Donnerstag, 9. Oktober 2014

Julian Casablancas And The Voidz: Spielwut mit Hirn

Julian Casablancas And The Voidz
„Tyranny“

(Cult Records)

Immer dann, wenn Rezensenten nicht wissen, wie sie das Gehörte einordnen oder beschreiben sollen, immer dann kann man (auch hier) Worte lesen wie „Monster“, „Ungeheuer“ oder „Bastard“. Vokabeln, die in den kommenden Tagen auch in Gebrauchsanleitungen zum neuen Album von Julian Casablancas Verwendung finden werden, dem Mann also, der um die Jahrtausendwende als bislang erfolgreichste Kreuzung aus Collegeboy, Rich Kid und Slacker bekannt geworden und dessen Name seitdem untrennbar mit der bekanntesten aller neuzeitlichen „The“-Bands, den Strokes, verwoben ist. Und gerade das könnte sich bald ändern. Denn schon seine erste Soloplatte „Phrazes For The Young“ klang, obschon kein Meisterwerk, inspirierter als viele der letzten Arbeitsproben mit der alten Clique – Spielwitz, Risiko, hier wollte einer ausprobieren, was er im Brotjob nicht durfte.

Und auch die neue Platte klingt, zurück auf Anfang, furios, unausgegoren und stellenweise chaotisch, Casablancas hat sich für seinen zweiten „Alleingang“ eine langhaarige Krawallkombo zusammengestellt, die offenkundig mächtig Lust hatte, Dampf unterm Kessel zu machen. In selbigem kocht auf großer Flamme ein unhandlicher Stilmix aus Art-, Prog-, Punk- und Hardrock, angereichert mit bratzigen Synthesizern und allerlei lautem Gewummer, ganz so, wie man es in Teilen noch von den britischen Kasabian kennt. Den Einstieg „Take Me In Your Army“ könnte man dabei eher als bewusste Irreführung verstehen, solcherlei düster wavige Midtempoklänge lassen sich in der Folge eher selten hören, danach zählt nur noch das schiefe, das lärmende Geschwurbel. Wenn Kele Okereke gerade für seine zweite Soloscheibe die Maxime „No Guitars!“ ausgeben hat, dann verfährt Casablancas nach dem genauen Gegenteil – er kann gar nicht genug davon geschreddert bekommen.

Jeder der aufgeführten Titel brodelt und zischt und scheppert, aus Spielwitz ist jetzt Spielwut geworden und auch Casablancas darf seine Gesangsspur nach Herzenlust füllen, ob nun mit dem obligatorischen, leicht angenervten Genöle, entfesseltem Geschrei oder übersteuerter Kopfstimme – alles geht, wenn es wild ist! Das gibt dann elf Minuten Achterbahnfahrt bei „Human Sadness“, den Noiserockfetzen „Where No Eagles Fly“ oder den Punch der Maschinenbeats von „Father Electricity“ und „Nintendo Blood“, letzteres ein schweißtreibender Track auf dem besten Wege zur guten, alten EBM. Man hat tatsächlich den Eindruck, dass der Junge, wenn er denn nicht an die Erblast seiner Erfolgsband gebunden ist, um einiges gelöster auftritt, auch wenn er – das bleibt nicht aus bei so viel ungebremster Energie – manchmal über das Ziel hinausschießt.

So verrückt der Sound des Albums ist, so interessant ist auch Casablancas Umgang mit den Lyrics. Kürzlich hat er in einem Interview behauptet, er habe sich die ersten sieben, acht Jahre seiner Karriere mit Texten, Inhalten kaum beschäftigt, es sei ihm nur um Musik gegangen. Erst in letzter Zeit sei das in den Vordergrund gerückt, „Tyranny“ ist deshalb beileibe kein politisches, vielleicht aber ein moralisches Album geworden. Eines also, das seine Generation daran erinnern soll, wie bequem viele von und in einer Demokratie leben, wie fragil dieses Gebilde sein kann und warum Wachsamkeit auch für einen privilegierten Künstler wie ihn erste Pflicht ist. Dumm ist er also keinesfalls, nachsichtig allerdings schon: „… it definitely doesn’t have to be political if you want to just enjoy the music.” Gut zu wissen. http://juliancasablancas.com/

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Kim Gordon: Pflichtlektüre

Von Buch zu Buch, so leicht geht das: Gerade schreibt das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung einen etwas holprigen, aber sympathischen Artikel über die Autobiografie "Not That Kind Of Girl" von Lena Dunham, der Regisseurin der HBO-Kultserie "Girls", die - so meint Schauspielerin Meryl Streep - wenigstens allen gleichaltrigen Frauen, wenn nicht sogar der kompletten öffentlichen Wahrnehmung mit ihrer Arbeit einen wichtigen Dienst erwiesen hat. Gleiches kann man mit Verlaub auch von Kim Gordon behaupten, die (kleine Parallele) im Übrigen auch schon eine Gastrolle in "Girls" übernommen hat.

