Bei der ganzen Aufregung um so ein neues Video kann man auch schon mal ein paar Zahlen durcheinander bringen: Gerade hat Casper einem Song "Flackern, Flimmern" eindrucksvolle Bilder hinterhergeschickt und so noch einmal nachdrücklich an sein grandioses Album "Lang lebe der Tod" erinnert. Über die Bedingungen des Videodrehs in Kanada gibt es allerdings ein paar widersprüchliche Angaben - während der Musikexpress von -25 Grad spricht, versteigt sich Diffus sogar zu -40. Geschenkt, es war wohl saukalt, weitaus wichtiger die dramatische Story zum Song, die von einem tragischen Flugzeugabsturz erzählt und Verlust und Einsamkeit in beklemmende Szenen setzt. Und zu keinem guten Ende findet.
Samstag, 10. März 2018
Freitag, 9. März 2018
David Byrne: In gutem Glauben
David Byrne
„American Utopia“
(Nonesuch Records)
Daß der Gutmensch in letzter Zeit so in Verruf geraten ist, liegt nun wirklich nicht daran, weil es einige wenige mit dem Engagement etwas übertrieben haben (denn das, liebe Freunde, geht gar nicht). Es hat vorrangig damit zu tun, daß viele mittlerweile der Ansicht sind, zuviel Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit schade dem eigenen Karma, mache weich und schwach und ob man nun etwas Gutes tue oder nicht sei sowieso egal, denn die Welt gehe eh über kurz oder lang vor die Hunde. Also besser weiter Ellbogen raus und mir das meiste. Wie gut tut es da, einen wie David Byrne, kluger Kopf der einstmals so wunderbaren und unerreichten Talking Heads, zu hören. Denn anders als viele von uns will der nicht in die grassierende Schlechtmacherei und das laute Gejammer einstimmen, sondern behauptet frech das Gegenteil – mittels seiner Website und Vortragsreihe „Reasons To Be Cheerful“ möchte er uns glaubhaft vermitteln, es gäbe weitaus mehr gute Dinge zu berichten als angenommen. Er ist also nicht nur ein Gutmensch, sondern auch ein Gutgläubiger.
Was Wunder, daß auch sein aktuelles Album „American Utopia“ recht aufmunternd daherkommt. Byrne ist ja seit jeher ein großer Anhänger der Weltmusik, seit Jahren musiziert er mit den verschiedensten Künstlern und Künstlerinnen und verspürt einen ungebändigten Spaß am Mix der Genres und Kulturen, er schreibt für Musicals, Opern, Filmscores und TV-Serien. Ein Macher, ein Wusler, ein Arbeitstier, dem man gern zuhört, weil er etwas zu sagen hat und weil das (wie in letzter Zeit ja gern getitelt wird) auch wirklich Sinn macht – Stichwort: „Start making sense“. Denn von Plattheit und Heileweltgedöns ist sein Utopieentwurf natürlich Lichtjahre entfernt, vielmehr geht er die Sache gewohnt provokant und humorvoll an.
Und der Humor ist bitterböse, vom ersten Takt an: „I Dance Like This“ gibt die Richtung vor mit Zeilen wie “And the truth don't mean nothing, if you ain't got the cash, a credit card mommy, an invisible dad, career opportunities, that you never had“ – ist das schon der Tanz auf dem Vulkan? Das Leben als Wunder oder als unbezahlte Rechnung (je nach Sichtweise), der Mensch mit dem Hirn eines Hundes, gefangen im Themenpark, den er das Leben nennt, Song auf Song viel Bissiges, Amüsantes, Befremdliches, man fühlt sich bestens unterhalten, auch wenn einem das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt. Allein die Beschreibung, wie sich ein Geschoss durch Haut, Magen, Herz und Kopf eines fiktiven Opfers bohrt, ist von ungemein schräger Poesie.
Der Sound dazu ist nicht minder spannend. Fast so, als ob Byrne seinem eigenen Genie nicht trauen wollte, hat er sich für die Kompositionen noch jede Menge erlesene Verstärkung ins Studio geholt – dort trifft man dann Brian Eno, Daniel Lopatin aka. Oneohtrix Point Never, Jack Penate, Sampha, Thomas Bartlett, Dev Hynes und mehr. Dafür, daß Byrne in diese Männerschar keine einzige Frau lud, hat er im Zeichen von #metoo gerade ein wenig Prügel einstecken müssen – die Entschuldigung seinerseits kam prompt, weshalb man (eingedenk seiner herausragenden Arbeiten mit Anna Calvi, St. Vincent oder Cindy Sherman) an die Sache auch gleich wieder einen Haken machen kann. Das Album jedenfalls groovt, federt, funkt ganz fabelhaft, zum Piano gibt’s mal wuchtige Drums, gleich zu Beginn ein paar garstige Technosequenzen und mittendrin pfeift er sich sogar eins: „There's only one way to read a book and there's only one way to watch tv, well there's only one way to smell a flower, but there's millions of ways to be free“, heißt es dann. Mit den Songs wird’s noch leichter… http://davidbyrne.com/
26.06. Wien, Museumsquartier
27.06. Berlin, Tempodrom
17.07. Zürich, Theater 11
„American Utopia“
(Nonesuch Records)
Daß der Gutmensch in letzter Zeit so in Verruf geraten ist, liegt nun wirklich nicht daran, weil es einige wenige mit dem Engagement etwas übertrieben haben (denn das, liebe Freunde, geht gar nicht). Es hat vorrangig damit zu tun, daß viele mittlerweile der Ansicht sind, zuviel Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit schade dem eigenen Karma, mache weich und schwach und ob man nun etwas Gutes tue oder nicht sei sowieso egal, denn die Welt gehe eh über kurz oder lang vor die Hunde. Also besser weiter Ellbogen raus und mir das meiste. Wie gut tut es da, einen wie David Byrne, kluger Kopf der einstmals so wunderbaren und unerreichten Talking Heads, zu hören. Denn anders als viele von uns will der nicht in die grassierende Schlechtmacherei und das laute Gejammer einstimmen, sondern behauptet frech das Gegenteil – mittels seiner Website und Vortragsreihe „Reasons To Be Cheerful“ möchte er uns glaubhaft vermitteln, es gäbe weitaus mehr gute Dinge zu berichten als angenommen. Er ist also nicht nur ein Gutmensch, sondern auch ein Gutgläubiger.
