Mittwoch, 30. September 2020

Kruder und Dorfmeister: Vielversprechend [Update]

Da müssen wir ehrlich sein: Zur unbestritten stilbildenden Arbeit der beiden Herren Peter Kruder und Richard Dorfmeister herrschte knappe fünfundzwanzig Jahre eine Art Kontaktsperre, nach "Conversions", der Platte, die der grandiosen K7!-Compilation "DJ-Kicks" folgte, war eigentlich Sendepause. Was eigentlich weniger am Wiener Duo selbst lag, sondern eher an der Schnelllebigkeit unserer Zeit und dem Umstand, dass der Musikzirkus damals eine Blume weiterzog und das Genie der beiden etwas in Vergessenheit geriet. Und den nachfolgenden Projekten nicht ganz so viel Erfolg beschieden war wie Kruder und Dorfmeister zu Beginn ihrer Karriere. Könnte sein, dass sich das Blatt jetzt bald wieder wendet, denn gerade ist ihre neuen Single "Johnson" ans Netz gegangen (Video Oscar und Stefan Pecher) und am 30. Oktober soll beim Heimatlabel G-Stone Recordings das Album "1995" erscheinen. Klarer Bezug also zum erfolgreichsten Jahr ihres gemeinsamen Lebensweges, der Anfang jedenfalls klingt schon mal äußerst vielversprechend.

Update: Was sollen wir sagen, der zweite Vorabsong macht noch mehr Lust auf das künftige Komplettwerk, hier kommt "King Size" und weckt eine Menge alter Erinnerungen.



Kitschkrieg: ... geht weiter [Update]

Das Post-it hatte tatsächlich schon etwas an Farbe und Klebkraft verloren, wie es über die Monate so an der Pinnwand verkümmerte. Zu lesen war darauf nur ein einziges Wort: Kitschkrieg, ergänzt um ein dickes Fragezeichen. Seit über zwei Jahren hing das Blättchen dort rum, sehnsüchtig angestarrt, immer wenn ein neuer Song aus dem Hause des Berliner Labels erschien. "Standard", "5 Minuten", "Aua, Oh Oh..." und stets die Frage, wann denn das längst versprochenene Album endlich erscheinen würde. Okay, das blöde Virus tat sicher ein Übriges zur Verzögerung dazu, doch nun ist der Zettel im Schredder, denn ein VÖ-Termin ist benannt: Am 7. August wird die Platte als Doppelvinyl mitsamt edlem Coffee-Table-Book zur Entstehungsgeschichte erscheinen, der Einfachheit halber schreiben wir einfach mal die Tracklist vom Waschzettel ab.

1. "Standard" feat. Gringo, Ufo361, Trettmann + Gzuz
2. "Unterwegs" feat. Jamule
3. "5 Minuten" feat. Cro, AnnenMayKantereit + Trettmann
4. "Titanik" feat. Ms. Platnum + Marteria
5. "Sonora" feat. Max Herre + Skinnyblackboy
6. "International Criminal" feat. Bonez Mc + Vybz Kartel
7. "Lambo Lambo" feat. Peter Fox + Trettmann
8. "17.30 Uhr" feat. Jan Delay
9. "Nein du liebst mich nicht" feat. Modelselektor + Crack Ignaz
10. "Keine Angst" feat. Alli Neumann + Trettmann
11. "Oh Junge" feat. Rin + Kool Savas
12. "Irgendwo" feat. Nena + Trettmann

Zu bestellen natürlich nur über die Labelsite direkt - her damit!

Update: Wenn der Janni schon um "17:30 Uhr" flüssige und andere Substanzen zu sich nimmt, dann ist es nicht gut um die Welt bestellt. Da hilft oft nur - Kitschkrieg hören ... Oder schauen, zum Beispiel das aktuelle Video zu "Keine Angst feat. Alli Neumann".











Dienstag, 29. September 2020

Goat Girl: Gern verrückt

Unsere letzte Meldung über die Londoner Post-Punk-Kapelle Goat Girl stammt noch aus dem Jahr 2017. Was sehr lange her ist - man erkennt das schon daran, dass die vier damals noch nicht einmal ihr gleichnamiges Debütalbum draußen hatten und gerade für das Vorprogramm von The Fall (!) angekündigt waren. Nun, Mark E. Smith ist leider ein Jahr später gestorben, das Quartett aus dem Londoner Stadtteil Peckham dagegen erfreut sich zunehmender Beliebtheit, was auch daran liegen kann, dass die Damen gerade via Rough Trade ihren zweiten Longplayer "On All Fours" für Ende Januar 2021 angekündigt haben. Und zwar mit dem Video zur Single "Sad Cowboy". Dass das Filmchen von Jocelyn Anquetil ziemlich strange daherkommt, ist bei Goat Girl gesetzt, schließlich haben sie in dieser Hinsicht fast einen Ruf zu verlieren. 




Montag, 28. September 2020

Das Body: LoFi-Coolness

Einer der vielversprechendsten Popacts dieses Jahres sind mit Sicherheit diese vier jungen Menschen aus Oslo. Ellie Linden, Kim Granholt, Patrik Alm und Didrik Karsrud tauchten erstmals 2018 als Das Body mit ihrer bei Luminelle Records veröffentlichten, selbstbetitelten Debüt-EP (mit dem Song "Graceland") auf dem öffentlichen Radar auf. Vier Tracks, frostiger LoFi-Pop, tanzbar, eingängig, maximal elektrisch. Und natürlich als Markenzeichen nicht Lindens markante Stimme nicht zu vergessen, die dem Ganzen die nötige Unverwechselbarkeit verleiht. Ende 2019 dann das nächste Achtungszeichen, "Against The Glass", durchaus dunkel, der Titel wird sich, das steht nun fest, auch auf dem ersten Album der vier befinden - "Peregrine" soll am 20. November erscheinen und als Produzent fungierte Jorge Elbrecht, der auch schon mit Ariel Pink und Sky Ferreira zusammenarbeitete. Ebenfalls mit dabei "On Request" und die gerade geteilte Single "Scared", die nicht nur, aber eben auch wegen ihres befremdlichen Covers im Gedächtnis bleibt. Das bleibt spannend, garantiert.










Sonntag, 27. September 2020

Tunng: Die Sache mit dem Sex und dem Tod

Von der Londoner Band gibt es natürlich nicht nur ein einziges Album, der Titel ihres zweiten allerdings ist wahrlich philosophisch und deshalb wohl auch ihr berühmtestes: "Birth School Work Death" aus dem Jahr 1988 umreißt in nur vier Worten, was wir (grob verkürzt) vom Leben zu erwarten haben. Ernüchternde Bilanz, könnte man sagen. Wollte man nicht ganz so pessimistisch auf die Welt schauen, dann sollte man jedoch in jedem Falle noch die drei Buchstaben für "Sex" hinzufügen, schließlich macht der den Rest etwas erträglicher und sorgt zudem dazu, dass die von den Godfathers skizzierte Timeline nicht irgendwann abbricht. Ebenfalls aus London stammt die Formation Tunng. Nach der Jahrtausendwende von Mike Lindsay und Sam Genders gegründet, haben sie sich dem elektrischen Folk verschrieben und so auch schon ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht. Ihr neuestes nun wird den schönen Namen "DEAD CLUB" tragen und am 6. November bei Full Time Hobby Records erscheinen. Und weil die neue Single "Death Is The New Sex" heißt, ahnen wir schon, dass es hier um Größeres (s.o.) geht. Sam Genders äußert sich dann auch entsprechend in den Linernotes. Auf der einen Seite hebt er hervor, wie sehr sich in den letzten Jahrzehnten unser Umgang mit der Sexualität geändert und wieviel Gutes das der Menschheit gebracht hat. Anders ist es dagegen mit dem Tod, hier halten wir aufgeklärten Westeuropäer Abstand, hier spielen eher Angst, Verdrängung und Schweigen die Hauptrollen. Das zu ändern ist Genders ein großes Anliegen, eines, dem er eine ähnlich hohe Bedeutung beimißt wie vormals der sexuellen Revolution. Und ein Thema, dass sicherlich auch in dem Podcast zur Sprache kommt, der unter gleichem Namen wie die Platte ins Leben gerufen wurde. Zur besagten neuen Single gibt es hier übrigens noch Vorabtrack Nummer eins "A Million Colours" zu hören/sehen.