Wohl keine andere Band prägte den Indierock der 90er und nachfolgender Epochen so wie der Noisepunk/No Wave von Sonic Youth, ohne sie keine Nirvana, Pearl Jam, Smashing Pumpkins, auch R.E.M. so kaum zu denken. Und keine andere Frontfrau genießt so einhellige Verehrung wie deren Sängerin und Gitarristin Kim Gordon, Rolemodel, Riot-Grrrl-Ikone und was nicht alles noch. Harper Collins bringt nun ihre bei Dey Street Books editierten Memoiren "Girl In A Band" heraus, die sowohl ihre bewegte Zeit als Musikerin (mittlerweile mit dem Duo Body/Head) als auch ihr Wirken als Schauspielerin und Malerin beleuchten. Also - warum erst warten, bis sich ein deutscher Verlag samt Übersetzer/in findet...?

Kele: Am Ende der Nacht

Kele
„Trick“

(Lilac Records)

Er hat es also tatsächlich wieder getan. Und zwar ziemlich konsequent. Schon das erste Soloalbum des Bloc-Party-Frontmannes Kele Okereke fiel durch die strikte Abkehr vom Gitarrensound seiner Band auf – keine zackigen Riffs, kein funkiger Indierock, sondern Beats satt, House, Dubstep, Soulpop, Okereke schien seine Spielwiese gefunden zu haben. Und er hat diese auch für den Nachfolger nicht verlassen, sondern noch einmal – um im Bilde zu bleiben – gründlich abgegrast. Was man auf „Trick“ zu hören bekommt, ist allerdings kein aufgekratztes Freakout-Bummbumm, sondern eher der Sound zur Aftershow, Zwischentöne für den Graubereich von Dämmerung bis Aufwachphase, handwerklich hochklassig bis brillant, aber eher für verträumte Alleintänzer. Auch wenn die Drums wie bei „Doubt“ hart und dunkel pochen, auch wenn einem Track wie „Coasting“ gebremste Breakbeats beigemischt werden, dämpft Okereke fast durchgängig seine Stimme, holt sich mit Yasmin sanften Begleitgesang an die Seite („First Impressions“) und übt sich auch sonst in wohlkalkulierter Zurückhaltung. Was für diese Platte von großem Vorteil ist. „Trick“ erweist sich als perfekt gemachter Score für den übernächtigten Clubhangover, wenn die Müdigkeit heranschleicht, aber der Körper noch nicht zur Ruhe kommen will, wohltuende Klänge für’s nachträgliche Wattekopfrauschen. Wer mit dieser Musik den Abschluss findet, hat nichts falsch gemacht. http://iamkele.com/

24.10.  Lingen, Emslandarena

Depeche Mode: Keine Wünsche offen [Update]

Über den Sinn und Unsinn solcher Superduper-Deluxe-Boxsets kann man sich streiten, dem Hardcore-Fan ist das egal, der kauft sowieso alles - so wohl auch das: Vom letztjährigen Auftritt der Synthpopper Depeche Mode in der Berliner O2-World wird es am 14. November einen Livemitschnitt nebst diverser Extras zu kaufen geben. Filmisch aufgenommen und bearbeitet hat ihn der Langzeitbetreuer der Band Anton Corbijn, der gerade mit seinem Film "A Most Wanted Man" für Furore sorgt - zur DVD gibt es noch den passenden Soundtrack, den Mitschnitt eines speziellen Akustik-Sets aus dem Berliner Puff Salon Bel Ami, Blue Ray, Booklet, und und und - das genaue Listing steht bei depechemode.de.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Owen Pallett: Alleinunterhaltung

Als Tourgeiger von Arcade Fire bekannt geworden, mittlerweile aber gänzlich emanzipiert und auch glänzend allein unterwegs: Owen Pallett, seit Sommer mit seiner vierten Platte "In Conflict" erneut on 'top of the lists', plant für den Winter einige Livetermine in Europa:

29.11.  Köln, Week-end-Festival
30.11.  Karlsruhe, Jubez
01.12.  München, Feierwerk
02.12.  Zürich, Ziegel Oh Lac
09.12.  Leipzig, Schauspiel Leipzig
10.12.  Wien, Brut

TV On The Radio: Je t'aime

Der Eindruck hat also nicht getäuscht - sie werden tatsächlich poppiger: TV On The Radio haben nach "Happy Idiot" den zweiten Song des neuen Albums "Seed" ans Tageslicht gelassen - "Careful You" kann sogar mit ein paar französischen Vokabeln aufwarten, oh lalala! Überzeugen? Hier lang.

