Dass die Nachricht vom neuen, mittlerweile sechsten Album "Migration" von Simon Green alias Bonobo hier erscheint, hat vor allem mit dem aktuellen Clip des Engländers zu tun, den er gerade zur Ankündigung der Vorabsingle "Kerala" dazugepackt hat. Dort nämlich bewegt sich James-Bond-Actrice Gemma Arterton in seltsam verzerrten Sequencen durch die Straßen, daß einem beim Hinschauen ganz schwummrig zumute wird. Verantwortlich für die Idee zum Film ist das Londoner Kreativ-Duo Bison, das auch schon mit Künstlern wie London Grammar, Birdy und Coldplay zusammenarbeitete. Das Album erscheint im Übrigen am 13. Januar bei Ninja Tune, die folgenden Livetermine können auch schon vermerkt werden:
15.02. Hamburg, Docks
16.02. Berlin, Columbiahalle
17.02. Köln, Live Music Hall
18.02. Frankfurt, Batschkapp
Freitag, 4. November 2016
Lambchop: Aus der inneren Mitte
Lambchop
„FLOTUS“
(City Slang)
Kurt Wagner scheint ein sehr zufriedener Mensch zu sein. Seit er wegen kaputter Knochen seinen Job als Parkettverleger an den Nagel hängen musste und daraufhin sein vielköpfiges Klangkollektiv Lambchop gründete, macht der Mann aus Nashville Musik aus der inneren Mitte heraus. Zumindest darf man annehmen, daß er diese recht bald gefunden hat, denn Lambchop-Alben, egal ob frühe oder späte, vermitteln dem Zuhörer unablässig Gefühle wie Vertrautheit, Wärme und Geborgenheit. Selbst wenn es dabei so traurig zugeht wie auf „Damaged“ oder „Mr. M“. Und weil das Wohlbefinden fast eines jeden zum Großteil von dem seines Partners oder seiner Partnerin bestimmt wird, wollte Wagner eben zum vollendeten Glück eine Platte machen, die seiner Frau gefällt. Da diese zudem im Lager der Demokraten ein politisches Amt bekleidet, darf man den Titel derselben mit seiner Zustimmung, so entspannt ist er also, auf zweifache Weise deuten. In einem Frage- und Antwortspiel mit mit dem Netzportal Stereogum räumte er ein, daß der Weg von POTUS (President Of The United States) zu FLOTUS, also der First Lady Of The United States, gar kein so falscher ist – schließlich erwartet er bald Bill Clinton in ähnlich dienender Funktion.
Doch auch wenn Wagner aus seiner Verehrung für Michelle Obama gar kein Hehl macht und er sich selbst ja auch ein Stück weit in der besagten Unterstützerrolle sieht, scheint ihm die Verkürzung der Textzeile „For Love Often Turns Us Still” die passendere Übersetzung. Trägt diese doch eine tiefere, ja fast romantische Bedeutung in sich, die über das komplette Album zum Schwingen kommt: Daß Liebe eben kein Alter und auch keinerlei Abnutzung kennt, wenn sie den oder die richtige trifft. Viel Trost und Gefühl also in einem so kurzen Wortgebilde und es kommt noch besser. Denn das eigentlich Erstaunliche an “FLOTUS” ist der Inhalt selbst. Andeutungsweise hatte Wagner in den letzten Jahren ja hier und da schon mal ein kleines Bleep oder Plopp in seine traumhaften Kompositionen einfließen lassen, nun aber geht er die Sache radikaler an und versieht gleich das komplette Werk mit einer elektronischen Textur. Das liegt zum einen an seiner Arbeit mit dem Lambchop-Ableger HeCTA, wo ja schon mit Beats und Hip Hop experimentiert wurde, hauptsächlich aber an seiner Bewunderung für Künstler wie Flying Lotus (auch eine Art FLotus), Kendrick Lamar und vor allem die Shabazz Palaces.