Bruce Springsteen: Was wir hören wollen [Update]

So viele Neuigkeiten jeden Tag und trotzdem wollen wir uns den Alten nicht verschließen. Klar, warum auch, werden wir ja selber nach und nach - alt. Und manchmal machen auch die Alten Neues, dass man sich heute noch gut anhören kann. Olle Bruce Springsteen beispielsweise geht immer. Gerade wieder mal hat er mit der Nachricht überrascht, dass er mit seinen Uraltkumpanen von der E-Street-Band ein neues Album veröffentlichen wird, am 23. Oktober soll "Letter To You" erscheinen und der Titeltrack mitsamt einer kleinen Bildershow von den Aufnahmesessions geht schon heute online. Gefühlige, lebensweise Zeilen über das Leben mit Höhen und Tiefen, nichts Sensationelles, aber eben auch das, was man von diesem Mann hören will.

Update: Und hier folgt die zweite Single "Ghosts", Springsteen selbst über den Song: "'Ghosts' is about the beauty and joy of being in a band, and the pain of losing one another to illness and time,” says Springsteen in a press release. "'Ghosts' tries to speak to the spirit of the music itself, something none of us owns but can only discover and share together. In the E Street Band, it resides in our collective soul, powered by the heart."



Freitag, 25. September 2020

Travis Scott: Tatort vs. Tenet

Die Nachricht muss man auch erst mal verdauen: Der Nachrichtenkanal ntv hat gerade geschlagzeilt, dass eine Filmminute des futuristischen Thrillers "Tenet" von Christopher Nolan annähernd so viel kostet wie ein ganzer Tatort. Na gut, abgesehen davon, dass man für einen dieser biederen Sonntagabendstreifen ganz gewiß nicht ins Kino gehen würde (abgesehen von ein paar unerschrockenen Til-Schweiger-Fans), unterscheiden sich wohl auch die Drehbücher ein wenig voneinander - bei den einen liegt bei der Tätersuche so gut wie nie daneben, wer den bekanntesten Nebendarsteller tippt (natürlich nur, wenn man vorher noch nicht sanft entschlummert ist), bei den anderen rächt sich eine Milisekunde Abwesenheit sofort, die Chance auf die Lösung des Rätsels sinkt danach exponentiell. Wer aber bei Nolans Rückwärts-Krimi trotzdem den Anschluss verpasst hatte, konnte sich immer noch von dem großartigen Sound trösten lassen, womit wir dann tatsächlich bei Travis Scott angelangt sind. Der nämlich hat zum Soundtrack des Blockbusters den Track "The Plan" beigesteuert und kommt jetzt mit einem weiteren Song um die Ecke, das Video zu "Franchise" hat Scott selbst verantwortet, zusätzliche Tonspuren und Auftritte gab es zudem von Young Thug und M.I.A. Von den dreien ist übrigens nicht bekannt, ob sie demnächst am Tatort-Score mitzuschreiben gedenken ...


Pixies: Noch nicht Schluß

2019 haben sie eine weitere, mehr als okaye Platte ("Beneath The Eyrie") veröffentlicht, sind grandios damit getourt - Schluß ist deshalb noch lange nicht: Gerade kommt die Kunde, dass die Pixies am 16. Oktober eine neue 7" verteilen werden, zwei Songs befinden sich darauf - "Hear Me Out", gesungen von Bassistin Paz Lenchantin, und die Flipside "Mambo Sun". Für ersteren gibt es nun auch einen Videoclip, Regie führte Maximilla Lukacs und neben der Leadsängerin selbst hat u.a. auch Henry Hopper, Sohn von Dennis Hopper, seinen Auftritt. Bei der B-Seite wird es sich im Übrigen um ein Cover des gleichnamigen Stückes von T. Rex handeln.

Smashing Pumpkins: Prinzip Hoffnung [Update]


Okay, wir geben zu, dass sich unser Optimismus im Hinblick auf das neue Album der Smashing Pumpkins bis jetzt in sehr engen Grenzen hielt - die beiden Vorabsongs "CYR" und "The Colour Of Love" waren einfach zu schwach, um große Erwartungen wecken zu können. Da wir heute aber alle nötigen Informationen zur Platte bekommen haben, wissen wir auch, dass die Tracklist ganze zwanzig Stücke umfasst und als Berufsoptimisten hoffen wir mal, dass sich Corgan noch ein paar Höhepunkte aufgehoben hat. Schließlich war ja auch das letzte Werk "Shiny And Oh So Bride" dann gar nicht so übel geworden. Also: "CYR" wird das Ding auch heißen und am 27. November erscheinen, mehr dazu wenn vorhanden. Begleitet wird die Promotion im Übrigen auch von einer fünfteiligen Animationsserie, erdacht und gezeichnet von Corgan selbst, in welcher einige Songs von "CYR" zur Aufführung kommen - Trailer siehe unten.

Update: Und zwei Songs kommen noch dazu - "Confessions Of A Dopamine Addict" und "Wrath".











Donnerstag, 24. September 2020

Idles: Jedem seine Chance

Idles
„Ultra Mono“

(Partisan Records)

Nein, um die Musik geht es schon länger nicht mehr. Weil ein Künstler, eine Künstlerin oder eben eine Band immer mehr ist als Musik, mehr als ein paar Songs, ein neues Album, wird gerade in den Netzwerken und Magazinen ein Streit ausgefochten, der von selten erlebter Intensität und Schärfe ist. Manch eine/r fühlt sich an die längst vergangenen Jahre der Herren Gallagher, Williams und Albarn erinnert, doch da ging es nur um vergleichsweise lächerliche Hahnenkämpfe und die Frage, wer wohl den Größten, den Längsten habe (sie wussten es nicht besser, es waren andere Zeiten) – pubertärer Kinderkram also. Joe Talbot, Frontmann der Idles, wird da gerade mit weitaus schwerwiegenderen Vorwürfen konfrontiert, muss Stellung beziehen, seine Band nehme es nicht ernst genug mit den Parolen, die er ihnen selber textet. Zuviel vom falschen Marketing, zu wenig Unterstützung für Frauen, fehlende oder späte Wortmeldungen der Solidarität an gebotener Stelle – Talbot sieht sich in eine Position gedrängt, die ihm sichtlich Unbehagen bereitet. Und weil man in der Defensive leichter Fehler macht, agiert er ein ums andere Mal recht unglücklich.


