Wer der lachende Dritte bei dieser Geschichte ist, wird sich erst noch herausstellen müssen: Fest steht, dass Gitarrist Chris Walla, die eine Kreativhälfte hinter den Indierockern Death Cab For Cutie, die Band kürzlich verlassen hat, das hat aber Ben Gibbard, Nicholas Harmer und Jason McGerr nicht davon abgehalten, für Ende März ein neues Album anzukündigen. Dieses soll, so ist zu hören, noch zusammen mit Walla entstanden sein, "Kintsugi" soll es heißen und elf Songs enthalten (Tracklisting hier). Wie die dann im Einzelnen klingen, werden wir wohl beizeiten erfahren. Anbei ein Stück vom Vorgänger "Codes And Keys".
Montag, 12. Januar 2015
Sonntag, 11. Januar 2015
Slaves: Dial a cliche
Viel britischer geht es nicht: Die Slaves sind eine ziemlich laute Zweimannkapelle aus dem Südosten der Insel (Kent), Markenzeichen: Rotzlöffel-Attitüde, markanter Dialekt, Garage-Punk. Bislang haben die beiden Jungs ein Mini-Album ("Sugar Coated Bitter Truth") und eine EP veröffentlicht, sieht ganz so aus, als könnte ihre Karriere mit dem neuen Stück "The Hunter", zu dem gerade das Video online gegangen ist, etwas an Fahrt aufnehmen.
Die Slaves auf Bandcamp.
Die Slaves auf Bandcamp.
Samstag, 10. Januar 2015
Panda Bear: Verführung vor Verstörung
Panda Bear
„Panda Bear Meets The Grim Reaper“
(Domino)
Jeder, der schon einmal versucht hat, einem Kind zu erklären, was der Tod ist und warum er tut, was er tut, weiß, wie anrührend und aufwühlend solche Momente sein können. Weil man sich ihnen nicht auf der sachlichen, der (bio)logischen, der rationalen Ebene nähern kann und weil Kinder genau die Fragen stellen, mit denen selbst ein buddhistischer Mönch nach mehrmaliger Reinkarnation überfordert ist. Dabei ist der spielerische, kindliche Umgang oft die einzige Möglichkeit, mit den Unabänderlichkeiten des Lebens, zu denen Krankheit und Tod nun einmal wie ein ungeliebtes Geschwisterpaar gehören, halbwegs zurecht zu kommen. Es scheint, als seien solche Gedanken auch Noah Benjamin Lennox, Gründungsmitglied des Psychfolk-Quartetts Animal Collective und seit 1998 auch solo und unter dem Pseudonym Panda Bear erfolgreich, nicht ganz fremd.
Weshalb sonst sollte er seiner neuen Platte einen so schaurig-schönen und comichaften Namen geben, warum versucht er sich bei „Tropic Of Cancer“ einem grauenhaft ernsten Thema in eigenwillig ironischer Weise zu nähern? Lennox wäre wohl der letzte, der dies abstreiten würde, genauso leicht fiele es ihm aber, jede andere Art von Interpretation seiner Songs gutzuheißen. Man weiß aus Interviews, dass er die Deutungshoheit für seine Texte gern dem Zuhörer überlässt und auch nichts dagegen hat, diesen im Unklaren zu lassen. Das wiederum richtet den Fokus auf seine Musik. Und diese ist noch immer eine äußerst facettenreiche Mixtur aus dem Surfsound der Beach Boys, choralen, fast sakralen Liedkompositionen, chilligem Krautrock und überaus verspieltem Synthpop. Zusammengehalten und angereichert werden die Stücke wieder durch eine Menge von Samples und Loops – hier ein übersteuertes, propellerhaftes Vibrieren, da ein paar Harfentöne, es gluckert und flirrt in einem fort.
