Wer so vorlegt, dem muß um die Zukunft nicht bange sein: Die New Yorker Formation Pom Pom Squad hat vor zwei Jahren mit "Hate It Here" eine wunderbare Debüt-EP veröffentlicht und wir sind ehrlich genug um zuzugeben, dass vor allem Leadsängerin und Songschreiberin Mia Berrin einen großartigen Eindruck hinterlassen hat. Sie ist es natürlich auch, die die letzten Stücke dominiert hat - "Heavy Heavy" also vor ein paar Monaten und nun die aktuelle Single "Honeysuckle". Beide Tracks stammen von der kommenden EP "Ow", die für den 6. September terminiert wurde.
Mittwoch, 31. Juli 2019
Sleater-Kinney: Kleiner Trost [Update]
Die Nachricht vom Ausstieg der Janet Weiss hat ja in den letzten Wochen für einigen Verdruß gesorgt. Gerade waren Sleater-Kinney mit der Meldung einer neuen Platte vorstellig geworden, die ersten Töne draußen, gemeinsame Auftritte in den Tonightshows der üblichen Verdächtigen und dann so etwas. Was auch immer die genauen Beweggründe für den Abschied waren, er hinterlässt eine schmerzhafte Lücke und trotz aller Mühe werden Sleater-Kinney (ähnlich wie die Pixies nach dem Abgang von Kim Deal) nicht mehr die selben sein (können). Tröstlich vielleicht, dass von der künftigen Platte "The Center Won't Hold" nun der Titelsong geteilt wurde.
Update: Und weiter geht es - hier kommt das Lyric-Video zur neuesten Auskopplung "Can I Go On".
Update: Und weiter geht es - hier kommt das Lyric-Video zur neuesten Auskopplung "Can I Go On".
Dienstag, 30. Juli 2019
Sleaford Mods: Kleine Bühne, große Wirkung
Ein sehr ungewöhnliches Konzert- bzw. Musikerlebnis gibt es derzeit wieder mal bei ARTE zu sehen. Seit ein paar Stunden endlich online abrufbar ist ein gut fünfundvierzigminütiger Film aus der Reihe "Release Party". Dahinter verbirgt sich die Idee, Künstler und ihr aktuelles Album in besonderem Rahmen zu präsentieren - hier die Sleaford Mods und deren fabelhafte Platte "Eton Alive". Kleine szenische Einspieler wechseln mit Livebildern vor ausgewähltem Publikum in einer alten Fabrikhalle, alle Schauspieler finden sich nach und nach unter den Zuschauern wieder. Jason Williamson und Andrew Fearn dagegen in den gewohnten Rollen - der eine mit breitem Grinsen und Bierflasche in Hüfthöhe, der andere als Tänzer und Animateur, kleine Flirts mit der Kamera, sparsame Gestik diesmal. Thematisch dreht sich das Storybook um Gewalt, Emotionen, Diskussionen, dass der Film nur in französisch zu haben ist, stört kaum, denn die Songs kommen ohnehin ungefiltert. Nicht das Übliche und deshalb unbedingt sehenswert - für Fans ohnehin ein Muss.
GHUM: Weit verzweigt
Ha, da haben wir gestern noch von der global agierenden Band Ora The Molecule und ihrem geschmeidigen LoFi-Pop geschwärmt, da kommt am Tag danach eine Band daher, die zwar musikalisch ein komplett anderes Feld beackert, dafür aber das Wort "global" gleich mal noch eine Dimension weiterdreht. Die Mitarbeiterinnen des Londoner All-Girl-Quartetts GHUM nämlich kennen gleich vier Kontinente bzw. Nationalitäten als da wären Europa (Spanien), Südamerika (Brasilien), Südostasien (Malaysia) und - naja, eben eine schwer definierbare Insel namens Großbritannien. Spaß beiseite - das gilt im Übrigen auch für die düsteren Post-Punk-Klänge der Formation, Ende Juni ist ihre zweite EP "The Coldest Fire" erschienen, von dieser stammt der Track "Saturn", der seit einem Tag auch ein Video hat.
