Dienstag, 5. Juli 2016

Dicht und Ergreifend: Filmreif

Sie sind auch in diesem Sommer wieder auf zahlreichen Festivals, Open Airs und Gäubodenfesten unterwegs, sie nicht zu kennen wird also selbst außerhalb Bayerns von Tag zu Tag schwieriger. Im Mai vergangenen Jahres ist das Debüt "Dampf der Giganten" von Dicht und Ergreifend erschienen, seit heute gibt es einen neuen Clip und zwar zum Song "Wandadoog" mit den Woidperchten Hauzenberg, sattem Grusel, viel PS und fetten Beats. Und im anschließenden Serviceteil noch einmal die aktuelle Tour zum Mitschreiben.

08.07.  Dingolfing, Dingfest
10.07.  Krailing, KULT-Art Festival
16.07.  Rosenheim, Sommerfestival
22.07.  Freiburg, ZMF
24.07.  München, Tollwood
29.07.  Oberammergau, Heimatsound-Festival
30.07.  Megesheim, Der Krater Bebt Festival
31.07.  Varel, WATT EN SCHLICK FESTIVAL
05.08.  Horb am Neckar, MINI-ROCK FESTIVAL
06.08.  Eching, BrassWiesn
11.08.  Rothenburg ob der Tauber, Taubertal Festival
12.08.  Kainzing, FREE TREE OPEN AIR
20.08.  Hamburg, Dockville
26.08.  Aldersbach, Brauerei Aldersbach
27.08.  Zugspitze, Festival am Wank
03.09.  Edling, Kuhgarten Open Air
17.09.  Mehring, Schacherbauerhof
22.09.  Hamburg, Reeperbahnfestival
23.09.  Augsburg, Kantine
30.09.  Obertraubling, Eventhalle
04.10.  Wien,  B72
05.10.  Linz, Posthof
07.10.  Waging am See, ZELTLN
08.10.  Würzburg, B-Hof
09.10.  Köln, LUXOR
10.10.  Frankfurt am Main, Elfer
16.10.  Berlin, Badehaus
28.10.  München, Circus Krone

Montag, 4. Juli 2016

Bat For Lashes: Traum meets Trauma

Bat For Lashes
„The Bride“

(Parlophone)

Es geht hier also nicht um irgendwas. Es geht ums große Ganze. Um die unabdingbare Entscheidung für den anderen, gegen jeden Zweifel, ohne Netz und Sicherungsseil, kurz: um die Ehe. Natasha Khan hat sich für ihre vierte Platte bewusst eines ziemlich unpopulären Themas angenommen und daraus ein komplettes Album in Szene gesetzt. Der Bund für’s Leben ist ja zumindest in westlichen Ländern einigermaßen verrufen, weil altmodisch und unzeitgemäß, passt nicht so ganz zum wachsenden Selbstverwirklichungsdrang, zu all den wunderbaren Versprechungen und Verheißungen, die das bunte Leben aus Speed-Dating, Tinder und Optimierungsangeboten bereithält. Verbindlichkeit ist out, Oberfläche rules, jeder ist sich selbst … etc. Dagegen die Geschichte einer Braut, deren Bräutigam (Joe) auf dem Weg zum Traualtar bei einem Autounfall ums Leben kommt – erst „Save-The-Date“-Kärtchen, erst „Till Death Do Us Part“, Traum in Weiß und „I Do“, dann Trauma, Trauer, Schockstarre, Selbstvorwürfe, Sehnsüchte und zögerliches Weiterleben.