Irgendwas gelernt daraus? Nun, es gibt wohl unter der angeblich so weltoffenen und toleranten Künstlerschaft doch noch deutlich Luft nach oben in Sachen respektvollen Umgangs miteinander, im Haifischbecken sind viele, zumeist männliche, Exemplare mit knüppeldicken Egos unterwegs, zudem bewaffnet mit steinharter Moral und unfehlbaren Urteilen, Fehler werden kaum gestattet, Meinungen weggewischt, der Diss regiert. Es zeigt sich aber auch, dass die Diskussionen, die Talbot führen muss (weil er sie sich zum Teil selbst eingebrockt hatte), sehr wohl dringend notwendig waren und sind, dass es zur Gleichberechtigung aller Geschlechter auch unter Musiker*innen noch ein viel weiterer Weg ist als angenommen. Dass es nicht reicht, Slogans auf bunte Shirts zu drucken und sich der eigenen Überzeugungen zu rühmen, wenn die Taten nicht folgen. Gleichwohl scheint die Bereitschaft, Fehler nicht nur zu erkennen, sondern auch mal zuzulassen, wenn denn ein Lernprozess folgt, nicht sonderlich ausgeprägt.


Denn natürlich sind die Idles weder mysogyn noch rassistisch, natürlich stellen sie sich auch mit dem neuen Album auf die Seite derer, die den Brexit energisch ablehnen, die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten der herrschenden Eliten in ihrer Heimat anprangern, sich jeder Art von Homophobie, weißer Überheblichkeit und Frauenfeindlichkeit entgegenstellen. Ihre Texte, eben auch die neuen, geben ein deutliches Bild davon, sind Kampfansagen, klar, energisch, leidenschaftlich. „Our government hates the poor, cold leaders, cold class war, given drugs you can't afford, so the poor can't buy the cure“, heißt es in „Anxiety“, bei „Grounds“ wiederum „Saying my race and class ain't suitable, so I raise my pink fist and say black is beautiful“ und im Duett „Ne Touches Pas Moi“ mit Jehnny Beth von den Savages gibt es wenig später wiederholt klare Ansagen zu toxischer Männlichkeit und dem „No Means No“ der #MeToo-Bewegung. Meinen sie es, leben sie es so, wer wollte ihnen dann etwas vorwerfen?!


Musikalisch ist dieses dritte Album vielleicht nicht gerade ihr bestes geworden. Klar, die Drums werden verprügelt, als gäbe es kein Morgen, auch Gitarre und Bass legen sich gewohnt mächtig ins Zeug, allein, es kommt nichts wesentlich Neues hinzu. Zehn Stücke hindurch schreit sich Talbot mit seiner Wut, seinem Frust und seiner Anklage die Seele aus dem Leib – selbst für den hartgesottensten Idles-Fan dürfte dieser Lärmpegel auf Daueranschlag etwas ermüdend sein. Zumal sich die Lyrics nicht selten in gebellten erschöpfen Wortfetzen – das ist manchmal etwas dürftig. Bezeichnend also, dass neben tatsächlich grandiosen Stücken wie „Model Village“ und „Reign“ ein Song wie „A Hymn“ am längsten in Erinnerung bleibt, am tiefsten geht: „I want to be loved, everybody does“ gesteht Talbot hier freimütig und hat uns sofort auf seiner Seite.

Noch einmal also: Man darf die neue Platte der Band aus Bristol gut finden oder nicht (wir für unseren Teil tun ersteres mit einigen Abstrichen), man kann die Band in ihrem manchmal etwas unglücklichen Tun kritisieren, man sollt es sogar. Selbstgerechtigkeit, überzogene Moral oder verletztende Häme sind dennoch fehl am Platz. Aber die Nebengeräusche dieser Veröffentlichung vorschnell zu verbannen, hieße sie als Teil einer sehr notwendigen Debatte kleinzureden, ihre mögliche Wirkung zu schmälern. Wo uns heute doch vieles unabänderlich, aussichtslos scheint, wo wir uns ohnmächtig fühlen, da gilt in diesen Fall sicher, dass ein/e jede/r die Chance dazu hat, die Dinge um sich herum und auch sich selbst zu ändern, dazuzulernen. Und wenn ebenjene Diskussion das anzuschieben vermag, ist das beileibe kein geringer Verdienst.

Loma: Lernen mit Pflanzen [Update]

So viel Content wünschte man sich für jeden Text: Die texanische Band Loma war eigentlich schon Geschichte, Emily Cross, Dan Duszynski und Jonathan Meiburg (Shearwater) schienen ihre Egos schlecht über- bzw. nebeneinander zu bekommen. Was sehr schade war, hatten sie doch 2018 ein beeindruckendes Debütalbum vorgelegt, das - so hört man - auch Brian Eno sehr gefallen haben soll. Nun, wie es scheint, haben die drei sich aber wieder zusammengerauft und so soll nun am 23. Oktober via Sub Pop das neue Album "Don't Shy Away" erscheinen. Das Cover zeigt eine phantasievolle, vielleicht sogar etwas esotherische Malerei mit sich windenen Pflanzen - da kommt es nicht von ungefähr, dass auch die erste Single des Trios nach langer Zeit einen floralen Namen trägt. "Ocotillo" nämlich bezeichnet eine Pflanze, die auch in den heimatlichen Steppen von Loma zu finden ist. Und wenn man den Beschreibungen aus dem Netz glauben darf, dann ist dieses Gewächs ein höchst eigenartiges - es mutet wie ein abgestorbenes Gehölz an und besitzt zudem auch recht lange Dornen, bei Regen allerdings bildet der Strauch (Fouquieria splendens) ziemlich schnell kleine Blätter und Blüten, die wochenlang bestehen bleiben und das ursprünglich abstoßende Aussehen schnell vergessen lassen. Wäre doch komisch, wenn das nur zufällig eine treffende Metapher für so ziemlich Vieles im Leben ist ... Das Video zum Song hat übringens Emily Cross selbst gedreht - die Reise durch karge Landschaften kontrastieren auf das Trefflichste mit ihrer sanften Stimme und dem dronigen, dunklen Electro-Folk.

Update: Zwei weitere, wunderbare Songs vom kommenden Album - "I Fix My Gaze" und "Don't Shy Away" geizen weder mit bezaubernden Klängen noch mit eindrücklichen Bildern.






Mittwoch, 23. September 2020

Sault: Das Manifest

Sault
„Untitled (Rise)“

(Forever Living Originals)

Wie sollen wir sie nennen? Die Unermüdlichen? Die Unbeugsamen? Die Unergründlichen? Oder vielleicht doch die Unfehlbaren? So rätselhaft sich das Londoner Künstler*innen-Kollektiv Sault gibt, so schwer ist auch ihr Output mit den gängigen Superlativen zu fassen: Bemerkenswert, was sie hier, nachdem ja im vergangenen Jahr derer zwei Alben erschienen sind und im Sommer 2020 schon das nächste folgte, erneut vorlegen. Eindrucksvoll, weil Quantität und Qualität auf sehr seltene Weise Hand in Hand gehen und Sault das Kunststück fertigbringen, mit jedem ihrer Werke noch ein Level draufzusetzen. Und das sowohl in thematischer als auch musikalischer Hinsicht. Wurde "Untitled (Black Is)" noch das Versprechen nachgeschickt, konzentriert bei der Sache bleiben zu wollen, nimmt ihnen das beim nun folgenden „Untitled (Rise)“ angesichts der eindeutigen inhaltlichen Ausrichtung ohnehin jede/r ab. Self empowerment rules also, es geht um das Wiedererstarken des Gemeinschaftsgefühls aller persons of color (POC), um Erwachen, um Stärke, um den Kampf und das Überleben. Und zwar in jedem einzelnen Track des Albums. Bei aller möglichen Verkürzung könnte man vielleicht von einer Art schwarzem Manifest sprechen. Ähnlich wie beim Vorgänger „Black Is“ gibt es bei Sault kaum Sprachbilder, Zwischenebenen, Metaphern, alles wird hier klar und direkt angesprochen, Missverständnisse sind ausgeschlossen.

