Auch schon wieder ganze fünf Jahre alt: Das letzte Album der kalifornischen Noise-Kombo No Age hieß "An Object" und datiert auf den Sommer 2013, nun schicken sich Randy Randall und Dean Allen Spunt an, Anfang 2018 die fünfte Platte hinterher zu schicken. "Snares Like A Haircut" soll am 26. Januar erscheinen und Stand heute kennen wir davon zwei Stücke - "Soft Collar Fad" und ganz frisch "Drippy". Live sind sie übrigens im nächsten Jahr zunächst in Hamburg gemeldet.
21.03. Hamburg, Hafenklang
Donnerstag, 30. November 2017
St. Vincent: Kehrseitenmusik [Update]
St. Vincent
„MASSEDUCTION“
(Loma Vista)
Natürlich sagt man so etwas nur hinter vorgehaltener Hand und auch dann noch ganz, ganz leise, denn hier sind Missverständnisse vorprogrammiert: Aber ist es nicht so, daß Männer, die sich selbst medienwirksam zu erbitterten Kämpfern für die Rechte der Frau, gar zu entschlossenen Feministen ausrufen, immer ein wenig suspekt, wenn nicht sogar etwas albern wirken? Denn auch wenn Intention klar und das Ansinnen ehrbar ist, wirkt es doch manchmal so, als wolle der Herr im Haus zeigen, wie man einen ordentlichen Feldzug führt, um am Ende des hoffentlich siegreichen Gefechts freudestrahlend prahlen zu können, ohne ihn, den Mann also, wäre das alles nicht so toll gelaufen? Nun gut, ganz so steil ist diese These auch wieder nicht, Fakt scheint jedenfalls: Gäbe es mehr Frauen vom Format einer Annie Clark aka. St. Vincent, wir müssten uns solche umständlichen Gedanken gar nicht erst machen.
Denn wie kaum eine andere Künstlerin ist sie bereit, jedweden weiblichen Wesenszug, ob körperlichen Schlüsselreiz oder bestechenden Intellekt, mit fröhlichem Lächeln in die Waagschale des Geschlechterkampfes zu werfen. Kopf und Bauch, Hirn und Herz, Liebe und Lust, zärtliche Sanftmut und knallender Peitschenhieb – sie kann all das und mehr nach Belieben abrufen und tut es, wie man hört, auf dem neuen Album mit zunehmender Freude. Wer sie zu Platte befragen wollte (so war in der zu ZEIT lesen), musste sich dazu in einen pinkfarbenen Holzkasten zwängen, Deutungen ihrer Texte begegnet sie geduldig, aber distanziert, verweist lieber darauf, dass ihre Songs wie die Bilder eines Rohrschach-Tests funktionieren – es könne und solle sich jeder seinen Teil daraus nehmen, eine Deutungshoheit gebe es nicht, biographische Bezüge Fehlanzeige.
Viele Freiheiten also, die sie sich nimmt und ebenso viele, die sie dem Hörer und der Hörerin anbietet. Der Sound, abgemischt vom experimentierfreudigen Treibauf Jack Antonoff, ist eine brodelnde Mischung aus bratzigem Gitarrenbrett, pulsierender Tanzmucke mit komplett geplündertem 80er- und 90er-Arsenal und zwischengeschobenen Atempausen wie dem wunderbaren „New York“ oder der Anmut von „Slow Disco“ gegen Ende der Show. Mit der Frage „Am I being seduced, or am I the seducer?” macht St. Vincent das Titelthema im dazugehörigen Song auf, holt ein paar Queen-Loops aus der Requisite und ergänzt: „I can't turn off what turns me on!“ Wir sind immer beides, die Verführten und die Verführer, wir ereifern uns über die Allgegenwärtigkeit und die Oberflächlichkeit des medialen Zirkus und mischen doch selbst ganz gern kräftig mit.
So ist das Album auch ein Stück Bewusstheit und Achtsamkeit, für die schnellen, überdrehten Momente, aber auch für die Kehrseiten der Umtriebigkeit. Wer die richtigen Pillen hat, hält zwar länger durch, ist aber auch nicht glücklicher, geschweige denn gerettet. Antworten sind nicht zu holen, die Zukunft ist ungewiß und wird es bleiben, die Liebe bringt Trost, aber manchmal eben auch den Schmerz. Ein paar Zeilen dazu gibt’s ganz zum Schluß: „And sometimes I go to the edge of my roof and I think I'll jump just to punish you. And if I should float on the taxis below, no one would notice, no one will know. And then I think what could be better than love, than love, than love?“ Ein buntes, zuweilen fast grelles Album ist das geworden, das keiner Versuchung widerstehen will und alles probiert. Wahrhaftig, trotzig, ein unendlicher Spaß, der immer auch eine traurige Kehrseite hat. http://ilovestvincent.com/
26.10. Berlin, Huxley‘s
Update: Zum Ton das Bild - hier noch der Clip zur Single "Pills".
„MASSEDUCTION“
(Loma Vista)
Natürlich sagt man so etwas nur hinter vorgehaltener Hand und auch dann noch ganz, ganz leise, denn hier sind Missverständnisse vorprogrammiert: Aber ist es nicht so, daß Männer, die sich selbst medienwirksam zu erbitterten Kämpfern für die Rechte der Frau, gar zu entschlossenen Feministen ausrufen, immer ein wenig suspekt, wenn nicht sogar etwas albern wirken? Denn auch wenn Intention klar und das Ansinnen ehrbar ist, wirkt es doch manchmal so, als wolle der Herr im Haus zeigen, wie man einen ordentlichen Feldzug führt, um am Ende des hoffentlich siegreichen Gefechts freudestrahlend prahlen zu können, ohne ihn, den Mann also, wäre das alles nicht so toll gelaufen? Nun gut, ganz so steil ist diese These auch wieder nicht, Fakt scheint jedenfalls: Gäbe es mehr Frauen vom Format einer Annie Clark aka. St. Vincent, wir müssten uns solche umständlichen Gedanken gar nicht erst machen.
Denn wie kaum eine andere Künstlerin ist sie bereit, jedweden weiblichen Wesenszug, ob körperlichen Schlüsselreiz oder bestechenden Intellekt, mit fröhlichem Lächeln in die Waagschale des Geschlechterkampfes zu werfen. Kopf und Bauch, Hirn und Herz, Liebe und Lust, zärtliche Sanftmut und knallender Peitschenhieb – sie kann all das und mehr nach Belieben abrufen und tut es, wie man hört, auf dem neuen Album mit zunehmender Freude. Wer sie zu Platte befragen wollte (so war in der zu ZEIT lesen), musste sich dazu in einen pinkfarbenen Holzkasten zwängen, Deutungen ihrer Texte begegnet sie geduldig, aber distanziert, verweist lieber darauf, dass ihre Songs wie die Bilder eines Rohrschach-Tests funktionieren – es könne und solle sich jeder seinen Teil daraus nehmen, eine Deutungshoheit gebe es nicht, biographische Bezüge Fehlanzeige.
Viele Freiheiten also, die sie sich nimmt und ebenso viele, die sie dem Hörer und der Hörerin anbietet. Der Sound, abgemischt vom experimentierfreudigen Treibauf Jack Antonoff, ist eine brodelnde Mischung aus bratzigem Gitarrenbrett, pulsierender Tanzmucke mit komplett geplündertem 80er- und 90er-Arsenal und zwischengeschobenen Atempausen wie dem wunderbaren „New York“ oder der Anmut von „Slow Disco“ gegen Ende der Show. Mit der Frage „Am I being seduced, or am I the seducer?” macht St. Vincent das Titelthema im dazugehörigen Song auf, holt ein paar Queen-Loops aus der Requisite und ergänzt: „I can't turn off what turns me on!“ Wir sind immer beides, die Verführten und die Verführer, wir ereifern uns über die Allgegenwärtigkeit und die Oberflächlichkeit des medialen Zirkus und mischen doch selbst ganz gern kräftig mit.