Von letzteren hat er auch die Idee mit der Stimmakrobatik mittels eines Maschinchens namens TC-Helicon Voicelive 2 gekapert, mit deren Hilfe man eine Stimme gleich einem Instrument verfremden und verschlaufen kann und von der unser überaus aufgeschlossenes Genie hellauf begeistert ist. Und so treffen synthetisch pluckernde Sounds auf Wagners sacht behandelte Stimme, wird geloopt und geschichtet, daß man sich nicht wundern würde, wenn auch Daft Punk mal kurz die Regler übernähmen. Das Ergebnis ist nicht weniger als großartig, Wagner schafft die Verbindung zweier Welten mit einer Souverenität, die staunen läßt – ob nun bei der sanften und überlangen Werkeinführung “In Care Of 8675309” oder dem gut achtzehnminütigen Schlußstück “The Hustle”. “I’m things I couldn’t have dreamed of when I was a guy with a guitar in the closet or wherever I wrote songs” sagt er über Auto-Tune und die neuen Klänge seiner Band, und später: “I can’t get enough of that.” Ob das Album nun seiner Frau gefallen würde, könne er nicht so recht sagen, wohl aber dies: “I think there’s enough of me in there. I’m really singing my ass off.” Und deshalb gibt es jetzt ganz einfach mal plattes, uramerikanisches “Awesome!” zu hören. http://www.lambchop.net/
05.02. Erlangen, Markgrafentheater
06.02. Kriens, Südpol
08.02. Zürich, Schauspielhaus
12.02. Mainz, Frankfurter Hof
14.02. Wien, WUK
15.02. München, Kammerspiele
17.02. Dortmund, Konzerthaus
18.02. Berlin, Heimathafen Neukölln
20.02. Hannover, Capitol
21.02. Köln, Gloria
22.02. Hamburg, Elbphilharmonie
28.02. Leipzig, Felsenkeller
01.03. Mannheim, Capitol
02.03. Linz, Posthof
„FLOTUS“
(City Slang)
Kurt Wagner scheint ein sehr zufriedener Mensch zu sein. Seit er wegen kaputter Knochen seinen Job als Parkettverleger an den Nagel hängen musste und daraufhin sein vielköpfiges Klangkollektiv Lambchop gründete, macht der Mann aus Nashville Musik aus der inneren Mitte heraus. Zumindest darf man annehmen, daß er diese recht bald gefunden hat, denn Lambchop-Alben, egal ob frühe oder späte, vermitteln dem Zuhörer unablässig Gefühle wie Vertrautheit, Wärme und Geborgenheit. Selbst wenn es dabei so traurig zugeht wie auf „Damaged“ oder „Mr. M“. Und weil das Wohlbefinden fast eines jeden zum Großteil von dem seines Partners oder seiner Partnerin bestimmt wird, wollte Wagner eben zum vollendeten Glück eine Platte machen, die seiner Frau gefällt. Da diese zudem im Lager der Demokraten ein politisches Amt bekleidet, darf man den Titel derselben mit seiner Zustimmung, so entspannt ist er also, auf zweifache Weise deuten. In einem Frage- und Antwortspiel mit mit dem Netzportal Stereogum räumte er ein, daß der Weg von POTUS (President Of The United States) zu FLOTUS, also der First Lady Of The United States, gar kein so falscher ist – schließlich erwartet er bald Bill Clinton in ähnlich dienender Funktion.
Doch auch wenn Wagner aus seiner Verehrung für Michelle Obama gar kein Hehl macht und er sich selbst ja auch ein Stück weit in der besagten Unterstützerrolle sieht, scheint ihm die Verkürzung der Textzeile „For Love Often Turns Us Still” die passendere Übersetzung. Trägt diese doch eine tiefere, ja fast romantische Bedeutung in sich, die über das komplette Album zum Schwingen kommt: Daß Liebe eben kein Alter und auch keinerlei Abnutzung kennt, wenn sie den oder die richtige trifft. Viel Trost und Gefühl also in einem so kurzen Wortgebilde und es kommt noch besser. Denn das eigentlich Erstaunliche an “FLOTUS” ist der Inhalt selbst. Andeutungsweise hatte Wagner in den letzten Jahren ja hier und da schon mal ein kleines Bleep oder Plopp in seine traumhaften Kompositionen einfließen lassen, nun aber geht er die Sache radikaler an und versieht gleich das komplette Werk mit einer elektronischen Textur. Das liegt zum einen an seiner Arbeit mit dem Lambchop-Ableger HeCTA, wo ja schon mit Beats und Hip Hop experimentiert wurde, hauptsächlich aber an seiner Bewunderung für Künstler wie Flying Lotus (auch eine Art FLotus), Kendrick Lamar und vor allem die Shabazz Palaces.
