Sonntag, 9. Dezember 2018

The Faded North: Leiwand auf britisch

Preisfrage: Britisch oder wienerisch - wonach sieht das Bild da oben aus? Antwort: Wahrscheinlich beides. Denn Matt Rhodes, Jim Jones und Matt Pottinger stammen tatsächlich von der Insel, haben sich aber Wien als Heimatstadt ausgesucht. Hört man auch nicht alle Tage. Macht aber Sinn, denn wer Wien kennt, der weiß, wie wunderbar es sich dort leben lässt und auch das Musizieren macht dort Spaß. Dafür spricht jedenfalls die wachsende Anzahl hoffnungsvoller Nachwuchsbands und namhafter Stars, die mittlerweile in der österreichischen Metropole leben. Und dazu gehören eben auch The Faded North, die Formation also, hinter der sich diese drei Herren verbergen. Ihre zweite EP "What Did I Miss?" ist gerade mit vier neuen Songs erschienen - Dreampop allererster Güte, zur aktuellen Single "Security" gibt es jetzt auch ein hübsches Super-8-Video.



Fanclub: Einfaches Rezept

Kurzer Schwenk vor Jahresschluß nach Austin, Texas: Von dort stammt das Trio Fanclub. So einfach wie der Name scheint auch das Rezept von Mike Lee, Leslie Crunkilton und Daniel Schmidt zu funktionieren - poppiger Gitarrensound mit ein paar feinen Ohrwurm-Hooks, Synthesizer zur Unterstützung und natürlicher einer weicher, gefälliger Leadgesang. Anfang nächsten Jahres wird ihre Debüt-EP "All The Same" auf dem Berliner Label Friendly Reminder erscheinen, wir haben hier schon mal drei Stücke zum Vorspielen dabei, neben "Reflection" und "Leaves" auch die aktuelle Single "Stranger".

Samstag, 8. Dezember 2018

Freunde der Italienischen Oper: Überlebt

Selbst der größte Ignorant wird bestätigen müssen, dass die Musikszene der ostdeutschen Vorwendezeit eine unglaublich vielfältige gewesen ist. Irgendein findiger Kaderfunktionär (?) hatte die Gesamtheit besagter Kreativität damals unter dem Stichwort "Die anderen Bands" für das staatseigene Tonträgerkombinat AMIGA zusammengefaßt, immerhin konnten so Bands wie Feeling B, Hard Pop, Sandow und WK13 auf ihre erste Vinylpressung verweisen. Nicht dabei leider Tausend Tonnen Obst, Wartburgs für Walter, Hans am Felsen, von bekannteren Szenegrößen wie Die Art, Die Skeptiker, Kaltfront, DEKAdance und AG Geige (uvm.) ganz zu schweigen. Ebenfalls unterschlagen: Die Freunde der Italienischen Oper. Deren Wiederkunft hat nun heute Peter Richter in einem Einspalter der Süddeutschen Zeitung erwähnt, dankenswerterweise gleich mit komplettem Werdegang samt Rummelsnuff-Intermezzo. Grund zur Freude also, die Platte "Via Dolorosa" erscheint bei Standard63 und seit kurzem gibt es mit "Teddybear" sogar ein aktuelles Video davon zu sehen - samt Kreuzigungsszene (Teddy Goes To Golgotha) und Friedhof der Kuscheltiere. Weiterführende Literatur dazu natürlich noch immer Richters Roman "89/90".

Margot: Durchaus ernstzunehmen

Wenn es um den Preis für erstklassige Singles in diesem Jahr geht, sollte das Londoner Quintett Margot in jedem Falle mit ganz vor gelistet sein. Schließlich haben die fünf Freunde mit dem für Ostdeutsche sehr einprägsamen Namen (haha, Dauerwitz) um eine Reihe erinnerungswürdiger Songs verdient gemacht, Stücke wie "Imagined Man", "Tired" und "Twenty Six"  seien stellvertretend erwähnt. Nun kommen offenbar drei weitere hinzu, die sich mit einem durchaus ernstzunehmenden Thema befassen - Stichwort: Mental Health. "Coffee Stained Scars" zum Beispiel handelt von Lebenskrisen und Ängsten älteren Menschen und deren Auswirkungen auf Familien und Freunde, so jedenfalls erzählt Sänger Alex Hannaway in einem Text zum Lied.

