Bernadette La Hengst
Support: The Ukelites
München, Milla, 5. November 2015
Man möchte ja nicht ständig den immergleichen alten Bart wickeln und darüber lamentieren, ob dieses nun typisch deutsch sei und jenes eben nicht – klar dürfte dennoch sein: Gäbe es hierzulande mehr Menschen wie Bernadette La Hengst, wir Deutschen hätten weit weniger Probleme, zumindest mit uns selbst. Die Art und Weise, wie diese Frau offensiv und größtenteils erfrischend die schwierigsten Themen dieser Welt zu wälzen versteht, unterscheidet sich so grundlegend von der oft so verkniffenen Betroffenheitskultur unseres Landes, dass man die La Hengst insgeheim fast in höhere Ämter loben möchte, um in ihrem Sinne die Dinge anzustoßen und zu bewegen. Ist natürlich Quatsch – sie hätte dazu wohl kaum Lust und Zeit, weil sie sich frohgemut in unzähligen Projekten abarbeitet und die andere Zeit offenen Auges und Herzens über den Planeten reist. Ohnehin ist der beste Platz für die Botschafterin des gutgelaunten Agitpop hinter dem Mikro, sie braucht dazu, wie man an diesem Abend wieder sehen konnte, nicht viel Platz und auch keine riesige Band – ein kleines Notebook als Konserve und Drummerin Wanja Saatkamp von der Hamburger Punkkapelle Maiden Monsters tun es auch, den Rest erledigt La Hengst als Rampensau (sorry!) im silbernen Glitzerfummel bestens allein.
Der Kontakt zum Publikum ist schnell gefunden, ein paar kurze Anekdoten und das eine oder andere verschmitzt-verschwitzte Lächeln zwischendurch entspannen die Atmosphäre für die großen, zentnerschweren Anliegen. Die Flüchtlingskrise im Disko-Takt, das geht wohl so nur bei ihr und verliert dennoch nicht an Relevanz – „Wem gehört die Parkbank“ vom akuellen Album „Save The World With This Melody“ ist nicht weniger eindringlich, weil man wunderbar dazu mitsingen kann. Überhaupt: Das Mitsingen. Die nebenberufliche Chorleiterin hat offenkundig einen großen Spaß am Dirigieren, gleich mehrere Stücke werden nach kurzer ad-hoc-Probe vielstimmig begleitet, selbst das Trikont-Label stellt einen Teilzeit-Background ab und so wird man zwischen Dance und Beats und Yeah kaum gewahr, dass hier viel Ernstes und Trauriges mit im Spiel ist. Das Leid der Vertriebenen, die sich ihren neuen Lebensraum erst suchen müssen, zerrissene Familien, getrennte Liebe, Selbstfindung, Selbstbehauptung, Verlust und Zerstörung, all das klingt an diesem Abend leicht und ist doch sonst so schwer zu verkraften.
Auch als Musikerin, das muss noch erwähnt werden, ist Bernadette La Hengst nach wie vor eine Schau – so entwaffnend ihr Charme und klar ihre Texte, so restlos verausgabt sie sich auf der Bühne. Ausgelassene, gestiefelte Tänze, ihre wunderbar kraftvolle und leidenschaftliche Stimme und ab und an ein wütendes Gitarrengeschrammel – wem da Kathleen Hanna und Annie Clark in den Sinn kommen, der liegt sicher nicht falsch. Von den „Bräuten“ gab’s am Ende (es war zu vermuten) leider nichts zu hören, dafür aber mit dem Rausschmeißer „Der beste Augenblick“ einen veritablen Hit aus den Anfangstagen ihrer Solokarriere. Es liegt in der Natur des hier besungenen buddhistischen Sinnspruchs, dass er an Gültigkeit nie verliert – in gewisser Weise ist das ein Trost, weil ja auch die Dinge, die einen fassungslos und wütend machen, nicht eben weniger werden. In einem alten Interview sagte Bernadette La Hengst: „Die Welt ist so groß und der alltägliche Scheiß, mit dem man sich umgibt, so klein, daß man ab und zu mal auslüften sollte.” Dafür war dieser Abend in der Tat die passende Gelegenheit, irgendwie trat man den Heimweg aufrechter und durchaus ermutigt an.