Was Wunder, daß auch sein aktuelles Album „American Utopia“ recht aufmunternd daherkommt. Byrne ist ja seit jeher ein großer Anhänger der Weltmusik, seit Jahren musiziert er mit den verschiedensten Künstlern und Künstlerinnen und verspürt einen ungebändigten Spaß am Mix der Genres und Kulturen, er schreibt für Musicals, Opern, Filmscores und TV-Serien. Ein Macher, ein Wusler, ein Arbeitstier, dem man gern zuhört, weil er etwas zu sagen hat und weil das (wie in letzter Zeit ja gern getitelt wird) auch wirklich Sinn macht – Stichwort: „Start making sense“. Denn von Plattheit und Heileweltgedöns ist sein Utopieentwurf natürlich Lichtjahre entfernt, vielmehr geht er die Sache gewohnt provokant und humorvoll an.
Und der Humor ist bitterböse, vom ersten Takt an: „I Dance Like This“ gibt die Richtung vor mit Zeilen wie “And the truth don't mean nothing, if you ain't got the cash, a credit card mommy, an invisible dad, career opportunities, that you never had“ – ist das schon der Tanz auf dem Vulkan? Das Leben als Wunder oder als unbezahlte Rechnung (je nach Sichtweise), der Mensch mit dem Hirn eines Hundes, gefangen im Themenpark, den er das Leben nennt, Song auf Song viel Bissiges, Amüsantes, Befremdliches, man fühlt sich bestens unterhalten, auch wenn einem das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt. Allein die Beschreibung, wie sich ein Geschoss durch Haut, Magen, Herz und Kopf eines fiktiven Opfers bohrt, ist von ungemein schräger Poesie.
Der Sound dazu ist nicht minder spannend. Fast so, als ob Byrne seinem eigenen Genie nicht trauen wollte, hat er sich für die Kompositionen noch jede Menge erlesene Verstärkung ins Studio geholt – dort trifft man dann Brian Eno, Daniel Lopatin aka. Oneohtrix Point Never, Jack Penate, Sampha, Thomas Bartlett, Dev Hynes und mehr. Dafür, daß Byrne in diese Männerschar keine einzige Frau lud, hat er im Zeichen von #metoo gerade ein wenig Prügel einstecken müssen – die Entschuldigung seinerseits kam prompt, weshalb man (eingedenk seiner herausragenden Arbeiten mit Anna Calvi, St. Vincent oder Cindy Sherman) an die Sache auch gleich wieder einen Haken machen kann. Das Album jedenfalls groovt, federt, funkt ganz fabelhaft, zum Piano gibt’s mal wuchtige Drums, gleich zu Beginn ein paar garstige Technosequenzen und mittendrin pfeift er sich sogar eins: „There's only one way to read a book and there's only one way to watch tv, well there's only one way to smell a flower, but there's millions of ways to be free“, heißt es dann. Mit den Songs wird’s noch leichter… http://davidbyrne.com/
26.06. Wien, Museumsquartier
27.06. Berlin, Tempodrom
17.07. Zürich, Theater 11
Donnerstag, 8. März 2018
Otzeki: Das große Versprechen
Und - wiedererkannt? Richtig, das sind Mike Sharp und Joel Roberts. Mitte des vergangenen Jahres sind sie unter dem Namen Otzeki mit ihrem fein verbastelten Synthpop eines der größten Versprechen gewesen, nun schicken sie sich an, mit ihrem Debütalbum selbiges einzulösen. "Binary Childhood" soll am 13. April erscheinen und neben der ersten Single "Pay The Tax", für deren Video sich sich von Christian Cargill durch die Londoner Tube begleiten ließen, sind auch ein paar Livetermine für Europa online gegangen.
23.04. Köln, Yuca
24.04. München, Orangehouse
26.04. Berlin, Kantine Berghain
28.04. Zürich, Zukunft
23.04. Köln, Yuca
24.04. München, Orangehouse
26.04. Berlin, Kantine Berghain
28.04. Zürich, Zukunft
Young Fathers: Das Beste beider Seiten
Young Fathers
„Cocoa Sugar“
(Ninja Tune)
Mit den drei Herren müsste dringend mal jemand reden: Es ist doch nun mal so, daß in solch schnelllebigen Zeiten wie heute den meisten Musikern nach einem meisterlichen Debüt in Folge gestiegener Ansprüche der eigene Erfolg zu Kopfe steigt und/oder die Quelle der Kreativität so schnell versiegt wie sie angezapft wurde. Ergebnis: Man müht sich redlich, jedoch ohne den erwarteten Erfolg wiederholen zu können, das Mittelmaß schleicht sich ein und irgendwann, wenn man eben dort angekommen ist, interessiert es auch keinen mehr so richtig, alle schon auf dem Weg zur nächsten Blume … Bei den Young Fathers allerdings läuft da kräftig was schief, denn dem umjubelten Mercury-Prize-Gewinner „Death“ schickten die drei Schotten schon ein gutes Jahr später „White Men Are Black Men Too“ hinterher und darauf war von Writers Block, fehlender Inspiration oder gar Langeweile so überhaupt nichts zu hören. Jede und jeder hätte doch für eine Atempause Verständnis gehabt – und jetzt? Kommt mit „Cocoa Sugar“ ein weiteres Killer-Album daher, randvoll gefüllt mit neuen Klängen, spannenden Ideen und haufenweise lässigen Grooves. Die Frage lautet also: Wie machen die das bloß!?