Giant Rooks: Erste Anzeichen

Ganz ehrlich, man hatte sich ja insgeheim schon gefragt, ob die Jungs von Giant Rooks auf ewig mit ihrer EP "New Estate" würden touren wollen. Denn egal ob als Headliner oder Vorband, das Set war begrenzt oder unbenannt und die Frage nach einem ersten Album wurde immer dringlicher. Was sicher auch daran liegt, dass Frederik Rabe und seine Band eine Genre auf ziemlich unpeinliche Weise wiederbeleben, das mit Coldplay etwas in Verruf geraten war - das des melodischen Gitarrenpops. Nun also könnte die Platte doch bald kommen, denn die neu veröffentliche Single "Wild Stare" gibt durchaus einen passablen Titelsong ab und eine gleichnamige Konzertreise gibt es natürlich auch schon.

22.04.  Stuttgart, Im Wizemann
23.04.  Köln, Live Music Hall
24.04.  Münster, Scaters Pallace
25.04.  Dornbirn, Dynamo Festival
26.04.  Zürich, Exil
29.04.  München, Muffathalle
12.05.  Bremen, Modernes
13.05.  Hannover, Capitol
14.05.  Leipzig, Täubchenthal
15.05.  Wien, WUK
17.05.  Hamburg, Große Freiheit
18.05.  Frankfurt, Batschkapp
19.05.  Berlin, Huxleys Neue Welt

Donnerstag, 6. Dezember 2018

HEALTH: Zurück auf Anfang

Schon ein wenig überraschend: Da kommen uns die Noiserocker von HEALTH in den letzten Wochen mit einer Reihe ziemlich ungewöhnlicher Kollaborationen und nun kündigen sie das Folgealbum zu "Death Magic" an, auf welchem keines der zuvor veröffentlichten Stücke zu finden sein wird. Nicht, dass einen das nicht freuen würde, denn schließlich bedeutet das ja nochmals zwölf niegelnagelneue Tracks. Einer davon ist übrigens der Titelsong - die komplette Ladung erscheint dann unter dem Namen "Vol. 4: Slaves Of Fear" am 8. Februar bei Loma Vista.

Familienalbum # 31: Sleeper

Das beweist die Geschichte: Man muß nur lange genug warten, es kommt alles wieder. Das gilt übrigens nicht nur für unangenehme Sachen wie Karottenjeans, Lederkrawatten und Strickwesten, sondern auch für Gutes. Wie zum Beispiel die britische Band Sleeper. Die war in den Neunzigern, als Britpop in Versalien und mit Ausrufezeichen geschrieben wurde, richtig dick im Geschäft, dann wurde es still und stiller und 1998 war dann ganz Schluss. Nun haben Louise Wener und Kollegen einen Neuanfang angekündigt, am 22. März soll ihr Album "The Modern Age" erscheinen und die erste Single "Look At You Now" klingt schon mal ziemlich vielversprechend und überhaupt nicht wie von früher. Und weil das Coverfoto der Platte so toll ist, haben wir uns gleich noch auf die Suche nach ähnlich sprunghaften Bildern für das neue Familienalbum umgesehen und sind fündig geworden - wie immer von rechts nach links und oben nach unten.

Sleeper “The Modern Age”, Sherwood  “QU”, Island “Feels Like Air”, A$AP FERG feat. Future “New Level”, New Order “NOMC15”, Daniel Ceasar “Paradise”, Bloody Knees “Maybe It’s Easy”, Matt Pond PA “Still Summer”, The Temper Trap “Falling Together, “The Gunshy “Undefeated”

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Bilderbuch: Smooth Operators

Bilderbuch
„mea culpa“
(Maschin Records)