So ist das Album auch ein Stück Bewusstheit und Achtsamkeit, für die schnellen, überdrehten Momente, aber auch für die Kehrseiten der Umtriebigkeit. Wer die richtigen Pillen hat, hält zwar länger durch, ist aber auch nicht glücklicher, geschweige denn gerettet. Antworten sind nicht zu holen, die Zukunft ist ungewiß und wird es bleiben, die Liebe bringt Trost, aber manchmal eben auch den Schmerz. Ein paar Zeilen dazu gibt’s ganz zum Schluß: „And sometimes I go to the edge of my roof and I think I'll jump just to punish you. And if I should float on the taxis below, no one would notice, no one will know. And then I think what could be better than love, than love, than love?“ Ein buntes, zuweilen fast grelles Album ist das geworden, das keiner Versuchung widerstehen will und alles probiert. Wahrhaftig, trotzig, ein unendlicher Spaß, der immer auch eine traurige Kehrseite hat. http://ilovestvincent.com/
26.10. Berlin, Huxley‘s
Update: Zum Ton das Bild - hier noch der Clip zur Single "Pills".
Other Creatures: Hoffnung für die Insel [Update]
Ganz ehrlich, viel zu lachen haben die Iren im Moment nicht. Rund um die Uhr bekommen sie auf den Deckel, weil sie mit dem Apfel-Konzern einen fragwürdigen Steuerdeal aushandelten, ihr Nationalheiligtum Bono steckt wegen seiner Liebe zu offshore platzierten Briefkästen selbst knietief im Shitstorm und wenn heute Abend auch noch die Quali gegen die lustigen Dänen danebengeht, ist man auf der Insel endgültig bedient. Da tut es gut, wenn wenigstens das Kerngeschäft, also weniger das Trinken, sondern eher das Singen, noch halbwegs funktioniert. Drei Jungs aus der Hauptstadt Dublin versuchen nämlich gerade recht erfolgreich, irischen Indierock auf den Radar zu schieben - zwei Stücke haben Dave Rogers, Fionn Fitzpatrick und Konrad Timon unter dem Namen Other Creatures abgeliefert und diese zeugen wenigsten von großem Talent, wenn es ums Songwriting geht. Das erste Kurzformat wie "The First EP" heißen, bei Trout Records erscheinen - hier also "Luxembourg" und das neue "Soft And Sweet".
Update: Auch auf der EP der neue Song "Birthal", für den hier den dazugehörigen Videoclip gibt.
Update: Auch auf der EP der neue Song "Birthal", für den hier den dazugehörigen Videoclip gibt.
The Soft Moon: Kriminelle Energie [Update]
Hatten wir schon erwähnt, daß Luis Vasquez aka. The Soft Moon ein neues Album angekündigt hat? Wenn nicht, dann nur, um den Spätsommer da draußen nicht unnötig zu irritieren, denn wenn der von den Plänen des Kaliforniers erfährt, ist schnell Schluß mit warm und sonnig. Einst bei Captured Tracks unter Vertrag, hat Vasquez kürzlich bei Sacred Bones unterschrieben und dort plant er seinen Einstand mit "Criminal", so der Name der Platte, für Februar 2018. Am tiefschwarzen Stil des Mannes hat sich ansonsten nicht viel geändert, überzeugen kann man sich davon auch anhand des ersten neuen Songs "Burn" mit Videoclip von Kelsey Henderson. Ein Statement oder besser ein Eingeständnis zum Werk selbst gibt es vom Künstler auch, er meint: "The concept of Criminal is a desperate attempt to find relief by both confessing to my wrongdoings and by blaming others for their wrongdoings that have affected me."
Update: Die nächste Single heißt "It Kills" und kommt zusammen mit Video und Tourdaten.
02.02. Baden, One of a Million Festival
11.02. Berlin, Urban Spree
12.02. Berlin, Urban Spree
07.03. München, Kranhalle
08.03. Leipzig, UT Connewitz
09.03. Hamburg, Hafenklang
10.03. Köln, Gebaude 9
11.03. Saarbrücken, Garage Club
Update: Die nächste Single heißt "It Kills" und kommt zusammen mit Video und Tourdaten.
02.02. Baden, One of a Million Festival
11.02. Berlin, Urban Spree
12.02. Berlin, Urban Spree
07.03. München, Kranhalle
08.03. Leipzig, UT Connewitz
09.03. Hamburg, Hafenklang
10.03. Köln, Gebaude 9
11.03. Saarbrücken, Garage Club
Mittwoch, 29. November 2017
Calexico: Volles Programm
Haben wir doch tatsächlich die Meldung für das neue Album von Calexico verpaßt. Zum Glück gibt es mit dem heutigen Tag eine zweite Chance, denn die beiden Herren aus Arizona haben nach der ersten Vorauskopplung "End Of The World With You" die nächste vorgelegt und auch zu "Voices In The Field" gibt es einen hübschen Lyric-Clip. Die Platte heißt im Übrigen "The Thread That Keeps Us" und erscheint am 26. Januar bei ANTI- Records, und da Calexico um eine Tour nie verlegen sind, können wir auch schon mit den passenden Terminen für 2018 dienen.
09.03. Hamburg, Große Freiheit
10.03. Berlin, Tempodrom
11.03. München, Muffathalle
17.03. Fribourg, Fri-Son
18.03. Zürich, X-Tra
19.03. Linz, Posthof
21.03. Stuttgart, Im Wizemann
23.03. Köln, E-Werk
09.03. Hamburg, Große Freiheit
10.03. Berlin, Tempodrom
11.03. München, Muffathalle
17.03. Fribourg, Fri-Son
18.03. Zürich, X-Tra
19.03. Linz, Posthof
21.03. Stuttgart, Im Wizemann
23.03. Köln, E-Werk
U.S. Girls: Gnadenlos
Es sind die Augen. Kein Zweifel. Und auch keine Gnade. Meg Remy, besser bekannt unter dem Pseudonym U.S. Girls, hat einen so intensiven, durchdringenden Blick, daß es einen bis ins Innerste friert. Schön (oder besser unschön) zu beobachten im neuen Video zur Single "Velvet 4 Sale", in welchem sie sich als Polizistin außer Dienst um einen ziemlichen Kotzbrocken kümmert - gespoilert wird allerdings nicht. Es ist dies nach "Mad As Hell" die zweite Single vom Album "In A Poem Unlimited", das am 16. Februar via 4AD erscheint.
Dienstag, 28. November 2017
Document: Seltenes Glück [Update]
Wann hat man schon mal die Gelegenheit, eine israelische Post-Punk-Band vorzustellen? Richtig, so gut wie nie. Wenn sie zudem noch so bestechend klingt wie Document aus Tel-Aviv mit ihrer neuen Single "Hustle", dann ist allemal ein Post angezeigt. Am 9. November werden die Herren um Leadsänger Nir Ben Jacob ihr Debütalbum "The Void Repeats" veröffentlichen, bis dahin darf schon mal fleißig vorgehört werden - ältere Sachen gibt's im Übrigen auch bei Bandcamp.
Update: Das wollen wir dann doch schnell teilen - die Jungs haben mit "Red Tape" einen weiteren Song dabei, keinen Deut schlechter als der letzte.
Update: Das wollen wir dann doch schnell teilen - die Jungs haben mit "Red Tape" einen weiteren Song dabei, keinen Deut schlechter als der letzte.
Freitag, 24. November 2017
W.H. Lung: Der Stadt die Ehre
Von W.H. Lung, einer immer noch sehr frischen Band aus Manchester, hatten wir hier im Frühjahr schon zwei Songs zu Gast und die waren so gut, daß der Name im Gedächtnis blieb und jetzt, da mit "WANT" ihre neue Single ansteht, etwas an Erinnerung zurückgebracht hat. Wir hören heute hypnotische Grooves, die ihrer Heimatstadt und deren Tradition die beste Ehre erweisen, wäre doch gelacht, wenn das nicht irgendwann vor größerem Publikum enden sollte.