06.11. Mannheim, Blau
09.11. Gottsbüren
10.11. Frankfurt, Fabrik
11.11. Zürich, Helsinki
12.11. Freiburg, Theater
13.11. Augsburg, Grandhotel Cosmopolis
14.11. Reutlingen, Franz K
17.11. Regensburg, Alte Mälzerei
19.11. Nürnberg, Desi
24.11. Köln, Tsunami
25.11. Dortmund, Subrosa
26.11. Hamburg, Hafenklang
05.12. Leipzig, Fraku
Freitag, 6. November 2015
Donnerstag, 5. November 2015
Fine Times: Spielerei
Dann doch mal wieder ein ungemein witziges Video: Fine Times aus Kanada, seit 2010 auf dem Plan und mit einem Debütalbum in der Tasche, haben in diesem Jahr ihre EP "Bad::Better" veröffentlicht, von dieser stammt natürlich auch der Titelsong, zu dem es jetzt diesen Clip gibt. Und wenn es nicht so platt klänge, würde man jetzt gern sagen: Anschauen - Spaß haben.
Pelzig: In die Nacht hinaus
Pelzig
„Medium Cool World“
(Cargo Records)
Wenn man mal das Spinnen anfängt, dann kommt man darauf, dass in Ingolstadt die Dinge anders laufen als im Rest der Republik und zwar mit einer sich stets wiederholenden Parallelität. Da hat es der Blechkarossenbauer mit den vier Ringen, mithin Hauptarbeitgeber in Stadt und Region, endlich in die Champions-League und nach Übersee geschafft und bekommt just in diesem, seinem besten Moment die Schludereien seines großen Bruders in der leidigen Abgasaffäre zu spüren. Eine Etage tiefer ist der eben von jenem Konzern gesponserte Fußballverein endlich in der ersten Liga angekommen und schlägt sich dort recht beachtlich auf einen einstelligen Tabellenplatz – wahrgenommen wird er aber kaum, weil der viel größere und ruhmreichere Effzehbayern einen jeden Verein in seinem Glanz wie eine kleine, graue Maus aussehen läßt. Auch dumm gelaufen. Und nun Pelzig. Jahrelang fabrizieren die Herren feinsten Indierock (der so gar nicht nach Provinz, sondern eher nach Übersee klingt) und werden doch als Anhängsel der viel größeren und ruhmreicheren Kapelle Slut in den Schatten gestellt oder, nicht besser, mit einem kleinen, komischen Mann mit Karohemd und Kordhütchen verwechselt. Und auch wenn letzterer gerade erst in Ruhestand getreten ist darf man annehmen, dass das die Sache nur unwesentlich erleichtert.
Dass es für dieses Schattendasein überhaupt keinen Grund gibt, das beweist einmal mehr ihr aktuelles Album „Medium Cool World“. Elf Jahre nach „Safe In Its Place“ ist von Ermüdung und sonstigen Mangelerscheinungen rein gar nichts zu hören – Christian und Rainer Schaller, Christian Schulmeyr und René Arbeithuber treten einmal mehr den Beweis an, dass alternativer Gitarrenrock noch recht lebendig zu klingen vermag. Den Einstand geben sie mit „Style Kills All“ und der Frage nach dem wahren Gefühl, das in unserer so blankpolierten, nivellierten und rundum optimierten Gesellschaft abhanden gekommen scheint, ein Gefühl, das per se nicht einmal ein gutes sein muss, sondern eben nur ein echtes: „No more mission, no more real bad teen songs, is here any desire to go? Is here anyone tired or amused or tricked?“ Das nachfolgende „Battles“ schimmert so düster und erhaben wie ein Interpol-Song in seinen besten Zeiten, es gibt nicht viele Bands, die hierzulande solch einem Vergleich standhalten würden.
Schwarz wie der Hintergrund für den elektrischen Reiter von Klaus Fürmaier auf dem Cover bleibt es, die Welt ist „medium cool“ und „well done“ und trotzdem aus den Fugen, Halt gibt es wenig und Pelzig machen die Musik zum Dilemma. Business, Duty, Solar, Job – Hurra, wir funktionieren ja noch – ein Blick auf den iPod hilft mir trotzdem nicht mehr weiter und die Nacht, meine Nacht, bleibt als einziger Ausweg. Es ist nicht wirklich ermutigend, wie Christian Schulmeyr da über die Distanz von zehn Stücken den instabilen Zustand aus Zweifel, Leere, Einsamkeit und andauerndem Unverständnis beschreibt, immer mit einer Stimme zwischen vorsichtigem Gesang und leicht verfremdetem, schneidendem Rezitativ: „Ain’t got no home, no we ain’t got no place, we are on random but flowers and ruins are left in the cage. We try to keep it and hold it, but our dreams are just locked in a case.“