Jedes der fünfzehn Stücke transportiert so einen Teil der übergeordneten Message, die hier vermittelt werden soll, funktioniert mal als Mutmacher, Trostspender, Antreiber, mal geht es gegen Lügen und Vorurteile, dann wieder darum, sich auf Gemeinsamkeiten und Stärken zu besinnen, auch um religiöse Quellen und Wurzeln, die ins Bewusstsein rücken. Sault proklamieren mit einfachen, verständlichen Worten, sie wollen also nicht nur gehört, sie wollen auch verstanden werden. (Und das nicht nur mittels Gesang, sondern wie bei „Rise“, „You Know It Ain’t“ und „No Black Violins In London“ auch mal in Form eindringlicher Monologe oder wie bei „The Black And Gold“ als reines Instrumental, das Stimmung statt Stimme transportiert). Wenn Sault textlich im besten Sinne monothematisch agieren, lassen sie sich bei Sound des Albums in keinster Weise festlegen und packen erneut eine Klangvielfalt in die Arrangements, die nur schwer ihresgleichen findet. Hier wird dem Soul gehuldigt, werden Jazz und Funk gefeiert, wechseln smoothe Streicher und leises Piano mit wilden Percussion-Jams – allein der Song „I Just Want To Dance“ fegt mit seiner sagenhaften Energie jede vornehme Zurückhaltung in viereinhalb Minuten rückstandslos weg. Die trippigen, klackernden Beats hört man auf „Rise“ weniger oft als noch auf „Black Is“, es geht hier deutlich analoger zu, der Lust beim Zuhören tut das keinen Abbruch. Ein ganz großer Wurf, schon wieder.

Dienstag, 22. September 2020

The Bats: Perfektes Beispiel

Gerade hatten wir's davon, dass sich die kanadische Punkband METZ für das Video ihrer neuen Single von der Landschaft und also von einem Regisseur Neuseelands haben inspirieren lassen, da fällt uns ein, dass wir doch unbedingt noch auf folgendes hinweisen wollten: The Bats, eine der verdienstvollsten Indiepop-Kapellen aus Neuseeland, genauer Christchurch, hatten schon im August ein weiteres Album namens "Foothills" bei Flying Nun Records angekündigt. Damals gab es zur Nachricht die erste Auskopplung "Warwick" dazu und nun folgte dans wunderbare Stück "Another Door". Das Schöne an der Musik der vier ist ja, dass trotz aller Eingängigkeit die Gitarren immer ein klein wenig rauer, ein bisschen weniger glatt als erwartet aufspielen, die neue Single ist dafür das perfekte Beispiel.






METZ: Perfekte Mischung [Update]

Das die kanadische Band METZ sich anschickt, ein neues (und ihr viertes) Album zu veröffentlichen, sollte sich ja langsam herumgesprochen haben - nach den Werken "METZ", "II" und "Strange Peace" soll am 9. Oktober der Longplayer "Atlas Vending" bei Sub Pop erscheinen. Vor ein paar Wochen ist die erste Single "A Boat To Drown In" erschienen, in deren Video zwar ein knuffiges Kuscheltier mitspielt, das aber durchaus auch zum Problembär taugen könnte. Nun geht mit "Hail Taxi" Vorabsong Nummer zwei ans Netz, diesmal mit monochromer, eindringlicher Bildersprache von Regisseur A.F. Cortés (Idles, Daughters, Lee Ranaldo, Iggy Pop) ausgestattet. Das Trio aus Toronto hat, so ist zu hören, seine explosive Mischung aus krachenden Gitarren und eingängigen Melodien weiter perfektioniert, wann Alex Edkins, Hayden Menzies und Chris Slorach damit wieder auf Tour gehen, wird nach Erscheinen der Platte die nächste dringliche Frage.

Update: Mit "Blind Youth Industrial Park" geht heute die dritte Single vom neuen Album ins Rennen, das episch-futuristsiche Video dazu stammt vom neuseeländischen Regisseur Dylan Pharazyn (Wax Chattels, Yukon Era, Die! Die! Die!).






Sonntag, 20. September 2020

AUA: Auf Entdeckungsreise

AUA
"I Don't Want It Darker"

(Crazysane Records)

Auf der Suche nach einer Referenz, um Uneingeweihten diese Musik näherzubringen, stößt man auf ein anderes Duo, dessen Klangkosmos zu Hochzeiten ähnlich umfangreich war, das sich also, um im Bild zu bleiben, ebenfalls in entferntere Galaxien vorwagte. Heißt: Wer AUA meint, darf auch AIR sagen. Denn auch bei den Herren Godin und Dunckel hatte man den Eindruck, sie liebten es, ihre Zuhörer*innen in neue Welten zu entführen und hätten so viel Spaß am Experimentieren, dass sie bewusst jede ihrer Platten mit einem neuen Sound versahen. Nun, AUA haben mit diesem Debüt erst ein Album veröffentlicht, beweisen darauf aber auch schon eine ähnlich große Bereitschaft, verschiedenste Stile miteinander zu kreuzen. So begegnen uns in der halben Stunde Spielzeit wabernde Psychedelia, Krautrockanleihen, Darkwave-Verweise und auch bei Synthpop und Surfrock haben sich Henrik Eichmann und Fabian Bremer ihre Ideen geholt. Sie zeigen sowohl ihre Vorliebe für sphärische Klangflächen ("The Energy Vampire") als auch für den eingängigen, punktgenauen Beat ("Coke Diet"). Und auch der Spaß kommt nicht zu kurz, wenn sich zu den forschen Gitarren von "Umami Karoshi" ganz am Ende noch ein paar irrlichternde Spukgeräusche aus den B-Movies der 60er mischen. Diese wiederum brechen ein wenig die Ersthaftigkeit der beiden Musiker und unterstreichen so die Aussage in der Titelzeile des Albumnamens. Und die wollen wir ja immer noch hartnäckig als Entgegnung auf den altehrwürdigen und maximal eleganten Großmeister der Dunkelheit, Leonard Cohen, verstanden wissen. Diese Platte jedenfalls ist zweifellos ein Kleinod, kurz zwar, aber sehr unterhaltsam.