Glassjaw: Atypisch
In gewisser Weise läßt sich die New Yorker Post-Hardcore-Kapelle Glassjaw mit Bands wie Deafheaven, Sunn O))) oder Ceremony vergleichen - ohrenbetäubender Krach, aber optisch weit weg vom genretypischen Klischee. Aber auch in Sachen Output bewegen sich Daryl Palumbo, Justin Beck, Travis Sykes und Chad Hasty auf einem sehr eigenen Level, ganze zwei Alben hatten die Herren bislang im Angebot, das letzte datiert mit "Worship And Tribute" immerhin schon auf 2002. Nun soll am 1. Dezember das dritte hinzukommen, "Material Control" erscheint bei Century Media und neben einem alten Stück aus dem Jahr 2015 ("new white extremity") wird sich auch die aktuelle Vorabsingle "shira" darauf finden.
Donnerstag, 23. November 2017
Familienalbum # 26: N.E.R.D.
Die Nachricht, daß Mr. Mir-macht-keiner-was-vor Pharrell Williams zusammen mit seinen Kollegen das Trio N.E.R.D. für eine neue Platte reaktiviert, geistert ja schon seit einiger Zeit durch das Netz, heute kamen nun via Twitter Cover, Titel und VÖ-Datum. Die allerdings rücken sofort in den Hintergrund, schaut man sich die Hülle der geplanten Platte an, denn natürlich springen dem Musik-Nerd (hüstel) haufenweise Bezüge zu ähnlichen Verpackungen ins Gesicht - angefangen bei der wohl berühmtesten Zunge der Rockhistorie über allerlei Ähnliches von großen und kleinen Namen. Also mußte flugs ein neues Familienalbum her, auch wenn wir uns damit ziemlich nah am vorangegangenen bewegen. Alle Angaben wie gewohnt von links nach rechts und oben nach unten gelistet. Ach ja, "No_One Ever Really Dies" - siehe oben - kommt am 15. Dezember, mit dabei auch Rihanna ("Lemon") - siehe unten - und André 3000.
N.E.R.D. "No_One Ever Really Dies", Alt-J "Dissolve Me", Atari Blitzkrieg And Digital Fiend "Neber Pills", Dilly Dally "Sore", Silk Rhodes "Silk Rhodes", Bleached "Can You Deal?", The Rotten Mangos "The Rotten Mangos", Wiz Khalifa "Something New Feat. Ty Dolla $ign", Inheaven "Bitter Town", Gentle Giant "Acquiering The Taste", Monty Python "Monty Python Sings", Al-One The Remedy "Sharptongue", The Rolling Stones Singles Box 1971 - 2006, Baby Woodrose "Love Comes Down", The Rolling Stones "Grrr!" Singles Collection, Cheech And Chong "Sleeping Beauty OST", Maroon 5 "Sugar"
N.E.R.D. "No_One Ever Really Dies", Alt-J "Dissolve Me", Atari Blitzkrieg And Digital Fiend "Neber Pills", Dilly Dally "Sore", Silk Rhodes "Silk Rhodes", Bleached "Can You Deal?", The Rotten Mangos "The Rotten Mangos", Wiz Khalifa "Something New Feat. Ty Dolla $ign", Inheaven "Bitter Town", Gentle Giant "Acquiering The Taste", Monty Python "Monty Python Sings", Al-One The Remedy "Sharptongue", The Rolling Stones Singles Box 1971 - 2006, Baby Woodrose "Love Comes Down", The Rolling Stones "Grrr!" Singles Collection, Cheech And Chong "Sleeping Beauty OST", Maroon 5 "Sugar"
Mittwoch, 22. November 2017
Faber: Unmißverständlich
Faber
Support: Frank Powers
Muffathalle, München, 21. November 2017
Bevor wir mit der amtlichen und in diesem Falle vollumfänglich zutreffenden Lobhudelei beginnen, zunächst noch ein, zwei Sätze aus der beliebten Kategorie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“: Es wird einige (männliche) Geschlechtsgenossen geben, die die Welt seit Erscheinen des Debütalbums von Julian Pollina aka. Faber als ungerechter denn je empfinden, ein Gefühl, das mit dem gestrigen Abend eher noch drängender geworden ist. Der Junge aus Zürich hat auf diesem bekanntlich über ein Dutzend Lieder versammelt, die sich einen Dreck um politische Korrektheit und sonstige Empfindlichkeiten scheren, angefüllt mit allerlei obszönem Vokabular, das überall sonst den Empörungsbarometer sofort in den Grenzbereich katapultiert (kann man das eigentlich jugendgefährdend nennen, wenn die Jugend selbst solche Texte ausgelassen mitsingt?) – von Behutsamkeit, neuzeitlichem Frauenverstehertum, übertriebener Vorsicht nichts zu hören. Was anderen also um die Ohren gehauen wird, erntet hier begeisterten Applaus? Noch dazu sieht der Kerl nicht mal aus wie ein Posterboy und darf sich trotzdem, auch in München, verzückte Zurufe samt Kinderwunsch anhören. Konfrontiert man Frauen mit derlei verzweifelten Fragen, erntet man nicht selten ein geringschätziges Lächeln, das nichts anderes meint als: Oh Mann, du verstehst es einfach nicht. Verrückte Welt, verdammt!
Weil aber diese Welt gerade nichts weniger braucht als weinerliche Lamentos, wenden wir uns besser den erfreulichen Seiten des Abends zu. Vielleicht missverstehen manche den Jungen wegen eben jener wunderbar ungeschönten Poesie als wehleidiges, selbstgerechtes Arschloch (wahrscheinlich legt er’s gerade darauf an, sicher ist’s ihm halbwegs wurscht), auf der Bühne jedoch steht ein sympathischer, durchaus charmanter und manchmal auch ein wenig unbeholfen wirkender junger Mann mit einer beeindruckenden Präsenz und einer Stimme, zu der schon so viel gesagt ist und die einen doch immer wieder auf’s Neue umhaut. Ebenso wie seine Mitstreiter der grandiosen Goran Koç y Vocalist Orkestar Band, ein verwegner Haufen leidenschaftlicher Alleskönner, angefangen beim sprilligen Goran Koç an Klavier und Quetschkommode, dem Bassisten und Cellisten Janos Mijnssen, Max Kämmerling mit Gitarre und Darbuka (der einen umjubeltem, schwyzerdütschen Auftritt bei “Alles Gute” hat) und dem Vierschröter Tillmann Ostendarp an Schlagwerk und Posaune. Alle mit sichtbarem Spaß bei der Sache, um keinen Jux verlegen und in der Lage, die große Halle in Nullkommanix in ein schaukelndes Narrenschiff zu verwandeln.
Tatsächlich ist es so, daß gerade der nicht übermäßig komplizierte, spelunkenhafte Sound der Kapelle live das Zeug zum Aufputschmittel hat, also ohnehin schon famose Stücke wie “So soll es sein”, “Nichts”, “Wem du’s heute kannst besorgen” und “Es könnte schöner sein” noch eine Euphoriestufe höher heben kann und mit ausgelassenen Soli veredelt. Die tiefschwarze Seite (resp. Seele) Pollinas wird dabei nicht vergessen, sondern eher unterstrichen, wenn das Spießbürgertum Amok läuft, auf dem Straßenstrich die letzte Hoffnung vor die Hunde geht und jeder, der noch halbwegs bei Trost ist, sich lieber in die trügerische Heimeligkeit des Kaminfeuers verkriecht. Pollinas ganzer Körper ist dann ein einziges Vibrieren – selbst wenn er im Scherz meint, es tue ihm gut, mal zwei Stundes alles herauszuschreien, ahnt man doch, wie wichtig es ist, diesen Gefühlsstau in seinen Songs aufzulösen. Und was für eine Herausforderung es ist, das allabendlich vor tausenden Menschen zu tun. Das Traditionelle, Berechenbare ist ihm, für einen Schweizer überraschend genug, so verhasst wie die oberflächliche Beliebigkeit, “Bleib dir nicht treu!” appelliert er mit Nachdruck. Wer ihm zuhört dabei, kommt nicht umhin, ein paar Verletzungen oder leidlich verheilte Narben zu vermuten, seine Musik berührt und bringt mit etwas Glück im Innersten etwas zum Schwingen, das sich sonst nur selten hervorwagt.