Angel Olsen: Die dunkle Seite
Wenn eine Frau ein sicheres Gespür für große Popmomente hat, dann sie: Angel Olsen, amerikanische Songwriterin aus St. Louis, Missouri, hat gerade ihr drittes Album für das Label Jagjaguwar angekündigt - "All Mirrors" folgt "My Woman" aus dem Jahr 2016 und soll am 4. Oktober erscheinen. Wie sie selbst sagt, geht es darauf einmal mehr darum, die eigene, dunkle Seite zu erkennen und Veränderungen zu akzeptieren, auch wenn sie einem fremd erscheinen. Das Video zum Titelsong hat Olsen gemeinsam mit Ashley Connor gedreht, für die sie schon diverse Male in ihrer Karriere vor der Kamera stand, eine kurze Tour durch Deutschland ist erfreulicherweise für das kommende Jahr auch schon terminiert.
29.01. München, Kammerspiele
30.01. Berlin, Huxleys Neue Welt
05.02. Hamburg, Gruenspan
29.01. München, Kammerspiele
30.01. Berlin, Huxleys Neue Welt
05.02. Hamburg, Gruenspan
Iggy Pop: Einer wie keiner [Update]
Update: Heute kommt mit "James Bond" eine neue Kostprobe vom Album - irgendwie passend zum Boulevard-Thema der vergangenen Woche...
Montag, 29. Juli 2019
Ora The Molecule: Andere Zeiten
Das ist ja immer lustig, wenn man merkt, wie die Zeiten sich geändert haben: Wenn man früher Avantgarde-Pop angepriesen bekam, konnte man sich ziemlich sicher sein, dass das, was es zu hören gab, eher unhörbar war. Ehrensache halt. Heute sieht die Sache anders aus - Avantgarde darf jetzt gern auch mal extracreamy sein, verspielt, anschmiegsam, so in etwa. Was uns auf direktem Weg zu einem sehr interessanten Trio namens Ora The Molecule führt. Dieses besteht, maximal global, aus der norwegischen Sängerin Nora Schjederup, der slowakischen Drummerin Sju Smatanova und dem Deutschen Jan Blumentrath. Vor einem Monat haben die drei ihre EP "Sugar" veröffentlicht, darauf findet sich neben dem Titelssong noch drei weitere Tracks - heute nun kommt mit "Salé" quasi das programmatische Gegenstück, gewürzmäßig betrachtet. Mit der Musik sollte man schnell warm werden, schließlich ist der LoFi-Pop höchst eingängig, sind die Vocals weich und die synthetischen Melodien überaus verführerisch. Und wen(n) sie ein wenig an den Ethnosound von Deep Forest erinnern - who cares?
Samstag, 27. Juli 2019
Dicht und Ergreifend: Schick di, Oida!
Wie, noch kein Ticket?! Da bist du aber spät dran. Denn auch wenn's noch was hin ist zum großen Saisonfinale in der Olympiahalle - die Dinger gehen raus wie nix. Dicht und Ergreifend, die wohl unterhaltsamste Verbindung zwischen Niederbayern und Berlin, werden am 26. Oktober in München das Abschlußkonzert ihrer Tournee zum Album "Ghetto Mi Nix O" unter dem Titel "Das letzte Abendmahl" spielen. Und als Erinnerung haben George Urquell, Lef Dutti und Kollegen gerade den neuen Track "Wer schwankt hod mehr vom Weg" gepostet. Und damit gleich das Video der Woche, denn zum wiederholten Male gibt es zu satten Beats und remarkable Rhymes herrlich verrückte Bilder nebst Rabbi, Dragqueens, Kiffern und sonstigen fertigen meint lustigen Gestalten.