Dazu gibt es mal hymnische, raue Gitarren und fette Drums, an anderer Stelle teilen sich irrlichternde Soundschleifen und rumpelnde, schleppende Beats die Kulisse, bis plötzlich bei „Safe Route“ eine anmutige, fast luftige Sythie-Melodie jäh die alles überlagernde Schwermut durchbricht. Vielleicht liegt das Geheimnis ihres Erfolges ja in der Fähigkeit, neben dieser ausgeklügelten Balance aus zarter, fein verwobener Textur und kantigem Lärm auch die Überraschung zuzulassen, die unerwarteten Töne zu wählen. Gelingen tut ihnen jedenfalls beides, sie bauen ein traumhaftes, himmelhohes Gebilde und reißen es hernach mit „Trasher“ wieder ein. Versöhnliches dennoch zum Abschied, „All Signals Off“ ist eines dieser Stücke, die länger als andere in Erinnerung bleiben werden – das Echolot funkt in die kalte, schwarze Ungewissheit, doch die Hoffnung bleibt: „Whatever you tell, it’s always your story, whatever you tell, it’s always you, and I embrace all desires, let me in…“ Man sollte so etwas ja nicht allzu häufig sagen, aber viel besser als auf diese Platte hätten es Pelzig wohl nicht machen können. http://www.pelzig-music.de/
21.01. München, Milla
22.01. Nürnberg, Z-Bau
23.01. Augsburg, Soho Stage
26.01. Hamburg, Hafenklang
27.01. Berlin, Monarch
28.01. Münster, Gleis 22
„Medium Cool World“
(Cargo Records)
Wenn man mal das Spinnen anfängt, dann kommt man darauf, dass in Ingolstadt die Dinge anders laufen als im Rest der Republik und zwar mit einer sich stets wiederholenden Parallelität. Da hat es der Blechkarossenbauer mit den vier Ringen, mithin Hauptarbeitgeber in Stadt und Region, endlich in die Champions-League und nach Übersee geschafft und bekommt just in diesem, seinem besten Moment die Schludereien seines großen Bruders in der leidigen Abgasaffäre zu spüren. Eine Etage tiefer ist der eben von jenem Konzern gesponserte Fußballverein endlich in der ersten Liga angekommen und schlägt sich dort recht beachtlich auf einen einstelligen Tabellenplatz – wahrgenommen wird er aber kaum, weil der viel größere und ruhmreichere Effzehbayern einen jeden Verein in seinem Glanz wie eine kleine, graue Maus aussehen läßt. Auch dumm gelaufen. Und nun Pelzig. Jahrelang fabrizieren die Herren feinsten Indierock (der so gar nicht nach Provinz, sondern eher nach Übersee klingt) und werden doch als Anhängsel der viel größeren und ruhmreicheren Kapelle Slut in den Schatten gestellt oder, nicht besser, mit einem kleinen, komischen Mann mit Karohemd und Kordhütchen verwechselt. Und auch wenn letzterer gerade erst in Ruhestand getreten ist darf man annehmen, dass das die Sache nur unwesentlich erleichtert.
Dass es für dieses Schattendasein überhaupt keinen Grund gibt, das beweist einmal mehr ihr aktuelles Album „Medium Cool World“. Elf Jahre nach „Safe In Its Place“ ist von Ermüdung und sonstigen Mangelerscheinungen rein gar nichts zu hören – Christian und Rainer Schaller, Christian Schulmeyr und René Arbeithuber treten einmal mehr den Beweis an, dass alternativer Gitarrenrock noch recht lebendig zu klingen vermag. Den Einstand geben sie mit „Style Kills All“ und der Frage nach dem wahren Gefühl, das in unserer so blankpolierten, nivellierten und rundum optimierten Gesellschaft abhanden gekommen scheint, ein Gefühl, das per se nicht einmal ein gutes sein muss, sondern eben nur ein echtes: „No more mission, no more real bad teen songs, is here any desire to go? Is here anyone tired or amused or tricked?“ Das nachfolgende „Battles“ schimmert so düster und erhaben wie ein Interpol-Song in seinen besten Zeiten, es gibt nicht viele Bands, die hierzulande solch einem Vergleich standhalten würden.