Support: Frank Powers
Muffathalle, München, 21. November 2017
Bevor wir mit der amtlichen und in diesem Falle vollumfänglich zutreffenden Lobhudelei beginnen, zunächst noch ein, zwei Sätze aus der beliebten Kategorie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“: Es wird einige (männliche) Geschlechtsgenossen geben, die die Welt seit Erscheinen des Debütalbums von Julian Pollina aka. Faber als ungerechter denn je empfinden, ein Gefühl, das mit dem gestrigen Abend eher noch drängender geworden ist. Der Junge aus Zürich hat auf diesem bekanntlich über ein Dutzend Lieder versammelt, die sich einen Dreck um politische Korrektheit und sonstige Empfindlichkeiten scheren, angefüllt mit allerlei obszönem Vokabular, das überall sonst den Empörungsbarometer sofort in den Grenzbereich katapultiert (kann man das eigentlich jugendgefährdend nennen, wenn die Jugend selbst solche Texte ausgelassen mitsingt?) – von Behutsamkeit, neuzeitlichem Frauenverstehertum, übertriebener Vorsicht nichts zu hören. Was anderen also um die Ohren gehauen wird, erntet hier begeisterten Applaus? Noch dazu sieht der Kerl nicht mal aus wie ein Posterboy und darf sich trotzdem, auch in München, verzückte Zurufe samt Kinderwunsch anhören. Konfrontiert man Frauen mit derlei verzweifelten Fragen, erntet man nicht selten ein geringschätziges Lächeln, das nichts anderes meint als: Oh Mann, du verstehst es einfach nicht. Verrückte Welt, verdammt!
Weil aber diese Welt gerade nichts weniger braucht als weinerliche Lamentos, wenden wir uns besser den erfreulichen Seiten des Abends zu. Vielleicht missverstehen manche den Jungen wegen eben jener wunderbar ungeschönten Poesie als wehleidiges, selbstgerechtes Arschloch (wahrscheinlich legt er’s gerade darauf an, sicher ist’s ihm halbwegs wurscht), auf der Bühne jedoch steht ein sympathischer, durchaus charmanter und manchmal auch ein wenig unbeholfen wirkender junger Mann mit einer beeindruckenden Präsenz und einer Stimme, zu der schon so viel gesagt ist und die einen doch immer wieder auf’s Neue umhaut. Ebenso wie seine Mitstreiter der grandiosen Goran Koç y Vocalist Orkestar Band, ein verwegner Haufen leidenschaftlicher Alleskönner, angefangen beim sprilligen Goran Koç an Klavier und Quetschkommode, dem Bassisten und Cellisten Janos Mijnssen, Max Kämmerling mit Gitarre und Darbuka (der einen umjubeltem, schwyzerdütschen Auftritt bei “Alles Gute” hat) und dem Vierschröter Tillmann Ostendarp an Schlagwerk und Posaune. Alle mit sichtbarem Spaß bei der Sache, um keinen Jux verlegen und in der Lage, die große Halle in Nullkommanix in ein schaukelndes Narrenschiff zu verwandeln.
Tatsächlich ist es so, daß gerade der nicht übermäßig komplizierte, spelunkenhafte Sound der Kapelle live das Zeug zum Aufputschmittel hat, also ohnehin schon famose Stücke wie “So soll es sein”, “Nichts”, “Wem du’s heute kannst besorgen” und “Es könnte schöner sein” noch eine Euphoriestufe höher heben kann und mit ausgelassenen Soli veredelt. Die tiefschwarze Seite (resp. Seele) Pollinas wird dabei nicht vergessen, sondern eher unterstrichen, wenn das Spießbürgertum Amok läuft, auf dem Straßenstrich die letzte Hoffnung vor die Hunde geht und jeder, der noch halbwegs bei Trost ist, sich lieber in die trügerische Heimeligkeit des Kaminfeuers verkriecht. Pollinas ganzer Körper ist dann ein einziges Vibrieren – selbst wenn er im Scherz meint, es tue ihm gut, mal zwei Stundes alles herauszuschreien, ahnt man doch, wie wichtig es ist, diesen Gefühlsstau in seinen Songs aufzulösen. Und was für eine Herausforderung es ist, das allabendlich vor tausenden Menschen zu tun. Das Traditionelle, Berechenbare ist ihm, für einen Schweizer überraschend genug, so verhasst wie die oberflächliche Beliebigkeit, “Bleib dir nicht treu!” appelliert er mit Nachdruck. Wer ihm zuhört dabei, kommt nicht umhin, ein paar Verletzungen oder leidlich verheilte Narben zu vermuten, seine Musik berührt und bringt mit etwas Glück im Innersten etwas zum Schwingen, das sich sonst nur selten hervorwagt.
Childcare: Rückmeldung
Die Entstehungsgeschichte der Londoner Band Childcare ist ja nun, mag sie stimmen oder nicht, hinlänglich bekannt, wir können uns also gleich auf die Musik stürzen. Nach einer Reihe vorzüglicher Singles war es einige Zeit recht still um das Quartett, vor einem Monat kam dann mit "Getting Over You" ein erstes Lebenszeichen, nun geht Track Nummer zwei "Pull Down Your Pen" auf die Reise - kein schlechter, wohlgemerkt.
Dienstag, 21. November 2017
Fever Ray: Im Hornissennest
Fever Ray
„Plunge“
(PIAS Coop)
Über die politische Meinungsäußerung von Musikern wird ja die Tage wieder reichlich diskutiert: Morrissey überrascht nicht wenige seiner Fans und schlägt sich mit dem neuen Album auf die Seite der Eurospektiker und Populisten, Nick Cave verbittet sich jedwede Verhaltensmaßregel von Seiten der Herren Eno und Waters, die ihrerseits wieder mit fast schon missionarischem Feuereifer antworten – es sind bewegte Zeiten, die zuweilen skurrile Blüten treiben. Nun ist das Rock- und Popbusiness seit jeher eher links und verortet, faierweise muß man allerdings feststellen, daß ein geordneter Gedankenaustausch auch hier kaum möglich ist, die Fronten sind hart, die Bereitschaft zu ergebnisoffener Diskussion geht gegen Null und die holzschnitthaften Einteilungen in gut und böse funktionieren weitesgehend prächtig. Soweit, so unbefriedigend – bleibt nur zu konstatieren, daß eine persönliche Meinung auch immer eine solche bleibt (auch wenn die Tragweite manchmal unterschätzt wird) und man mit einem humanistischen Weltbild noch immer am besten fährt.
Auch Karin Dreijer Andersson, Teil des Avantgarde-Popduos The Knife und seit 2009 solistisch unter dem Namen Fever Ray unterwegs, geht auf ihrer neuen, zweiten Platte überraschend offensiv zu Werke und reiht sich damit ein in die Liste der Frauen, die in diesem Jahr Pop, Politik und Feminismus maßgeblich miteinander verbunden und mitbestimmt haben: Austra, Feist, St. Vincent, Beth Ditto, Charlotte Gainsbourg, etc. Die Vermutung, die Wahl des wildgewordenen Toupetträgers zum Präsidenten Amerikas könnte diese Entwicklung maßgeblich befeuert haben, kommt dabei nicht von ungefähr. Man muß sich nur einen Track wie „This Country“ anhören, meilenweit entfernt von den geheimnisvoll verschlungenen Soundcollagen des Vorgängers, um eine Vorstellung vom Leidensdruck der schwedischen Künstlerin zu bekommen: „Free abortions and clean water, destroy nuclear, destroy boring! Lovers got love in a love fest, every time we fuck we win – this house makes it hard to fuck, this country makes it hard to fuck!“ Direkter geht es kaum. https://feverray.com/
Daten für die Europatournee 2018 hier.