Bartees Strange: Überraschend vielgestaltig [Update]

Dieser junge, etwas ratlos dreinblickende Mann aus Washington D.C. passt perfekt als Anschlußempfehlung: Bartees Strange, eigentlich Bartees Cox Jr., nimmt einen mit seinem neuen Song "Boomer" sofort mit auf die Tanzfläche, das Stück klingt gerade so, als hätten es die sagenhaften TV On The Radio in ihren Anfangstagen zusammengezimmert. Die elf Songs, die sich auf seinem Debütalbum "Live Forever" befinden, sollen eine Schnittmenge aus Moses Sumney, Death Grips, Kings Of Leon, Algier und Justin Vernon ausmachen (schreibt zumindest Under The Radar) und das klingt ja nun schon mal sehr interessant. Schon im Juli kam Auskopplung Nummer eins "Mustang" in Umlauf und auch dieses Stück besaß einige schöne Widerhaken. Könnte also gut sein, dass hier die nächste Überraschung auf uns wartet, am 2. Oktober (via Memory Music) sind wir dann schlauer.

Update: Keine zwei Minuten lang und doch ins sich perfekt - die neue Single "Kelly Rowland" mit Video von Britain Weyant.







Future Islands: Zurück auf Start [Update]

Vor fünf Jahren ungefähr wäre die Freude noch eine uneingeschränkte gewesen - die Future Islands hatten damals ihre Platte "Singles" schon längere Zeit draußen und man erwartete von der Band um Samuel T. Herring nicht weniger als das nächste kleine Wunder. Nun, das kam dann in Form des Nachfolgers "The Far Field" 2017 leider nicht, die Platte geriet etwas zu harmlos und war somit eher eine Enttäuschung. Jetzt also, weitere drei Jahre später, geht es zurück auf Anfang und zwar mit dem dem neuen Song "For Sure". Der steht (trotz des Videos) und des Features von Jenn Wasner (Wye Oak) vorerst nur für sich selbst, von einem ganzen Album kann also noch keine Rede sein - wir werden das also weiter beobachten.

Update: Jetzt also doch - "As Long As You Are" heißt der neueste Wurf, am 9. Oktober soll das Album bei 4AD erscheinen. Und weiteres Singles sind auch schon im Umlauf, "Thrill" präsentiert ausnahmsweise nicht die Band, sondern Herring als Solisten und für "Moonlight" gibt's ein Video von Will Mayer mit Cill Hernandez und Matthew Gray Gubler.







Samstag, 19. September 2020

Girls In Synthesis: Laut gegen die Angst

Girls In Synthesis
„Now Here’s An Echo From Your Future“

(Harbinger Sound)

An dem Spruch, dass nicht der Lauteste gehört wird, sondern der Klügste, gibt es eigentlich nichts zu rütteln, allein in den letzten Monaten und Jahren scheint die Politik den unbedingten Gegenbeweis antreten zu wollen. Überall plärren die Angstmacher ihre Parolen, Einschüchterung macht sich bezahlt, Besonnenheit und gegenseitiger Respekt haben als Maxime offenbar ausgedient und verlieren an Boden. Dem Schreihals mit wildem, widerspenstigem Lärm zu begegnen scheint da ein probates Mittel zu sein und die Girls In Synthesis aus London in dieser Hinsicht erstklassige Protagonisten. John Linger, Nicole Pinto und Jim Cubitt sind seit 2016 als Band zusammen, erste Veröffentlichungen erfolgten im Selbstverlag oder bei kleinen Indielabels, bevor sie nun für ihr vorliegendes Debüt beim renomierten Harbinger Sound landeten. Mit einer Klassifizierung tut man sich schwer, die Schublade Post-Punk wäre zwar die gräumigste, aber nur passend, wenn man dort noch Punk, Jazz und Noise mit unterbringen dürfte.


Zehn Stücke in einer guten halben Stunde und dabei keinerlei Atempause – GIS halten mit dem Unmut über die Zustände in ihrem Heimatland nicht hinterm Berg. Schiefe, dreckige Gitarrenakkorde treiben die Stücke wütend voran, flankiert von einem nicht minder wuchtigen Bass und unermüdlichen Drums, bei Stücken wie „Human Frailty“ und vor allem dem überwältigenden „Set Up To Fail“ irrlichtert zudem noch das Bläserblech im Hintergrund. Bedrohlich klingt das, düster und stellenweise sehr aggressiv, die drei wollen sich und den Zuhörer*innen offenbar nichts schuldig bleiben. Wer will, kann sich den Sound als Mischung aus Bauhaus und The Clash vorstellen, quasi the best of both worlds.


Thematisch stellen sich GIS ganz auf die Seite derer, die an den Rand gedrängt wurden in einem England der Eliten. Eliten, die sich an den Wohlstand der wenigen klammern, die Veränderung verweigern und denen das Wort der einst so starke und stolzen Arbeiterklasse egal ist. Aber auch die working class bekommt ihren Teil, denn vielen von ihnen erscheint Boris Johnson als gleichgesinnter Verbündeter, in ihrer Gutgläubigkeit und Verblendung merken sie nicht, dass er sie und ihre Familien immer tiefer in den Abgrund reißt. „You can make all the noise you want“, heißt es dazu in einem Song, „they’re not listening.“ Der Frust sitzt tief, Angst ist berechtigt, Sorge auch: „Cause For Concern“. Der schleichende Abschied von der Mitmenschlichkeit („Arterial Movements“), mediale Manipulation („The Images Agree“) und der stumpfe Hass der Masse („Tirades Of Hate And Fear“) – es gibt momentan wirklich nicht viel Grund zur Hoffnung. Um so wichtiger ist es, laut dagegen anzuspielen.

Freitag, 18. September 2020

HEALTH: Disco in Tiefschwarz


Für alle Musikmenschen, die dringend noch etwas Passendes in schwarz resp. dunkel für das bevorstehende Wochenende suchen, gibt es hier einen recht lohnenswerten Tipp: Die kalifornische Industrial-Rockband HEALTH hatte ja seit 2018 in unregelmäßigen Abständen eine Reihe spannender Kollaborationen veröffentlicht, mit dabei Xiu Xiu, Soccer Mommy, Youth Code und Perturbator. Diese und weitere finden sich nun auf der finalen Compilation mit dem Namen "DISCO 4 Part I" wieder, zu der die Herren Miller, Duzsik und Famiglietti noch den Soloauftritt "CYBERPUNK 2.0.2.0" spendieren. Die bisherigen DISCO-Platten boten bislang übrigens vornehmlich Remixarbeiten, wer eher das eigenständige schätzt, darf aber gern auch auf die letzten Alben "Death Magic" und "Slaves Of Fear" zurückgreifen.






Milliarden: Alles egal?


Naja, ganz so egal wird es ihnen nicht sein, sonst hätten sich Ben Hartmann und Buddies nicht in die gleißende Sonne gestellt und das Video zu ihrer neuen Single "Himmelblick" abgedreht. Wobei, "abgedreht" ist das richtige Stichwort, denn die Jungs von Milliarden wirken dann doch ein wenig neben sich, das Playback hakt etwas, am Ende taumeln sie mehr als sie performen und die Textzeile "Alles ist mir so egal" kommt auffallend häufig vor. Sei's drum, der Song ist stark und wie man die fünf Berliner kennt, wird auch das für den 5. Februar terminierte, dritte Album "Schuldig" (Nachfolger zu "Berlin" aus 2018) nicht minder stark werden. 