Von letzteren hat er auch die Idee mit der Stimmakrobatik mittels eines Maschinchens namens TC-Helicon Voicelive 2 gekapert, mit deren Hilfe man eine Stimme gleich einem Instrument verfremden und verschlaufen kann und von der unser überaus aufgeschlossenes Genie hellauf begeistert ist. Und so treffen synthetisch pluckernde Sounds auf Wagners sacht behandelte Stimme, wird geloopt und geschichtet, daß man sich nicht wundern würde, wenn auch Daft Punk mal kurz die Regler übernähmen. Das Ergebnis ist nicht weniger als großartig, Wagner schafft die Verbindung zweier Welten mit einer Souverenität, die staunen läßt – ob nun bei der sanften und überlangen Werkeinführung “In Care Of 8675309” oder dem gut achtzehnminütigen Schlußstück “The Hustle”. “I’m things I couldn’t have dreamed of when I was a guy with a guitar in the closet or wherever I wrote songs” sagt er über Auto-Tune und die neuen Klänge seiner Band, und später: “I can’t get enough of that.” Ob das Album nun seiner Frau gefallen würde, könne er nicht so recht sagen, wohl aber dies: “I think there’s enough of me in there. I’m really singing my ass off.” Und deshalb gibt es jetzt ganz einfach mal plattes, uramerikanisches “Awesome!” zu hören. http://www.lambchop.net/
05.02. Erlangen, Markgrafentheater
06.02. Kriens, Südpol
08.02. Zürich, Schauspielhaus
12.02. Mainz, Frankfurter Hof
14.02. Wien, WUK
15.02. München, Kammerspiele
17.02. Dortmund, Konzerthaus
18.02. Berlin, Heimathafen Neukölln
20.02. Hannover, Capitol
21.02. Köln, Gloria
22.02. Hamburg, Elbphilharmonie
28.02. Leipzig, Felsenkeller
01.03. Mannheim, Capitol
02.03. Linz, Posthof
Donnerstag, 3. November 2016
Abattoir Blues: Gleichwertig [Update]
Über Abattoir Blues, die fünfköpfige Formation aus dem englischen Brighton, haben wir hier schon ausreichend philosphiert, nebenbei auch die letzte Single "Tell Me" gewürdigt und von einer möglichen großen Zukunft erzählt. Und könnten wohl Recht behalten, denn gerade kommt ihr neues Stück "Sense" heraus und klingt fast so (gut) wie die dänischen Iceage.
Update: Hier kommt die nächste Single namens "Fading" von den düsteren Jungs aus Brighton.
Update: Hier kommt die nächste Single namens "Fading" von den düsteren Jungs aus Brighton.
Familiy Friends: Familiensache
Nett die beiden. Und auch noch Geschwister. Könnte man bei dem Namen auch von allein drauf kommen. Tom und Rebecca Fitzsimmons aka. Familiy Friends aus London machen jedenfalls ganz hübschen Gitarrenpop, der so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht. Vor einem Jahr debütierten die beiden mit ihrer EP "Across The Water", nun kommt als erster neuer Song "Look The Other Way" via Beatnik Creative vorbei.
T2 Trainspotting: Was danach passierte
Da sind sie also wieder: Renton, Spud, Sick Boy, Begbie und Diane. Alles klar? T2 Trainspotting is coming to town, genauer am 17. Februar. Und weil die Geschichte von Irvin Welsh, wieder unter der Regie von Danny Boyle, auch immer eine Musikgeschichte ist, muß der besondere Augenmerk hier auf dem Soundtrack liegen. Viel gibt es dazu allerdings auch noch nicht zu vermelden - am Anfang des neuen Trailers hört man natürlich Underworlds "Born Slippy", den eigentlichen Titelsong aber spendieren wohl Wolf Alice mit "Silk". More to come soon.
Mittwoch, 2. November 2016
Black Marble: Tanz im Wald
Pixies: Post Halloween stuff
Und hier kommt gleich noch ein neues Video der Pixies vom aktuellen Album "Head Carrier" - Bassistin Paz Lenchantin hat für den Clip zu "Classic Masher" Regie geführt und drei einigermaßen gruselige Damen in Szene gesetzt. Post Halloween Stuff also.