Die Stücke von „Plunge“ sind voller mehr oder weniger direkter Verweise auf die Freiheit von Liebe, Lust, Begehren und Leidenschaft, auch die Videos zum Album bieten reichlich provokantes Bildmaterial zu Genderproblematik und Geschlechterrollen, zur grellen Obszönität einer Merrill Beth Nisker aka. Peaches ist’s da nur noch ein kleiner Schritt. Von der düster-melancholischen Aura des Debüts ist dabei nicht mehr viel übriggeblieben, vielmehr hat man den Eindruck, in ein ramponiertes Hornissennest geraten zu sein: Maschinengewehrloops, kreisende Helikopter, saftige Drone-Beats, das ganz große hypernervöse Hämmern bildet die Grundierung (exemplarisch „Wanna Sip“, „Falling“ „An Itch“), zusammengetragen durch eine erlesene Auswahl an Gastproduzenten wie Paula Temple, Deena Abdelwahed, Nídia, Peder Mannerfelt und Johannes Berglund. Dazu die schneidende Stimme Anderssons und als Krönung die elektrische Violine von Sara Parkman („Red Trail“). Daß am Ende die Liebe gewinnt, kann da nur ein schwacher Trost sein („The final puzzle piece, this little thing called love …“/„Mama’s Head“). Eine Platte, so aufreizend wie überwältigend – wait was worth it.
„Plunge“
(PIAS Coop)
Über die politische Meinungsäußerung von Musikern wird ja die Tage wieder reichlich diskutiert: Morrissey überrascht nicht wenige seiner Fans und schlägt sich mit dem neuen Album auf die Seite der Eurospektiker und Populisten, Nick Cave verbittet sich jedwede Verhaltensmaßregel von Seiten der Herren Eno und Waters, die ihrerseits wieder mit fast schon missionarischem Feuereifer antworten – es sind bewegte Zeiten, die zuweilen skurrile Blüten treiben. Nun ist das Rock- und Popbusiness seit jeher eher links und verortet, faierweise muß man allerdings feststellen, daß ein geordneter Gedankenaustausch auch hier kaum möglich ist, die Fronten sind hart, die Bereitschaft zu ergebnisoffener Diskussion geht gegen Null und die holzschnitthaften Einteilungen in gut und böse funktionieren weitesgehend prächtig. Soweit, so unbefriedigend – bleibt nur zu konstatieren, daß eine persönliche Meinung auch immer eine solche bleibt (auch wenn die Tragweite manchmal unterschätzt wird) und man mit einem humanistischen Weltbild noch immer am besten fährt.
Auch Karin Dreijer Andersson, Teil des Avantgarde-Popduos The Knife und seit 2009 solistisch unter dem Namen Fever Ray unterwegs, geht auf ihrer neuen, zweiten Platte überraschend offensiv zu Werke und reiht sich damit ein in die Liste der Frauen, die in diesem Jahr Pop, Politik und Feminismus maßgeblich miteinander verbunden und mitbestimmt haben: Austra, Feist, St. Vincent, Beth Ditto, Charlotte Gainsbourg, etc. Die Vermutung, die Wahl des wildgewordenen Toupetträgers zum Präsidenten Amerikas könnte diese Entwicklung maßgeblich befeuert haben, kommt dabei nicht von ungefähr. Man muß sich nur einen Track wie „This Country“ anhören, meilenweit entfernt von den geheimnisvoll verschlungenen Soundcollagen des Vorgängers, um eine Vorstellung vom Leidensdruck der schwedischen Künstlerin zu bekommen: „Free abortions and clean water, destroy nuclear, destroy boring! Lovers got love in a love fest, every time we fuck we win – this house makes it hard to fuck, this country makes it hard to fuck!“ Direkter geht es kaum. https://feverray.com/
Daten für die Europatournee 2018 hier.
Die Stücke von „Plunge“ sind voller mehr oder weniger direkter Verweise auf die Freiheit von Liebe, Lust, Begehren und Leidenschaft, auch die Videos zum Album bieten reichlich provokantes Bildmaterial zu Genderproblematik und Geschlechterrollen, zur grellen Obszönität einer Merrill Beth Nisker aka. Peaches ist’s da nur noch ein kleiner Schritt. Von der düster-melancholischen Aura des Debüts ist dabei nicht mehr viel übriggeblieben, vielmehr hat man den Eindruck, in ein ramponiertes Hornissennest geraten zu sein: Maschinengewehrloops, kreisende Helikopter, saftige Drone-Beats, das ganz große hypernervöse Hämmern bildet die Grundierung (exemplarisch „Wanna Sip“, „Falling“ „An Itch“), zusammengetragen durch eine erlesene Auswahl an Gastproduzenten wie Paula Temple, Deena Abdelwahed, Nídia, Peder Mannerfelt und Johannes Berglund. Dazu die schneidende Stimme Anderssons und als Krönung die elektrische Violine von Sara Parkman („Red Trail“). Daß am Ende die Liebe gewinnt, kann da nur ein schwacher Trost sein („The final puzzle piece, this little thing called love …“/„Mama’s Head“). Eine Platte, so aufreizend wie überwältigend – wait was worth it.
Young Fathers: Keine Sorgen [Update]
"You can't dance to it" - na, besten Dank auch! Solche Hinweise können sich nicht viele erlauben, diese Herren allerdings schon: Die Young Fathers haben sich mit einem neuen Song zurückgemeldet, ihrem ersten Lebenszeichen nach dem Beitrag auf dem Soundtrack zu "Trainspotting 2". Und "Lord", so der Name des Tracks, ist tatsächlich eher ein Choral ohne das kleinste Anzeichen von Tanzbarkeit, wer die vorangegangenen Werke der drei aus Edinburgh kennt ("Dead" und "White Men Are Black Men Too"), weiß allerdings, dass solche Elemente schon immer zu ihrem Repertoire gehörten. Kein Grund sich Sorgen zu machen also, der Rest - wann immer er auf Albumlänge erscheint - wird vermutlich wieder ganz anders daherkommen.
Update: Das beeindruckende Video stammt von Rianne White, einer Regisseurin aus Edinburgh.
09.04. Berlin, Columbia Theater
11.04. Zürich, Rote Fabrik
Update: Das beeindruckende Video stammt von Rianne White, einer Regisseurin aus Edinburgh.
09.04. Berlin, Columbia Theater
11.04. Zürich, Rote Fabrik
The Wombats: Schwerter zu Zitrusfrüchten [Update]
Hin und her überlegt - sollen wir noch mal oder besser doch nicht? Nun also doch: Die Liverpooler Band The Wombats hat einst Herzen tonnenweise zum Pochen und Schmelzen gebracht, von durchgetanzten Schuhen mal ganz abgesehen. Es wurde dann aber (nicht ganz zu Unrecht) stiller und stiller um die drei Herren, ihr letztes Album "Glitterbug" war zwar halbwegs erfolgreich, aber bei weitem nicht so prickelnd wie das famose Debüt. Und dennoch - am 9. Februar steht die Veröffentlichung ihrer bislang vierten Platte "Beautiful People Will Ruin Your Life" an und die erste Single "Lemon To A Knife Fight" läßt durchaus alte Qualitäten erkennen.
Update - Tourdaten:
06.04. Münster, Jovel Music Hall
07.04. Köln, E-Werk
10.04. München, Theaterfabrik
11.04. Zürich, Plaza Club
12.04. Wien, Arena
15.04. Berlin, Astra Kulturhaus
16.04. Hamburg, Docks
Update - Tourdaten:
06.04. Münster, Jovel Music Hall
07.04. Köln, E-Werk
10.04. München, Theaterfabrik
11.04. Zürich, Plaza Club
12.04. Wien, Arena
15.04. Berlin, Astra Kulturhaus
16.04. Hamburg, Docks
Montag, 20. November 2017
Joan As Police Woman: Frau mit Seele
So richtig zu erklären ist das nicht, warum gerade diese Frau mit ihrer Musik nicht weitaus populärer ist: Joan Wasser, besser bekannt unter ihrem Moniker Joan As Police Woman, hat schon eine ganze Reihe wunderbarer Alben abgeliefert und man kann mit Fug und Recht behaupten, sie hat den Soul. Bekommt nur keiner mit - obwohl "keiner" natürlich eine böse Untertreibung ist, die nur zeigen soll, um wieviel erfolgreicher schlechte Musik heutzutage gehandelt wird als solch gute. Aber vielleicht ist das ja auch für etwas gut. Gerade jedenfalls hat sie den offiziellen Studionachfolger für ihre Platte "The Classic" aus dem Jahr 2014 angekündigt, "Damned Devotion" soll am 9. Februar bei Play It Again Sam erscheinen und natürlich ist die erste Single "Warning Bell" nichts weniger als grandios.