Glaubt man dem, was sie gerade dem Guardian erzählt haben, dann ist da kaum Ungewöhnliches und schon gar nicht Übernatürliches im Spiel, sie arbeiten alle drei dem großen Ziel einer neuen Platte zu, gerade weil sie sich unterschiedliche Herangehensweisen und Einflüsse nicht versagen, sondern diese bewusst zulassen, entsteht ein Werk, das in Sachen Vielfalt und Wandelbarkeit sogar noch hinzugewonnen hat. Und das von einer Band, die auch zuvor keine Scheuklappen kannte und die das stilistische MashUp zum Grundprinzip erhoben hatte. Rap, Blues, Trip Hop, Spiritual, Soul, Funk, Jazz – das war auch vorher schon dabei, nur ist es jetzt alles noch eine Spur eingängiger, druckvoller, auch tanzbarer geworden. Waren die beiden Vorgänger eher mit einer erdigen, sehr roughen Grundstimmung versehen, wird es nun zunehmend digital, also mehr Synthesizer, mehr Loops, es klackt und knistert im Gebälk. Nicht mehr weit zum Techno?
Wenn, dann in dieser vertrackten LoFi-Variante. Tracks wie „Turn“, „Wow“ oder „Wire“ fiebern in einem derart nervösen Vibe, das man einem schon beim Zuhören ganz schwindelig wird. Dazwischen der funkige Stomp von „Border Girl“ oder das dronige Wummern zum choralen „Lord“, viel mehr läßt sich wahrscheinlich kaum als Rille ins schwarze Plastik kratzen. Und noch etwas hat sich geändert: Die Young Fathers gehen mit ihren politischen Verlautbarungen in Zeiten, da sich eine wohlfeile Meinung (Stichworte #metoo, #blacklivesmatter) popkulturell gut vermarkten, ja sogar in Verkaufszahlen ummünzen läßt, deutlich vorsichtiger um. „We’d probably have been a much more successful band if we had never said things like that“, sagten sie dem Guardian und wollen deshalb nun noch genauer hinschauen, wem oder was sie welche Unterstützung gäben. Eingedenk der Tatsache, daß wir alle eine helle und eine dunkle Seite haben (worauf sie mit ihrem Albumtitel hinweisen möchten), ist bei schnellen Urteilen ohnehin größte Vorsicht geboten. Das Urteil zu dieser Platte hingegen kann gar nicht eindeutiger ausfallen – Bestnote, nicht weniger. https://www.young-fathers.com/
09.04. Berlin, Columbia Theater
15.06. Mannheim, Maifeld Derby
29.06. Berlin, Citadel Festival (mit Massive Attack)
„Cocoa Sugar“
(Ninja Tune)
Mit den drei Herren müsste dringend mal jemand reden: Es ist doch nun mal so, daß in solch schnelllebigen Zeiten wie heute den meisten Musikern nach einem meisterlichen Debüt in Folge gestiegener Ansprüche der eigene Erfolg zu Kopfe steigt und/oder die Quelle der Kreativität so schnell versiegt wie sie angezapft wurde. Ergebnis: Man müht sich redlich, jedoch ohne den erwarteten Erfolg wiederholen zu können, das Mittelmaß schleicht sich ein und irgendwann, wenn man eben dort angekommen ist, interessiert es auch keinen mehr so richtig, alle schon auf dem Weg zur nächsten Blume … Bei den Young Fathers allerdings läuft da kräftig was schief, denn dem umjubelten Mercury-Prize-Gewinner „Death“ schickten die drei Schotten schon ein gutes Jahr später „White Men Are Black Men Too“ hinterher und darauf war von Writers Block, fehlender Inspiration oder gar Langeweile so überhaupt nichts zu hören. Jede und jeder hätte doch für eine Atempause Verständnis gehabt – und jetzt? Kommt mit „Cocoa Sugar“ ein weiteres Killer-Album daher, randvoll gefüllt mit neuen Klängen, spannenden Ideen und haufenweise lässigen Grooves. Die Frage lautet also: Wie machen die das bloß!?
Glaubt man dem, was sie gerade dem Guardian erzählt haben, dann ist da kaum Ungewöhnliches und schon gar nicht Übernatürliches im Spiel, sie arbeiten alle drei dem großen Ziel einer neuen Platte zu, gerade weil sie sich unterschiedliche Herangehensweisen und Einflüsse nicht versagen, sondern diese bewusst zulassen, entsteht ein Werk, das in Sachen Vielfalt und Wandelbarkeit sogar noch hinzugewonnen hat. Und das von einer Band, die auch zuvor keine Scheuklappen kannte und die das stilistische MashUp zum Grundprinzip erhoben hatte. Rap, Blues, Trip Hop, Spiritual, Soul, Funk, Jazz – das war auch vorher schon dabei, nur ist es jetzt alles noch eine Spur eingängiger, druckvoller, auch tanzbarer geworden. Waren die beiden Vorgänger eher mit einer erdigen, sehr roughen Grundstimmung versehen, wird es nun zunehmend digital, also mehr Synthesizer, mehr Loops, es klackt und knistert im Gebälk. Nicht mehr weit zum Techno?
