Freitag, 15. Juli 2011

Unterwegs im Gitarrengebirge



Grooms „Prom“ (Kanine)
Das Internet ist ja wie viele Dinge im Leben bekanntlich Fluch und Segen zugleich. Ein Grund zur Freude: Neben all den öden Wiederkäuern stolpert man plötzlich über eine Platte dieses Trios aus Brooklyn – beim lokalen Plattendealer, so er denn noch um die Ecke wohnt und nicht einer Sportsbar oder einem Starbucks Platz machen musste, hätte man für so einen Fund schon lange die Cover umklappen müssen. Das Ärgernis folgt auf dem Fuß: Über die Grooms lassen sich, auch wenn diese neue Platte schon die zweite und, soviel vorweg, eine ganz und gar wunderbare ist, im allwissenden Web nur spärliche Informationen sammeln, neben ein paar kurzen Anmerkungen anläßlich ihres Debüts im Jahr 2009 bleibt einem nur der bandeigene Blog nebst obligatorischer MySpace-Verlinkung.

Dass Travis Johnson, Emily Ambruso und Jim Sykes, wie auf ihrer Seite zu lesen ist, leidenschaftliche Verehrer der Smiths sind, hätte man angesichts des sperrigen Sounds von „Prom“ so nicht unbedingt erwarten können – je nach Song wären die Vermutungen (ganz im Sinne der Band, die dem Buchstaben „S“ eine kautzige Vorliebe entgegenbringt) eher in Richtung Sonic Youth, Stereolab oder Smashing Pumpkins gegangen. Wie auch immer – an die Schublade wird jedenfalls erst einmal ein Schild mit der Aufschrift „melodiöser Noisepop“ gepinnt, drinnen tummeln sich elf Stücke, die sich in Struktur bzw. Aufbau doch recht ähnlich sind: Als Unterbau dient eine honigsüße, zarte Melodie, mal leichter Folk, mal psychedelisch versponnen, darauf setzen die drei ganze Gitarrengebirge – kreischend, splitternd, ausufernd, in jedem Falle gewaltig („Tiger Trees“, „Prom“, „Aisha“).

Andere Stücke („Into The Arms“, „Don’t Worry, You’re Prettier“) beginnen gleich mit angezogener Schlagzahl, ändern aber mittendrin abrupt das Tempo oder zerfallen gegen Ende in ungeordnete Lärmsequenzen. Einzig das träumerische „Skating With Girl“, gesungen von Emily Ambruso, und der fast schon radiotaugliche Abschluß „3D Voices“ fallen ein wenig aus diesem Raster. Und auch wenn man die Texte nur als kryptische Selbstbespiegelungen wahrnimmt und sich wenig Erhellendes aus den Zeilen schließen läßt – die Songs sind von einer Intensität und Strahlkraft, wie man sie wirklich selten trifft. Dann wiederum ist es vielleicht von Vorteil, wenn den Grooms vorerst die große Popularität versagt bleibt, möchte man doch das Überraschende, das Einzigartige gern noch eine Weile für sich behalten.

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