30.03. Graz, PPC
31.03. Wien, Ottakringer Brauerei
04.04. Zürich, Kaufleuten
05.04. Fribourg, Fri-Son
09.04. Berlin, Festsaal Kreuzberg
10.04. Hamburg, Knust
30.03. Graz, PPC
31.03. Wien, Ottakringer Brauerei
04.04. Zürich, Kaufleuten
05.04. Fribourg, Fri-Son
09.04. Berlin, Festsaal Kreuzberg
10.04. Hamburg, Knust
Sonntag, 19. November 2017
Boy Azooga vs. Pello: Unforgettable
Seltener Fall von Faust auf's Auge: Gerade hat das Billboard Magazine die Collagen des Londoner Künstlers Pello geteilt, der Adeles Coverporträts gekonnt auf ikonografische Plattenhüllen früheren Datums verklebt (hier die Arctic Monkeys und "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not"), da kommt mit "Face Behind Her Cigarette" gleich der passende Soundtrack daher. Der Song stammt vom Quartett Boy Azooga aus Cardiff und swingt sich sofort ins Hörerohr. Das Stück ist laut Sänger Davey Newington als Hommage an den kürzlich verstorbenen, nigerianischen Musiker William Onyeabor zu verstehen, das Video stammt von Toby Cameron.
Samstag, 18. November 2017
Leyya: Alle gleich
Der Vermerk auf das neue Album war ja schon raus, jetzt gibt es Nachschub dazu: Leyya aus Wien bereichern das alpenländische Soundspektrum zwischen Einhorn, Wanda, Bilderbuch und Voodoo Jürgens bekanntlich um eine sehr entspannte Komponente und weil Entspannung auch viel mit Körperlichkeit zu tun hat, heißt ihre neue Platte eben "Sauna". Und meint den Ort, der "mit der Nackheit aller eine ultimative Gleichheit schafft" - so jedenfalls Marco Kleebauer und Sophie Lindinger. Zu den ersten beiden Singles "Zoo" und "Oh Wow" gesellt sich nun mit "Drumsolo" eine weitere hinzu, im nächsten Frühjahr ziehen die beiden dann auch noch mal durch die Saunaclubs dieses Landes (hüstel, hüstel).
30.01. Linz, Posthof
01.02. Dresden, Groove Station#
02.02. München, Milla
03.02. Darmstadt, Staatstheater
20.02. Dortmund, FZW
22.02. Hamburg, Häkken
23.02. Berlin, Lido
24.02. Nürnberg, Club Stereo
25.02. Leipzig, Täubchenthal
30.01. Linz, Posthof
01.02. Dresden, Groove Station#
02.02. München, Milla
03.02. Darmstadt, Staatstheater
20.02. Dortmund, FZW
22.02. Hamburg, Häkken
23.02. Berlin, Lido
24.02. Nürnberg, Club Stereo
25.02. Leipzig, Täubchenthal
Karl die Große: Endlich Abrüstung [Update]
Karl die Große
„Dass ihr Superhelden immer übertreibt“
(Golden Ticket)
Über den richtigen Umgang mit Worten ist ja in letzter Zeit viel geredet und geschrieben worden. Was aber meint überhaupt: Richtig? Sind es die toitschen Sprachbewahrer, die Dialektschützer und cordbehosten, rüschenblusigen Zeigefingerpädagogen, die hinter jedem vergessenen Komma gleich den Untergang des Abendlandes vermuten? Oder doch diejenigen, die den grob gehäckselten und schwer verständlichen Vorstadtsprech junger Menschen zur Kunstform erhoben haben? Die dann von steinalten Verlegern zwischen zwei Buchdeckel gepresst wird und hernach für die Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ herhalten muss, von trendgierigen Adabeis kläglich gestammelt, von Pubertierenden mitleidig belacht? Es gibt Menschen, die meinen, die wahre Sprachgewalt würde sich in einer Länge von einhundertvierzig Zeichen bemessen, unglücklicherweise hat ein anderer, nicht ganz unwichtiger Mensch beschlossen, seine staatstragende Tätigkeit mitsamt seinem nicht eben besonders weiten Horizont in jenen begrenzten Raum zu pressen und haufenweise Hass und Häme über alles und jeden auszukübeln. Und nicht zuletzt behaupten wieder andere, daß klare, direkte und unbequeme Worte das einzig richtige wären, und meinen doch nur verletzende, anmaßende und verleumderische Tiraden, hinter denen man sich dann mittels eines Avatars bequem verstecken kann. Schwierige Sache das.
Wenn das Wort also vielen als scharfe Waffe gilt, wünscht man sich dann nicht ab und an das Ungenaue, Indifferente, Rätselhafte und auch das Sanfte her? Und landet dann bei jenen, denen Sorgfalt und Achtsamkeit mit dem Text qua Berufswahl eigen sind – den Lyrikern. Und später vielleicht auch bei Karl die Große. Nicht von ungefähr nämlich hat die Leipziger Formation ganz an den Anfang ihres Debütalbums eine Textzeile von Eva Strittmatter gestellt, „Lied aus Stille“ entstammt dem Gedicht „Vor einem Winter“ aus dem Jahr 1972 (das im Original eine etwas andere Richtung einschlägt) – hier stimmt es mit warmen Tönen und tröstenden Worten auf ein Werk ein, das dem New Soul huldigt, den Jazz kennt und mag und, wenn auch selten, vor rockigen Momenten zumindest keine Angst hat. Die fein gewobenen Sprachbilder von Sängerin Wencke Wollny lassen viel Platz für Assoziationen, man soll mehr ahnen denn wissen und sich nicht allzu sicher sein, Irritationen sind gewünscht.
So kontrastieren zum Beispiel die zaghaft wippenden Takte aus „Die Stadt“ mit einem düsteren Szenario, die Menschen blau, die Straßen blutrot, Grabesstille. Später das „Hamsterrad“ des tagtäglichen, nutzlosen Mühens, die Befangenheit, gleich danach der „Sisyphos“ nach Camus im klagenden, drängenden Tonfall, das stille „Kämmerlein“, wo wir unsere Wünsche und Sehnsüchte bewachen. Besonders gelungen: „Cowboy und Indianer“ mit einem Gastauftritt von Moritz Krämer und feinem Orgelswing, beim traurig melancholischen Titelstück im Anschluss kramt manche/r vielleicht eine Filmszene aus der Erinnerung – Kirsten Dunst, tapfer lächelnd, schickt ihren Spiderman los, die Welt zu retten, und weiß doch, dass sie ihn, den Superhelden, bereits wieder verloren hat: „Go get them, tiger!“ Es sind die leisen, weichen, auch schwelgerischen Arrangements, die der Band besonders eindrucksvoll gelingen, Stücke wie „Vergiss mein nicht“, ein Lied vom Scheitern, Hoffen, Unverzagen. Eine Aufforderung, die zu befolgen man gern bereit ist. https://www.karldiegrosse.de/
13.10. Plauen, Malzhaus
21.10. Aachen, Raststätte
28.10. Magdeburg, Moritzhof
29.10. Hamburg, Kukuun
01.12. Oranienburg, Oranienwerk
02.12. Leipzig, Neues Schauspiel
13.12. Landau, Grauflächenkultivierug
15.12. Augsburg, Kresslemühle
16.12. Lindau, Kleines Zeughaus
17.12. Ulm, Sauschdall
26.01. Berlin, Privatkonzert
27.01. Dresden, Altes Wettbüro
03.03. Darmstadt, Schlosskeller
Update: Schönes Album, schöner Song - aktuell nachgeliefert das Video zum Song "Cowboy und Indianer" feat. Moritz Krämer.