Wenn, dann in dieser vertrackten LoFi-Variante. Tracks wie „Turn“, „Wow“ oder „Wire“ fiebern in einem derart nervösen Vibe, das man einem schon beim Zuhören ganz schwindelig wird. Dazwischen der funkige Stomp von „Border Girl“ oder das dronige Wummern zum choralen „Lord“, viel mehr läßt sich wahrscheinlich kaum als Rille ins schwarze Plastik kratzen. Und noch etwas hat sich geändert: Die Young Fathers gehen mit ihren politischen Verlautbarungen in Zeiten, da sich eine wohlfeile Meinung (Stichworte #metoo, #blacklivesmatter) popkulturell gut vermarkten, ja sogar in Verkaufszahlen ummünzen läßt, deutlich vorsichtiger um. „We’d probably have been a much more successful band if we had never said things like that“, sagten sie dem Guardian und wollen deshalb nun noch genauer hinschauen, wem oder was sie welche Unterstützung gäben. Eingedenk der Tatsache, daß wir alle eine helle und eine dunkle Seite haben (worauf sie mit ihrem Albumtitel hinweisen möchten), ist bei schnellen Urteilen ohnehin größte Vorsicht geboten. Das Urteil zu dieser Platte hingegen kann gar nicht eindeutiger ausfallen – Bestnote, nicht weniger. https://www.young-fathers.com/
09.04. Berlin, Columbia Theater
15.06. Mannheim, Maifeld Derby
29.06. Berlin, Citadel Festival (mit Massive Attack)
Manwomanchild: Pop vs. Platine
Künstliche Programme in einen menschlichen Kontext zu stellen, ist eine schwierige Sache, wenn es gelingt, bleibt es lange in Erinnerung. Man denke nur an Steven Lisbergers Disney-Streifen "TRON" mit Jeff Bridges und Bruce Boxleitner oder etwa Kubricks "2001: A Space Odyssee" mit dem maximal unangenehmen HAL 9000 - unvergessliche Pionierwerke. Musik über Computersysteme ist eher weniger verbreitet, sieht man mal von den zahlreichen Hardware-Songs (Kraftwerk, Radiohead, Flaming Lips, etc.) ab, Lieder werden also eher mit Programmen, weniger über sie gemacht. Eine kleine Ausnahme kommt heute von David Child aka. Manwomanchild, einem Ein-Mann-Projekt aus Philadelphia. In seiner aktuellen Single "Memory Leak" beschäftigt er sich mit einem Terminus, der das selbstständige Löschen von temporär genutzten Daten durch den Rechner selbst beschreibt und überträgt dies auf das menschliche Gedächtnis. Reizvoller Ansatz, das. Child ist seit 2008 im Geschäft, startete mit einer EP namens "Machines With Magnets", der er die Alben "Manwomanchild" (2010) und "Awkward Island" (2016) folgen ließ, zwischendrin komponierte er noch an zahlreichen Soundtracks für Computergames mit.
Mittwoch, 7. März 2018
Beach House: Mehrwertmusik [Update]
Das darf man ruhig mal einfach so behaupten: Ein neues Album von Beach House, dem Dreampop-Duo aus Baltimore, ist in jedem Falle ein Gewinn für die Menschheit, mehr noch - für die Zwischenmenschlichkeit. Denn die Songs von Victoria Legrand und Alex Scally erreichen in den besten Momenten (und das sind die meisten) eine Art Schwebezustand, der einen das Schlechte und Nutzlose dieser Welt vergessen lassen kann, wenn auch nur für dreieinhalb Minuten. Zuletzt durften wir zu den Werken "Depression Cherry" und "Thank You Luky Stars" schwelgen, nun ist weiteres im Anzug. Gerade nämlich hat die Band den Song "Lemon Glow" geteilt und zwar mit den Worten "Wishing everyone out there love tonight" - nicht nur in der Nacht, garantiert.
Update: Jetzt kommt's also geballt. Das neue Album wird "7" heißen um am 11. Mai erscheinen, gemeinsam mit den News und dem dazugehörigen Artwork kommen die nächste Single "Dive" und sogar ein paar Konzerttermine.
01.10. Köln, Gloria Theater
02.10. Berlin, Huxleys
11.10. Hamburg, Kampnagel
Update: Jetzt kommt's also geballt. Das neue Album wird "7" heißen um am 11. Mai erscheinen, gemeinsam mit den News und dem dazugehörigen Artwork kommen die nächste Single "Dive" und sogar ein paar Konzerttermine.
01.10. Köln, Gloria Theater
02.10. Berlin, Huxleys
11.10. Hamburg, Kampnagel
NME: Fuck off!
Mit 66 Jahren fängt anderswo das Leben an, hier geht es zu Ende: Das britische Fachblatt New Musical Express (NME) - meistgehasst und meistzitiert - stellt mit sofortiger Wirkung seine gedruckte Ausgabe ein. Das kostenlose Heft, das in seinen besten Tagen eine Auflage von bis zu 300.000 Exemplaren herausbrachte, wird natürlich online weiter bestehen, angeblich soll ein Printmagazin unter dem Namen NME Gold in Planung sein. Schuld waren, so Paul Cheal, Time-Inc-UK-Manager, "increasing production costs and a very tough print advertising market". Was Wunder, schade ist es allemal. Die letzten Coverstars sind im Übrigen die Jungs von Shame - auch eine Art von Ruhm...