25.07. Ludwigsburg, SCALA
26.07. Rothenfels, Schere Stein Papier Festival
27.07. Oberammergau, Heimatsoundfestival
02.08. Eching, Brass Wiesn Festival 2019
10.08. Aichach, Stereostrand Festival
17.08. Obertraubling, Airport Open Air
22.08. Jena, Kulturarena
23.08. Lembach, Lembach Open Air
24.08. Eggenfelden, Gern Geschehen Festival
25.08. Appenzell, CLANX Festival 2019
14.09. Pyras, Hopfenpflücker Festival
21.09. Baden, Werkk
26.09. Erlangen, E-Werk
27.09. Schaffhausen, TapTab
28.09. Solothurn, Kofmehl
02.10. Berlin, LIDO
11.10. Wien, FLEX
12.10. Salzburg, Rockhouse
26.10. München, Olympiahalle
25.07. Ludwigsburg, SCALA
26.07. Rothenfels, Schere Stein Papier Festival
27.07. Oberammergau, Heimatsoundfestival
02.08. Eching, Brass Wiesn Festival 2019
10.08. Aichach, Stereostrand Festival
17.08. Obertraubling, Airport Open Air
22.08. Jena, Kulturarena
23.08. Lembach, Lembach Open Air
24.08. Eggenfelden, Gern Geschehen Festival
25.08. Appenzell, CLANX Festival 2019
14.09. Pyras, Hopfenpflücker Festival
21.09. Baden, Werkk
26.09. Erlangen, E-Werk
27.09. Schaffhausen, TapTab
28.09. Solothurn, Kofmehl
02.10. Berlin, LIDO
11.10. Wien, FLEX
12.10. Salzburg, Rockhouse
26.10. München, Olympiahalle
Freitag, 26. Juli 2019
Dirk Darmstaedter: Zweimal alte Liebe
Ein Post in Vorbereitung und das Lied einer großen Liebe: Dirk Darmstaedter, Ex-Vorstandsmitglied der Jeremy Days und ausdauernder Solomusiker, hat eine neue Platte fertig. "Strange Companions", der Nachfolger zur letzten Veröffentlichung "Beautiful Criminals" aus dem Jahr 2016, soll mit zehn Stücken am 16. August bei Beg Steal And Borrow Records erscheinen, als erste Auskopplung präsentiert der gebürtige Hamburger einen auch visuell in Szene gesetzten Homecoming-Song "Wilhelmsburg", den Stadtteil, wo er heute noch immer lebt und an dem das Herz des leicht ergrauten Mittfünfzigers hängt. Was uns bei der Platte erwartet? Nun, Darmstaedter spricht im Vorfeld von seiner Lust am Experimentieren, Ausprobieren, von neuen Stilen, Instrumenten und davon, dass er sich nicht um den großen Kontext scheren musste. Bevor er seinen Anhängern im Frühjahr 2020 das Ergebnis auf Livetournee präsentiert, sind aber erst mal die alten Hits dran, denn schon Ende November wird er gemeinsam mit seinen früheren Kollegen unter der Überschrift "The Unlikely Return" ein Comeback der Jeremy Days feiern.
22.11. München, Ampere
23.11. Berlin, Lido
24.11. Hamburg, Gruenspan
26.11. Hannover, Musikzentrum
27.11. Bochum, Zeche
29.11. Köln, Stollwerck
30.11. Frankfurt, Zoom
01.12. Stuttgart, Wizemann
22.11. München, Ampere
23.11. Berlin, Lido
24.11. Hamburg, Gruenspan
26.11. Hannover, Musikzentrum
27.11. Bochum, Zeche
29.11. Köln, Stollwerck
30.11. Frankfurt, Zoom
01.12. Stuttgart, Wizemann
Faber: Bis an die Schmerzgrenze [Update]
Jeden Tag wird neu durchbuchstabiert und jeden Tag kommen neue Namen dazu: Höcke, Weidel, Strache, Köppel, Blocher, es wird nicht besser. Eher gruseliger. Einen eindringlicheren Soundtrack zur europäischen Sinnkrise und nationalen Deppendämmerung als der Schweizer Faber aka. Julian Pollina haben bislang nur wenige hinbekommen, sein Album "Sei ein Faber im Wind" sucht heute, zwei Jahre nach Erscheinen, noch seinesgleichen. Und findet es vielleicht schon in der nächsten Platte des Liedermachers. "I Fucking Love My Life" wird sie heißen und am 4. November erscheinen, die erste Single "Das Boot ist voll" nimmt einen altbekannten und -berüchtigten Slogan her und geht zitatemäßig an die Schmerzgrenze. Sechszehn neue Songs, Doppelalbum, wir werden also einiges zu hören bekommen. Nur her damit!