Was treibt sie dazu? Khan ist Kind einer Britin und eines pakistanischen Muslimen, die Eltern sind geschieden und haben ihr dennoch ein Bild von der Ehe vermittelt, das sie, wie sie selbst sagt, im positiven Sinne stark geprägt hat. Eine weitere Pointe: Ihr Vater hatte kurzzeitig vor, seine Natasha den Glaubensregeln gemäß einer Zwangsheirat zuzuführen, erst als seine Frau und die Tochter lautstark und wütend protestierten, nahm er davon Abstand. Genug erlebt also, um ihre Erfahrungen auf dieser, ihrer Bühne zu verarbeiten, um die Erlebnisse in der heutigen Gesellschaft zu reflektieren und die eigene Meinung zu justieren. “In all relationships you have this romantic ideal at the beginning, and all of these projections and Cinderella ideals that you’ll meet someone who’ll satisfy your every need, then once you get married you’re off the hook and they’ve rescued you – everything’s going to be fine”, sagte sie dem Portal Gigwise in einem Interview, “Deep down, we all have that wish that someone else will do the work for us, of keeping us happy forever. It’s a high price to pay and expectation to have.”



Der Verlust jeglicher Illusion, jeglicher Romantik durch den Tod des Partners – sie fährt harte Geschütze auf und schickt die Protagonistin auf eine kathartische Reise, die zuweilen wie ein Höllentrip anmutet. Allein an den Plätzen, die sie zu zweit besuchen sollten, fällt die Braut auf sich selbst zurück, hadert mit Zweifeln, stößt Verwünschungen aus und fühlt sich verlassen von allem und jedem. Je trüber und trostloser die Situation, desto zurückgenommener und bedrohlicher die Musik dazu, abgesehen vom technoiden Flackern des Tracks „Sunday Love“ und der synthetischen Irrlichterei von „In God’s House“ ist hier alles ein Raunen, Barmen, Sirren und Dräuen, gibt es Engelschöre, Harfentöne und allerlei Geräuschgrollen.

Bewusst sucht Khan die Nähe zu Vorbildern wie Björk und PJ Harvey, mehr denn je entfernt sie sich wie diese vom Liedhaften und der Idee der bloßen Unterhaltung. Zusammen mit den Langzeithelfern Simone Felice, Dan Carey und Ben Christophers gelingt ihr so ein einigermaßen schwer verdauliches, düsteres Werk, kaum zu vergleichen mit den weitaus poppigeren Stücken des Vorgängers „The Haunted Man“. Eine klare Ansage gibt es auch dazu: „It’s liberating to make an album that’s just a story-telling piece and inhabits a different universe to the ‘radio world’. But I’m still proud of it and feel that people might understand it.” Und auch wenn man so leicht den Eindruck bekommen könnte, sie und ihr Alter Ego Bat For Lashes wären fürchterlich kompliziert – das möchte sie dann doch noch erwähnt haben: “There’s definitely a witch in me, but like anyone being I’m very complex – but in my general day to day life I love a cup of tea and an episode of Girls. I’m only human after all.” http://www.batforlashes.com/

Fotos: Neil Krug

Freitag, 1. Juli 2016

Blood Orange: The wizard

Blood Orange
„Freetown Sound“

(Domino)

Es gibt ja kaum Peinlicheres als Männer, die sich selbst zu Feministen ausrufen, nur weil sie eine knappe Stunde allein im Zimmer mit ihrem Neugeborenen überlebt haben (und anschließend die Babykotze am Shirt über Tage wie eine Auszeichnung umhertragen) oder an der Fleischtheke seit Neuestem geschnittene Gelbwurst ohne zu stottern bestellen können – Fremdscham rules. Respekt deshalb für einen wie Dev Hynes. Dieser Mann macht auf seinem neuen Album gleich mal richtig Platz für jede Menge stimmgewaltiger Frauen, die natürlich auch thematisch bestens zu seiner Sicht der Dinge passen. Und diese ist auf der einen Seite – nicht so ungewöhnlich für einen schwarzen, englischen Musiker in New York mit westafrikanischen Wurzeln – ausgesprochen neugierig und weltoffen, auf der anderen Seite aber, bedingt durch seine eigenen Erfahrungen, sehr kritisch gegenüber den gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre. Es überrascht also nicht wirklich, dass Themen wie Rassismus, Geschlechtergleichheit, Genderdebatte, soziale Ungerechtigkeit bei ihm den Ton angeben.