Montag, 31. Oktober 2016
Warpaint: Am offenen Herzen [Update]
Warpaint
Support: Aldous RH
Live Music Hall, Köln, 30.10.2016
Perfektion und damit der Perfektionismus kommt ja nicht ohne eine gewissen Zwanghaftigkeit aus und kann unter Umständen manchmal ganz schön fad sein. Insofern müßte der Abend den vier Damen von Warpaint eigentlich gefallen haben. Die Gruppe aus Los Angeles hat ja gerade mit ihrer aktuellen, nunmehr dritten Platte einerseits ein ziemlich perfektes Popalbum vorgelegt, dennoch bezieht das Quartett seinen Reiz gerade aus den Brüchen, den Tempiwechseln, den Untiefen und kleinen Dissonanzen, die sie seit Jahren in ihre Songs verbauen. Der Auftritt in Köln hatte reichlich davon und nicht alles davon, so darf vermutet werden, entsprach der Planung. Selten nämlich erlebt man Musiker, die über die Dauer eines kompletten Konzerts der Begleitmannschaft hinter den Reglern ihre Hilflosigkeit und Unzufriedenheit signalisieren, gerade Emily Kokal und Theresa Wayman, diesmal recht statisch im vorderen Teil der Bühne platziert (Bassistin Jenny Lee Lindberg hielt sich ungewöhnlich konsequent im Hintergrund), wurden der Verbesserungswünsche nicht müde. Und so stolperte manches der Stücke, auf Platte noch angenehm ausbalanciert, anfangs seltsam unbeholfen in den Rhythmus hinein und brauchte Zeit, sich zu finden. Mag sein, dass sich die damit verbundene Nervosität auch ein wenig auf's Publikum übertrug, das sich mit unbeschwerter Ausgelassenheit gerade zu Beginn merklich schwer tat, die Qualität älterer Songs ("Undertow", "Elephants", "Bees", "Beetles") half aber, die Spur zu halten. Kein Problem dagegen, die Halle mit Hitsingles wie "Love Is To Die", "Disco/Very" oder dem "New Song" aus der Reserve zu locken, was hier an Feinabstimmung fehlte, machte der kräftige Beat wieder wett. Es darf, ja muß den vieren hoch angerechnet werden, daß sie unablässig versuchten, das Beste aus den Umständen zu machen, hier quasi am offenen Herzen operierten - von Perfektion und also Langeweile jedenfalls sind sie glücklicherweise sehr weit entfernt.
Das aktuelle Album "Warpaint" ist gerade bei 4AD erschienen.
Update: Zur Feier des Tages (#gema #youtube) hier endlich frei empfangbar noch die beiden Remixe von Mike D (Beastie Boys) und Jagwar Ma zum "New Song" von Warpaint!
Support: Aldous RH
Live Music Hall, Köln, 30.10.2016
Perfektion und damit der Perfektionismus kommt ja nicht ohne eine gewissen Zwanghaftigkeit aus und kann unter Umständen manchmal ganz schön fad sein. Insofern müßte der Abend den vier Damen von Warpaint eigentlich gefallen haben. Die Gruppe aus Los Angeles hat ja gerade mit ihrer aktuellen, nunmehr dritten Platte einerseits ein ziemlich perfektes Popalbum vorgelegt, dennoch bezieht das Quartett seinen Reiz gerade aus den Brüchen, den Tempiwechseln, den Untiefen und kleinen Dissonanzen, die sie seit Jahren in ihre Songs verbauen. Der Auftritt in Köln hatte reichlich davon und nicht alles davon, so darf vermutet werden, entsprach der Planung. Selten nämlich erlebt man Musiker, die über die Dauer eines kompletten Konzerts der Begleitmannschaft hinter den Reglern ihre Hilflosigkeit und Unzufriedenheit signalisieren, gerade Emily Kokal und Theresa Wayman, diesmal recht statisch im vorderen Teil der Bühne platziert (Bassistin Jenny Lee Lindberg hielt sich ungewöhnlich konsequent im Hintergrund), wurden der Verbesserungswünsche nicht müde. Und so stolperte manches der Stücke, auf Platte noch angenehm ausbalanciert, anfangs seltsam unbeholfen in den Rhythmus hinein und brauchte Zeit, sich zu finden. Mag sein, dass sich die damit verbundene Nervosität auch ein wenig auf's Publikum übertrug, das sich mit unbeschwerter Ausgelassenheit gerade zu Beginn merklich schwer tat, die Qualität älterer Songs ("Undertow", "Elephants", "Bees", "Beetles") half aber, die Spur zu halten. Kein Problem dagegen, die Halle mit Hitsingles wie "Love Is To Die", "Disco/Very" oder dem "New Song" aus der Reserve zu locken, was hier an Feinabstimmung fehlte, machte der kräftige Beat wieder wett. Es darf, ja muß den vieren hoch angerechnet werden, daß sie unablässig versuchten, das Beste aus den Umständen zu machen, hier quasi am offenen Herzen operierten - von Perfektion und also Langeweile jedenfalls sind sie glücklicherweise sehr weit entfernt.