Update: Zum Ärger seines Managements hat Faber gerade noch mal was am Text der Single geändert - hier nun also mit Erklärung die neue Version.
"Meine Lieben, das ist eine promotechnische Katastrophe und mein MGMT hät mich fast gemordet dafür. Ich ersetze die erste Single „Das Boot ist voll“ mit einer neuen, stärkeren Version. Das Lied und das Thema liegen mir zu sehr am Herzen um es bei einer Version zu belassen mit der ich nicht absolut zufrieden bin. Vor allem will ich nicht, dass ihr nach so wichtigen Strophen nur noch den Schwanz-Refrain im Kopf habt. Von Herzen vielen Dank für die riesen Unterstützung all die Jahre schon, Fubu."
Update: Zum Ärger seines Managements hat Faber gerade noch mal was am Text der Single geändert - hier nun also mit Erklärung die neue Version.
"Meine Lieben, das ist eine promotechnische Katastrophe und mein MGMT hät mich fast gemordet dafür. Ich ersetze die erste Single „Das Boot ist voll“ mit einer neuen, stärkeren Version. Das Lied und das Thema liegen mir zu sehr am Herzen um es bei einer Version zu belassen mit der ich nicht absolut zufrieden bin. Vor allem will ich nicht, dass ihr nach so wichtigen Strophen nur noch den Schwanz-Refrain im Kopf habt. Von Herzen vielen Dank für die riesen Unterstützung all die Jahre schon, Fubu."
Gaddafi Gals: Linientreu
Wenn ein Musikprojekt (das klingt jetzt scheusslich) aus Berlin und Wien in Amerika als Trendsetter gefeiert wird, dann kann eigentlich nicht so viel falsch gelaufen sein. Namentlich passiert das gerade den Gaddafi Gals, hochgelobter Hype-Export, gegründet und bevölkert von walter p99 arke$tra, blaq tea (Ebow) und slimgirl fat. Im Jahr 2017 erschien ihre EP "The Death Of Papi", angetreten mit dem Ziel, "to kill Papi-Rap, Mami-RnB and a few other Papis and Mamis". Für ihr Debütalbum "Temple", das am 27. September ins Regal gelangt, gilt weiterhin ihr Anspruch "No labels, no deals, no borders, no nothing" und zwar mit einem Sound, der zugleich "ruff, rugged and raw" klingt. Man muß kein Amerikaner sein, um diese Mischung, die noch dazu mächtig dunkel und geheimnisvoll vibriert, sehr reizvoll zu finden, ihre heute erschienene Single "Hit On Me" mit einem Video von Dominik Backhaus tut ein Übriges dazu, gleiches gilt auch für den etwas früher geposteten Track "Skimask/Mitsubishi". Die Clubtour sollte also eine Pflichtveranstaltung werden.
01.08. Bern, Ostfest
24.08. Potsdam, Localize Festival
28.10. Wien, Das Werk
02.11. München, folks! Club
03.11. Stuttgart, Schräglage
04.11. Köln, Yuca
05.11. Leipzig, ifz
07.11. Hamburg, Turmzimmer
08.11. Berlin, Badehaus
01.08. Bern, Ostfest
24.08. Potsdam, Localize Festival
28.10. Wien, Das Werk
02.11. München, folks! Club
03.11. Stuttgart, Schräglage
04.11. Köln, Yuca
05.11. Leipzig, ifz
07.11. Hamburg, Turmzimmer
08.11. Berlin, Badehaus
Black Marble: Eins zum anderen
Wenn Veränderung, dann richtig. Hat sich wahrscheinlich auch Chris Stewart gedacht. 2016 hat der Musiker noch gemeinsam mit Ty Kube unter dem Namen Black Marble das Album "It's Immaterial" aufgenommen, nun stemmt er unter gleichem Namen das Projekt allein - und ist auch noch von New York nach Los Angeles gezogen. Anderes Klima, anderer Sound - die erste Single aus der kalifornischen Metropole "One Eye Open" klingt denn auch deutlich luftiger und entspannter und man kommt nicht umhin zu vermuten, das habe mit dem Wohnortwechsel zu tun. Und weil das offenbar noch nicht ausreichte, hat Stewart auch noch bei einem anderen Label unterschrieben, denn die neue Platte "Bigger Than Life" erscheint nun am 25. Oktober via Sacred Bones.