So vielfältig die Einflüsse, so reichhaltig das Angebot, das er auf seiner Platte mischt. Hynes selbst betrachtet „Freetown Sound“ ja eher als sehr persönliches Mixtape verschiedenster Stile, er liebt Samples und selbstaufgenommene Stimmsequenzen, afrikanische Rhythmen, Latinosounds, Raps, Dance, Disco, Jazz, Soul sowieso und auch schmachtenden Pop. Gemeinsam mit Ava Raiin, Kelsey Lu, Debbie Harry, Lorely Rodriguez, Zuri Marley, Nelly Furtado und Carly Rae Jepsen wird daraus ein irre funkelnder, flirrender Klangkosmos und natürlich sind es ganz bewußt die weiblichen Stimmen, die ihm zur Geltung verhelfen: “I use women singers because there’s a lot of emotions that I want that I can’t get to. The woman’s voice, and not necessarily just her singing voice, is powerful and needs to be heard. It’s the most important voice in general, and that can’t be denied“ – Furchtlosigkeit, Wut, Trauer, Sexyness und vieles mehr kommen so mächtiger denn je zu Gehör.

Es sind zwei Dinge, die das Klangbild der siebzehn Stücke vornehmlich bestimmen: Auf der einen Seite verwendet Hynes Drums und Percussions in beeindruckender Vielfalt und Schattierung, zum anderen gerät ihm vieles ausgesprochen smooth – wo „E.V.P.“ den ausgelassenen Funk der 70er von der Leine läßt und „Augustine“ Synthpop mit viel Drive bietet, kommen das Cover von Eddy Grant’s „Come On Let Me Love You“ („Love Ya“) und das traumhafte „Hadron Collider“ butterweich daher. Flickenteppich, Wundertüte, Bonboniere, Kaleidoskop – man kann es nennen wie man will, wenn man nur nicht vergisst, wie großartig der Mann seine Schaffenslust und Genialität in die richtigen Bahnen zu lenken versteht. Solche Platten können verunsichern, nerven, überfordern – diese hier sollte vor allem eines wie so leicht keine zweite: Begeistern.

Donnerstag, 30. Juni 2016

Louis Berry: Markanter Stil

Hoffnungsvoller Nachwuchs aus der Kloppstadt - so muss man es natürlich nur den Deutschen ankündigen. Denn die Briten und besonders die Bewohner von Liverpool kennen ihren Louis Berry natürlich schon ganz gut, seit er als next big thing durch die einschlägigen Webportale und Zeitschriften gereicht wird. "Nicole" der Song und das Video, von dem wir hier reden, ist die erste Single von einem künftigen Debütalbum - der Musikstil aka. Rock von vorlautem Draufgänger plus markantes Äußeres zieht sicher nicht nur auf der Insel, sondern wird auch hierzulande schnell seine Anhänger finden.

The Avett Brothers: Mit Guru, Gott und Teufel

The Avett Brothers
„True Sadness“

(Republic/Universal)

Von Gewohntem zu lassen ist nicht einfach, auch die Gebrüder Avett kommen da nicht aus. Rick Rubin, ihr Haus- und Hofproduzent, ist nun schon das vierte Mal mit im Boot, doch wer gedacht hat, jetzt würde es mal langsam Zeit für gepflegte Langeweile (die man ja eigentlich schon für den Vorgänger “Magpie And The Dandelion“ erwartet und nicht gefunden hatte), den muss man wohl enttäuschen. Denn der Band aus North Carolina gelingt auf „True Sadness“ das Kunststück, das meiste beim Alten (und Guten) zu belassen und gemeinsam mit dem Zottelbart doch auch Neues zu wagen. Traditionalisten müssen sich also von dem spacigen Cover keineswegs abschrecken lassen – im Kerngeschäft, dem gefühlvollen und natürlich auch gepflegt melancholischen Countryrock, bringen es die Herren mittlerweile zu bewunderswerter Perfektion. „No Hard Feelings“ beispielsweise ist hoffnungslos gefühlig und sentimental („Under the curving sky I'm finally learning why, it matters for me and you to say it and mean it too. For life and its lovely nest and all of its ugliness, good as it's been to me I have no enemies…”), genauso geht es dem wunderbaren Titelsong, dem noch eine Portion fromme Erbauung beigemischt ist: “I cannot go on with this evil inside me, I step out my front door and I feel it surround me, just know the kingdom of God is within you, even though the battle is bound to continue…”