Mit dem verschrobenen und streckenweise etwas anstrengenden Patchwork von „Centipede Hz“, dem letzten Opus des Animal Collective, hat „…Meets The Grim Reaper“ aber zum Glück recht wenig zu tun, hier münden fast alle Stücke mit scheinbarer Zwangsläufigkeit in entspanntes, bezauberndes Songwriting, die zahlreichen Frickeleien dienen nicht der Verstörung, sondern der Verführung. Fein gelungen beispielsweise beim ‚tierischen‘ „Mr Noah“ oder dem pumpenden „Boys Latin“. Der NME behauptet, „Selfish Gene“ wiederum klinge „like ABBA working for NASA“ – na, ein jeder hört bei Panda Bear etwas anderes heraus, ganz im Sinne des Klangschöpfers. Der sagte kürzlich dem Magazin Intro: „Aus welchen albernen Gründen auch immer, ich hätte dieses Album vor zehn Jahren noch nicht machen können. Vielleicht gehört zum Älter-Werden auch, sich selbst nicht so hart zu bewerten.“ Klingt fast ein wenig wie eine buddhistische Weisheit…
„Panda Bear Meets The Grim Reaper“
(Domino)
Jeder, der schon einmal versucht hat, einem Kind zu erklären, was der Tod ist und warum er tut, was er tut, weiß, wie anrührend und aufwühlend solche Momente sein können. Weil man sich ihnen nicht auf der sachlichen, der (bio)logischen, der rationalen Ebene nähern kann und weil Kinder genau die Fragen stellen, mit denen selbst ein buddhistischer Mönch nach mehrmaliger Reinkarnation überfordert ist. Dabei ist der spielerische, kindliche Umgang oft die einzige Möglichkeit, mit den Unabänderlichkeiten des Lebens, zu denen Krankheit und Tod nun einmal wie ein ungeliebtes Geschwisterpaar gehören, halbwegs zurecht zu kommen. Es scheint, als seien solche Gedanken auch Noah Benjamin Lennox, Gründungsmitglied des Psychfolk-Quartetts Animal Collective und seit 1998 auch solo und unter dem Pseudonym Panda Bear erfolgreich, nicht ganz fremd.
Weshalb sonst sollte er seiner neuen Platte einen so schaurig-schönen und comichaften Namen geben, warum versucht er sich bei „Tropic Of Cancer“ einem grauenhaft ernsten Thema in eigenwillig ironischer Weise zu nähern? Lennox wäre wohl der letzte, der dies abstreiten würde, genauso leicht fiele es ihm aber, jede andere Art von Interpretation seiner Songs gutzuheißen. Man weiß aus Interviews, dass er die Deutungshoheit für seine Texte gern dem Zuhörer überlässt und auch nichts dagegen hat, diesen im Unklaren zu lassen. Das wiederum richtet den Fokus auf seine Musik. Und diese ist noch immer eine äußerst facettenreiche Mixtur aus dem Surfsound der Beach Boys, choralen, fast sakralen Liedkompositionen, chilligem Krautrock und überaus verspieltem Synthpop. Zusammengehalten und angereichert werden die Stücke wieder durch eine Menge von Samples und Loops – hier ein übersteuertes, propellerhaftes Vibrieren, da ein paar Harfentöne, es gluckert und flirrt in einem fort.
Mit dem verschrobenen und streckenweise etwas anstrengenden Patchwork von „Centipede Hz“, dem letzten Opus des Animal Collective, hat „…Meets The Grim Reaper“ aber zum Glück recht wenig zu tun, hier münden fast alle Stücke mit scheinbarer Zwangsläufigkeit in entspanntes, bezauberndes Songwriting, die zahlreichen Frickeleien dienen nicht der Verstörung, sondern der Verführung. Fein gelungen beispielsweise beim ‚tierischen‘ „Mr Noah“ oder dem pumpenden „Boys Latin“. Der NME behauptet, „Selfish Gene“ wiederum klinge „like ABBA working for NASA“ – na, ein jeder hört bei Panda Bear etwas anderes heraus, ganz im Sinne des Klangschöpfers. Der sagte kürzlich dem Magazin Intro: „Aus welchen albernen Gründen auch immer, ich hätte dieses Album vor zehn Jahren noch nicht machen können. Vielleicht gehört zum Älter-Werden auch, sich selbst nicht so hart zu bewerten.“ Klingt fast ein wenig wie eine buddhistische Weisheit…
Jimmy Fallon: Chance vertan
Okay, mit Musik hat das nur mittelbar etwas zu tun, aber wäre es nicht schade, diese Episode der Tonight Show mit Jimmy Fallon deshalb nicht zu teilen? Da lädt sich der smarte Entertainer die noch immer bezaubernde Nicole Kidman zum Talk an den Tisch und muss dann erfahren, dass er vor langer Zeit ein mögliches Date mit der damals unverheirateten Schauspielerin aber mal so richtig verkackt hat. Die Enttäuschung scheint echt, die Liebesgrüße an Keith Urban, Kidmans Ehemann eher aus der Not geboren - amüsant ist es in jedem Falle.