Das aktuelle Album "Warpaint" ist gerade bei 4AD erschienen.
Update: Zur Feier des Tages (#gema #youtube) hier endlich frei empfangbar noch die beiden Remixe von Mike D (Beastie Boys) und Jagwar Ma zum "New Song" von Warpaint!
Freitag, 28. Oktober 2016
The Night Café: Dauerbrenner [Update]
Update: Und für diese Single gibt es nun auch ein hübsches Tourvideo - Mann, sind die Kerle noch jung!
Schimanski: Posthume Curry
Okay, der Hinweis ist es etwas arg abgehoben, aber sei's drum: Wer am Montag kommender Woche seinen Brückentag so ganz zufällig in New York, genauer Brooklyn verbringt und mit einer Art heimatlich-sehnsüchtigem Durchhänger zu kämpfen hat, der kann ja auf eine Curry (so sie denn gereicht wird) im neuen Club "Schimanski" vorbeischauen, der genau an diesem Abend eröffnet. Wie punktgenau es um den Bezug zu unserem Revierhelden Horst bestellt ist, läßt sich nicht sagen, die Website gibt aber ein paar schöne Verweise und deshalb kann ein Besuch bestimmt nicht schaden.
Kite Base: Für zwischendurch
Es geht offenbar nicht so schnell mit dem Debüt, dafür gibt es ein paar neue Bilder: Kite Base, gerngehörtes Nebenherprojekt von Savages-Bassistin Ayse Hassan und Kendra Frost, haben zu ihrem Song "Soothe" ein neues Video gepostet, das wir hier gern teilen möchten, die Animation stammt von Gergely Wootsch.
Donnerstag, 27. Oktober 2016
Tom Prettys: Doppelt gut
Irgendwie hätte man sich auf Montreal, zumindest aber auf Australien zu wetten getraut. Da kommt schließlich vieles her, was zur Zeit irgendwie angesagt ist. Die Tom Prettys zum Beispiel sind eine vielversprechende Post-Punk-Band, die gerade ihre Doppelsingle "Shelf Life"/"Slipping" veröffentlicht hat. Mehr als die zwei Songs hat und braucht es für den Moment nicht, aber es könnte nicht schaden, wenn bald mehr nachkommt. Die richtigen Posen jedenfalls haben Jeri Karmelic, Pete Lykouras, Matt Steyn und Tom Graham wie man sieht schon drauf.
Muuy Biien: Gruselschocker
Muuy Biien
„Age Of Uncertainty“
(Epitaph)
Man möchte ihnen ja nicht zu nahe treten, aber der Film, der beim Hören der Musik von Muuy Biien vor dem inneren Auge abläuft, ist ein ziemlich gruseliger. Naheliegend ist hier vielleicht Murnaus „Nosferatu“ mit dem spinnenbeinigen und hohläugigen Max Schreck, wie er horrorclownmäßig aus den Kulissen taumelt. Der noisige Blues von Joshua Evans empfiehlt sich geradezu für eine Neuvertonung, kann er doch mit reichlich bedrohlichen Krachgitarren aufwarten. Je zwei LP und EP hat die Band aus Athens/Georgia seit 2012 abgeliefert, was am Anfang noch wild und ungezügelt klang, ist heute schwergängig und creepy und hat auch ein paar Bezüge zu den 60ern im Gepäck. Mal LoFi, mal splatterig wie die Single „Bitter Blessings“, so recht passen die fünf in keine Schublade. Anspieltipps des aktuellen Albums sind in jedem Falle „Another Chore“, das samt schrillem Sax aus den Boxen wummert, das beatlastige „In The Pits“ und der Abgesang des Titelsongs, der sich auch auf dem Soundtrack eines alten Italowesterns ganz gut ausnehmen würde. Und auch wenn sie die Geschwindigkeit ihres Vortrages im Laufe der Zeit deutlich gedrosselt haben – vergleiche hierzu das Prügelvideo zu „Another Degredation“ – Muuy Biien bleiben, so scheint es, dennoch spannend und unberechenbar. https://muuybiien.bandcamp.com/
„Age Of Uncertainty“
(Epitaph)