Neben den gewohnt getragenen Stücken gibt es wieder einige, wo kräftig in die Saiten gegriffen und Tasten gehauen wird, “Ain’t No Man” ist so eines, das teuflisch wummernde “Satan Pulls The Strings” sowieso und – ganz besonders schön – der sarkastische Scheidungsschunkler “Divorse Separation Blues” (“Well, I’m gonna wash the dishes, pay the bills and watch the news … I got the tough education, no celebration, divorce separation blues”), selbst ein Jodeln können sich die Avetts nicht verkneifen. Überraschend wird’s, wenn sie auf analoge Drums verzichten und Beats programmieren, “Are You Mine” wechselt Tempo und Klangfarbe gleich mehrmals und fühlt sich so erst einmal etwas eigenartig an. Auch der Abgang in Hollywood-Manier mit maximalem Streichorchester und dem ganz großen Kino ist neu, aber nicht ohne Reiz. Den Lieblingslied-Status werden diese Mutproben aber wohl nicht erreichen, der bleibt Stücken wie “I Wish I Was” vorbehalten. Hier sinnieren die Brüder über Wunschträume, Trugbilder und die Frage, wieviel Nähe die Liebe eigentlich gefahrlos zuläßt, was dann so einfach wie rührend klingt: “I'm not a song, I'm not a sweater, I'm not a fire, I'm something better, I'm a man in love writing you a letter. Will you take it? Will you keep it? Will you read it? Believe it - I love you, I'm sorry.” Hach, was soll einem mit solchen Zeilen schon groß passieren … ? http://www.theavettbrothers.com/

Mittwoch, 29. Juni 2016

Still Corners: Verläßlich

Neuigkeiten vermeldet das Londoner Synthpop-Duo Still Corners: Greg Hughes und Tessa Murray hatten ihre letzte Platte "Strange Pleasures" 2013 via Sub Pop veröffentlicht, Album Nummer drei soll nun vom eigenen Label Wrecking Light Records kommen und den Titel "Dead Blue" tragen. Eingängiges im besten Sinne ist zu erwarten, die erste Single "Lost Boys" läßt das schon ahnen - "Horses At Night", die letzte Meldung der beiden aus dem Winter des vergangenen Jahres, soll aber dem Vernehmen nach nicht auf der neuen Platte zu hören sein.



Dienstag, 28. Juni 2016

White Lies: Bewährung

So ist das mit der Hoffnung - wenn alles futsch ist, sie stirbt zuletzt. Die White Lies haben mal ganz groß angefangen, waren die Hoffnung des Waverock und zumindest mit den ersten Singles lies sich einiges anfangen. Dann aber, mit "Ritual", allerspätestens mit dem letzten Longplayer "Big TV" war das alles zunichte, machte sich bräsiger Allerweltsrock breit und die Enttäuschung war groß. Nun haben die drei Herren aus London ein neues Album fertig, "Friends" wird es heißen und am 7. Oktober via BMG erscheinen. Die erste Single nennt sich "Take It Out On Me" und wer genauer wissen möchte, wer da was aus wem herausholt, der kann schon mal ein paar Livetermine notieren.

21.10.  Frankfurt, Gibson
22.10.  Osnabrück, Rosenhof
23.10.  Köln, Die Kantine
30.10.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
31.10.  Berlin, Huxley's Neue Welt
05.11.  Wien, Ottakringer Brauerei
09.11.  München, Theaterfabrik
10.11.  Zürich, Kaufleuten

Montag, 27. Juni 2016

Neonschwarz: Nur nicht beruhigen

Noch mal ganz schnell zurück zu einer der besten Platten dieses Sommers (obwohl der und die ja noch gar nicht so alt sind): "Metropolis" von Neonschwarz ist tatsächlich von der ersten bis zur letzten Minute ein Dauerläufer, da hängt nix durch, ödet nix an, alles frisch und voll auf die Omme. Und weil's so schön war (draußen ja immer noch ist), hier das aktuelle Video zu "Die Eskalation", gedreht von Christopher Radke.