18.03.  Nürnberg, Z-Bau
19.03.  Wien, Arena
20.03.  Jena, Kassablanca
25.03.  Bielefeld, Forum
26.03.  Köln, Gloria
27.03.  Göttingen, Musa
07.04.  Dresden, Beatpol
08.04.  München, Backstage Halle
09.04.  Zürich, Bogen F
10.04.  Bern, ISC
14.04.  Frankfurt, Das Bett
15.04.  Stuttgart, Wizemann
16.04.  Erfurt, Kalif Storch
17.04.  Dortmund, FZW
21.04.  Hannover, Musikzentrum
22.04.  Rostock, Mau Club
23.04.  Berlin, Columbiahalle



Donnerstag, 17. September 2020

Soft People: Andere Zeiten


Über Kalifornien lodern gerade die Flammen und auch so ein beschauliches Städtchen wie San Luis Obispo wird davon wohl nicht ausgenommen. Was heißt, dass die Menschen dort für Musik wie diese hier entweder gerade keine Zeit haben oder sie aber besonders dringend brauchen. Hinter dem Duo Soft People verbergen sich die Musiker John Metz und Caleb Nichols, 2009 haben sich die beiden als Mitglieder der Band Grand Lake kennengelernt. Sieben Jahre später erschien ihr erstes gemeinsames Album "American Men" und weil ihr Pop ein queerer ist, kann man sich denken, was sie der standesgemäßen Maskulinität mit auf den Weg gaben. Für den 2. Oktober nun haben Soft People via Sandwich Kingdom den Nachfolger "Absolute Boys" angekündigt, von dem bislang die beiden Stücke "New Moon" und "22 Lunes" vorab veröffentlicht wurden. Die neue Single "William", die heute in Umlauf geht, ist laut Nichols als eine Art verträumte, auch sehnsüchtige Rückschau zu verstehen, auch als Erinnerung an eine Liebesbeziehung, die ihm angesichts der gerade herrschenden politischen Unruhen fast unwirklich erscheint.




Suuns: Erneuter Anlauf


Eine magere Notiz zur kanadischen Band Suuns gab es hier im Jahr 2016, damals stand die Veröffentlichung ihres dritten Albums "Hold/Still" ins Haus und gerade war die zweite Single "Paralyzer" davon erschienen. Warum danach keine Meldungen mehr kamen und auch die nächste Platte "Felt" (2018) ignoriert wurde, bleibt vorerst ungeklärt, schließlich müssen wir vorwärts schauen und da steht die neue "Fiction EP" an und die erste Single davon "Pray" wiederum ist so gut, dass wir über alles Gewesene gern den Mantel des Schweigens breiten wollen. Für den 30. Oktober also ist das mutmaßlich gute Stück bei Joyful Noise Recordings angekündigt, sechs Tracks soll es enthalten und schon bei besagter Hörprobe (Video übrigens unter Regie von Sänger Ben Shemie) merkt man, dass das Trio einerseits vom Krautrock nicht die Finger lassen wollte, zum anderen aber neue Inspirationsquellen nicht gescheut hat. 




Mourn: Wütend zu dritt

Da möchte man jetzt um Himmels Willen nichts hineininterpretieren, aber wenn aus einem Quartett ein Trio wird und das jetzt nur noch aus Frauen besteht, dann lassen sich vielleicht auch Songs wie der vorliegende noch glaubwürderiger rüberbringen. Obwohl anzunehmen ist, dass auch Ex-Drummer Antonio Postius die Wut von Jazz Rodríguez Bueno, Carla Pérez Vas und und Leia Rodríguez, allesamt aus Barcelona, teilen dürfte. Die nämlich singen in "Men" über die alltäglichen Erfahrungen von Frauen, auf der Straße, im Büro oder sonstwo mit männlichen Blicken, mit abschätziger Attitüde und herabwürdigenden Bemerkungen konfrontiert zu werden. Mourn, so heißt ihre Band, haben diesen Song als dritte Single aus dem für den 30. Oktober bei Captured Tracks angekündigten Album "Self Worth" veröffentlicht, zuvor waren schon "This Feeling Is Disgusting" und "Call You Back" erschienen. Zuletzt gab es von Mourn die Platten "Ha, Ha, He." (2016) und "Sopresa Familia" (2018) zu hören.









Mittwoch, 16. September 2020

Doves: Selbstbestätigung

Doves
„The Universal Want“

(Heavenly Recordings)

Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass der alternative Gitarrenrock mit seinen großen Gefühlen und Melodien etwas ins Hintertreffen geraten ist. Sei es aus Angst vor dem Coldplay-Effekt, mit dessen Hilfe man bekanntlich ganz schnell ins Hintertreffen und also in den Schmalztopf geraten kann und nurmehr als rührige Untermalung für tränenreiches Serienmaterial aus den Notaufnahmen dieser Welt gebucht wird. Kann aber auch sein, dass es nur die falschen versucht haben. Denn dass es einigermaßen unpeinlich funktionieren kann, beweisen ja seit Jahren die Mannen um Guy Garvey von der britischen Band Elbow. Die kommen aus Manchester und dort gibt es – Achtung: Kreis geschlossen – durchaus eine beachtliche Tradition in dieser Hinsicht. Vor ziemlich genau elf Jahren nämlich lieferten Jez Williams, Jimi Goodwin und Andy Williams als Doves mit „Kingdom Of Rust“ ihr letztes Meisterwerk ab, danach war, wenn schon nicht Schluß, so doch leider Sendepause. Und die Hoffnung auf eine Wiederkehr des Trios sank mit jedem weiteren Jahr.



Bis – ja bis im Frühjahr die EP „Remnants I/II“ auftauchten und sofort die Gerüchte ins Kraut schossen. Heute wissen wir, dass die Doves sehr wohl vorhatten, neues Material aufzunehmen, sich nur eben entsprechend Zeit lassen wollten. Und weil halbgare Informationen zwar modern, aber nicht ihre Sache sind, haben sie wohl lieber mit der frohen Botschaft gewartet, bis diese belastbar war. Gelohnt hat sich das Warten in jedem Fall, denn „The Universal Want“ ist genau das geworden, was man erwarten durfte: Vollgepackt mit schmeichlerischen Melodien und dem (nein, man kommt nicht drum herum) hymnischen Gesang. Schon der schwelgerische Opener „Carousels“ packt sofort zu und hebt einen gleichsam in luftige Höhen. Von hier aus betrachtet man hernach mit den dreien aus ganzheitlicher Vogelperspektive die Welt, und zwar sowohl die vergangene mit ihren schönen Erinnerungen, aber auch die neue, oftmals so befremdliche mit all den Ängsten und Nöten. Und wir Menschen mitten drin – unvollkommen, mal beschränkt, mal bemüht, oft hilflos.



Aber auch nicht ohne Hoffnung. In Stücken wie „For Tomorrow“ oder „Prisoners“ folgen sie zwar düsternen Gedanken, Selbstzweifeln und der Furcht vor der Zukunft, lenken den Blick aber auch mit Zuversicht auf Kommendes, vertrauen der schöpferischen Kraft eines jeden einzelnen. Mental health ist das Stichwort, Jimi Goodwin hat dem NME kürzlich gesagt, dass viele Texte bei den Doves wie Selbstgespräche klingen, darauf angelegt, mit sich ins Reine zu kommen, sich anzunehmen und das Leben so leichter und erträglicher zu machen. Ihnen jedenfalls scheint das gut gelungen, die Songs klingen frisch und kraftvoll, wunderbare, manchmal fast psychedelische Gitarrenklänge schweben über pluckernden Beats und wenn man diese Dreiviertelstunde mit Hingebung erlebt hat, dann wird auch die Landung eine sanfte werden. Gut, dass man sich solch eine Platte immer wieder hervorholen kann, gut, dass die Doves wieder zurück im Spiel sind.