Freitag, 9. Januar 2015
Dirk Darmstaedter: Das Schöne im Zerfall
Es wäre mal interessant zu wissen, wieviele Fans von Dirk Darmstaedter die Oberlausitzer Grenzstadt Görlitz zählt. Noch interessanter wäre es zu erfahren, wieviele davon noch übrigbleiben, wenn sie das neue Video des Songwriters zu "The Half Life" aus dem aktuellen Album "Before We Leave" gesehen haben. Der Görlitzer ist ja in den letzten Jahren mit Aufmerksamkeit geradezu verwöhnt worden, da gibt es die Geschichte vom anonymen Großspender, der jährlich eine ganze Million für die Stadtsanierung locker machen soll, die barocke und spätgotische Bürgerhauskulisse lockt zudem regelmäßig Filmemacher an, Kate Winslet spielte hier im "Vorleser", Tarantino gastierte mit den "Inglourious Basterds" ebenso wie Wes Anderson's "Grand Budapest Hotel". Das alles interessierte Darmstaedter eher wenig, er lief für den besagten Clip zusammen mit Filmemacher Markus Wustmann vornehmlich durch die weniger instandgesetzten Teile des Ortes, die für den Zuschauer den Anschein machen, der Aufbau Ost hätte in der Region noch gar nicht begonnen. „Ich denke, es geht in meinem neuen Video darum,
das Poetische, Schöne und Besondere im Alltäglichen zu entdecken und
wahrzunehmen. Das fällt einem ja manchmal ziemlich schwer“, so der Musiker. Da hat er wohl Recht, der Mann. Die Frage ist halt, was die Görlitzer dazu sagen...
Leonie singt: Kindheitsträume
Immer schön, wenn man auch ein Bild zum Ton bekommt - in diesem Falle haben Leonie singt zum Song "I Wish I Could Sleep Like A Child" zu einigen Livebildern hübsche Unterwasseraufnahmen aus den Tiefen eines Auqariums mischen lassen, das Stück stammt vom immer noch vorzüglichen Debüt der Münchnerin.
D'Angelo: Wallfahrten
Nach dem ganzen Holterdipolter läuft die Promomaschine offensichtlich wieder auf Normaltemperatur: Wie die SPEX gerade meldet, hat Soul-Combacker D'Angelo zu seinem grandiosen Album "Black Messiah", welches überraschend schon Ende vergangenen Jahres erschienen ist, die passende Tour im Angebot, die ihn auch in vier deutsche Städte führen wird.
12.02. Frankfurt, Hugenottenhalle
14.02. Berlin, Columbiahalle
24.02. Hamburg, Docks
06.03. Köln, Tanzbrunnen
12.02. Frankfurt, Hugenottenhalle
14.02. Berlin, Columbiahalle
24.02. Hamburg, Docks
06.03. Köln, Tanzbrunnen
Donnerstag, 8. Januar 2015
Charli XCX vs. Rita Ora: Einfach machen
Kurz vom E-Soul zum U-Pop: Auf die Veröffentlichung von "Sucker", dem aktuellen Album von Charli XCX wird man hier in Europa noch eine Weile warten müssen, während es in den USA schon eine Extrarunde dreht. Damit die junge Dame aus Cambridge nicht in Vergessenheit gerät, hat sie gerade ihren Song "Doing It" zusammen mit der befreundeten Angloalbanerin Rita Ora neu einspielen lassen - also: Einfach machen!
Sharon Jones: Volle Kraft voraus
Sie macht also dort weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört hat: Sharon Jones, wiedergenesene Soul-Legende, 2014 mit Album und Tour zurück im Fokus, kommt kurz vor der Verleihung der Grammys Anfang Februar, für die sie erstmal eine Nominierung erhielt, mit einem neuen Song. "Little Boys With Shiny Toys" wurde natürlich zusammen mit den Dap-Kings aufgenommen, ob er aber schon der Vorbote zu einer neuen Platte ist, weiß noch niemand so genau.