Theresa Wayman: Gern auch allein
Sie also auch: Nicht genug damit, daß die kalifornische All-Girl-Band Warpaint ihre Zuhörer regelmäßig zu Jubelstürmen hinreißt - alle drei seit 2004 erschienen Alben ernteten sowohl bei der Kritik als auch beim Anhang uneingeschränktes Lob - nein, auch die Einzelaktivitäten der vier Damen sind nicht von Pappe. Angefangen bei Bassistin Jenny Lee Lindberg, die unter dem Moniker Jennylee 2015 ihr Debüt "Right On!" ablieferte, auch Leadgitarristin Emily Kokal (The Little Two's, SBTRKT) und Drummerin Stella Mozgawa (Mink, Swahili Blonde, Rodes Rollins) waren schon an diversen Projekten und Kollaborationen beteiligt. Theresa Wayman wiederum hatte vor zwei Jahren eigentlich ihre Band BOSS ins Leben gerufen, nun aber offensichtlich das Solo bevorzugt - am 18. Mai soll unter dem Pseudonym TT bei Caroline International ihr Erstling "Love Laws" erscheinen. Co-produziert hat laut Pitchfork der eigene Bruder, auch Mozgawa und Lindberg stehen für einige Stücke auf der Payroll - eine erste Auskopplung gibt es mit "Love Leaks" ebenfalls.
Smerz: Auf den zweiten Blick
Schnell mal eine kleine Überraschungs-VÖ vermeldet: Laut Pitchfork erscheint in dieser Woche eine neue EP des dänischen Electro-Duos Smerz. Catharina Stoltenberg und Henriette Motzfeldt hatten ja schon im vergangenen Jahr die Herzen aller Trendsucher höher schlagen lassen, nun kommt also "Have Fun" mit acht zum Teil unbekannten Tracks via XL-Recordings in den Handel. Dazu noch ein DIY-Video mit Grußadresse an die selbstverliebte Modebranche zum Song "Worth It" plus irritierendem Glamour-Content - haha, fertig.
Dienstag, 6. März 2018
Superchunk: Confusion is next
Vor einigen Tagen ist ja das insgesamt elfte Studioalbum einer der dienstältesten Indierockbands erschienen - Superchunk zitieren mit dem Titel "What A Time To Be Alive" nicht nur die mal erstaunte, nicht selten aber entnervte Feststellung vieler Menschen auf diesem Planeten (und nicht zuletzt Zugezogen Maskulin und, wie wir jetzt auch wissen, Jasper Beardly). Irgendwie passt das Video der aktuellen Single "Cloud Of Hate" ganz gut zur zunehmenden Konfusion - Regie führte der japanische Filmkünstler Taiyo Kimura.
02.06. Berlin, Quasimodo
02.06. Berlin, Quasimodo
Sade: Großes Gefolge
Die Zahl derer, die sich auf das Vorbild, Idol Sade Adu einigen können, ist so immens groß, daß selbst Trump sich schwer täte, mehr Anhänger hinter sich zu versammeln. Ganz davon abgesehen, daß man weitaus lieber in der Gefolgschaft der hochgeschätzten nigerianischen Künstlerin gesehen werden möchte als in der des politischen Quertreibers, hat die Sängerin seit geschlagenen sieben Jahren (nach dem letzten Album "Soldier Of Love") nicht mehr von sich hören lassen (diesen Hinweis hätte man sich von Trump gern erhofft), nun aber kommt anlässlich der Veröffentlichung des Soundtracks zum Disney-Streifen "A Wrinkle In Time" (Das Zeiträtsel) nach dem gleichnamigen Roman von Madeleine L'Engle ein brandneuer Song von ihr in Umlauf - "Flower Of The Universe" klingt natürlich erwartet zeitlos, anders hätten wir uns das eh nicht gewünscht. Da will man fern mal abwandeln: #SoSade.
Montag, 5. März 2018
MUNA: Ein Jahr danach
Natürlich hatten sie nicht vergessen, die Aufnahmetaste zu drücken. Wäre ja auch noch schöner gewesen. Im Januar verabredeten sich MUNA zu einer Akustik-Aufnahmesession beim Online-Portal NPR und es war - man konnte es live verfolgen - bei allem Spaß auch ein zähes Ringen um die richtigen Töne, die passende Stimmung. Gemeinsam mit ihren Fans wollten Katie Gavin, Josette Maskin und Naomi McPherson so das einjährige Jubiläum ihres wunderbaren Debütalbums "About U" feiern - Ende dieser Woche nun kommen die drei Songs "Crying On The Bathroom Floor", "If U Love Me Now" und "I Know A Place" als EP mit dem Titel "One Year On" ins Regal - wer möchte, kann sich den Abend hier auch noch einmal in Gänze als Videostream anschauen, dann auch mit der akustischeVersion von "Everything".
Japanese Breakfast: Wiedergutmachung
Na, hoffentlich kommt sie uns nicht auf die Schliche: Zwar haben wir das neue Jahr pflichtschuldigst mit einem Song von Michelle Zauner alias Japanese Breakfast eingeleutet, allerdings spielte dabei ein schlechtes Gewissen eine nicht eben kleine Rolle - denn ihr zauberhaftes Album "Soft Sounds For Another Planet", erschienen im Sommer 2017, haben wir hier einfach unter den Tisch fallen lassen. Klar, man kann nicht alles bringen, für diese Scheibe tut es einem aber schon Leid, denn der Sound ist meisterhafter Pop fast ohne jeden Makel. Gerade ist das Video zum Song "Boyish" erschienen, Anlass genug, wenigstens noch mal eine Art RoundUp zur Platte zu platzieren, also auch die Singles "Road Head", "The Body Is A Blade" und "Machinist". Wenigstens das.