Schwarz wie der Hintergrund für den elektrischen Reiter von Klaus Fürmaier auf dem Cover bleibt es, die Welt ist „medium cool“ und „well done“ und trotzdem aus den Fugen, Halt gibt es wenig und Pelzig machen die Musik zum Dilemma. Business, Duty, Solar, Job – Hurra, wir funktionieren ja noch – ein Blick auf den iPod hilft mir trotzdem nicht mehr weiter und die Nacht, meine Nacht, bleibt als einziger Ausweg. Es ist nicht wirklich ermutigend, wie Christian Schulmeyr da über die Distanz von zehn Stücken den instabilen Zustand aus Zweifel, Leere, Einsamkeit und andauerndem Unverständnis beschreibt, immer mit einer Stimme zwischen vorsichtigem Gesang und leicht verfremdetem, schneidendem Rezitativ: „Ain’t got no home, no we ain’t got no place, we are on random but flowers and ruins are left in the cage. We try to keep it and hold it, but our dreams are just locked in a case.“
Dazu gibt es mal hymnische, raue Gitarren und fette Drums, an anderer Stelle teilen sich irrlichternde Soundschleifen und rumpelnde, schleppende Beats die Kulisse, bis plötzlich bei „Safe Route“ eine anmutige, fast luftige Sythie-Melodie jäh die alles überlagernde Schwermut durchbricht. Vielleicht liegt das Geheimnis ihres Erfolges ja in der Fähigkeit, neben dieser ausgeklügelten Balance aus zarter, fein verwobener Textur und kantigem Lärm auch die Überraschung zuzulassen, die unerwarteten Töne zu wählen. Gelingen tut ihnen jedenfalls beides, sie bauen ein traumhaftes, himmelhohes Gebilde und reißen es hernach mit „Trasher“ wieder ein. Versöhnliches dennoch zum Abschied, „All Signals Off“ ist eines dieser Stücke, die länger als andere in Erinnerung bleiben werden – das Echolot funkt in die kalte, schwarze Ungewissheit, doch die Hoffnung bleibt: „Whatever you tell, it’s always your story, whatever you tell, it’s always you, and I embrace all desires, let me in…“ Man sollte so etwas ja nicht allzu häufig sagen, aber viel besser als auf diese Platte hätten es Pelzig wohl nicht machen können. http://www.pelzig-music.de/
21.01. München, Milla
22.01. Nürnberg, Z-Bau
23.01. Augsburg, Soho Stage
26.01. Hamburg, Hafenklang
27.01. Berlin, Monarch
28.01. Münster, Gleis 22
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Rationaltheater
Es geht also nicht um LOVE oder HATE und schon gleich gar nicht um FUCK. Es geht nicht um die Emotion, sondern ums Triviale und Rationale, nämlich die ARBEIT. Unter anderem (wobei noch zu klären wäre, wieviel wahres Gefühl wirklich in den täglichen Mühen im Hamsterrad steckt - alles nur Ratio?) Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, machen wir es kürzer, hat für den 18. Januar via Tapete Records ihr neuestes Werk angekündigt und die erste Single heißt "Arbeit ist ein Sechsbuchstabenwort". Doch das ist nur ein kleiner Teil des Spaßes, denn die Platte ist zudem wie folgt betitelt: "Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen!". So. Bernd Begemann, das alte Brot, behauptet schon mal, der Nachfolger von "Jeder auf Erden ist wunderschön" und "Alle Ampeln auf Gelb!" wäre "ihr größtes und glücklichstes Album", besäße "Mörder-Grooves" und hätte barocken Pop, zarte Momente und realistische Romanzen zu bieten. Und weil man einem Begemann nicht und niemals widerspricht, freuen wir uns schon mal vor.
28.12. Hamburg, Knust
29.12. Bremen, Lagerhaus
30.12. Berlin, Bi Nuu
28.12. Hamburg, Knust
29.12. Bremen, Lagerhaus
30.12. Berlin, Bi Nuu
Mittwoch, 4. November 2015
Ofelia K: Plastikblumengrüße
Kunstblumen kommen normalerweise aus dem sächsischen Sebnitz - nun also auch von Ofelia K aus Los Angeles. Der Titel ihrer neuen EP nämlich lautet "Plastic Flowers", und nachdem wir hier mit "As A Bell" und "White T-Shirt" schon zwei wunderbar leichte Popsongs vorgestellt haben, kommt heute noch "Hawk Fly Tiger Run" hinzu.
BOY: Eigenarbeit
Noch ein hübsches Video gibt es seit heute von BOY: Valeska Steiner und Sonja Glass hatten ja vor einiger Zeit mit ihrem zweiten Album "We Were Here" für Furore und aktuell für eine nahezu ausverkaufte Tour gesorgt, nun haben sie ihren Clip für den Titelsong ins Netz gestellt. Regie führte Sonja Glass selbst (und verschaffte sich so auch gleich einen Cameoauftritt beim Nascar-Rennen), Hauptdarstellerin ist die Französin Héloise Godet, die zuletzt in Jean-Luc Godards Film "Goodbye To Language" zu sehen war.
Bloc Party: Freak Out nach Ladenschluß
Auf das neue Album "Hymns" von Bloc Party ist man allerorten schon sehr gespannt - von durchschnittlichem Dudelfunk bis zu wegweisender Tanzmucke steht an Befürchtungen bzw. Hoffnungen alles zur Auswahl. Die erste Single "The Love Within" kann deshalb maximal ein erster Gradmesser sein, mit einem generellen Urteil heißt's aber bis zum 29. Januar, dem Tag des Erscheinens, zu warten. Hier zunächst einmal das Video zum genannten Track, aufgenommen als Danceperformance in einer menschenleeren Shopping Mall.
