchaus tanzbar. Das einzige, was sie mit viel Freude bewusst vielspurig anlegen, sind die Vocalparts, für fast jeden Song mischen sie verschiedene Stimmlagen und -färbungen. Das, was es zu singen gibt, sind in der Regel Proklamationen und Textfragmente, die sie matraartig repetieren, ein Satz wie „We represent no one except ourselves“ wirkt deshalb fast wie vorgetragenes Dogma. Der Gegensatz zwischen ernsthaft formuliertem politischen Anliegen (hier besonders im sarkastischen „These Are The Good Times“) und spielerisch angelegten Jam-Sessions ist ein durchaus reizvoller, am Schluss („Odds Be Never“) nähern sie sich damit immerhin der Zehnminuten-Marke. Es dürfte auch für die ausstehenden zwei Drittel durchaus spannend bleiben.

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