Tracey Thorn: Nicht nur vom Hörensagen [Update]
Wer mit offenen Ohren durch die Gegend geht, der nimmt am Tag so viele Reminiszenzen an die (naja: glorreichen) 80er Jahre wahr, daß passende Stöpsel hin und wieder einen Sinn ergäben. Manchmal allerdings darf man auch bewusst hinhören, vor allem, wenn sich, wie in diesem Fall, eine ausgewiesene Fachfrau zu Wort meldet. Tracey Thorn war die warmtönenende Hälfte des wunderbaren Popduos Everything But The Girl, deren Erfolgsdebüt "Eden" schon 1984 die halbe Welt verrückt gemacht hat. Und selbst als sich die Karriere der Band dem Ende zuneigte, erschien noch 1996 mit "Walking Wounded" eine mehr als respektable Platte, von den zahlreichen Kollaborationen mit Massive Attack (u.a. "Protection") gar nicht zu reden. Nun hat Thorn nach mehreren Jahren Abstinenz mit "Record" ein neues Solo angekündigt, am 2. März soll es erscheinen und mit "Queen" und "Sister" (eine Zusammenarbeit mit der britischen Soulsängerin Corinne Bailey Rae) gibt es aktuell zwei Songs vorab zu hören bzw. zu sehen.
Update: Zum aktuellen Video des Songs "Sister" gibt es von Thorn eine knappe Pressemitteilung - "Filmed in London, it features me singing alongside an intergenerational cast of amazing women: Caroline, Ameera, Kate, and Daniella. Press play!"
Update: Zum aktuellen Video des Songs "Sister" gibt es von Thorn eine knappe Pressemitteilung - "Filmed in London, it features me singing alongside an intergenerational cast of amazing women: Caroline, Ameera, Kate, and Daniella. Press play!"
Spector: Falsche Freunde
Lieber ein schlechtes Verhältnis zu einer schlechten Partei als ein gutes zu einer vermeintlich guten - am Ende schützt einen dies vor allzu großen Überraschungen: In England haben sich ja schon einige Musiker die Hände an zu viel Nähe zum politischen Establishment verbrannt, Tony Blair war in dieser Hinsicht ein erstklassiger Wahlkämpfer und ein großer Vereinnahmer. Zum Schaden vieler Künstler, die hier die gebotene Vorsicht außer Acht ließen. Dann ist es doch besser, man trägt seine Abscheu für die herrschende Parlamentsriege gleich als Standarte vor sich her, das schützt vor Missverständnissen. Die Idles texten zum Beispiel auf ihrer ersten Platte treffend: "The best way to scare a Tory is to read and get rich" und nun treten die Londoner Jungs von Spector mit folgender Adresse in ihre Fußstapfen: "I know scum who sold their stories, some of your best friends are Tories...” Stammen tut diese Zeile aus ihrem neuen Song "Fine Not Fine" von der EP "Ex-Directory", die der letzten Platte "Moth Boys" nachfolgt und Ende dieser Woche erscheint.
Sonntag, 4. März 2018
The Breeders: Alle Zeit der Welt
The Breeders
„All Nerve“
(4AD)
Echt jetzt? Das soll’s gewesen sein? Klingt wie früher und kein Hit dabei? Da hätte man sich von der größten deutschen Tageszeitung doch etwas mehr Wertschätzung erwartet, wenn sich die Geschwister Kelley und Kim Deal nach zehn Jahren wieder zusammenfinden und tatsächlich noch mal eine gemeinsame Platte aufnehmen. Dann lieber hundert Zeilen Hass von Maxim Biller als dreißig gelangweilte von einem Autor, der zu cool für seine eigene Jugend ist und deshalb alles doof findet, was nicht irgendwie abgefahren und hip genug klingt. Ein Trauerspiel, fürwahr. Nicht so diese Platte. The Breeders waren nie eine Singles-Band, Hits wie das tatsächlich grandiose „Cannonball“ entstanden eher im Vorbeigehen, man findet auf den bisherigen vier Alben keine Handvoll davon. Und dennoch ist jedes einzelne seit Beginn der Neunziger ein Glücksfall für den alternativen Gitarrenpop.
Dass „All Nerve“ genauso klingt wie die beiden Vorgänger „Title TK“ und „Mountain Battles“ ist dabei keineswegs ein Fehler, denn The Breeders zeichnete stets aus, dass sie neben dem krachigen Gitarrensound, der immer angenehm an Proberaum und Demotapes erinnerte, eine Art unterschwelliger Angespanntheit besitzen – gerade in den letzten Jahren war dieses zart Brüchige, auch mal Bruchstückhafte ihr Markenzeichen. Da wurden nicht einfach Akkorde hingerotzt, sondern unterbrachen Pausen und Tempowechsel bewusst den Flow, rückte der Gesang nah und eindringlich an den Hörer heran – gewöhnlich war hier selten etwas.
Erfreulich deshalb, dass sich die neuen Songs diese Qualität erhalten haben. Langsame, scheinbar träge Rocknummern wechseln mit schnelleren, die beiden ersten „Nervous Mary“ und „Waiting For The Car“ machen sogar richtig Laune, auch wenn sie von Selbstzweifeln, Fluchtversuchen und schwierigen Kindestagen erzählen. Gänzlich großartig wird es spätestens bei „MetaGoth“, das wummert und pocht und raunt so herrlich, als wären zwischen Gründung der Band und heute keine knapp dreißig Jahre vergangen. Nicht der letzte Höhepunkt. In „Spacewoman“ kratzen die Synthesizer ein kleines Muster zwischen die zähen Riffs, gleich danach gibt es zu glitzernden Gitarrenakkorden die Verse einer Todgeweihten, die doch seltsam versöhnlich und zufrieden klingen.