Freitag, 24. Juni 2016

Die Höchste Eisenbahn: Auflegen, Drauflegen

Die Nachricht lag ja schon länger auf dem Tisch, aber nun, da etwas reichhaltiger angefüttert werden kann, soll sie auch unseren Lesern nicht vorenthalten werden: Die Höchste Eisenbahn, Berliner Popformation mit allerhöchstem Suchtpotenzial, hat für den 26. August ihr zweites Album "Wer bringt mich jetzt zu den anderen?" angekündigt. Der Nachfolger von "Schau in den Lauf, Hase" wird wieder bei Tapete Records erscheinen und das Label hat sich gleich mal den verehrten Bernd Begemann für ein erstes Statement gegriffen: "Die Höchste Eisenbahn steht für eine erwachsene Popmusik, die endlos verspielt ist. Ihre neue Sammlung von Songs (...) hat keine Füller, keine Ausfälle, keine Vor-Skip-Nummern. Das Album ist aus einem Guss, man kann sich drauflegen und treiben lassen, bis der Fluss ins Meer geht." Kann ja nichts mehr passieren - wer selbst ein paar offene Fragen hat, kann diese bei der anstehenden Tour auch vor Ort klären, den amüsanten Teaser legen wir hier gleich noch mit dazu.

29.10.  Rostock, Peter Weiss Haus
30.10.  Bremen, Tower
31.10.  Münster, Gleis 22
01.11.  Frankfurt, Zoom
02.11.  Köln, CBE
04.11.  Hannover, Musikzentrum
05.11.  Dresden, Beatpol
06.11.  Leipzig, Täubchenthal
08.11.  Osnabrück, Kleine Freiheit
09.11.  Essen, Zeche Carl
10.11.  Würzburg, Cairo
11.11.  Magdeburg, Moritzhof
13.11.  Berlin, Astra
15.11.  Erlangen, E-Werk
16.11.  Freiburg, Schmitz Katze
17.11.  Stuttgart, Wagenhallen
18.11.  Schaffhausen,TapTab
19.11.  Zürich, Bogen F
21.11.  München, Strom
22.11.  Wien, Chelsea
24.11.  Heidelberg, halle02
25.11.  Erfurt, Museumskeller
26.11.  Hamburg, Uebel und Gefährlich

Trentemøller: Revange

Und gleich noch ein Video hinterher: Anders Trentemøller, Musiker und Produzent aus Dänemark, schickt sich an, im September sein viertes Studioalbum mit dem Titel "Fixion" zu veröffentlichen - mit dabei u.a. Jehnny Beth von den Savages, deren Album "Adore Life" Trentemøller bekanntlich an den Reglern betreute. Ihre gemeinsamer Song heißt "River In Me" und kommt mit einem Clip von Åsa Riton und Andreas Emenius.



Messer: Vorankündigung [Update]

Endlich kommt mal wieder etwas (Achtung: platter Wortwitz) Schärfe in die Debatte: Messer aus Münster planen die Veröffentlichung ihres dritten Albums - nach "Im Schwindel" und "Die Unsichtbaren" kommt am 19. August "Jalousie" via Trocadero in den Handel. Und damit sich die Konzerttermine hier nicht ganz so einsam fühlen, soll schon am 24. Juni die EP "Kachelbad" folgen, drei neue Stücke sind drauf und dazu auch noch drei Remixe, u.a. von Factory Floor (!) und Thomas Moebius, im Anhang schon mal der Prolog als Teaser.

Update: Als ob dieser Tag schon nicht verstörend genug wäre, kommt hier das Video zu "Der Mann, der zweimal lebte", gedreht hat Manuel Gehrke, der aktuell auch die Clips für Die Heiterkeit verantwortet.