Und natürlich findet sich auch hier so etwas wie der eine Hit, die sichere Bank, den/die man komischerweise immer braucht, um das große Ganze zu mögen. Nur lassen sich die Jungs diesmal erstaunlich viel Zeit damit. Überhaupt ist so einiges anders auf der Nummer fünf von Bilderbuch. Wenn für die vorangegangenen Alben alle üblichen Marktmechanismen durchdekliniert wurden (hieß langsames Anfüttern mit Club- und Hallentour, Vorabsingles, digital, physical, das komplette Programm), gleicht das vorliegende einer regelrechten Sturzgeburt. Erlaubt ist, was gefällt und ganz so neu ist diese Schiene ja auch nicht, schließlich schicken reichlich Stars mittlerweile ihre Mixtapes auf diesem Wege in die Runde, weil der Tonträger nicht mehr das zählt, was er früher mal wert war. Marketingtechnisch jedenfalls. Dass der Ruch des Schnellschusses, sei er berechtigt oder nicht, die Position des Künstlers in irgendeiner Weise schwächt, darf bezweifelt werden – time is running und wir alle mit. Letztendlich: Entscheidend ist auf der Platte und die ist gut oder eben nicht. Diese hier läßt sich zunächst einmal sehr viel Zeit. Die Beats kommen smooth und cheezy, nur keine Hektik, nur nicht überdrehen, Bilderbuch gehen es langsam an.



Die aufgekratzte Stimmung, die ganze gespreitzte Exaltiertheit, die letztens noch den Ton angegeben hatten, der schicke Schock also ist einer maximalen Entspanntheit gewichen, erst im dritten Track, erst in der „Lounge 2.0“ kommt langsam Schwung in die Bude, wippt es los. Die Tür einen Spalt weit auf, etwas Soul, etwas Funk, mehr darf vorerst nicht rein. Dazu relaxte Klickbeats, supersoft, gelooptes Gebell, es bleibt ganz geschmeidig. Danach erneutes Abdimmen, erst bei „Megaplex“ wird’s richtig fett, gehen die Strahler an, gehen die Regler hoch – Hollywood! Als besagter Hit erweist sich dann „Checkpoint (Nie Game Over)“, ein schöner Schunkler, die Gitarren jangeln fein, der Plüschclub gibt sein Bestes, wir fühlen uns wohl. Bilderbuch, das wird mit diesem Album klar, haben die Mitte gefunden, die sie mal mit „OM“ persifliert haben. Irgendwo bei Urvater Prince pendelt sich der Sound ein, das ist gut, das gefällt, das ändert sich aber auch nicht und überrascht kaum mehr. Zumindest nicht auf diesem Album – ein zweites soll ja recht bald kommen und erst dann wird sich zeigen, ob die No-Stress-Idee noch länger zieht oder ob wir nicht doch eine Blume weiter müssen. http://www.bilderbuch-musik.at/

06.04.  Würzburg, Posthalle
07.04.  Stuttgart, Beethovensaal
08.04.  Offenbach, Capitol
09.04.  Oberhausen, Turbinenhalle
11.04.  Leipzig, Haus Auensee
12.04.  Hannover, Capitol
13.04.  Köln, Palladium
14.04.  Kassel, Stadthalle
16.04.  München, Zenith
17.04.  Hamburg, Mehr! Theater
18.04.  Berlin, Columbiahalle
24.04.  Innsbruck, Dogana
25.04.  Basel, Volkshaus
26.04.  Zürich, X-Tra

Dienstag, 4. Dezember 2018

Death Cab For Cutie: Us and them

Wem die Musik von Death Cab For Cutie im Allgemeinen und die des letzten Albums "Thank You For Today" im Speziellen zu lieblich, vielleicht sogar zu langweilig war, der darf jetzt kurz aufmerken. Denn Ben Gibbard hat sich für einen Remix der Single "Summer Years" keinen Geringeren als Jimmy Tamborello alias Dntel als Partner gesucht. Und der war nun mal in einem früheren Leben sein kongenialer Partner und Teilhaber beim fast schon legendären Projekt The Postal Service. Deren einziges Album "Give Up" genießt ohne Zweifel Kultstatus, nun machen die beiden also für gute vier Minuten gemeinsame Sache und es klackt und knistert und ploppt ganz so, als wären sie nie weg gewesen. Schwärmen ausdrücklich erlaubt.