Dass Kim Deal sehr viel Spaß am Wildern abseits der üblichen Weges hat, ist seit den frühen Tagen ihrer Non-Pixies-Karriere bekannt, schon das Cover des Lennon-Klassikers „Happiness Is A Warm Gun“ war ein sehr gelungenes, aktuell kommt mit „Archangel’s Thunderbird“ von den Krautrocklegenden Amon Düül II ein weiterer Treffer hinzu (leider nicht auf die reguläre Pressung geschafft hat es dagegen Mike Nesmith’s „Joanne“). Ganz zum Schluß noch ein grimmiger Reisebericht von der Akropolis („Junkies of the world draped across the monuments, drunks take a piss where heroes once bled out…“), dann ist Schluß. Im Interview haben die vier erzählt, dass die Aufnahmen seit September 2016 im Kasten waren. Warum es trotzdem so lange gedauert hat bis zur Veröffentlichung? Nun, bis sie den Ansprüchen der Band genügten, brauchte es offenbar noch einmal eine ziemliche Wegstrecke – besser kein Album, als ein schlechtes, so die Devise. Unser Schaden war es nicht, es ist ein kleines Meisterwerk geworden. Wieder mal. http://thebreedersmusic.com/#home
03.07. Hamburg, Fabrik
04.07. Köln, Gloria Theater
„All Nerve“
(4AD)
Echt jetzt? Das soll’s gewesen sein? Klingt wie früher und kein Hit dabei? Da hätte man sich von der größten deutschen Tageszeitung doch etwas mehr Wertschätzung erwartet, wenn sich die Geschwister Kelley und Kim Deal nach zehn Jahren wieder zusammenfinden und tatsächlich noch mal eine gemeinsame Platte aufnehmen. Dann lieber hundert Zeilen Hass von Maxim Biller als dreißig gelangweilte von einem Autor, der zu cool für seine eigene Jugend ist und deshalb alles doof findet, was nicht irgendwie abgefahren und hip genug klingt. Ein Trauerspiel, fürwahr. Nicht so diese Platte. The Breeders waren nie eine Singles-Band, Hits wie das tatsächlich grandiose „Cannonball“ entstanden eher im Vorbeigehen, man findet auf den bisherigen vier Alben keine Handvoll davon. Und dennoch ist jedes einzelne seit Beginn der Neunziger ein Glücksfall für den alternativen Gitarrenpop.
Dass „All Nerve“ genauso klingt wie die beiden Vorgänger „Title TK“ und „Mountain Battles“ ist dabei keineswegs ein Fehler, denn The Breeders zeichnete stets aus, dass sie neben dem krachigen Gitarrensound, der immer angenehm an Proberaum und Demotapes erinnerte, eine Art unterschwelliger Angespanntheit besitzen – gerade in den letzten Jahren war dieses zart Brüchige, auch mal Bruchstückhafte ihr Markenzeichen. Da wurden nicht einfach Akkorde hingerotzt, sondern unterbrachen Pausen und Tempowechsel bewusst den Flow, rückte der Gesang nah und eindringlich an den Hörer heran – gewöhnlich war hier selten etwas.
Erfreulich deshalb, dass sich die neuen Songs diese Qualität erhalten haben. Langsame, scheinbar träge Rocknummern wechseln mit schnelleren, die beiden ersten „Nervous Mary“ und „Waiting For The Car“ machen sogar richtig Laune, auch wenn sie von Selbstzweifeln, Fluchtversuchen und schwierigen Kindestagen erzählen. Gänzlich großartig wird es spätestens bei „MetaGoth“, das wummert und pocht und raunt so herrlich, als wären zwischen Gründung der Band und heute keine knapp dreißig Jahre vergangen. Nicht der letzte Höhepunkt. In „Spacewoman“ kratzen die Synthesizer ein kleines Muster zwischen die zähen Riffs, gleich danach gibt es zu glitzernden Gitarrenakkorden die Verse einer Todgeweihten, die doch seltsam versöhnlich und zufrieden klingen.
Dass Kim Deal sehr viel Spaß am Wildern abseits der üblichen Weges hat, ist seit den frühen Tagen ihrer Non-Pixies-Karriere bekannt, schon das Cover des Lennon-Klassikers „Happiness Is A Warm Gun“ war ein sehr gelungenes, aktuell kommt mit „Archangel’s Thunderbird“ von den Krautrocklegenden Amon Düül II ein weiterer Treffer hinzu (leider nicht auf die reguläre Pressung geschafft hat es dagegen Mike Nesmith’s „Joanne“). Ganz zum Schluß noch ein grimmiger Reisebericht von der Akropolis („Junkies of the world draped across the monuments, drunks take a piss where heroes once bled out…“), dann ist Schluß. Im Interview haben die vier erzählt, dass die Aufnahmen seit September 2016 im Kasten waren. Warum es trotzdem so lange gedauert hat bis zur Veröffentlichung? Nun, bis sie den Ansprüchen der Band genügten, brauchte es offenbar noch einmal eine ziemliche Wegstrecke – besser kein Album, als ein schlechtes, so die Devise. Unser Schaden war es nicht, es ist ein kleines Meisterwerk geworden. Wieder mal. http://thebreedersmusic.com/#home
03.07. Hamburg, Fabrik
04.07. Köln, Gloria Theater
Freitag, 2. März 2018
Moaning: Heraus aus der Masse
Moaning
„Moaning“
(Sub Pop)
Gejammert und geklagt wird ja viel dieser Tage und die Themenfelder sind scheinbar unerschöpflich. Deshalb staunt man kaum, daß den ewigen Miesepetern auch zum Topic Post-Punk etwas zum Nörgeln einfällt. Zu groß der Topf, in den kritiklos alles geschmissen werde, was halbwegs düster, laut und trotzdem melodisch klingt, kaum Qualität am Start. Passt ja wunderbar, dass sich diese Jungs aus Los Angeles gleich namentlich an der Diskussion beteiligen, obwohl: Sie hätten es eigentlich gar nicht nötig. Denn so sehr man mancher Kritik beipflichten möchte, Moaning gehören mit ihrem Debütalbum nun weiß Gott nicht zu den Mitschwimmern. Und auch wenn die Attribute die üblichen sind – also kantige Noisegitarren, strammer Bass, scheppernde Drums und eine angemessen schiefe Stimme, unterm Strich ist der Sound von Sean Solomon, Pascal Stevenson und Andrew MacKelvie mehr als die Summe der einzelnen Teile. Denn es gehört tatsächlich einiges an Talent dazu, eine Platte, und sei sie auch nur zehn Lieder lang, auf diesem Level zu halten. Ähnlich wie die erfahreneren Kollegen von Protomartyr aus Detroit, so etwas wie die Band der Stunde in diesem Genre, gelingt ihnen das vortrefflich, schon die ersten drei Songs “Don’t Go”, “Tired” und “Artificial” haben ordentlich Grip, gegen Ende erinnern sich die drei auch daran, daß Krach an der richtigen Stelle auch ein probates Stilmittel sein kann und schieben die Regler noch einmal mächtig nach oben. Newbies sind sie im Übrigen keine, denn mit dem Vorgängerprojekt Moses Campell waren sie schon ganze zehn Jahre und zwei Alben im Geschäft. Das war gestern. Mit Moaning geht es nun von vorn los. Der Anfang ist ihnen schon mal bestens gelungen.