28.10.  Essen, Zeche Carl
29.10.  Bremen, Lagerhaus
30.10.  Bielefeld, Forum
31.10.  Kaiserslautern, Kammgarn
01.11.  Wiesbaden, Schlachthof
02.11.  Köln, Gebäude 9
03.11.  Berlin, Frannz
04.11.  Gießen, MuK
05.11.  Stuttgart, Zwölfzehn
06.11.  Wien, B72
07.11.  München, Kranhalle
08.11.  Dresden, Groovestation
09.11.  Leipzig, Naumanns
10.11.  Jena, Kassablanca
11.11.  Hannover, Café Glocksee
03.12.  Münster, Gleis 22



Donnerstag, 23. Juni 2016

Mule And Man: Das Klatschen einer Hand

Die Hobbypolitologen von Staatsakt machen heute mit der nicht unberechtigten Frage auf, wie es sich denn verhält, wenn zwei Diktatoren miteinander gemeinsame Sache machen - addiert sich dann deren drakonisches Machtgehabe, multipliziert es sich oder tritt es gar in Potenz zu Tage? Nun ist es ja nicht so, dass man mangels Studienmaterials in den letzten Jahren nicht hätte einiges zum Dienste der Menschheit erforschen können - man denke nur an die Kim-Sippe (also Il Sung, Jong Il und Jong Un), das fidele Brüderpärchen Castro oder auch das russische Bäumchen-Wechsel-Dich-Duo Putin und Medwedew. Aber nein, jetzt müssen dann Tobias Jundt (Banddiktator Bonaparte) und Jose Antonio Garcia Soler alias Kid Simius (DJ-Diktator Marsimoto/Marteria) für die Wissenschaft herhalten. Die beiden haben sich unter dem Namen Mule And Man verbündet und werden am 2. September ihre erste EP "One Hand Clap" (Achtung: Buddhistisches Koan!) veröffentlichen. Neben ein paar Tourdaten präsentieren wir hier schon mal die erste Single "10K Types Of Torture".

24.06.  Chemnitz, Kosmonaut Festival
02.07.  Lärz, Fusion Festival
29.07.  Stuttgart, Stuttgart Festival
12.08.  Zürich, Lethargy Festival
02.09.  Berlin, SchwuZ
21.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
15.10.  Freiburg, Ahoi Festival
12.11.  Leipzig, Audioinvasion

DJ Shadow: Heimspiel

DJ Shadow
„The Mountain Will Fall“

(Mass Appeal)

Wer sagt eigentlich, dass alles immer schlechter wird? Nehmen wir doch als Beispiel mal Joshua Paul Davis aka. DJ Shadow. Der Mann hatte das Problem, dass er gleich auf dem Gipfel seines Schaffens auf den Karrierezug aufgesprungen ist – sein Debüt “Endtroducing…” war (zulässige Vereinfachung) einfach der Hammer und setzte einen Standard, den er selbst im Folgenden, von anderen Kollegen ganz zu schweigen, nicht mehr erreichen konnte. Auch sein letztes Album “The Less You Know, The Better” war weit davon entfernt, ein Kritikerliebling und Verkaufsschlager zu werden und die Ausflüge in Sachen Mathmetal und Indiepop gerieten eher bemüht als gelungen. Doch der Mann ist offenbar noch nicht in einem Alter, wo der Starrsinn eine Einsicht unmöglich macht und so präsentiert er sich auf der neuen Platte bestens in Form und nutzt hierfür clevererweise seinen unbestrittenen Heimvorteil. Soll heißen, neben den erwartbar wild spotzenden Beats, Beeps und Loops ist Davis wieder konsequenter zum Kerngeschäft Hip Hop zurückgekehrt. El-P und Killer Mike assistieren famos für “Nobody Speak”, Ernie Fresh gibt sich bei “The Sideshow” angenehm oldschooly und G Jones feiert zusammen mit Bleep Bloop Trip Hop und Big Beat. Dazu noch die schroffen Böllertöne von Nils Frahm (“Bergschrund”), Hornissenschwärme und Wasserbomben, man merkt deutlich, dass Davis über den Spaß zum Spiel gekommen ist und hört ihm gespannt dabei zu. Einmal mehr, wenn auch wie bei “Ashes To Oceans” dem aktuellen Lieblingstrend Jazz gehuldigt wird – DJ-Kollege und Trompeter Matthew Halsall schiebt sich mit seinem Instrument für das letzte Drittel des Stückes ganz behutsam ins Bild und verpasst ihm dadurch eine sehr smoothe, coole Note. Das wie alles hier: Wunderbar.