Die Sauna: Drängende Fragen
Was sind denn die drängenden Fragen? Etwa: Trägt der da tatsächlich Schulterpolster unterm Sakko? Vielleicht: Gibt's solche Blumenhemden heute noch/wieder zu kaufen? Oder: Meint er das mit Kreuzerlkette wirklich ernst? Das Video, das uns die Münchner Band Die Sauna da gerade vorsetzt, ist so derbe 90er, dass es in den Augen schmerzt. Glücklicherweise geht einem das mit den Ohren nicht so, soll heißen, der Klang von "Das Ende" ist zwar opulent, aber spannend, vollgepackt mit feinen Melodien, eine Pop-Wall Of Sound zur Abschaffung der Unendlichkeit. Nachdem 2017 ihre Debüt EP "Elektra" erschienen ist und die sechs Herren mit Vorliebe als Tourbegleiter verschiedener Großverdiener gebucht waren, sind sie nun selber dran mit dem Headlinen. Die Langspielplatte wird "So schön wie jetzt war es noch nie" heißen (und enthält auch die letzten beiden bekannten Stücke "Das Geometrische System" und "Der Letzte"), am 30. August bei Buback Tonträger mit Unterstützung von Blickpunkt Pop erscheinen und die Clubtour dazu startet Anfang Oktober.
02.10. Regensburg, Alte Mälzerei
03.10. Frankfurt, Ponyhof
04.10. Hannover, LUX
05.10. Hamburg, Uebel & Gefährlich
06.10. Berlin, Kantine am Berghain
11.10. Zürich, Werk 21
12.10. Freiburg, Räng Teng Teng
13.10. Stuttgart, clubCANN
14.10. Düsseldorf, zakk
15.10. Dresden, GrooveStation
16.10. Leipzig, Naumanns
17.10. Nürnberg, Club Stereo
18.10. Wien, Chelsea
19.10. München, Ampere
02.10. Regensburg, Alte Mälzerei
03.10. Frankfurt, Ponyhof
04.10. Hannover, LUX
05.10. Hamburg, Uebel & Gefährlich
06.10. Berlin, Kantine am Berghain
11.10. Zürich, Werk 21
12.10. Freiburg, Räng Teng Teng
13.10. Stuttgart, clubCANN
14.10. Düsseldorf, zakk
15.10. Dresden, GrooveStation
16.10. Leipzig, Naumanns
17.10. Nürnberg, Club Stereo
18.10. Wien, Chelsea
19.10. München, Ampere
Donnerstag, 25. Juli 2019
Marika Hackman: Deutungshoheit
Von Marika Hackman haben wir schon einiges gehört, manches geschrieben und wir erwarten uns schlicht Großartiges. Denn wenn eine Musikerin ihren Beruf so radikal interpretiert wie die Songwriterin aus Hampshire, dann nötigt das gewaltigen Respekt ab. Von "Any Human Friend", so der Titel ihrer dritten Platte, haben wir bislang die Stücke "I'm Not Where You Are" und "The One" gehört und gesehen, nun kommt mit "All Night" das dritte daher und in diesem geht es, wie Hackman erzählt, um Sex. Und zwar den zwischen Frauen. Denn, so gibt sie zu Protokoll: "Ich dachte, es wäre aufregend, ein wirklich offenes sexuelles Lied über eine Frau aus der Perspektive einer Frau zu schreiben. Du hörst nicht viel über Sex zwischen Frauen in der Musik, und wenn, dann nur aus einer fetischisierten männlichen Perspektive. Also dachte ich, ich könnte ein wenig davon zurückfordern ..."