https://moaning.bandcamp.com/album/moaning-2
25.04. München, Strom (mit Metz)
26.04. Köln, Gebäude 9 (mit Metz)
„Moaning“
(Sub Pop)
Gejammert und geklagt wird ja viel dieser Tage und die Themenfelder sind scheinbar unerschöpflich. Deshalb staunt man kaum, daß den ewigen Miesepetern auch zum Topic Post-Punk etwas zum Nörgeln einfällt. Zu groß der Topf, in den kritiklos alles geschmissen werde, was halbwegs düster, laut und trotzdem melodisch klingt, kaum Qualität am Start. Passt ja wunderbar, dass sich diese Jungs aus Los Angeles gleich namentlich an der Diskussion beteiligen, obwohl: Sie hätten es eigentlich gar nicht nötig. Denn so sehr man mancher Kritik beipflichten möchte, Moaning gehören mit ihrem Debütalbum nun weiß Gott nicht zu den Mitschwimmern. Und auch wenn die Attribute die üblichen sind – also kantige Noisegitarren, strammer Bass, scheppernde Drums und eine angemessen schiefe Stimme, unterm Strich ist der Sound von Sean Solomon, Pascal Stevenson und Andrew MacKelvie mehr als die Summe der einzelnen Teile. Denn es gehört tatsächlich einiges an Talent dazu, eine Platte, und sei sie auch nur zehn Lieder lang, auf diesem Level zu halten. Ähnlich wie die erfahreneren Kollegen von Protomartyr aus Detroit, so etwas wie die Band der Stunde in diesem Genre, gelingt ihnen das vortrefflich, schon die ersten drei Songs “Don’t Go”, “Tired” und “Artificial” haben ordentlich Grip, gegen Ende erinnern sich die drei auch daran, daß Krach an der richtigen Stelle auch ein probates Stilmittel sein kann und schieben die Regler noch einmal mächtig nach oben. Newbies sind sie im Übrigen keine, denn mit dem Vorgängerprojekt Moses Campell waren sie schon ganze zehn Jahre und zwei Alben im Geschäft. Das war gestern. Mit Moaning geht es nun von vorn los. Der Anfang ist ihnen schon mal bestens gelungen.
https://moaning.bandcamp.com/album/moaning-2
25.04. München, Strom (mit Metz)
26.04. Köln, Gebäude 9 (mit Metz)
Achim Bergmann: Keiner wie viele
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| (c) Curt.de |
"Manchmal scheint die Welt still zu stehen und nichts mehr ist, wie es einmal war. Man sucht Trost und findet ihn nicht – nicht jetzt, nicht heute. Aber die Welt wird sich wieder drehen und wir werden uns an einen kraftvollen, wilden, verrückten und warmherzigen Menschen erinnern."
Sein Lebenswerk kann man sich natürlich auf einer Unmenge von fabelhaften Tonträgern in Erinnerung rufen, jede und jeder wird unter Garantie etwas finden, um diesem Mann für seine Arbeit Respekt zu zollen, zu danken und ihn einmal mehr und endgültig ins Herz zu schließen. Nachzulesen ist die Geschichte von TRIKONT, die mit dem heutigen Tag eine traurige Zäsur, aber kein Ende gefunden hat, im Übrigen im wunderbaren Buch "Die Trikont-Story".
Julian Casablancas' The Voidz: Nebensache [Update]
Update: Okay, an alle die sich immer noch mit einem Restfunken Hoffnung trugen, daß die neue von Julian Casablancas And The Voidz irgendetwas mit den Strokes zu tun hat - vergeßt es! Spätestens mit der neuen Single "All Wordz Are Made Up" ist das endgültig geklärt. Zum Glück, möchte man hinterherrufen.
Waves Of Dread: Leise geht nicht [Update]
Schöne Klänge aus Newcastle: Von dort nämlich stammen Waves Of Dread. Wer oder was genau sich hinter dem Projekt verbirgt, ist maximal geheim, außer dem ominösen Namen Honda Schoolings läßt sich nicht viel darüber herausfinden. Das Motto gibt der Promotext mit "Play as loud as fuck" vor und dem wollen wir natürlich sehr gern folgen - die erste Single "In Your Mind" offenbart ja schließlich eine Vorliebe für die lauten Gitarren von Neil Young, J Mascis und Anton Newcombes The Brian Jonestown Massacre, wer will das schon leise hören?!
Update: Kaum gelobt, kommen sie mit einem weiteren Track um die Ecke - gut so. Hier nun also "Flying" in allerbester Shoegazing-Manier.
Update: Kaum gelobt, kommen sie mit einem weiteren Track um die Ecke - gut so. Hier nun also "Flying" in allerbester Shoegazing-Manier.
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