Pan Amsterdam: Gelöstes Rätsel

Gern könnten wir jetzt das altbekannte Loblied auf die letzten Mysterien des Internets anstimmen - allein, wir haben es schon oft gesungen und ganz so geheim ist die Sache, um die es hier geht, nun auch nicht mehr. Spannend dafür um so mehr: Denn das New Yorker Musikprojekt Pan Amsterdam, hinter dem sich Trompeter und Produzent Leron Thomas verbirgt, macht in unregelmäßigen Abständen von sich reden. Richtig los ging's eigentlich mit dem Debütalbum "The Pocket Watch", das 2018 erschien und traditionellen Jazz mit zeitgemäßen Beats und Rhymes verknüpfte. Irgendwie ist Thomas auch auf den Radar von Punkikone Iggy Pop geraten, hat mit diesem 2019 zunächst die Single "Mobile" aufgenommen und ein paar Monate später auch gleich noch dessen Album "Free" als Trompeter begleitet und produziert. Damit hatte sich das Rätselraten um die Person hinter all den vorzüglichen Klängen natürlich so ziemlich erledigt, nicht aber Thomas' Lust an fruchtbaren Kollaborationen. Diese nämlich sind ein Hauptmerkmal seines neuen, zweiten Albums "HA Chu", das für den 2. Oktober bei Def Pressé terminiert ist. Darauf werden sich neben Stammgast Iggy Pop auch noch Persönlichkeiten wie Malik Ameer, Mr. Shn, GUTS und Coup Diablo finden, hinter letzterem verbirgt sich im Übrigen niemand anderes als Jimi Goodwin von der britischen Band Doves. Zwei Tracks hat man schon probehören dürfen, vor einigen Wochen erschienen "Carrot Cake" und "Debtors Skyline", heute nun kam ein dritter dazu und mit ihm eine weitere, erstaunliche Zusammenarbeit. Für "Hannibal Lecture" nämlich übernahm Jason Williamson von den Sleaford Mods den Vocalpart, was, wie man weiß, in der Regel ziemlich rüde ausgeht. Erfreulicherweise findet sich auf der Platte auch noch ein zweites "Duett", spätestens Anfang Oktober wissen wir, ob auch "Into Old Punks" der erwartete Knaller geworden ist.





Jettes: Im gleichen Takt [Update]

Für die nächsten beiden vielversprechenden Acts geht es - selten genug kommt es leider vor - zur Abwechslung mal nach Deutschland. Den Anfang macht dieses Duo und wer in der School of Rock gut aufgepaßt hat, dem wird der Name der einen Hälfte Laura Lee ganz gewiss etwas sagen. Denn die spielt normalerweise bei der Kapelle Gurr. Melody Connor wiederum stammt ursprünglich aus Kalifornien und ist eigentlich langjähriger Freund von Labelkollegin Laura Carbone, welche die beiden einander vorstellte. Mittlerweile lebt auch Connor in Berlin und teilt mit Lee nicht nur den annähernd gleichen Musikgeschmack, sondern auch die neue Band Jettes. Im November letzten Jahres erschien die erste gemeinsame EP mit dem Titel "Hockey Smile", im Mai diesen Jahres folgte (coronabedingt) eine sehr feine Akustik-Version des The-Breeders-Hits "Divine Hammer" und nun also die bei Duchess Box Records verlegte Single "Team" - so gut wie sie klingen, darf das gern in diesem Takt weitergehen.

Update: Weil heute Abend der erste Slot von zweien auf dem Hamburger Reeperbahn Festival stattfindet, gibt es von den Jettes gleich noch eine weitere neue Single zu hören - "Justine" läutet auch, so ist zu lesen, eine Schaffenspause für Lee's Band Gurr ein.

16.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
18.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
05.10.  Bonn, Harmonie







Dienstag, 15. September 2020

Lambchop: Unerklärlich

Der Erfolg des Vorstandsvorsitzenden aller Murmler und Rauner, Kurt Wagner also, ist als Phänomen hinzunehmen und kaum erklärlich, weil Kunst eben keine Erklärungen braucht, sondern einfach wirkt. Was hier wortwörtlich herbeistelzt, ist die Einleitung zur frohen Nachricht, dass nämlicher Wagner mit seiner Band Lambchop die Veröffentlichung eines Coveralbums mit dem Titel "TRIP" bekanntgegeben hat und zwar für den 13. November via City Slang Records. Die mit zittrigen Fingern (weil Vorfreude) ausgeführte Recherche bringt dann mit "Reservations" nicht nur die erste Hörprobe zum Vorschein - ganze dreizehn Minuten einer Neubearbeitung des Wilco-Songs vom unvergleichlichen Album "Yankee Hotel Foxtrot" (2002). Sondern auch die Tracklist mit weiteren fünf Stücken, u.a. mit "Where Grass Won't Grow" von George Jones, "Love Is Here And Now You're Gone" von den Supremes und Stevie Wonders "Golden Lady". Zur aktuellen Vorauskopplung merkte Wagner übrigens an: "As with all the covers on 'TRIP' it was chosen not so much for it's content or as a tribute to the original but for what our group could bring out in the recording of it. In this case I think it best demonstrates who we are as a group and what we are currently capable of expressing."



Fontaines D.C.: Mit besten Absichten [Update]

Fontaines D.C.
„A Hero’s Death“

(Partisan Records)

Woher all der Argwohn kommt? Nun, manchmal ist das Alter eben nicht von Vorteil, sorgt die damit angeblich einhergehende Weisheit, von der ständig die Rede ist, dafür, dass man das hektische und beneidenswert vorbehaltlose Schaffen der Jugend mit misstrauischen Blicken und Zweifeln begleitet. Dabei ist doch eigentlich gar nichts Verwerfliches daran, wenn eine so junge und talentierte Band wie die Fontaines D.C. aus Dublin gerade mal ein Jahr nach Veröffentlichung ihres fabelhaften Debüts „Dogrel“ gleich die nächste, allzeit beunkte zweite Platte angeht. Lassen wir also alle Bedenken und schlechten Beispiele (The Killers, Kings Of Leon, Coldplay, you name it) mal beiseite. Und freuen uns an der Schlagzeile der Irish Times, die gerade treffend titelte: „Same band, different songs, same brilliance“.



Genaugenommen war das ja genau die Schlagzeile, die man insgeheim erhofft hatte. Und selbst die Band scheint hin- und hergerissen zwischen eigenem Anspruch und der Erwartungshaltung ihres nunmehr doch recht großen Publikums. Auf der einen Seite, so sagte Sänger Grian Chatten dem Guardian, habe er gar keine Lust, sich zu rechtfertigen, ob denn die neue Platte mit der alten vergleichbar sei, ob ein „weiter so“ vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: “This is us as people. If people can’t accept it or don’t like it, then their band is gone.” BAM! Andererseits unterstrich Chatten im gleichen Gespräch, dass es nichts Verlogeneres gäbe als einen Rockstar, der sich angeblich um nichts und niemanden bei seiner Arbeit Gedanken mache – der Mittelweg, ein schmaler Grat, ist es wohl, was den Reizpunkt setzt.