Guy Garvey: Midlifelieder
Guy Garvey
„Courting The Sqall“
(Polydor)
Irgendwie erscheint einem Guy Garvey stets wie ein lebender Widerspruch in sich. Geht man nach der Statur, dem Erscheinungsbild des Sängers der Indiekombo Elbow, dann würde man eher vermuten, Garvey fälle tagsüber in den Wälder rund um seine Heimatstadt Manchester Bäume reihenweise mit bloßen Händen und in seiner Freizeit über er sich wahlweise im Schwergewichtsboxen oder Rugby. Dass der große, bärtige Mann aber eine unglaublich bezaubernde Stimme sein Eigen nennt und mit dieser seit Jahren die Herzen und Knie weich und die Augen feucht macht wie kaum ein anderer – das mag man auf den ersten Blick gar nicht glauben. Gerade hat er sein erstes Soloalbum veröffentlicht und weil die Songs darauf so persönlich wie selten geworden sind, wollte er sie nicht seiner Band anvertrauen (oder zumuten) und hat sie, „rough and ready“, wie er dem Guardian mitteilte, in kurzen neun Wochen geschrieben und eingespielt.
Es geht darin, das ist nun nicht wirklich neu, vor allem um Frauen. Also um Garveys Sorgen und Nöte mit ihnen, um Träume, Ängste, Wünsche, auch um Glücksgefühle und natürlich um das Laster Alkohol, dem Garvey, das gibt er unumwunden zu, noch immer zu leicht und in zu großen Mengen nachzugeben bereit ist. Man hätte sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle mehr Mut von ihm gewünscht, so wie er ihn zum Beispiel im schmissigen Opener „Angela’s Eyes“, für den Bigband-Sound von „Harder Edges“ oder für das ebenso forsche „Belly Of The Whale“ offenbart. Deshalb sind die restlichen Stücke keineswegs schlecht, höchstens mal etwas blass geraten – viel Piano, viel Gefühl, er kann und will nicht raus aus seiner Haut. Das Duett mit Jolie Holland („Electricity“) ist schön, bei „Yesterday“ zeigt man bereitwillig die erwarteten Reflexe (s.o.) und auch die schweren, dunklen Bläser erfüllen ihren Zweck. Nicht die insgeheim erhoffte Überraschung, gleichwohl eine gelungene Platte.
28.11. Berlin, Postbahnhof
„Courting The Sqall“
(Polydor)
Irgendwie erscheint einem Guy Garvey stets wie ein lebender Widerspruch in sich. Geht man nach der Statur, dem Erscheinungsbild des Sängers der Indiekombo Elbow, dann würde man eher vermuten, Garvey fälle tagsüber in den Wälder rund um seine Heimatstadt Manchester Bäume reihenweise mit bloßen Händen und in seiner Freizeit über er sich wahlweise im Schwergewichtsboxen oder Rugby. Dass der große, bärtige Mann aber eine unglaublich bezaubernde Stimme sein Eigen nennt und mit dieser seit Jahren die Herzen und Knie weich und die Augen feucht macht wie kaum ein anderer – das mag man auf den ersten Blick gar nicht glauben. Gerade hat er sein erstes Soloalbum veröffentlicht und weil die Songs darauf so persönlich wie selten geworden sind, wollte er sie nicht seiner Band anvertrauen (oder zumuten) und hat sie, „rough and ready“, wie er dem Guardian mitteilte, in kurzen neun Wochen geschrieben und eingespielt.
Es geht darin, das ist nun nicht wirklich neu, vor allem um Frauen. Also um Garveys Sorgen und Nöte mit ihnen, um Träume, Ängste, Wünsche, auch um Glücksgefühle und natürlich um das Laster Alkohol, dem Garvey, das gibt er unumwunden zu, noch immer zu leicht und in zu großen Mengen nachzugeben bereit ist. Man hätte sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle mehr Mut von ihm gewünscht, so wie er ihn zum Beispiel im schmissigen Opener „Angela’s Eyes“, für den Bigband-Sound von „Harder Edges“ oder für das ebenso forsche „Belly Of The Whale“ offenbart. Deshalb sind die restlichen Stücke keineswegs schlecht, höchstens mal etwas blass geraten – viel Piano, viel Gefühl, er kann und will nicht raus aus seiner Haut. Das Duett mit Jolie Holland („Electricity“) ist schön, bei „Yesterday“ zeigt man bereitwillig die erwarteten Reflexe (s.o.) und auch die schweren, dunklen Bläser erfüllen ihren Zweck. Nicht die insgeheim erhoffte Überraschung, gleichwohl eine gelungene Platte.