Man möchte ihnen ja nicht zu nahe treten, aber der Film, der beim Hören der Musik von Muuy Biien vor dem inneren Auge abläuft, ist ein ziemlich gruseliger. Naheliegend ist hier vielleicht Murnaus „Nosferatu“ mit dem spinnenbeinigen und hohläugigen Max Schreck, wie er horrorclownmäßig aus den Kulissen taumelt. Der noisige Blues von Joshua Evans empfiehlt sich geradezu für eine Neuvertonung, kann er doch mit reichlich bedrohlichen Krachgitarren aufwarten. Je zwei LP und EP hat die Band aus Athens/Georgia seit 2012 abgeliefert, was am Anfang noch wild und ungezügelt klang, ist heute schwergängig und creepy und hat auch ein paar Bezüge zu den 60ern im Gepäck. Mal LoFi, mal splatterig wie die Single „Bitter Blessings“, so recht passen die fünf in keine Schublade. Anspieltipps des aktuellen Albums sind in jedem Falle „Another Chore“, das samt schrillem Sax aus den Boxen wummert, das beatlastige „In The Pits“ und der Abgesang des Titelsongs, der sich auch auf dem Soundtrack eines alten Italowesterns ganz gut ausnehmen würde. Und auch wenn sie die Geschwindigkeit ihres Vortrages im Laufe der Zeit deutlich gedrosselt haben – vergleiche hierzu das Prügelvideo zu „Another Degredation“ – Muuy Biien bleiben, so scheint es, dennoch spannend und unberechenbar. https://muuybiien.bandcamp.com/
Deap Vally: Angeprollt
Junior Boys: Auf den zweiten Blick
Das Album "Big Black Coat" ist schon eine Weile alt, das hält die Junior Boys aber nicht davon ab, ein Video nachzulegen: "Kiss Me All Night" stammt von einer neuen, gleichnamigen EP und wer jetzt aber der Meinung ist, hier handle es sich um einen Spot für den nächsten Bausparer oder die richtige Krankenkasse, muß sich den Clip schon bis zum Ende anschauen.
Mittwoch, 26. Oktober 2016
Forth Wanderers: Kein Widerspruch
Das müssen wir noch dringend loswerden: Die Forth Wanderers sind, wir haben's schon mit einigem Neid festgestellt, eine sehr, sehr junge Truppe aus Montclair/New Jersey - daß sie trotzdem so tolle Musik machen, steht aber keineswegs im Widerspruch zum Alter. Ihre neue EP "Slop" kommt am 11. November zum Verkauf und gerade ist mit "Nerves" der dritte Track davon erschienen - den Titelsong und "Know Better" gab's an gleicher Stelle früher schon zu hören.
Dienstag, 25. Oktober 2016
Messer: Die Hölle unterwegs
In dieser Woche geht es endlich los: Die Münsteraner Band Messer startet in Essen (wo sonst, haha) ihre langerwartete Tour durch die Clubs des Landes und da trifft es sich gut, daß gerade auch ein neues Video fertig geworden ist. "Die Hölle" ist eines der Stücke auf dem neuen Album "Jalousie", das den Kurswechsel vom mehrheitlich gitarrenlastigen hin zu elektronisch unterfütterten Post-Punk markiert - gedreht hat während der Aufnahmen des Albums auf einem Rittergut in Oelde-Stromberg, dem Kulturguts-Haus Nottbeck, in dem im Übrigen auch das Museum für Westfälische Literatur untergebracht ist, wieder Manuel Gehrke alias Damage Goods.
"Jalousie" ist seit kurzem bei Trocadero erschienen, ein Gespräch mit Sänger Hendrik Otremba dazu findet sich hier, Tourdaten und Tickets unter www.love-your-artist.de
"Jalousie" ist seit kurzem bei Trocadero erschienen, ein Gespräch mit Sänger Hendrik Otremba dazu findet sich hier, Tourdaten und Tickets unter www.love-your-artist.de
Miya Folick: Wandelbar
Und noch eine junge Frau, auf die es in den nächsten Monaten aufzupassen gilt: Miya Folick stammt aus Santa Ana in Kalifornien, ist jetzt aber in Los Angeles beheimatet und hat vor kurzer Zeit mit ihrer Single "Pet Body" für Aufsehen gesorgt, seit dem wird sie von Apple Music hofiert und kann so nun den nächsten Song "God Is A Woman" einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Mit dem wilden Surfsound des ersten Tracks hat der zweite zwar nichts mehr zu tun, aber Wandelbarkeit soll ja kein Fehler sein - ein Blick auf ihr älteres Video zu "Oceans" kann das nur unterstreichen und lohnt sich auf alle Fälle.