My Brightest Diamond: Ausnahmeerscheinung

My Brightest Diamond
„A Million And One“
(Rhyme And Reason Records)

Es gab Zeiten, da hatte man sich damit abgefunden, dass manche Rätsel der Menschheit für alle Zeiten ungelöst bleiben würden. Die populärsten unter ihnen waren das Verschwinden einzelner Socken in der Waschmaschine, die Sache mit den heruntergefallenen Marmeladentoastscheiben und auch der Umstand, dass man immer an der Kassenschlange zu stehen kommt, die garantiert am längsten braucht. Nun gut, Kleinigkeiten, wenigstens wissen wir seit dem französischen Film „Das brandneue Testament“, daß hinter all dem möglicherweise ein frustrierter und soziopathischer Kotzbrocken von Himmelherrgott steckt – ein kleiner Trost. Warum allerdings eine Künstlerin wie Shara Nova alias My Brightest Diamond nach einer Hand voll grandioser Alben (es sei nur an das brillante „This Is My Hand“ aus dem Jahr 2014 erinnert) neben Stars wie Björk, Florence And The Machine, Goldfrapp und Robyn ein undankbares Schattendasein fristen muss, will sich einem nicht erschließen. Denn aus der Schnittmenge dieser gleichwohl ehrenwerten Musikerinnen speist sich das Werk der New Yorkerin. Wem die Isländerin zu abgedreht, die eine Londonerin zu sehr over the top, die andere zu hibbelig und die Schwedin zu poppig ist, für den müsste doch ... Müsste, wie gesagt. Fraglich allerdings, ob Nova sich tatsächlich von solchen Gedanken umtreiben lässt. Ihre Fangemeinde sollte eine kleine, feine, aber auch sehr treue sein, geht man nach der Qualität, mit welcher sie in größeren Abständen versorgt wird.



Denn auch die aktuelle Platte ist wieder eine erstaunlich vielschichtige und noch dazu äußerst tanzbare geworden. Dass es mehr und mehr in Richtung Elektronik geht, hatte sich auf dem besagten Vorgänger schon angedeutet, hier nun stehen gleich mehrere Tracks mit dunkel pulsierenden Beats und dronig-brazzigen Synths auf dem Programm: Los geht’s mit dem programmatischen „It’s Me On The Dancefloor“, bei dem sich schon mal die ersten funkigen Gitarren und Loops blicken lassen, „Champagne“ stampft dann ungleich härter und richtig dicke wird’s spätestens mit „You Wanna See My Teeth“ – die Antwort darauf ist durchaus ernst zu nehmen „I’m gonna show ya!“ Dass Nova darüberhinaus auch über eine beeindruckende Stimmkraft verfügt, beweist sie kurz darauf in der trippigen Ballade „A Million Pearls“. Jedes Stück ist auf seine Weise fesselnd – die vertrackten Drums von „Sway“, der Stomp des Schlußtracks „White Noise“. Und ebenso das anrührende „Mother“, wohl die Art von Selbstfindung, die sie eingangs schon für den Tanzboden ankündigt („It’s me I’m looking for…“). Hier mit den Zeilen: „I came from my mother, then forgot my mother, so I'll go back to mother and I'll learn to love her”. Selten genug, dass man musikalisch wie thematisch in so kurzer Zeit so unterschiedliche Ansätze und Ideen findet, insofern bleibt My Brightest Diamond das, was sie schon vorher war: eine Ausnahmeerscheinung. https://www.mybrightestdiamond.com/

Montag, 3. Dezember 2018

Haze: Kein Ende

Kommt ihr mit dem Zählen noch mit? Jeden Tag erscheinen neue Bands auf der Bildfläche und es sind beileibe nicht alle so schlecht, wie es die Masse vermuten ließe. Besonders England scheint in den letzten Monaten und Jahren ein unversiegbarer Quell zu sein - London sowieso, dazu Leeds, Brighton, Manchester - und Bristol. Gerade erst hat das Netzportal Clash das Quartett Haze zur nächsten Band to Watch gekürt. Will, Ollie, Conor und Dan, vier sehr junge Burschen, die mit dem Video zu ihrer aktuellen Single "St. John" nicht nur der Zeitungsbranche die Ehre erweisen, sondern eben auch ganz ansprechend lässig punkrocken können. Die beiden anderen Songs "Ladz Ladz Ladz" und "Scratches" sind ein wenig älter, aber auch nicht ohne.