B Boys: Hardcore Dadaism
B Boys
„Dudu“
(Captured Tracks)
Es ist nur dieser eine, winzige Bindestrich, aber zwischen diesem und seiner Abwesenheit liegen schlappe fünfunddreißig Jahre Kulturgeschichte. Denn einst (also in den fernen 80ern) gab es in der New Yorker Bronx eine Hip-Hop-Formation namens B-Boys und es ist anzunehmen, dass die Versalie bei ihnen standesgemäß auf den Bezug zum Breakdance hinweisen sollte. Dieser wiederum spielt bei Andrew Kerr, Brendon Avalos und Britton Walker aus dem benachbarten Stadtteil Brooklyn eine wohl eher untergeordnete Rolle, die drei Herren haben sich vielmehr dem schroffen Punkrock verschrieben und als weitergehende Vorbilder nicht Grandmaster Flash oder Afrika Bambaataa, sondern Wire, The Clash und die Talking Heads vermerkt. Auch gut also, aber nicht samesame. In eigenen Worten klingt die Erklärung im Übrigen wie folgt: „Geboren in verschiedenen Zeiten aus wechselnden Zuständen, versammeln sich diese B‘s auf der Astralebene und kanalisieren die individuelle Erfahrung und Weisheit ihrer jeweiligen Ursprungsorte in einer einzigartigen Einheit. Die Abstraktion nimmt die Form eines Dreiecks an: lebendige Gitarrenmelodien, wellenförmige Basslinien, tief wirbelnde Grooves, Klänge, die eine lineare Timeline überschreiten und über mehrere Spektren hinweg zersplittern, ineinandergreifende Vocals, die gekonnt nach oben schwingen und ihre Mantras erklingen lassen…“ Wem das jetzt etwas schwurbelig vorkommt, der darf getrost darauf vertrauen, dass sie mit ihrer Musik weit weniger kompliziert und vertrackt zu Werke gehen. Die Riffs auf dem Debüt „Dada“ und dem aktuellen Nachfolger „Dudu“ sind so geradlinig wie ihre Lyrics, die Gitarren schmirgeln ordentlich laut und die Jungs schreien ihre Sorgen, Nöte und die ganze aufgestaute Wut auf kürzestem Wege – anders kann man es kaum sagen – mitten in die Fresse rein. Viel Abwechslung ist da kaum zu erwarten, die fünfzehn Stücke des Albums beschränken sich fast alle auf das genretypische Sollmaß von zweieinhalb Minuten – Ausreißer das wunderbare „Instant Pace“ und das Doppel „Asleep/Awake“. Ansonsten: Gib ihm. Hardcore Dadaismus, die Welt kann so einfach sein.
08.11. Neuchatel, Case a Choc
15.11. Berlin, Schokoladen
„Dudu“
(Captured Tracks)
Es ist nur dieser eine, winzige Bindestrich, aber zwischen diesem und seiner Abwesenheit liegen schlappe fünfunddreißig Jahre Kulturgeschichte. Denn einst (also in den fernen 80ern) gab es in der New Yorker Bronx eine Hip-Hop-Formation namens B-Boys und es ist anzunehmen, dass die Versalie bei ihnen standesgemäß auf den Bezug zum Breakdance hinweisen sollte. Dieser wiederum spielt bei Andrew Kerr, Brendon Avalos und Britton Walker aus dem benachbarten Stadtteil Brooklyn eine wohl eher untergeordnete Rolle, die drei Herren haben sich vielmehr dem schroffen Punkrock verschrieben und als weitergehende Vorbilder nicht Grandmaster Flash oder Afrika Bambaataa, sondern Wire, The Clash und die Talking Heads vermerkt. Auch gut also, aber nicht samesame. In eigenen Worten klingt die Erklärung im Übrigen wie folgt: „Geboren in verschiedenen Zeiten aus wechselnden Zuständen, versammeln sich diese B‘s auf der Astralebene und kanalisieren die individuelle Erfahrung und Weisheit ihrer jeweiligen Ursprungsorte in einer einzigartigen Einheit. Die Abstraktion nimmt die Form eines Dreiecks an: lebendige Gitarrenmelodien, wellenförmige Basslinien, tief wirbelnde Grooves, Klänge, die eine lineare Timeline überschreiten und über mehrere Spektren hinweg zersplittern, ineinandergreifende Vocals, die gekonnt nach oben schwingen und ihre Mantras erklingen lassen…“ Wem das jetzt etwas schwurbelig vorkommt, der darf getrost darauf vertrauen, dass sie mit ihrer Musik weit weniger kompliziert und vertrackt zu Werke gehen. Die Riffs auf dem Debüt „Dada“ und dem aktuellen Nachfolger „Dudu“ sind so geradlinig wie ihre Lyrics, die Gitarren schmirgeln ordentlich laut und die Jungs schreien ihre Sorgen, Nöte und die ganze aufgestaute Wut auf kürzestem Wege – anders kann man es kaum sagen – mitten in die Fresse rein. Viel Abwechslung ist da kaum zu erwarten, die fünfzehn Stücke des Albums beschränken sich fast alle auf das genretypische Sollmaß von zweieinhalb Minuten – Ausreißer das wunderbare „Instant Pace“ und das Doppel „Asleep/Awake“. Ansonsten: Gib ihm. Hardcore Dadaismus, die Welt kann so einfach sein.