28.11. Berlin, Postbahnhof
Dienstag, 3. November 2015
D/R/U/G/S: Nachtschatten
Das geht noch an und in die Nacht: Callum Wright, Produzent aus Manchester, hört auf das Pseudonym D/R/U/G/S und wird gern in Zusammenhang mit Burial, dem so berühmten wie geheimnisvollen Dubstepper von der Insel genannt - in der Tat ist auch sein neuster Track "Cheap Hearts" so dunkel und geschmeidig, als käme er aus der gleichen Kaderschmiede. Bittesehr, das Debütalbum folgt dann im Frühjahr 2016.
Kagoule: Kleinster gemeinsamer Nenner
Livetermin wider besseren Wissens verpaßt? Eigentlich unverzeihlich. Zumal es sich hierbei um Kagoule, die Senkrechtstarter aus Nottingham handelt, für die wir hier schon sehr ausführlich und mit gutem Grund getrommelt haben. Doch die drei hatten ein Einsehen und haben deshalb einen Livemitschnitt von "Greenbeefo/Centralwing" (nebenbei vom wunderbaren Album "Urth") aus den SOAN-Studios abgedreht und den gibt's hier nun zu sehen. Also Leute, wenigstens das! Und nächstes Jahr hoffentlich auf ein Neues.
Deine Freunde: Könnt ihr haben!
Nimmermüde in Sachen Dienstleistung am Kind, das war Mapambulo stets ein dringendes Anliegen: Deshalb muss hier schleunigst darauf hingewiesen werden, dass die Hamburger Rapband Deine Freunde Album Nummer drei im Kasten haben und damit im kommenden Jahr auf Tour geht. "Kindsköpfe" soll am 27. November die Kinderzimmer rocken, den Teaser dazu gibt es schon jetzt zu sehen und obendrauf noch die erste Single "Hausaufgaben". Und - wie war noch mal das Motto: "Gebt uns Eure Kinder"? Klar, könnt ihr haben!
08.01. Stuttgart, clubCANN
09.01. Frankfurt, Mousonturm
10.01. Düsseldorf, Zakk
15.01. Zug, Galvanik
16.01. Zürich, Papiersaal
17.01. Luzern, Schüür
22.01. Flensburg, Volksbad
24.01. Hamburg, Fabrik
29.01. Kaiserslautern, Kammgarn
30.01. Ingolstadt, Halle 9
31.01. Hannover, Pavillon
05.02. Berlin, Kesselhaus
06.02. Jena, Kassablanca
07.02. Dresden, Scheune
12.02. Kiel, Die Pumpe
13.02. Bremen, Schlachthof
14.02. Münster, Sputnikhalle
19.02. Köln, Stollwerck
20.02. Karlsruhe, Tollhaus
21.02. München, Kranhalle/Feierwerk
26.02. Wien, B72
27.02. Graz, Orpheum
28.02. Linz, Posthof
08.01. Stuttgart, clubCANN
09.01. Frankfurt, Mousonturm
10.01. Düsseldorf, Zakk
15.01. Zug, Galvanik
16.01. Zürich, Papiersaal
17.01. Luzern, Schüür
22.01. Flensburg, Volksbad
24.01. Hamburg, Fabrik
29.01. Kaiserslautern, Kammgarn
30.01. Ingolstadt, Halle 9
31.01. Hannover, Pavillon
05.02. Berlin, Kesselhaus
06.02. Jena, Kassablanca
07.02. Dresden, Scheune
12.02. Kiel, Die Pumpe
13.02. Bremen, Schlachthof
14.02. Münster, Sputnikhalle
19.02. Köln, Stollwerck
20.02. Karlsruhe, Tollhaus
21.02. München, Kranhalle/Feierwerk
26.02. Wien, B72
27.02. Graz, Orpheum
28.02. Linz, Posthof
Baby In Vain: Ansichtssachen
Ein dringende Empfehlung des britischen NME gilt es an dieser Stelle (quasi kritiklos) durchzuwinken: Das dänische Girl-Trio Baby In Vain hat kürzlich seine neue Single "Worthwile" veröffentlicht und schon das dazugehörige Bandphoto gibt eine schöne Pointe her, weist es doch auf den Gesichtern von Benedicte, Lola und Andrea drei unterschiedliche Grundstimmungen auf - Freundlichkeit, Skepsis und Kompromisslosigkeit. Vor allem von letzterem hat die Musik der drei Damen ziemlich viel, Jack White dürfte begeistert sein, wenn er hört, wie es hier und in der etwas älteren Single "Muscles" zur Sache geht.