Sonntag, 2. Dezember 2018

Die Kerzen: Romance, Alter!

Zu ihrem Heimatort sollte man hier in Bayern und München natürlich eine besondere Beziehung haben, im Land und der Stadt des maximal barocken und ziemlich abgedrehten Märchenprinzen also. Ludwigslust, hey, das muß erst mal einer drauf kommen! Aber klar, hier geht es eher um die weniger bizarre Herrscherdynastie von Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere um Herzog Christian II. Ludwig, am Rande jedenfalls. Denn hauptsächlich wollen wir von dort beheimateten Dreamboys und -girls berichten, einer Band namens Die Kerzen. Wer die Musik von Fizzy Blitz, Die Katze, Jelly del Monaco und Super Luci hört, fühlt sich sofort in die Zeit der romantischen 80er versetzt, Netzhemden, John-Wayne-Kragen, Schulterpolster und Grüne Wiese, dazu passend der Sound von ABC, A Flock Of Seagulls und den fabelhaften Thompson Twins. Schon verdrängt? Egal. Das ist fühlt sich gut an, ist geschmeidig und, nehmen wir speziell das Video zur aktuellen Single "True Love", irre witzig. Gerade ist bei Staatsakt ihre EP "Erotik International" erschienen und weil's so schön ist, ergänzen wir noch um die ebenso hübschen Lieder "Teleskop" und "Karamba".





SKOLES: Der bessere Weg

Say yes zu gutgemachtem Pop! Das gilt natürlich für Girls wie Boys gleichermaßen. Also auch für diesen jungen Mann hier - Jack Edwards aus London. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Billy Adamson macht er seit 2017 unter dem Moniker SKOLES Musik. Edwards stammt ursprünglich aus einer Kleinstadt in Südengland, hat früh mit dem Musikmachen angefangen, lebte und jobbte eine Zeitlang in Los Angeles und versuchte sich in einer Band namens Wild Wild Horses. Für jemanden, der sowohl Kanye West, Tame Impala als auch The Weeknd zu seinen Vorbildern zählt, gab das aber offenbar nicht ausreichende Befriedigung und so geht es nun in der neuen Konstellation auf zum nächsten Versuch. Das Video zur ersten Single "Am I Going Crazy?" ist seit ein paar Monaten draußen, nun kommt die zweite Single "Berlin" hinterher.



Samstag, 1. Dezember 2018

MØ feat. Foster The People: Noch mal spannend

Kurz vor Toresschluß noch einmal etwas Gerangel an der Spitze für den Song des Jahres. Grund: Die dänische Songwriterin  hat gemeinsam mit der kalifornischen Band Foster The People ihren Song "Blur" als Remix eingespielt und auch gleich ein Video dazu gepostet. Das Ergebnis: Bester Pop, kein Entrinnen. Wollten wir nur erwähnt haben - wer mehr davon braucht, sollte sich mit dem Album "Forever Neverland" versorgen, das im Oktober bei Columbia erschienen ist.

Men I Trust: Gutes Ende, guter Anfang

Zwei neue Stücke hatten die kanadischen Men I Trust in diesem Jahr schon eingespielt, "Show Me How" aus dem Frühjahr folgte im Spätsommer ein countryeskes "Seven" mit echtem Gitarrensolo, nun wissen wir, wo die Sache hinführen sollte. Denn für den Februar 2019 haben die Musiker aus Montreal ihr nächstes Album "Oncle Jazz" angekündigt und dieser Nachricht dann auch gleich den dritten Song beigefügt. "Say, You Can Hear" klingt so unverschämt lässig, daß man sich auf die kommende Platte wirklich nur freuen kann, passenderweise gastieren Men I Trust, wenn es wieder wärmer wird, auch in deutschen Clubs.