08.11. Neuchatel, Case a Choc
15.11. Berlin, Schokoladen
Mittwoch, 24. Juli 2019
bülow: Neue Wege gehen
Klingt so deutsch, isses aber nicht mehr. Megan Bülow ist zwar tatsächlich in Deutschland geboren, hat aber rein wohntechnisch mit dem Land nicht mehr so viel am Hut. Denn aufgewachsen ist die mittlerweile knapp Zwanzigjährige in England, den USA, Kanada und den Niederlanden, wo sie sich auch heute noch am meisten aufhält. Den internationalen Durchbruch schaffte sie mit dem feinen Poptune "Not A Love Song", ihre aktuelle 7-Track-EP "Crystalline" (April 2019) bescherte ihr dann jede Menge Lob und große Tourneen. Von dieser stammen die aktuellen Songs "Sweet Little Lies", "Get Stüpid" und "FINE", das gerade ein hübsches Schwarz-Weiß-Video bekommen hat. Am Erscheinungs- und Klangbild hat das Mädchen einiges gedreht, alles wirkt jetzt eine Spur weniger glatt, gern ist mal etwas Nerdiges, Lässiges und oder auch Unangepasstes dabei. Bleibt also spannend, die Reise.
Nick Cave: Der einzige Weg
Es wird ja in der letzten Zeit sehr oft und wohl auch zu Recht darüber gestritten, ob und wie man mit Leuten redet, mit denen eigentlich nicht zu reden ist. Das geht, schaut man in den deutschen Osten und Westen, gern mal daneben, gelingt aber an anderer Stelle auch wieder mal. Ohnehin ist ernstgemeinte Kommunikation nicht per se schmerzfrei, denn dazu gehören Dinge wie Zuhören (eben auch wenn es weh tut), Aus- und Gegenhalten. Binsenweisheiten. Trotzdem - wer wissen möchte, wie man das klug und trotzdem geradlinig hinbekommt, der darf dieser Tage mal in den Red Hand Files von Nick Cave nachblättern (oder seine Conversation-Tour besuchen), einer Art fortgeschriebener Onlinekolumne, die sich aus Wortbeiträgen des Sängers und seiner Fans speist. Gerade hat sich dort ein Anhänger namens George in sehr abschätziger Form über Caves weibliche Konzertbesucher geäußert und wiewohl man Caves Meinung darüber zu kennen glaubt, äußert sich dieser lehrbuch- und vorbildhaft, und dennoch sehr klar. Hier ein Auszug, den Rest unbedingt selbst nachlesen.
“So, in the interests of free speech, George, I have given you a platform. However, and I am speculating here, I think that probably ninety-nine percent of the people who read your question will think that you are being, well, a bit of an asshole. I could be wrong. It could be more. Now, you may say “So what? No one knows who I am. How can this possibly hurt me?” You may say that. But you would be wrong. I do not believe that your anonymity protects you, any more than I believe the anonymity of the hate trolls on social media protects them. I feel that there are psychic pathways that exist between us all, and that the negativity we create eventually finds its way back to us. … There is always room to evolve, to become better at being human, and to advance the common cause of humanity and civility – this applies not just to you, George, but to me too and, indeed, to all of us. With love, Nick”.