Dass die Fontaines D.C. mit ihrem neuen Status nicht rundherum glücklich sind, beweisen die mehr oder weniger deutlichen Textbezüge in den Songs von „A Hero’s Death“ – Stücke wie „Televised Mind“, „A Lucid Dream“ (Update: Video) und „I Don’t Belong“ wählen hier eine ungewohnt ehrliche Sprache. Mit Überzeugung so zu sein, wie man ist – Chattens großes Anliegen auf diesem Album. Dann nämlich landet man schnell auf der übergeordneten Ebene mental health, die ja in den letzten Monaten und Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit und Brisanz erfahren hat. Vor diesem Hintergrund erlangen wiederum Songs wie „A Hero’s Death“, „I Was Not Born“ und an abschließende „No“ eine um so dringlichere Bedeutung. Und bilden den Kontrast zu nostalgischer Rückschau, Liebeslied und Alltagsflucht, die auch ihren Platz bekommen.

Auffällig in musikalischer Hinsicht – das neue Werk ist, mehr als das Debüt, welches noch von Ungestüm geprägt war, ein Songwriting-Album geworden, die fünf legen weitaus größeren Wert auf Wandelbarkeit, stilistische Nuancen, genre-crossing also. Wo „Dorgel“ noch ein lupenreines Post-Punk-Gewächs war, werden hier ganz andere Fachgebiete touchiert, kommen Streicher, Akustik- und Westerngitarren zum Einsatz, sogar balladeske Züge versagen sie sich nicht („Oh Such A Spring“) und bei „Sunny“ erwartet man fast, dass nunmehr gleich ein Sinatra-Hologram um die Ecke tänzelt und Ol Blue Eyes dem Sänger mit generösem Blick den Arm um die Schulter legt. „That is us“ - wie gesagt, sie wollten es wissen und haben es durchgezogen.



Es gibt, das darf man feststellen, keinen einzigen schlechten und keinen langweiligen Song auf dieser Platte - und beileibe nicht alle brechen mit den Erwartungen (soll heißen: Post-Punk still exits, mate). Dass die Jungs ihren Anhänger*innen etwas zumuten mußten, wollten sie vor sich selbst das Gesicht nicht verlieren, ist schlüssig und bestens geglückt. Ohnehin gibt es, und zwar besonders in der Rückschau mit einiger Zeit Abstand, kaum etwas Öderes als die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Schon klar, sie sind nicht die ersten mit dieser Erkenntnis, aber einen ganz wichtigen Punkt haben sie, glaubt man dem Gitarristen Carlos O’Connell, schon mal kapiert: “It’s not up to us to become the biggest band in the world, it just isn’t. It’s up to how the music resonates.”

15.03.  Zürch, Dynamo
16.03.  München, Backstage
19.03.  Berlin, Astra Kulturhaus
20.03.  Hamburg, Gruenspan
26.03.  Wiesbaden, Schlachthof
27.03.  Köln, Live Music Hall

Billy Nomates: Ein erster Anfang

Natürlich kann das nur ein Anfang sein. Denn der Wunsch nach mehr, den Billy Nomates mit ihrem fabelhaften Debütalbum geweckt hat, dürfte mit dem einen Termin sicher nicht gestillt werden. Und doch: Es geht los. Erst vor wenigen Tagen trat die Selfmade-Künstlerin im Vorprogramm der Sleaford Mods bei einem Streaming-Event im Londoner 100Club auf und man geht sicher nicht zu weit, wenn man behauptet, sie habe den beiden Kerlen aus Notthingham ein wenig die Show gestohlen. Nun, sie werden das sicher verschmerzen, kümmern sich die Mods und ihr Management doch ohnehin rührend um ihre Karriere - jetzt also eine erste kleinere Europatour. Und die Hoffnung, dass wir die quirlige Künstlerin bald für ein paar Tage mehr hier in Deutschland begrüßen dürfen.

16.02.  Berlin, Urban Spree



Montag, 14. September 2020

Alex The Astronaut: Erstaunlich geerdet

Alex The Astronaut
„The Theory Of Absolutely Nothing“
(Minkowski Records)

Soll keine/r behaupten, er oder sie wisse mit solcher Musik nichts anzufangen – zu gefühlig, zu schwärmerisch, zu verträumt? Pah, da kann man in den Playlisten der härtesten Knochen stöbern, irgendwo entdeckt man immer einen Song von Joni Mitchell, Suzanne Vega, First Aid Kit oder Amy MacDonald. Gerade die drei Letztgenannten sind nicht ganz zufällig gewählt, denn Alexandra Lynn, Twen aus Sydney, spielt mit ihrem gitarrenorientierten Folkrock in eben jener Liga. Und das bedeutet eben auch, dass die Stücke auf dem Debütalbum zwar verdammt locker klingen, aber deshalb keineswegs banal oder seicht sind. Denn auch wenn die zahlreichen Bezüge der studierten Mathematikerin (!) und Physikerin (!!) wie Labelname, Albumtitel und Pseudonym vermuten lassen, dass Lynn den Kontakt zum realen Leben etwas verloren zu haben scheint, so schöpft sie für die Texte ihrer Platte doch aus einer Alltäglichkeit, die vielen Mädchen und Frauen in diesem Alter bekannt sein müsste. Die melancholische Rückschau auf unbeschwerte Tage ist da ebenso dabei wie die große Liebe und der Trennungsschmerz. Oder eben auch sehr ernsthafte Gedanken zu Abtreibung („Lost“) und häuslicher Gewalt („I Like To Dance“) – man kann ihr wahrlich nicht vorwerfen, den Problemen ihrer Generation oder ihrer Altersgenossinnen aus dem Weg zu gehen. Sie packt sie auf ihre Weise an. Dass die Stücke zudem sehr eingängig und melodieverliebt klingen, will man ihr nicht wirklich zum Vorwurf machen. Auch wenn sie in Zukunft gern mal etwas beherzter in die Saiten ihrer Gitarre etwas härter anfassen darf, läßt man sich von den Songs des Albums dich nur zu gern mitnehmen.



Sonntag, 13. September 2020

Brausepöter x Bluthund: Angetreten!


Die einen ganz neu, die anderen altbekannt. Die einen aus Berlin, die anderen aus NRW. Was sie eint: Ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Militaria im Allgemeinen und der Bundeswehr im Speziellen. Denn einer der bekanntesten Songs von Brausepöter (das sind die Altbekannten) ist ein Song besagten Namens, Bluthund (die Newbies sozusagen) sind gerade dabei, ihre aktuell dritte Single zu promoten die da heißt "Soldatinnen und Soldaten" im Flintenuschi-Edit. Es gibt also, auch wenn man soundmäßig doch etwas auseinanderliegt, durchaus inhaltliche Parallelen und auch die gute alte Sturmhaube kommt bei beiden Truppen, äh - Bands wieder zu neuen Ehren. "FREMDER", so der Titel von Brausepöter, stammt im Übrigen aus dem Film "Das Theater träumt" von Christian Schäfer (mit Texten u.a. von Nora Gomringer, Theresia Walser, Tilman Rammstedt und Moritz Rinke) und soll die Zeit bis zum nächsten Album Anfang 2021 überbrücken. Bluthund wiederum hatten bislang die Tracks "BYE BYE IROKESENGANG" und "VIBEKILLAH" in Umlauf, mit ihrem "StromGitarrenWutRap" (Selbstbezichtigung) werden auch sie wohl bald in großem Stil auf LP debütieren. Vorerst das Ganze hier als gemeinsame Präsentation.