Katy Goodman + Greta Morgan: Macht was draus!

Das lädt ja geradezu zum Vorurteil ein: Lass mal die Frauen an den Punk, dann wird da schon was Hübsches draus werden. Quatsch mit Soße, auch wenn's für die erste Hörprobe wohl stimmen mag. Katy Goodman (La Sera, Vivian Girls) hat sich wieder einmal mit Freundin Greta Morgan (Springtime Carnivore) zusammengetan und eine ganze Reihe von All-Time-Classics des Punkrock aufgenommen - Iggy Pop And The Stooges, Bad Brains, The Jam, Buzzcocks und weitere, das Album "Take It, It's Yours" wird am 26. August bei Polyvinyl erscheinen und "Bastards Of Young" von den Replacements wird hier schon mal vorgestreamt. Im Übrigen ist das nicht das erste Doppel, das die beiden spielen, 2013 haben Goodman und Morgan schon den Song "Space Time" unter dem Namen Books Of Love aufgenommen - Video unten.



Mittwoch, 22. Juni 2016

onDeadWaves: And - Action!

Wie schon gesagt - so gutgelaunt geht's selten zu auf dem bezaubernden Album von onDeadWaves. Insofern ist der Song "California" zwar nicht maßgeblich, aber dennoch ein sehr feiner, zumal das gerade erschienene Video dazu von der mexikanischen Produktionsfirma Groovy Chaos (!) einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert bringt - gedreht in einem Take, ist es in vielerlei Hinsicht ein absolut lässiger Hinkucker.

Portishead: Der gute Ton [Update]

Auf kaum einen Ton ist die musikinteressierte Öffentlichkeit so gespannt wie einen der britischen Band Portishead und zwar aus gutem Grund: Jedes ihrer bislang drei regulären Studioalben ist das, was die Branche gern als Ereignis feiert, jedes setzte bisher Maßstäbe. Nun, ein neues Exemplar ist zwar noch nicht in Sicht (rechnet man die Veröffentlichungszyklen hoch, dürfte es allerdings nicht mehr lange dauern) - dafür haben Beth Gibbons, Geoff Barrow und Adrian Utley für den Soundtrack von Ben Wheatley's Romanadaption "High-Rise" (JG Ballard) ein Cover des ABBA-Hits "SOS" beigesteuert (auf der Kaufversion soll das Stück leider nicht enthalten sein), das man sich entweder auf der polnischen Seite Ponapisach oder, solange es noch geht, via Soundcloud auch hier anhören kann.

Update: Das war ja irgendwie eine witzige Jagd, jeden Tag war der Song woanders zu finden und immer hieß es schneller sein als die Netzpolizisten. Nun kommt der gestreamte Song hochoffiziell vom YouTube-Account der Band selbst - diesmal mit unzweideutiger, politischer Botschaft.

Nimmo: In aller Freundschaft [Update]

Und weiter geht's am Single-Tag: Nimmo, das Londoner Electroquintett, ist eigentlich aus der weit über zehnjährigen Freundschaft von Sarah Nimmo und Reva Gauntlett entstanden, hört man sich den aktuellen Track "My Only Friend" an, ist da mit Sicherheit Spaß und Gefühl zu gleichen Teilen dabei. Wie man liest, ist der erste Longplayer bereits in Arbeit, bis dahin läßt sich die Zeit problemlos mit den folgenden Songs überbrücken.