Sia: Vertanzt
Dagobert: Ein Großer werden
Ein großer Österreicher ist ja bekanntlich Ende letzten Jahres von Bord gegangen, hier ein paar Zeilen über einen Schweizer, der mal ein großer werden will: Umstritten genug ist Dagobert Jäger ja schon mal, an seinen Stücken scheiden sich die Geister. 2013 erschien sein selbstbetiteltes Debüt, nun ist für den 20. März bei Buback Records der Nachfolger mit Namen "Afrika" angekündigt. Mit dabei so illustre Gastmusiker wie Konstantin Gropper alias Get Well Soon und der Sänger und Gitarrist der deutschen Thrash-Metal-Heroen Kreator, Mille Petrozza. Eine Tour ist dem Vernehmen nach schon in Planung, vorerst ist Dagobert mit dem Berliner Electrotrio Laing unterwegs (s.u.). In Ermangelung neuer Töne gibt's zunächst auch erst mal ein paar alte und zwar die aus der Kollaboration des Smarties mit den Münsteraner Post-Punks von Messer.
12.01. Hannover, Musikzentrum
13.01. Köln, Gloria
25.01. Stuttgart, Wagenhalle
26.01. Aschaffenburg, Colos-Saal
28.01. Bremen, Schlachthof
29.01. Hamburg, Grünspan
30.01. Berlin, Astra
12.01. Hannover, Musikzentrum
13.01. Köln, Gloria
25.01. Stuttgart, Wagenhalle
26.01. Aschaffenburg, Colos-Saal
28.01. Bremen, Schlachthof
29.01. Hamburg, Grünspan
30.01. Berlin, Astra
Mittwoch, 7. Januar 2015
Viet Cong: Zwischen alle Stühle
Viet Cong
„Viet Cong“
(Jajaguwar)
Mit der Wahl des Labels aus dem beschaulichen Studentenstädtchen Bloomington haben die vier Männer von Viet Cong schon mal keinen Fehler gemacht – Jagjaguwar gilt mit Black Mountain, Foxygen, Volcano Choir und den Pink Mountaintops im weitesten Sinne als Musterinternat für Post-, Prog-, Art- und Psychrock und genau irgendwo dazwischen läßt sich auch die Musik des Quartetts aus dem kanadischen Calgary verorten. Nachdem sich Sänger und Bassist Matthew Flegel und Drummer Michael Wallace mit den Kollegen ihrer früheren Band Women im buchstäblichen Sinne in die Haare bekommen hatten und die Formation ein so unrühmliches wie tragisches Ende nahm, soll es also nun gemeinsam mit den Gitarristen Scott Munro und Daniel Christiansen in professionelleren Bahnen laufen – ruhiger, das kann man hören, wird es dabei trotzdem nicht. Wenigstens vier der sieben Stücke auf dem Debütalbum wollen sich, mal langsamer, mal schneller, auf keines der oben genannten Subgenres allein festlegen lassen und setzen sich besser gleich zwischen alle Stühle. Das wummert mal gewaltig und dumpf („Newspaper Spoons“, „March In Progress“), dazu werden einem elektrisch verstärkte Gitarren um die Ohren gehauen („Pointless Experience“), das elfminütige Schlußstück „Death“ vereint all das und schwankt zwischen geordnetem Lärm und treibenden Akkorden. Einzig die beiden Singles „Continental Shelf“ und „Silhouettes“ gönnen dem Zuhörer ein wenig mehr an Eingängigkeit, letzteres lehnt sich etwas an den Wavesound der frühen 80er an, auch „Bunker Buster“ geht diesen Weg und gemahnt etwas an die (allerdings späten) Gang Of Four. Mithin wohl eine der spannenderen Veröffentlichungen in diesem Jahr, die live mit Sicherheit noch an Intensität gewinnen wird. http://vietcong.bandcamp.com/
11.02. Berlin, West Germany
15.02. Hamburg, Hafenklang
„Viet Cong“
(Jajaguwar)
Mit der Wahl des Labels aus dem beschaulichen Studentenstädtchen Bloomington haben die vier Männer von Viet Cong schon mal keinen Fehler gemacht – Jagjaguwar gilt mit Black Mountain, Foxygen, Volcano Choir und den Pink Mountaintops im weitesten Sinne als Musterinternat für Post-, Prog-, Art- und Psychrock und genau irgendwo dazwischen läßt sich auch die Musik des Quartetts aus dem kanadischen Calgary verorten. Nachdem sich Sänger und Bassist Matthew Flegel und Drummer Michael Wallace mit den Kollegen ihrer früheren Band Women im buchstäblichen Sinne in die Haare bekommen hatten und die Formation ein so unrühmliches wie tragisches Ende nahm, soll es also nun gemeinsam mit den Gitarristen Scott Munro und Daniel Christiansen in professionelleren Bahnen laufen – ruhiger, das kann man hören, wird es dabei trotzdem nicht. Wenigstens vier der sieben Stücke auf dem Debütalbum wollen sich, mal langsamer, mal schneller, auf