Montag, 2. November 2015
Francis: Verzaubert
Ganz klar unter die Rubrik 'zauberhafter Gitarrenpop' fallen die schwedischen Francis - Petra Mases,
Petter Nygårdh,
Jerker Krumlinde,
Paulina Mellkvist
und Oskar Bond haben in ihrer Heimatstadt Falun den gemeinsamen Weg als Band begonnen und Anfang Februar 2016 soll ihr nächstes Album "Marathon" via Strangers Candy erscheinen - wenn auf diesem weitere Stücke wie das bezaubernde "Follow Me Home" Platz gefunden haben, werden sie mit Sicherheit kaum jemanden enttäuschen.
Holy Esque: Endgültig
Alles so schön golden hier: Nun haben sich Holy Esque aus Glasgow also doch zu einem richtigen Longplayer durchgerungen - am 26. Februar soll "A Hope's Ravine" nun bei Rough Trade erscheinen und die Doppelsingle "Silences/Hexx" gibt's hier gleich noch mal im Stream.
Samstag, 31. Oktober 2015
Ho99o9: Spooky truth
Some Halloween Shit needed? Ha, haben wir noch eine Nachreichung: Gerade war von Punk und Rap und Ho99o9 die Rede, da kommen TheOMG und Eaddy mit einem brandneuen Mixtape um die Ecke. Das genaue Tracklisting gibt es bei DIY, hier im Stream also "Dead Bodies In The Lake" - fröhliches Gruseln allerseits ...
Freitag, 30. Oktober 2015
Familienalbum # 15: Grimes
Ein vergleichsweise simples Familienalbum heute: Bei Grimes und ihrem neuen Album "Art Angels" musste man nicht lange suchen, denn die vielseitig talentierte Künstlerin hat auf ihrem Tumblr-Profil jedem der vierzehn Songs ein eigenes, handgezeichnetes Manga zugeordnet. Eine Fortsetzung ihrer Arbeiten mit abgedrehten Comic-Strips, schon für die Artworks früherer Platten gab es ähnliche Zeichnungen zu bewundern (einzige Ausnahme "Darkbloom"), komplettiert werden die Abbildungen hier deshalb mit älteren Werken - wie gewohnt von links nach rechts und oben nach unten.
Art Angels: Laughing And Not Being Normal, California, SCREAM [ft. Aristophanes], Flesh without Blood, Belly Of The Beat, Kill V. Maim, Easily, Pin, Realiti, World Princess part II, Venus Fly [ft. Janelle Monáe], Life in the Vivid Dream, Butterfly, Single "Go" (2014), Alben "Halfaxa" und "Geidi Primes" (2010), "Visions" (2012)
Seit heute ist im Übrigen nach "Flesh without Blood..." auch der zweite Titel im Netz zu finden - in Deutschland läßt sich "SCREAM" allerdings vorerst nur bei Pitchfork Indie Shuffle anhören.
Art Angels: Laughing And Not Being Normal, California, SCREAM [ft. Aristophanes], Flesh without Blood, Belly Of The Beat, Kill V. Maim, Easily, Pin, Realiti, World Princess part II, Venus Fly [ft. Janelle Monáe], Life in the Vivid Dream, Butterfly, Single "Go" (2014), Alben "Halfaxa" und "Geidi Primes" (2010), "Visions" (2012)
Seit heute ist im Übrigen nach "Flesh without Blood..." auch der zweite Titel im Netz zu finden - in Deutschland läßt sich "SCREAM" allerdings vorerst nur bei Pitchfork Indie Shuffle anhören.
Kite Base: Jetzt aber schnell
Neues von Kite Base, der Zweitband von Ayşe Hassan, Bassistin der Savages. Nachdem letztere gerade ihr zweites Album "Adore Love" angekündigt haben, bringt Hassan zusammen mit Kendra Frost schnell noch einen zweiten Song auf den Weg, auf "Dadum" folgt hiermit "Miracle Waves" und der klingt gar nicht übel.
Deafheaven: Lass krachen!
Irgendwann mussten sie ja um die Ecke kommen damit - heute ist also der Tag: Deafheaven werden im kommenden Frühjahr für einige Termine nach Deutschland kommen, sechs Städte dürfen sich demnach auf die Live-Präsentation des Albums "New Bermuda" freuen.