20.05.  Köln, YUCA
21.05.  Hamburg, Molotow
24.05.  Berlin, Lido
28.05.  Zürich, Papiersaal





Freitag, 30. November 2018

Idles vs. Heavy Lungs: Blutsbande

Und weil es jetzt für den Tag (s.u.) einen griffigen Namen hat, passt diese Nachricht wie die Faust auf's Auge: Die Heavy Lungs aus Bristol haben heute endlich gemeinsam mit ihren Buddies, den Idles, die Double-A-Single "Danny Nedelko/Blood Brother" via Partisan Records veröffentlicht und dankenswerterweise gibt es dazu auch gleich noch ein neues Video, aufgenommen von Elliot Pearce. Regelmäßige Besucher wissen natürlich längst, dass beide Songs aus der gegenseitigen Wertschätzung der beiden Sänger Joe Talbot (Idles) und Danny Nedelko (Heavy Lungs) entstanden sind, aber selbst ohne diese Geschichte knallen sie außerordentlich.



Sleaford Mods: Angry Friday

Gerade mal eine Woche ist es her, da konnte man hierzulande beobachten, wie verführbar bis dämlich die sogenannte soziale Marktwirtschaft uns schon konditioniert hat - Black Friday, Cyber Friday, Du-brauchst-den-Scheiß-zwar-nicht-aber-nimmst-ihn-trotzdem-weil-billig-Friday, zum Haare raufen. Es wurde also Zeit, dass der Freitag wieder einer neuen Bedeutung zugeführt wird und weil er auch ein Release-Day ist, machen wir aus dieser Ankündigung die große Nummer: Die Sleaford Mods, Punks qua Haltung aus Nottingham, haben heute die Veröffentlichung ihres neuen Albums "Eton Alive" bekanntgegeben, am 22. Februar werden die zwölf neuen Tracks via Rough Trade an den Start gehen und zu diesem Zeitpunkt wird auch eine beachtliche Tour durch Irland und England starten. Ob dieser dann auch wieder ein paar Termine in Deutschland folgen, wird sich weisen, mit "Flipside" jedenfalls gibt es schon mal einen ersten Song vorab. Das Statement zur Platte übrigens fällt bei Frontmann Jason Williamson gewohnt zornig aus:

"'Eton Alive' speaks for itself really. Here we are once again in the middle of another elitist plan being digested slowly as we wait to be turned into faces once more. Some already are, some are dead and the rest of us erode in the belly of prehistoric ideology which depending on our abilities and willingness, assigns to each of us varying levels of comfort that range from horrible to reasonably acceptable, based on contribution. So after the digestive system of the Nobles rejects our inedible bones we exit the Arse of Rule, we fall into the toilet again and at the mercy of whatever policies are holding order in the shit pipe of this tatty civilisation. It is here our flesh regenerates as we rattle into another form, ready, and ripe for order ..."

Donnerstag, 29. November 2018

Shame: Witz vs. Frust [Update]

Shame
„Songs Of Praise“
(Dead Oceans)

An dem Umstand, dass jede Gesellschaft die Musik bekommt, die sie verdient, ist nun wirklich nichts Neues. Und so schlecht, wie das jetzt klingt, muss das dann gar nicht sein. Weil es nämlich auf der Insel noch immer drunter und drüber geht, das Land zwischen sozialpolitischem Desaster, wirtschaftlicher Hilflosigkeit und antieuropäischer Isolation gerade seine Coolness und auch ein Stück seines vielgelobten Humors zu verlieren droht, finden sich immer mehr junge Menschen, die aus ihrer Wut und Frustration kein Hehl machen. Und darüber singen – loud und auch mächtig proud, so wie früher schon. Deshalb die Sleaford Mods, die Idles, The Fat White Family, deshalb auch Jungspunde wie SONNDR und eben Shame. Fünf milchbärtige Lads aus London, die dem Punk und dem Britpop mal wieder einen weiteren Kick verpassen und auf dem Debüt einen zwar altbekannten, aber immer noch spannenden Sound feiern.