keines der oben genannten Subgenres allein festlegen lassen und setzen sich besser gleich zwischen alle Stühle. Das wummert mal gewaltig und dumpf („Newspaper Spoons“, „March In Progress“), dazu werden einem elektrisch verstärkte Gitarren um die Ohren gehauen („Pointless Experience“), das elfminütige Schlußstück „Death“ vereint all das und schwankt zwischen geordnetem Lärm und treibenden Akkorden. Einzig die beiden Singles „Continental Shelf“ und „Silhouettes“ gönnen dem Zuhörer ein wenig mehr an Eingängigkeit, letzteres lehnt sich etwas an den Wavesound der frühen 80er an, auch „Bunker Buster“ geht diesen Weg und gemahnt etwas an die (allerdings späten) Gang Of Four. Mithin wohl eine der spannenderen Veröffentlichungen in diesem Jahr, die live mit Sicherheit noch an Intensität gewinnen wird. http://vietcong.bandcamp.com/
11.02. Berlin, West Germany
15.02. Hamburg, Hafenklang
Belle And Sebastian: Für Ohr und Augen
Gestern hatten wir's vom vorfreudigen Kribbeln, auch dieses Album verursacht selbiges: Nicht mehr lang hin, und "Girls In Peacetime Want To Dance" von unseren Lieblingsschotten Belle And Sebastian steht im Regal. Und wie auch schon bei den vorangegangenen Platten wurde auch bei dieser ein erfreulich großes Augenmerk auf die Optik gelegt - soll heißen, auch die aktuelle Single "The Cat With The Cream" präsentiert sich smart und ausgefallen. Reinhören kann wer will unter anderem bei In The Line Of Best Fit.
The Go! Team: Für immer bunt
Brighton's calling again: Das britische Indiepop-Sextett The Go! Team hat für den März sein viertes Album angekündigt, der Nachfolger der 2011er Platte "Rolling Blackouts" wird, das läßt der Titelsong "The Scene Between" schon ahnen, wieder eine sportlich poppige Mischung aus diesem und jenem werden.
Dienstag, 6. Januar 2015
The Prodigy: Alte Feindbilder
Sehr viel heißeren Scheiß wird es wohl in diesem Jahr nicht mehr geben: Denn dafür sind sie noch immer selbst zuständig - Keith Flint, Liam Howlett und Keith Palmer, besser bekannt als The Prodigy. Das altehrwürdige englische Elektropunktrio hatte für 2015 ja schon neues Material angekündigt, nun kommen die hard facts. Ende März wird "The Day Is My Enemy", das sechste Album der Band, erscheinen, das Album-Artwork gibt's oben, die erste Single "Nasty" hat auch schon eine passende Verpackung gefunden und - sehr spannend - für den Track "Ibiza" haben sich die Herren mit den Sleaford Mods zusammengetan. Einen ersten Teaser kann man sich übrigens u.a.bei Do Androids Dance anschauen.
Låpsley: In der Schwebe
Låpsley
„Understudy EP“
(XL Recordings)
Für all jene, die im kürzlich verabschiedeten Jahr nicht genug von der Modedroge Electronic RnB abbekommen haben, nicht genug also von BANKS, SOHN, Jessie Ware und The Weeknd, für die hält auch 2015 zum Einstand einen wahren Leckerbissen bereit. Holly Lapsley Fletcher, kurz Låpsley, gerade einmal achtzehnjährige Musikerin aus dem County Merseyside im Nordwesten Englands, hat nämlich nach ihrer Entdeckung duch BBC Radio 1 und dem darauf folgenden Wechsel zum angesagten Label von Richard Russell soeben ihre zweite EP „Understudy“ veröffentlicht. Die Erwartungen waren nach dem ersten Kurzformat und dem zauberhaften Cover des Überhits „Blue Monday“ von New Order entsprechend groß – und werden keinesfalls enttäuscht. Vier Tracks zählt die 12“, allesamt zart und zerbrechlich angelegt. Drums – wenn vorhanden – mischen sich wie bei „Brownlow“ eher als als sanfte Hintergrundbegleitung dazu, Dominanz erhält hier einzig Fletchers soulige Stimme, sie hält die Stücke gleichsam in der Schwebe und gibt ihnen einen warmen, betörenden Klang. Ein Song wie „Dancing“ kommt nahezu ohne einen einzigen Beat aus, das Tanzen ist hier eher ein geschmeidiges Wiegen. Reduktion scheint also ein bestimmendes Thema zu sein, auch das Video zur Single „Falling Short“ ist danach angelegt – die Sängerin als mechanisch anmutende Pietá in stilvollem schwarz/weiß, jeder Ton, jede Bewegung mit Bedacht gesetzt. Sehr eindrucksvoll das Ganze, da darf gern mehr kommen. https://www.facebook.com/LapsleyMusic
Die EP gibt's u.a. bei Hillydilly im Stream.