„Dass ihr Superhelden immer übertreibt“
(Golden Ticket)
Über den richtigen Umgang mit Worten ist ja in letzter Zeit viel geredet und geschrieben worden. Was aber meint überhaupt: Richtig? Sind es die toitschen Sprachbewahrer, die Dialektschützer und cordbehosten, rüschenblusigen Zeigefingerpädagogen, die hinter jedem vergessenen Komma gleich den Untergang des Abendlandes vermuten? Oder doch diejenigen, die den grob gehäckselten und schwer verständlichen Vorstadtsprech junger Menschen zur Kunstform erhoben haben? Die dann von steinalten Verlegern zwischen zwei Buchdeckel gepresst wird und hernach für die Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ herhalten muss, von trendgierigen Adabeis kläglich gestammelt, von Pubertierenden mitleidig belacht? Es gibt Menschen, die meinen, die wahre Sprachgewalt würde sich in einer Länge von einhundertvierzig Zeichen bemessen, unglücklicherweise hat ein anderer, nicht ganz unwichtiger Mensch beschlossen, seine staatstragende Tätigkeit mitsamt seinem nicht eben besonders weiten Horizont in jenen begrenzten Raum zu pressen und haufenweise Hass und Häme über alles und jeden auszukübeln. Und nicht zuletzt behaupten wieder andere, daß klare, direkte und unbequeme Worte das einzig richtige wären, und meinen doch nur verletzende, anmaßende und verleumderische Tiraden, hinter denen man sich dann mittels eines Avatars bequem verstecken kann. Schwierige Sache das.
Wenn das Wort also vielen als scharfe Waffe gilt, wünscht man sich dann nicht ab und an das Ungenaue, Indifferente, Rätselhafte und auch das Sanfte her? Und landet dann bei jenen, denen Sorgfalt und Achtsamkeit mit dem Text qua Berufswahl eigen sind – den Lyrikern. Und später vielleicht auch bei Karl die Große. Nicht von ungefähr nämlich hat die Leipziger Formation ganz an den Anfang ihres Debütalbums eine Textzeile von Eva Strittmatter gestellt, „Lied aus Stille“ entstammt dem Gedicht „Vor einem Winter“ aus dem Jahr 1972 (das im Original eine etwas andere Richtung einschlägt) – hier stimmt es mit warmen Tönen und tröstenden Worten auf ein Werk ein, das dem New Soul huldigt, den Jazz kennt und mag und, wenn auch selten, vor rockigen Momenten zumindest keine Angst hat. Die fein gewobenen Sprachbilder von Sängerin Wencke Wollny lassen viel Platz für Assoziationen, man soll mehr ahnen denn wissen und sich nicht allzu sicher sein, Irritationen sind gewünscht.
So kontrastieren zum Beispiel die zaghaft wippenden Takte aus „Die Stadt“ mit einem düsteren Szenario, die Menschen blau, die Straßen blutrot, Grabesstille. Später das „Hamsterrad“ des tagtäglichen, nutzlosen Mühens, die Befangenheit, gleich danach der „Sisyphos“ nach Camus im klagenden, drängenden Tonfall, das stille „Kämmerlein“, wo wir unsere Wünsche und Sehnsüchte bewachen. Besonders gelungen: „Cowboy und Indianer“ mit einem Gastauftritt von Moritz Krämer und feinem Orgelswing, beim traurig melancholischen Titelstück im Anschluss kramt manche/r vielleicht eine Filmszene aus der Erinnerung – Kirsten Dunst, tapfer lächelnd, schickt ihren Spiderman los, die Welt zu retten, und weiß doch, dass sie ihn, den Superhelden, bereits wieder verloren hat: „Go get them, tiger!“ Es sind die leisen, weichen, auch schwelgerischen Arrangements, die der Band besonders eindrucksvoll gelingen, Stücke wie „Vergiss mein nicht“, ein Lied vom Scheitern, Hoffen, Unverzagen. Eine Aufforderung, die zu befolgen man gern bereit ist. https://www.karldiegrosse.de/
13.10. Plauen, Malzhaus
21.10. Aachen, Raststätte
28.10. Magdeburg, Moritzhof
29.10. Hamburg, Kukuun
01.12. Oranienburg, Oranienwerk
02.12. Leipzig, Neues Schauspiel
13.12. Landau, Grauflächenkultivierug
15.12. Augsburg, Kresslemühle
16.12. Lindau, Kleines Zeughaus
17.12. Ulm, Sauschdall
26.01. Berlin, Privatkonzert
27.01. Dresden, Altes Wettbüro
03.03. Darmstadt, Schlosskeller
Update: Schönes Album, schöner Song - aktuell nachgeliefert das Video zum Song "Cowboy und Indianer" feat. Moritz Krämer.
Freitag, 17. November 2017
Morrissey: Überholt
Morrissey
„Low In High School“
(BMG)
Was ist denn da bloß passiert? Wie konnte es soweit kommen? Und wo fangen wir an? Eigentlich sollte man ja froh sein, daß überhaupt eine weitere Platte des alten Mozzers erschienen ist, denn klar war ja nicht einmal das. Ärger mit dem Label, Trouble auf der Tour, gesundheitliche Probleme, viel hätte nicht gefehlt und das bislang elfte Album von Steven Patrick Morrissey wäre auf lange Sicht ein unbekanntes geblieben. Nun gibt es allerdings nicht wenige, die sich in Kenntnis des neuen Werkes fragen: Wäre das so schlimm gewesen? Statt den Künstler nach eingehender Materialprüfung vorsichtig darauf hinzuweisen, daß er sich mit der Veröffentlichung keinen großen Gefallen tut, prahlt BMG als neuer Vertragspartner lieber von den enormen Fähigkeiten des Mannes und behauptet glatt, das größte Verdienst Morrisseys bestände aktuell darin, daß er den Zeitgeist einer sich ständig verändernden Welt erfasse. Wie bitte!? Den Zeitgeist? Vom ehemals scharfzüngigsten, wortgewaltigsten Verweigerungspoeten im Staate Cool Britannia zum – echt jetzt? – Zeitgeist-Seismographen? Wäre das so, wir müßten Trauer tragen.
Leider aber kommt es in Summe noch viel schlimmer. Man muß sich ja nicht gleich die niederschmetternde Kritik des NME zu eigen machen, der behauptet, es gäbe auf dem Album nur schwülstige Liebes- und kindische Antikriegslieder – Morrissey und die Musikzeitschrift sind seit Jahrzehnten in fast schon legendärer Abneigung verbunden. Aber auch ohne die Hasskappe läßt sich recht schnell erkennen, wie dünn und inspirationsarm die Platte geraten ist und wie sehr sich der einst so hoch gelobte Meister der feinen Klinge diesmal vergaloppiert hat. Beginnen wir der Einfachheit halber beim Cover: Axe the Monarchy. Ach Gottchen! Was vor Zeiten noch provokant und böse war, klingt heute seltsam altbacken und mau. Die Briten haben gerade weiß Gott andere Sorgen als ein folkloristisch anmutendes Königshaus und seine herzigen Hauptdarsteller, mit derartigen Parolen läßt sich die gravierende soziale Schieflage und gesellschaftliche Erosion der einst so stolzen Nation wohl kaum nachhaltig bekämpfen.
Weiter zum Sound. Irgendwer hat Morrissey wohl gesteckt, daß fett spotzende Synthesizer, pathetische Choräle und dramatische Bläsersätze noch immer ganz schwer im Trend liegen, entsprechend großzügig ist er dann zusammen mit Produzent Joe Chiccarelli (der auch schon den mäßigen Vorgänger zu verantworten hatte), damit zu Werke gegangen. Grundsätzlich ist ja gegen Klangvielfalt und mutige Stilkombis absolut nichts einzuwenden, kommen sie aber so beliebig wie hier daher, werden sie vom Segen zur Plage. Kaum etwas, das sich auf Dauer im Ohr festhakt, selbstmitleidig trübes Balladieren wechselt mit breitbeinig rockenden, maßlos aufgepimpten Krawallstücken samt Laibach-Fanfaren, einzig ein paar ChaCha-Rhythmen und leichtfüßige Schwünge lassen sich als Ausnahme von der Regel heraushören. Der Rest schwankt zwischen stampfender Ideenlosigkeit und allzu lieblicher Schmachterei.