Die zehn „Songs Of Praise“ kommen meistenteils als rohe und rotzige Gitarrennummern daher, mal schnell und lässig wie „Concrete“, „Tasteless“ und „Lampoon“, mal zäh und schroff wie beim Einstieg „Dust On Trial“ oder dem einigermaßen rätselhaften „The Lick“. Daß sich die Jungs auch ihre poppigen Momente gönnen – der Kehraus „Angie“ hält davon ganze wunderbare sieben Minuten bereit – macht sie noch sympathischer, denn nichts ist so langweilig wie verbissenes Einerlei. Auch der Witz ist ihnen noch nicht abhandengekommen, schaut man sich den Clip zu „Gold Hole“ an, in welchem Sänger Charlie Steen den selbstverliebten Gockel und nervigen Besserwisser gibt und seine Bandkollegen wie armselige Trottel aussehen läßt. An anderer Stelle („One Rizla“) versuchen sich die Kerle, vom Haus- und Hofherren zunächst misstrauisch beäugt und später väterlich belächelt, in mehr oder weniger ernsthafter Landarbeit. Ein großer Spaß. So wie die ganze Platte.

Update: Bald geht sie los, die Tour, mit dabei sind Sorry aus London - und hier kommt das Video zur aktuellen Single "Dust On Trial".

08.05.  Wien, Chelsea
11.05.  Zürich, Dynamo
08.12.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
09.12.  Berlin, SO36
10.12.  München, Strom
12.12.  Köln, Luxor

Frittenbude: Der Sonne entgegen

(c) Bastian Bochinski
Neue Chance, endlich mal wieder das alte Audiolith-T-Shirt aus dem Schrank zu holen: Denn Frittenbude sind wieder am Start. Vor ein paar Wochen schon gab es in Zusammenarbeit mit Jörkk Mechenbier, dem Sänger von Love A, einen ersten neuen Song - "Die Dunkelheit darf niemals siegen" kam mit griffigen Slogans zur aktuellen politischen Debattenlage daher und wirkte, so ganz ohne Metaebenen und poetischen Ansatz, vielleicht etwas hölzern, gleichwohl war und ist der Song als dringliche Wortmeldung natürlich unverzichtbar. Die offiziell erste Single ihres kommenden Albums "Rote Sonne" ist da schon etwas vielschichtiger geraten, "Süchtig" macht was es verspricht und baut so die nötige Spannung für den 22. Februar auf, Sonnenaufgang quasi. Eine Tour der Jungs gibt es 2019 natürlich auch, zeitiges Buchen sichert Tickets, das zeigt die Erfahrung - VVK startet morgen um 10:00 Uhr bei https://www.tixforgigs.com/.

15.03.  Hannover, Faust
16.03.  Hamburg, Uebel & Gefährlich
21.03.  Wien, Flex
22.03.  Salzburg, Rockhouse
23.03.  Graz, PPC
28.03.  Dresden, Scheune
30.03.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
04.04.  Jena, Kassablanca
05.04.  Leipzig, Täubchenthal
06.04.  Wiesbaden, Schlachthof
11.04.  Münster, Gleis 22
12.04.  Essen, Hotel Shanghai
13.04.  Köln, Luxor
25.04.  Nürnberg, Z-Bau
26.04.  Stuttgart, Im Wizemann
27.04.  München, Muffathalle

Grimes: Metal Machine Music

Wo sie's wohl gehört hat? Es war ja eine ganze Weile recht ruhig um Claire Boucher alias Grimes. Ihr letztes Album "Art Angels" stammt aus dem Jahr 2015, konnte mit feinen Mangabildern und noch feinerem Sound aufwarten, eine der letzten Wortmeldungen allerdings stammt von ihrer Kollaboration mit Janelle Monáe und ihrem Song "PYNK", die man als Revanche zur früheren Zusammenarbeit beim Track "Venus Fly" verstehen konnte. Heute jedenfalls ein erster neuer Song - "We Appreciate Power feat. Hana" ist nach ihrem Verständnis Mathmetal-Maschinenmusik aus der Zukunft, die Amerikaner vermuten Einflüsse von Nine Inch Nails, hierzulande tippt man eher auf Rammstein (wer weiß, was Elon Musk so im Tesla laufen hat). Mehr mit Sicherheit in Kürze.