„Understudy EP“
(XL Recordings)
Für all jene, die im kürzlich verabschiedeten Jahr nicht genug von der Modedroge Electronic RnB abbekommen haben, nicht genug also von BANKS, SOHN, Jessie Ware und The Weeknd, für die hält auch 2015 zum Einstand einen wahren Leckerbissen bereit. Holly Lapsley Fletcher, kurz Låpsley, gerade einmal achtzehnjährige Musikerin aus dem County Merseyside im Nordwesten Englands, hat nämlich nach ihrer Entdeckung duch BBC Radio 1 und dem darauf folgenden Wechsel zum angesagten Label von Richard Russell soeben ihre zweite EP „Understudy“ veröffentlicht. Die Erwartungen waren nach dem ersten Kurzformat und dem zauberhaften Cover des Überhits „Blue Monday“ von New Order entsprechend groß – und werden keinesfalls enttäuscht. Vier Tracks zählt die 12“, allesamt zart und zerbrechlich angelegt. Drums – wenn vorhanden – mischen sich wie bei „Brownlow“ eher als als sanfte Hintergrundbegleitung dazu, Dominanz erhält hier einzig Fletchers soulige Stimme, sie hält die Stücke gleichsam in der Schwebe und gibt ihnen einen warmen, betörenden Klang. Ein Song wie „Dancing“ kommt nahezu ohne einen einzigen Beat aus, das Tanzen ist hier eher ein geschmeidiges Wiegen. Reduktion scheint also ein bestimmendes Thema zu sein, auch das Video zur Single „Falling Short“ ist danach angelegt – die Sängerin als mechanisch anmutende Pietá in stilvollem schwarz/weiß, jeder Ton, jede Bewegung mit Bedacht gesetzt. Sehr eindrucksvoll das Ganze, da darf gern mehr kommen. https://www.facebook.com/LapsleyMusic
Die EP gibt's u.a. bei Hillydilly im Stream.
Samstag, 3. Januar 2015
Leonie singt: Wenn schon, dann so
Leonie singt
„Leonie singt“
(Gutfeeling Records)
Dunkle Gedanken können durchaus eine geeignete (wenn nicht sogar die einzig gültige) Triebfeder für das Gelingen wirklich guter Songs abgeben – das weiß nicht nur, wer sich die wohltuende Schwermut von Element of Crime seit Jahren über die gebeugte Schulter legt wie einen wärmenden Schal aus dicker, weicher Wolle. Und passenderweise klingt die Musik von Leonie Felle manchmal wie die jüngere, weibliche Entsprechung zum alten Grummler Sven Regener. So und noch viel mehr. Denn nur mit dieser einen Referenz würde man der Fotografin, Künstlerin und Sängerin, die gerade bei Gutfeeling Records ihr mit Spannung erwartetes Debüt veröffentlicht, wohl kaum gerecht werden. Allein der Umstand, dass „Leonie singt“ von Andreas Staebler, Kopf und Stimme des Münchner Vielklangkollektivs G.Rag Y Los Patchekos Hermanos, produziert worden ist, bürgt für Abwechslung und Eigenständigkeit gleichermaßen – die ersten zwölf Songs zusammen mit Hagen Keller, Sascha Schwegeler und Jakob Egenrieder bestechen dann auch durch Vielfalt und Originalität.