“So, in the interests of free speech, George, I have given you a platform. However, and I am speculating here, I think that probably ninety-nine percent of the people who read your question will think that you are being, well, a bit of an asshole. I could be wrong. It could be more. Now, you may say “So what? No one knows who I am. How can this possibly hurt me?” You may say that. But you would be wrong. I do not believe that your anonymity protects you, any more than I believe the anonymity of the hate trolls on social media protects them. I feel that there are psychic pathways that exist between us all, and that the negativity we create eventually finds its way back to us. … There is always room to evolve, to become better at being human, and to advance the common cause of humanity and civility – this applies not just to you, George, but to me too and, indeed, to all of us. With love, Nick”.
DJ Shadow vs. De La Soul: Traumhochzeit
Smells like Traumhochzeit again: Wenn sich zwei wirkliche Schwergewichte zusammentun, ist das zwar kein Garant für einen Erfolg, manchmal kommt aber auch etwas richtig Gutes dabei heraus. So geschehen beim aktuellen Joint Venture zwischen DJ Shadow und der Rap-Kolchose De La Soul. Nachdem der Plattendreher (unzulässige Untertreibung) vor drei Jahren mit seinem Album "The Mountain Will Fall" eine grandiose Rückkehr gefeiert hat, steht diese nun offensichtlich wieder an, "Rocket Fuel" läßt jedenfalls die größten Hoffnungen sprießen.
Metronomy: Lieblingskinder des Pop [Update]
Sie sprudeln und sprudeln vor Schaffensfreude, die Briten. Kein Tag ohne eine neue Meldung, dass dieser oder jene eine neue Platte ankündigt, man hat fast den Eindruck, die bedauernswerten Zustände im Land treiben die Kreativen zu neuen Höchstleistungen. So auch Metronomy, diese popverliebte, kluge Band um Sänger und Songschreiber Joseph Mount. Vor einigen Wochen ist ja schon das erste Lebenszeichen in Form der Single "Lately" erschienen, nun kommt die zweite "Salted Caramel Ice Cream" samt Video hinterher, flankiert von der Nachricht, dass den beiden letzten Alben "Love Letters" (2014) und "Summer 08" (2016) am 13. September "Metronomy Forever" folgen soll. Ach ja, wer das fühlen will, sollte die anstehenden Livetermine nicht verpassen, vielleicht steht ja auch ein Eiswagen vor Ort.
21.10. München, Tonhalle
22.10. Köln, Carlswerk
23.10. Hamburg, Docks
24.10. Berlin, Columbiahalle
26.10. Offenbach, Capitol
Update: Wir erhöhen die Vorfreude um ein weiteres Stück - hier kommt "Walking In The Dark".
21.10. München, Tonhalle
22.10. Köln, Carlswerk
23.10. Hamburg, Docks
24.10. Berlin, Columbiahalle
26.10. Offenbach, Capitol
Update: Wir erhöhen die Vorfreude um ein weiteres Stück - hier kommt "Walking In The Dark".
FEET: Einfach mal Spaß haben
Wer zu Tagesbeginn aber eher einen Wachmacher braucht, dem ist vielleicht mit dem Punk-Kollektiv FEET aus dem englischen Coventry geholfen. Für ihre beiden letzten Singles "Ad Blue" und "English Weather" haben die vier Jungs schon alles erdenkliche Lob von den bekannten Radiostationen und Webportalen des Landes bekommen, nun folgt mit "Outer Rim" der dritte Streich. Und der zeigt einmal mehr ein weiteres Plus der Truppe, nämlich die Lust an der witzigen Geschichte, gepaart mit Freude an der Verkleidung ohne Angst, sich auch mal lächerlich zu machen. Das Album der Burschen wird am 4. Oktober bei Clapped Records erscheinen und den wunderbaren Titel "What's Inside Is More Than Just Ham" tragen. Haben wir ja schon immer gewußt...
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