22.03. Hamburg, Uebel und Gefährlich
23.03. Köln, Gebäude 9
24.03. Berlin, Musik und Frieden
25.03. Dresden, Beatpol
28.03. Wien, Arena
30.03. München, Feierwerk
31.03. Zürich, Rote Fabrik
01.04. Karlsruhe, Jubez
22.03. Hamburg, Uebel und Gefährlich
23.03. Köln, Gebäude 9
24.03. Berlin, Musik und Frieden
25.03. Dresden, Beatpol
28.03. Wien, Arena
30.03. München, Feierwerk
31.03. Zürich, Rote Fabrik
01.04. Karlsruhe, Jubez
Donnerstag, 29. Oktober 2015
Gold Class: Keine Kompromisse
Gold Class
„It’s You“
(Spunk! Records)
Warum lange drumherum reden? Gold Class machen es zumindest dem Post-Punk-Anhänger nicht sonderlich schwer, sie zu mögen – wenn ein Debüt wie dieses gleich ganz ohne jeden Schwachpunkt überzeugen kann, dann bleibt man in der Regel länger bei der Sache. Der Vierling aus dem australischen Melbourne, Besetzung Adam Curley (Gesang), Mark Hewitt (Drums), Evan James Purdey (Gitarre) und Jon Shub (Bass) ist demnächst als Support von Noise-Ikone Thurston Moore unterwegs, die Jungs werden dort mit Sicherheit keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Dafür sind die Songs von “It’s You” einfach zu gut geraten: dicker Bass, trockene Beats und Gitarren zwischen sperrigem Scheppern und eingängigen Melodien, dazu Curleys markante Stimme – Stücke wie “Bite Down”, “Life As A Gun”, “Perverts” oder “The Soft Delay” sind so einfach wie genial gestrickt und haben all das, was Hitsingles brauchen. Und weil das Auge mithört, freut man sich, dass Gold Class auch bei der Optik keine Fehler machen und mit der kühlen Schlichtheit des Artworks punkten können. Damit aber nicht genug – nicht nur bei Bild und Ton, auch in Sachen Text machen Gold Class keinerlei Kompromisse, Sänger Adam Curley adressierte in einem Interview mit dem Netzradio FBI erfreulich klare Worte an sein Heimatland: “ I was pretty angry about what’s happening in this country and about how outsiders are created and treated. You know, I didn’t want to internalise all that shit, I wanted to do something with it. So I tried to put some of the anger to use. I wanted to say, call me a crank because I won’t shut up about this, and I wanted to own the pervert label for every queer who’s been arrested, and I wanted it to be a feminist album as much as it can be one, and I understand the limitations of that.“ Und wem jetzt diese drei Gründe noch immer nicht reichen, na – dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.
Der Komplettstream des Albums findet sich u.a. bei https://goldclass.bandcamp.com/
„It’s You“
(Spunk! Records)
Warum lange drumherum reden? Gold Class machen es zumindest dem Post-Punk-Anhänger nicht sonderlich schwer, sie zu mögen – wenn ein Debüt wie dieses gleich ganz ohne jeden Schwachpunkt überzeugen kann, dann bleibt man in der Regel länger bei der Sache. Der Vierling aus dem australischen Melbourne, Besetzung Adam Curley (Gesang), Mark Hewitt (Drums), Evan James Purdey (Gitarre) und Jon Shub (Bass) ist demnächst als Support von Noise-Ikone Thurston Moore unterwegs, die Jungs werden dort mit Sicherheit keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Dafür sind die Songs von “It’s You” einfach zu gut geraten: dicker Bass, trockene Beats und Gitarren zwischen sperrigem Scheppern und eingängigen Melodien, dazu Curleys markante Stimme – Stücke wie “Bite Down”, “Life As A Gun”, “Perverts” oder “The Soft Delay” sind so einfach wie genial gestrickt und haben all das, was Hitsingles brauchen. Und weil das Auge mithört, freut man sich, dass Gold Class auch bei der Optik keine Fehler machen und mit der kühlen Schlichtheit des Artworks punkten können. Damit aber nicht genug – nicht nur bei Bild und Ton, auch in Sachen Text machen Gold Class keinerlei Kompromisse, Sänger Adam Curley adressierte in einem Interview mit dem Netzradio FBI erfreulich klare Worte an sein Heimatland: “ I was pretty angry about what’s happening in this country and about how outsiders are created and treated. You know, I didn’t want to internalise all that shit, I wanted to do something with it. So I tried to put some of the anger to use. I wanted to say, call me a crank because I won’t shut up about this, and I wanted to own the pervert label for every queer who’s been arrested, and I wanted it to be a feminist album as much as it can be one, and I understand the limitations of that.“ Und wem jetzt diese drei Gründe noch immer nicht reichen, na – dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.
Der Komplettstream des Albums findet sich u.a. bei https://goldclass.bandcamp.com/
JONES: Mehrwert
Es ist beileibe nicht nur das Kleid von Issey Miyake, das bei Cherie Jones die Welle macht - auch die Songs von JONES lassen aufhorchen. Vor einiger Zeit mit der EP "Indulge" am Start gewesen, schickt sich die Londonerin jetzt an, mit ihrem Debütalbum die letzten Zweifler zu überzeugen - "New Skin" soll Anfang kommenden Jahres erscheinen und "Hoops" ist die erste Hörprobe, weitere dürfen folgen.
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