Genausowenig, wie sich Felle für eine Sprache entscheiden mag (und gut daran tut), so wenig lässt sie sich auf einen Stil festlegen: Da stehen sparsame, fast zarte Arrangements neben raumgreifenden Rocknummern, treffen erdiger Blues und schiefer Honkytonksound auf chansonhafte Melodien, Akkordeon auf Kontrabass, Mundharmonika auf Megaphon und elektrische Gitarre auf eine singende Säge. Im Gedächtnis haften dabei, wie erwähnt, vor allem die Stücke von der Schattenseite des Lebens, es hat hier viele davon. Schon die Einstiegszeilen lassen angenehm frösteln: „Yesterday it killed me, today I’m dead, but I’m sleeping and dreaming in heavens bed … sure I’m six feet under, sure I’m dead and cold, sure we come asunder, sure I wasn’t old“ – ein “bag of bones”, lebendig begraben, drastischer kann man Trennungsschmerz kaum illustrieren. Dazu das wohldosierte Geraspel der Leadgitarre, das später auch „Schön“ und „Abend“ begleitet, wunderbar traurige Lieder von nüchterner Ehrlichkeit. „Es gibt nicht vieles auf der Welt was zählt, doch du und ich allein, das wär doch schon was – oder nicht? Ich würd nichts sagen, würd nur zuhörn, würd nichts fragen, bin ganz da – da nur für dich. Ach, wär das schön!“ Und später: „Was soll ich um was trauern, das es ja gar nicht gibt? Was soll ich um wen trauern, der mich ja gar nicht liebt?“
Natürlich passt auch das Covermotiv der schweren, aufgewühlten See (eine Arbeit von Felle selbst), bestens zu den Enttäuschungen, vergeblichen Sehnsüchten und trostsuchenden Gedanken, die Felle in bildhafte Worte fasst, zu einem Album also, wo Schönheit und Glück zumeist nur im Konjunktiv erscheinen. Denn selbst wenn das Wasser anfangs noch den kindlichen Träumen von unbekümmerter Sorglosigkeit als Kulisse dient („I Wish I Could Sleep Like A Child“) – am Ende ist es doch nur das kalte Dunkel, welches erbarmungslos über einem zusammenschlägt: „Make a hole for me in the sea, waves ought to go down above me. They should rage and romp, let them whirl me around, until I have found my deep blue bed in the sea…“ („Watery Grave“). Vielleicht nicht gerade der passende Soundtrack für einen erwartungsfrohen Jahresanfang, aber keine Sorge, auch in den kommenden Monaten wird sich reichlich Gelegenheit bieten, der Lakonie und Melancholie in den Liedern von Leonie Felle nachzuhören. Denn: Wenn schon betrübt, dann bitte so. www.leoniesingt.de
Leonie singt tritt im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung "15 Jahre Club Zwei" am 31. Januar in der Münchner Muffathalle auf.
„Leonie singt“
(Gutfeeling Records)
Dunkle Gedanken können durchaus eine geeignete (wenn nicht sogar die einzig gültige) Triebfeder für das Gelingen wirklich guter Songs abgeben – das weiß nicht nur, wer sich die wohltuende Schwermut von Element of Crime seit Jahren über die gebeugte Schulter legt wie einen wärmenden Schal aus dicker, weicher Wolle. Und passenderweise klingt die Musik von Leonie Felle manchmal wie die jüngere, weibliche Entsprechung zum alten Grummler Sven Regener. So und noch viel mehr. Denn nur mit dieser einen Referenz würde man der Fotografin, Künstlerin und Sängerin, die gerade bei Gutfeeling Records ihr mit Spannung erwartetes Debüt veröffentlicht, wohl kaum gerecht werden. Allein der Umstand, dass „Leonie singt“ von Andreas Staebler, Kopf und Stimme des Münchner Vielklangkollektivs G.Rag Y Los Patchekos Hermanos, produziert worden ist, bürgt für Abwechslung und Eigenständigkeit gleichermaßen – die ersten zwölf Songs zusammen mit Hagen Keller, Sascha Schwegeler und Jakob Egenrieder bestechen dann auch durch Vielfalt und Originalität.