Bryde: Fortsetzung [Update]
Kaum sind die letzten beiden Songs verklungen - Anfang des Jahres hatten wir Sarah Howells aka. Bryde hier mit "Help Yourself" und "Wait" vorgestellt - kommt auch schon der nächste um die Ecke: Die Musikerin aus Brixton hat gerade den ersten Titel "Honey" von ihrer neuen EP in die Streamingkanäle geschickt, das Gesamtwerk dann im November via Tipping Point Records.
Update: Da setzen wir gern noch einen drauf - ein weiterer Song von der "EP2" kommt mit "Wouldn't That Make You Feel Good" und verhakt sich ebenso schnell im Innenohr.
Update: Da setzen wir gern noch einen drauf - ein weiterer Song von der "EP2" kommt mit "Wouldn't That Make You Feel Good" und verhakt sich ebenso schnell im Innenohr.
Leonard Cohen: Zum letzten Abendmahl
Leonard Cohen
„You Want It Darker“
(Columbia)
Eigentlich hatte der Mann seinen Abschied ja schon gebührend vorbereitet, sein letztes Album schloß bekanntlich mit den Worten: „You got me singing, even tho‘ the world is gone, you got me thinking, that I'd like to carry on. You got me singing, even it all went wrong, you got me singing the Hallelujah song.“ Viel schöner kann man ein letztes Mal nicht in die Runde grüßen. Nun gilt der über achtzigjährige Kanadier bei seinen Fans zwar ohnehin als unsterblich, für dreißig Minuten und acht wunderbare Songs hatte er aber schon noch Luft. Und wo David Bowie in diesem Jahr seinen Abgang mit „Lazarus“ („Look up here, I’m in heaven…“) auf spektakulärste Weise inszeniert hat, wählt Cohen die Ansprache – nach oben wie nach unten. Ihr wollt es also dunkler, düsterer haben? Kein Problem, blasen wir die Kerzen aus, machen wir Schluss. Und sonst: „I’m ready, my Lord!“
Der Mann hat sich also für sein (nach seriösen Schätzungen) vierzehntes Album zum finalen Schlußgesang entschieden und er zelebriert ihn nach allen Regeln der Kunst. Für den Einstieg wählt er als Unterstützung den Montreal’s Synagogue Choir und läßt den ersten Song gleich wie einen über die Maßen feierlichen Grabeschoral klingen. Im Gegensatz zum nicht weniger geschätzten Johnny Cash, dessen Stimme durch die anhaltende Krankheit in den letzten Lebensjahren schon arg in Mitleidenschaft gezogen war, ist bei Cohens markantem Brummbass im Übrigen keine Schwäche heraushören – er raunt noch immer in Untiefen, die unsereiner noch nicht einmal nach mehreren durchzechten Nächten und dauerhaftem Zigarrengenuß zuwege bringt.
Waren auf “Popular Problems” noch Stücke mit gebremstem, aber gleichwohl recht lebendigem Blues und Soul zu vernehmen, ist auf “You Want It Darker” alles komplett (und dem Anlaß angemessen) verhalten und ohne jede aufgeregte Betriebsamkeit angelegt, Cohen konzentiert sich und die Arrangements vollends auf den Text und gibt uns einiges zum Nachdenken mit auf den letzten Weg. Religiöse Anspielungen sind ja bei ihm keine Seltenheit, hier findet man sie in fast jedem Stück: Ob es Jesus ist, der den Wein zu Wasser und wieder zurück gewandelt hat und mit dem der alte Herr wohl gern ein Abkommen getroffen hätte (“Treaty”) oder dessen Märtyrertod, der Sündenfall Adams und jede Menge Engel und Teufel (“On The Level”), man meint viel von dem Kampf zu spüren, der Cohen wie jeden Altersgenossen umtreibt, wenn es auf’s Ende zugeht.