So krude der Sound, so krude leider auch die Lyrik. An die eigene Empfehlung „World Peace Is None Of Your Business“ hat sich Morrissey diesmal leider nicht gehalten, mehr noch, seine seltsam fatalistischen, ja populistischen Wortmeldungen sind ziemlich schwer zu ertragen. An die ermüdende Klage über fehlendes Heimatgefühl („Home Is A Question Mark“) hat man sich ja mittlerweile gewöhnt, doch was soll man von Zeilen wie den folgenden halten: „Hört auf, die Nachrichten zu sehen. Weil die Nachrichten euch Angst einjagen wollen, ihr euch klein und allein fühlt und das Gefühl bekommt, eure Gedanken wären nicht eure eigenen“ („Spend The Day In Bed“)? Über eine Jugend, die der politischen Meinungsbildung lebewohl sagt, muß sich jedenfalls nicht wundern, wer munter Zeilen trällert wie „All the young people they must fall in love, presidents come, presidents go and oh look at the damage they do.“
Natürlich ist es aller Ehren wert, sich mit dem Thema Holocaust auseinanderzusetzen, er tut das bei „The Girl From Tel-Aviv Who Wouldn‘t Kneel“ mit Bezug auf die Tagebücher der holländisch-jüdischen Lehrerin Etty Hillesum, die 1943 in Auschwitz umgebracht wurde. Der positive Eindruck relativiert sich allerdings durch die unkritische Art, mit der er später dem Staate Israel den Neid der anderen ins selbstgerechte Poesiealbum schreibt („Israel“), so daß der Jewisch Cronicle schon stolz schwärmt, es handle sich hier um eine „pro-zionistische Ballade“? Man weiß nicht so recht, was ihn antreibt. Was so toll und unterhaltsam am Brexit ist („Jackys Only Happy When She’s Up On The Stage“) und warum jemand wie er platt und platter textet. Fast ist man geneigt, dem NME am Ende doch noch beizupflichten, Morrissey hätte den Kopf besser im Schoß belassen („In Your Lap“/“When You Open Your Legs“), als ihn zum Denken zu nutzen. Und ja, vor diesem Hintergrund mischt sich, wie die SZ gerade schreibt, auch unter liebgewonnene Gassenhauer wie „Irish Blood, English Heart“ manch schiefer Ton. Zurück bleibt leider das Bild des trotzigem Grantlers, der dem Zeitgeist huldigt, indem er sich selbst rechts überholt. Schade drum.
„Low In High School“
(BMG)
Was ist denn da bloß passiert? Wie konnte es soweit kommen? Und wo fangen wir an? Eigentlich sollte man ja froh sein, daß überhaupt eine weitere Platte des alten Mozzers erschienen ist, denn klar war ja nicht einmal das. Ärger mit dem Label, Trouble auf der Tour, gesundheitliche Probleme, viel hätte nicht gefehlt und das bislang elfte Album von Steven Patrick Morrissey wäre auf lange Sicht ein unbekanntes geblieben. Nun gibt es allerdings nicht wenige, die sich in Kenntnis des neuen Werkes fragen: Wäre das so schlimm gewesen? Statt den Künstler nach eingehender Materialprüfung vorsichtig darauf hinzuweisen, daß er sich mit der Veröffentlichung keinen großen Gefallen tut, prahlt BMG als neuer Vertragspartner lieber von den enormen Fähigkeiten des Mannes und behauptet glatt, das größte Verdienst Morrisseys bestände aktuell darin, daß er den Zeitgeist einer sich ständig verändernden Welt erfasse. Wie bitte!? Den Zeitgeist? Vom ehemals scharfzüngigsten, wortgewaltigsten Verweigerungspoeten im Staate Cool Britannia zum – echt jetzt? – Zeitgeist-Seismographen? Wäre das so, wir müßten Trauer tragen.
Leider aber kommt es in Summe noch viel schlimmer. Man muß sich ja nicht gleich die niederschmetternde Kritik des NME zu eigen machen, der behauptet, es gäbe auf dem Album nur schwülstige Liebes- und kindische Antikriegslieder – Morrissey und die Musikzeitschrift sind seit Jahrzehnten in fast schon legendärer Abneigung verbunden. Aber auch ohne die Hasskappe läßt sich recht schnell erkennen, wie dünn und inspirationsarm die Platte geraten ist und wie sehr sich der einst so hoch gelobte Meister der feinen Klinge diesmal vergaloppiert hat. Beginnen wir der Einfachheit halber beim Cover: Axe the Monarchy. Ach Gottchen! Was vor Zeiten noch provokant und böse war, klingt heute seltsam altbacken und mau. Die Briten haben gerade weiß Gott andere Sorgen als ein folkloristisch anmutendes Königshaus und seine herzigen Hauptdarsteller, mit derartigen Parolen läßt sich die gravierende soziale Schieflage und gesellschaftliche Erosion der einst so stolzen Nation wohl kaum nachhaltig bekämpfen.
Weiter zum Sound. Irgendwer hat Morrissey wohl gesteckt, daß fett spotzende Synthesizer, pathetische Choräle und dramatische Bläsersätze noch immer ganz schwer im Trend liegen, entsprechend großzügig ist er dann zusammen mit Produzent Joe Chiccarelli (der auch schon den mäßigen Vorgänger zu verantworten hatte), damit zu Werke gegangen. Grundsätzlich ist ja gegen Klangvielfalt und mutige Stilkombis absolut nichts einzuwenden, kommen sie aber so beliebig wie hier daher, werden sie vom Segen zur Plage. Kaum etwas, das sich auf Dauer im Ohr festhakt, selbstmitleidig trübes Balladieren wechselt mit breitbeinig rockenden, maßlos aufgepimpten Krawallstücken samt Laibach-Fanfaren, einzig ein paar ChaCha-Rhythmen und leichtfüßige Schwünge lassen sich als Ausnahme von der Regel heraushören. Der Rest schwankt zwischen stampfender Ideenlosigkeit und allzu lieblicher Schmachterei.
So krude der Sound, so krude leider auch die Lyrik. An die eigene Empfehlung „World Peace Is None Of Your Business“ hat sich Morrissey diesmal leider nicht gehalten, mehr noch, seine seltsam fatalistischen, ja populistischen Wortmeldungen sind ziemlich schwer zu ertragen. An die ermüdende Klage über fehlendes Heimatgefühl („Home Is A Question Mark“) hat man sich ja mittlerweile gewöhnt, doch was soll man von Zeilen wie den folgenden halten: „Hört auf, die Nachrichten zu sehen. Weil die Nachrichten euch Angst einjagen wollen, ihr euch klein und allein fühlt und das Gefühl bekommt, eure Gedanken wären nicht eure eigenen“ („Spend The Day In Bed“)? Über eine Jugend, die der politischen Meinungsbildung lebewohl sagt, muß sich jedenfalls nicht wundern, wer munter Zeilen trällert wie „All the young people they must fall in love, presidents come, presidents go and oh look at the damage they do.“
Natürlich ist es aller Ehren wert, sich mit dem Thema Holocaust auseinanderzusetzen, er tut das bei „The Girl From Tel-Aviv Who Wouldn‘t Kneel“ mit Bezug auf die Tagebücher der holländisch-jüdischen Lehrerin Etty Hillesum, die 1943 in Auschwitz umgebracht wurde. Der positive Eindruck relativiert sich allerdings durch die unkritische Art, mit der er später dem Staate Israel den Neid der anderen ins selbstgerechte Poesiealbum schreibt („Israel“), so daß der Jewisch Cronicle schon stolz schwärmt, es handle sich hier um eine „pro-zionistische Ballade“? Man weiß nicht so recht, was ihn antreibt. Was so toll und unterhaltsam am Brexit ist („Jackys Only Happy When She’s Up On The Stage“) und warum jemand wie er platt und platter textet. Fast ist man geneigt, dem NME am Ende doch noch beizupflichten, Morrissey hätte den Kopf besser im Schoß belassen („In Your Lap“/“When You Open Your Legs“), als ihn zum Denken zu nutzen. Und ja, vor diesem Hintergrund mischt sich, wie die SZ gerade schreibt, auch unter liebgewonnene Gassenhauer wie „Irish Blood, English Heart“ manch schiefer Ton. Zurück bleibt leider das Bild des trotzigem Grantlers, der dem Zeitgeist huldigt, indem er sich selbst rechts überholt. Schade drum.
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