Update: Ganz schön viel los in der Wohnung, wenn man sich alle echten und eingebildeten Freunde zum Stelldichein lädt - das Video zum aktuellen Song (NSFW).



Dienstag, 21. Juni 2016

New Order vs. Claptone: Housenummer

Na toll, gerade hatten wir mit viel Mühe fast sämtliche Cover der Remixe und Extended Versions zur aktuellen New Order "Music Complete" für's neue Familienalbum gesammelt, da kommt er daher: Claptone, Berliner DJ, Erkennungsmerkmal goldene Vogelmaske, hat sich "People On The Highline" vorgenommen und daraus eine hübsche Housenummer gestrickt - mit neuem Cover, versteht sich.

Car Seat Headrest: Strangeways here he comes

Car Seat Headrest
„Teens Of Denial“

(Matador)

Mann oh Mann, so eine Energie muß man erst mal haben: Will Toledo, der Junge also, der sich hinter dem Pseudonym Car Seat Headrest verbirgt, hat seit Bestehen seines Projektes, das anfangs sein alleiniges war, ganze zwölf Alben herausgebracht, die überwiegende Mehrheit davon via Bandcamp im Selbstverlag. In fünf Jahren! Der Produktivitätsjunkie aus dem Osten der USA darf also als der fleischgewordene Gegensatz zu (sagen wir mal) Portishead verstanden wissen, die es in fünfundzwanzig Jahren auf ganze drei Alben brachten. Nice to know, sagt aber nicht viel. Wichtiger ist, was drauf ist und da heißt die Nachricht: Es bleibt aufregend. Die mittlerweile zum Quartett angewachsene Band ist ja bekanntlich schon für die letzte Platte „Teens Of Style“ zum Indiemajor Matador gewechselt, von dort kommt nun auch das musikalische Manifest der „Verweigerung“ und Toledo ist mit seinen knapp fünfundzwanzig Jahren keineswegs zu alt, um daraus einen halbwegs persönlichen Tatsachenbericht mitsamt Drogenerfahrungen, Anklage an die provinzielle Spießbürgerlichkeit, die Überfürsorge der Eltern und allerlei kauziger Randgruppenpoesie zu machen.

Der Klang der Songs ist noch immer tief in der Grungezeit der 90er verwurzelt, man hört die Lemonheads, Nirvana, Dinosaur jr. und auch den frühen Beck heraus und freut sich über die äußerst unterhaltsame Verlängerung des Revivals (produziert hat im Übrigen ein gewisser Steve Fisk, ein Mann also, der schon für Mudhoney, Soundgarden und den Screaming Trees an den Reglern saß). Angereichert wird der Sound von jazzigen Trompeten, Piano- und Saxophonklängen, bewahrt hat sich Toledo glücklicherweise seine spleenigen Überschriften und Wortspielereien. So heißt der mit gut elf Minuten längste Titel „The Ballad Of The Costa Concordia“, ein anderer "(Joe Gets Kicked Out Of School For Using) Drugs With Friends (But Says This Isn't A Problem)" – hier textet er zunächst die Schleife “Drugs are better with friends are better with drugs are better…”, um dann später das Wörtchen ‘with’ durch ‘than’ zu ersetzen. Wenn ihn die Hippies, wie an anderer Stelle befürchtet, nicht schon früher beiseite räumen, dann dürften uns gottlob noch jede Menge solcher Alben bevorstehen. https://carseatheadrest.bandcamp.com/

Montag, 20. Juni 2016

Einhorn: Lässige Alternative

So, das wäre dann die dritte Band aus dem Nachbarland, die uns zeigt, wie man lässig rocken kann und den Style nicht vergessen muss: Wanda, Bilderbuch und nun also Einhorn. Heimatstadt Wien, ursprünglich Burgenland, von ihrem Album "Galactica", das am 22. Juli erscheinen soll, kennen wir seit letztem Jahr schon viele schöne Lieder wie "Schöner als Berlin", "Thron" und "Spring auf" - am heitigen Tag kommt nun mit "Tuxedo Mask" ein weiterer, ausgesucht charmanter Titel hinzu.