Nur wenige bekommen das allerdings in so vollendeter Form hin. Die Stücke sind ausnahmslos großartig, daß sein Sohn coproduziert hat und auch die ehemalige Lebensgefährtin Sharon Robinson kurz mit von der Partie war, sind da nur Randnotizen. Der ergraute Grandseigneur glänzt ein weiteres Mal mit sorgsam geschliffenen Versen, gewohnt lakonisch, altersweise und ohne jede Reue. Letzte Bekenntnisse zu Hauf: „I was fighting with temptation, but I didn't want to win, a man like me don't like to see temptation caving in”, später: „I don't need a reason for what I became, I've got these excuses, they're tired and lame, I don't need a pardon, no, there's no one left to blame. I'm leaving the table, I'm out of the game” – da weint nicht nur die Geige im Hintergrund. “Steer Your Way” an letzter Stelle wird hoffentlich nicht sein finaler Song sein, sollte es dennoch so kommen – es wäre ein würdiger Schlußpunkt. https://www.leonardcohen.com/
„You Want It Darker“
(Columbia)
Eigentlich hatte der Mann seinen Abschied ja schon gebührend vorbereitet, sein letztes Album schloß bekanntlich mit den Worten: „You got me singing, even tho‘ the world is gone, you got me thinking, that I'd like to carry on. You got me singing, even it all went wrong, you got me singing the Hallelujah song.“ Viel schöner kann man ein letztes Mal nicht in die Runde grüßen. Nun gilt der über achtzigjährige Kanadier bei seinen Fans zwar ohnehin als unsterblich, für dreißig Minuten und acht wunderbare Songs hatte er aber schon noch Luft. Und wo David Bowie in diesem Jahr seinen Abgang mit „Lazarus“ („Look up here, I’m in heaven…“) auf spektakulärste Weise inszeniert hat, wählt Cohen die Ansprache – nach oben wie nach unten. Ihr wollt es also dunkler, düsterer haben? Kein Problem, blasen wir die Kerzen aus, machen wir Schluss. Und sonst: „I’m ready, my Lord!“
Der Mann hat sich also für sein (nach seriösen Schätzungen) vierzehntes Album zum finalen Schlußgesang entschieden und er zelebriert ihn nach allen Regeln der Kunst. Für den Einstieg wählt er als Unterstützung den Montreal’s Synagogue Choir und läßt den ersten Song gleich wie einen über die Maßen feierlichen Grabeschoral klingen. Im Gegensatz zum nicht weniger geschätzten Johnny Cash, dessen Stimme durch die anhaltende Krankheit in den letzten Lebensjahren schon arg in Mitleidenschaft gezogen war, ist bei Cohens markantem Brummbass im Übrigen keine Schwäche heraushören – er raunt noch immer in Untiefen, die unsereiner noch nicht einmal nach mehreren durchzechten Nächten und dauerhaftem Zigarrengenuß zuwege bringt.
Waren auf “Popular Problems” noch Stücke mit gebremstem, aber gleichwohl recht lebendigem Blues und Soul zu vernehmen, ist auf “You Want It Darker” alles komplett (und dem Anlaß angemessen) verhalten und ohne jede aufgeregte Betriebsamkeit angelegt, Cohen konzentiert sich und die Arrangements vollends auf den Text und gibt uns einiges zum Nachdenken mit auf den letzten Weg. Religiöse Anspielungen sind ja bei ihm keine Seltenheit, hier findet man sie in fast jedem Stück: Ob es Jesus ist, der den Wein zu Wasser und wieder zurück gewandelt hat und mit dem der alte Herr wohl gern ein Abkommen getroffen hätte (“Treaty”) oder dessen Märtyrertod, der Sündenfall Adams und jede Menge Engel und Teufel (“On The Level”), man meint viel von dem Kampf zu spüren, der Cohen wie jeden Altersgenossen umtreibt, wenn es auf’s Ende zugeht.
Nur wenige bekommen das allerdings in so vollendeter Form hin. Die Stücke sind ausnahmslos großartig, daß sein Sohn coproduziert hat und auch die ehemalige Lebensgefährtin Sharon Robinson kurz mit von der Partie war, sind da nur Randnotizen. Der ergraute Grandseigneur glänzt ein weiteres Mal mit sorgsam geschliffenen Versen, gewohnt lakonisch, altersweise und ohne jede Reue. Letzte Bekenntnisse zu Hauf: „I was fighting with temptation, but I didn't want to win, a man like me don't like to see temptation caving in”, später: „I don't need a reason for what I became, I've got these excuses, they're tired and lame, I don't need a pardon, no, there's no one left to blame. I'm leaving the table, I'm out of the game” – da weint nicht nur die Geige im Hintergrund. “Steer Your Way” an letzter Stelle wird hoffentlich nicht sein finaler Song sein, sollte es dennoch so kommen – es wäre ein würdiger Schlußpunkt. https://www.leonardcohen.com/
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