Genausowenig, wie sich Felle für eine Sprache entscheiden mag (und gut daran tut), so wenig lässt sie sich auf einen Stil festlegen: Da stehen sparsame, fast zarte Arrangements neben raumgreifenden Rocknummern, treffen erdiger Blues und schiefer Honkytonksound auf chansonhafte Melodien, Akkordeon auf Kontrabass, Mundharmonika auf Megaphon und elektrische Gitarre auf eine singende Säge. Im Gedächtnis haften dabei, wie erwähnt, vor allem die Stücke von der Schattenseite des Lebens, es hat hier viele davon. Schon die Einstiegszeilen lassen angenehm frösteln: „Yesterday it killed me, today I’m dead, but I’m sleeping and dreaming in heavens bed … sure I’m six feet under, sure I’m dead and cold, sure we come asunder, sure I wasn’t old“ – ein “bag of bones”, lebendig begraben, drastischer kann man Trennungsschmerz kaum illustrieren. Dazu das wohldosierte Geraspel der Leadgitarre, das später auch „Schön“ und „Abend“ begleitet, wunderbar traurige Lieder von nüchterner Ehrlichkeit. „Es gibt nicht vieles auf der Welt was zählt, doch du und ich allein, das wär doch schon was – oder nicht? Ich würd nichts sagen, würd nur zuhörn, würd nichts fragen, bin ganz da – da nur für dich. Ach, wär das schön!“ Und später: „Was soll ich um was trauern, das es ja gar nicht gibt? Was soll ich um wen trauern, der mich ja gar nicht liebt?“
Natürlich passt auch das Covermotiv der schweren, aufgewühlten See (eine Arbeit von Felle selbst), bestens zu den Enttäuschungen, vergeblichen Sehnsüchten und trostsuchenden Gedanken, die Felle in bildhafte Worte fasst, zu einem Album also, wo Schönheit und Glück zumeist nur im Konjunktiv erscheinen. Denn selbst wenn das Wasser anfangs noch den kindlichen Träumen von unbekümmerter Sorglosigkeit als Kulisse dient („I Wish I Could Sleep Like A Child“) – am Ende ist es doch nur das kalte Dunkel, welches erbarmungslos über einem zusammenschlägt: „Make a hole for me in the sea, waves ought to go down above me. They should rage and romp, let them whirl me around, until I have found my deep blue bed in the sea…“ („Watery Grave“). Vielleicht nicht gerade der passende Soundtrack für einen erwartungsfrohen Jahresanfang, aber keine Sorge, auch in den kommenden Monaten wird sich reichlich Gelegenheit bieten, der Lakonie und Melancholie in den Liedern von Leonie Felle nachzuhören. Denn: Wenn schon betrübt, dann bitte so. www.leoniesingt.de
Leonie singt tritt im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung "15 Jahre Club Zwei" am 31. Januar in der Münchner Muffathalle auf.
Pop etc: Noch nicht vorbei
Sie machen nicht viel anders als auf ihrem letzten Album: Pop etc aus dem sonnigen, kalifornischen Berkeley hatten schon auf ihrer selbstbetitelten Platte aus dem Jahr 2012 einen fetten Sticker mit 'Superpop' kleben, das wird aller Voraussicht nach auch bei der nächsten so sein. Das lässt zumindest die erste Auskopplung "Running In Circles" ahnen, die gerade im Netz zu finden ist - Artwork und Sound machen klar: Die 80er sind noch lange nicht vorbei! Wer möchte, kann sich im Übrigen bei Turntable Kitchen auch noch mal die EP "Covers" des Trios vornehmen - Wham!, Bee Gees, Rick Springfield, etc...
Dienstag, 30. Dezember 2014
Broken Social Scene: Nahe beieinander
Schön, nicht wahr? Dummerweise waren nicht alle Bilder, die uns das auslaufende Jahr hinterlässt, ein so erhabener Anblick. Die kanadische Zeitung The Globe And Mail hat einen eigen Musiksampler mit dem Namen "Broadsheet Music: A Year In Review" veröffentlicht - darauf enthalten ist bekanntlich auch ein bislang unveröffentlichter Song der Indierocker Broken Social Scene. "Golden Facelift" beginnt eigentlich ganz beschaulich - so wie das jetzt veröffentlichte Video dazu auch - bevor es zu weitaus krasseren Bildern ordentlich scheppert und knallt. Wer's aushält, darf hier selber gucken. Die Band zum Clip im O-Ton: "2014 has not been without its beauty, but it has also been a year of
incredible brutality and all of humanity has a great deal to answer for."
Mø: Das Beste zum Schluß
Tja, selbst wenn man wollte - es gibt einfach in musikalischer Hinsicht nicht viel zu verkünden dieser Tage. Unter den Stiefeln knirscht der Schnee und alles erscheint seltsam gedämpft. Schön deshalb, dass wenigstens die Dänin Karen Marie Ørsted, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Mø, ein stimmungsvolles Jahresendliedchen für alle Trostbedürftigen bereithält. Der Song stammt im Übrigen nicht von ihrem diesjährigen Erfolgsalbum "No Mythologies To Follow" und weil "New Year's Eve" grad so gelungen ist, kann es sich schon mal auf einen Spitzenplatz bei "Last Post Of The Year" freuen...
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