Caribou: Lauf des Lebens

Seit vergangener Woche im Regal, kann "Our Love" von Caribou ruhig noch ein wenig Nachbetrachtung vertragen. Betrachten läßt sich in diesem Falle wörtlich nehmen, denn der Kanadier hat zum Titelsong der Platte ein Video ins Netz gestellt - verantwortlich für den Dreh dieser recht anrührenden Non-Stop-Fahrt ist Ray Staake, den man auch mit Clips von Alt-J, Darkside und Diplo in Erinnerung hat.

10.10.  Köln, E-Werk
11.10.  Hamburg, Große Freiheit
14.10.  Berlin, Berghain
15.10.  Leipzig, Conne Island
18.10.  Wien, Museumsquartier
19.10.  München, Muffathalle
20.10.  Zürich, Komplex 457
12.03.  Berlin, Columbiahalle

Autobahn: Zwischenstopp

Keine Ahnung, ob's dabei geblieben ist, dass Autobahn aus Leeds wie berichtet ihre nächste Platte "2" nennen (bei den jungen Leuten weiß man ja bekanntlich nie genau, woran man ist...), Fakt ist, dass auch der nächste neue Titel "New Age" als ordentlicher Post-Punk daherpoltert, bei Soundcloud kann man sich im Übrigen noch eine Menge mehr Songs anhören, wenn's gefällt... Sollte das nicht reichen - in Berlin und Hamburg (schon wieder) werden die Herren in ein paar Tagen sogar einen kurzen Stopp einlegen.

17.10.  Berlin, Youth Ceremonies, SO36
18.10.  Hamburg, Molotow

Julian Casablancas And The Voidz: Neue Liebe live

Eine neue Liebe ist wie ein... naja, so ähnlich. Zumindest hat Julian Casablancas zusammen mit The Voidz eine passende Spielwiese gefunden und zwei deutsche Städte können sich von der Qualität dieser Paarung im Dezember auch noch live überzeugen - die neue Platte "Tyranny" erscheint an diesem Freitag.

13.12.  Berlin, Postbahnhof
14.12.  Hamburg, Mojo

Montag, 6. Oktober 2014

First Aid Kit: Die ganze Palette

First Aid Kit
Support: Jo Rose
Muffathalle, München, 5. Oktober 2014

Es ist schon verblüffend, mit welch einfachen Mitteln man die Lautstärke einer aufgekratzten Halle auf Wohnzimmernivau herunterdimmen kann. Da taten also die beiden goldgewandeten Schwestern Johanna und Klara Söderberg zur Hälfte ihres Konzerts jeweils zwei Schritte aufeinander zu, weg von den Mikrophonen, die Gitarre wurde ausgestöpselt und dann sangen sie das anrührende „Ghost Town“ von ihrer ersten Platte. Ohne jede elektrische Verstärkung, unplugged in die aufgeregte Masse hinein und plötzlich hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können, kein Nebengeräusch, kein Gebrabbel, alles lauschte und als mittendrin ein Mobiltelefon bimmelte, war tatsächlich ärgerliches Zischen die Folge – keine drei Minuten davor oder danach wäre es zwischen Sound und Stimmengewirr einfach untergegangen. Nur einer von vielen bemerkenswerten Momenten, die der Abend mit First Aid Kit, dem schwedischen Folkpopduo zu bieten hatte, aber mit Sicherheit der schönste.

Das Edelmetall, mit dem die Geschwister die Bühne und sich selbst ausstaffiert hatten, folgte ja dem Titel ihres nunmehr dritten Albums, „Stay Gold“ schreibt seit dem Sommer die Erfolgsgeschichte des engelsgleichen Paares fort, die mit dem Vorgänger „The Lion’s Roar“ vor zwei Jahren mächtig Fahrt aufnahm. Mittlerweile sind First Aid Kit häufige und gern gesehene Festivalgäste, junge Männer verfallen ihnen reihenweise, den Mädchen gelten sie als stilbildende Rolemodels in Sachen neuer Blumenkindkultur und auch die älteren Generationen dürften sie mit Charme und Liebreiz im Handumdrehen gewonnen haben. Die Art und Weise, wie sie aus geschmeidigen Akkustikakkorden und dem verführerischen Schmelz ihrer Stimmen einen Hit nach dem anderen präsentieren, kann einen schon zum Schwärmen bringen – „Waitress Song“, „Cedar Lane“, „Shattered And Hollow“, „My Silver Lining“, sie könnten es wohl endlos so weiterspielen.

Ganz so brav und vorhersehbar wollten sie dann aber doch nicht erscheinen, und so gab‘s neben dem besagten A-Capella-Intermezzo auch schmissigen Country („Heaven Knows“) und ordentliche Abrocke zu hören – beim Cover von Jack White’s „Love Interuption“ hätte nicht viel gefehlt und eine der beiden wäre nach dem Mähneschütteln noch in die begeistere Menge gesprungen. Am Ende blieb’s aber bei ein paar kehligen Lachern und wohl dosierter Koketterie, die Palette, die sie für ihre Show aufboten, war – gemessen an den Erwartungen – auch so schon erstaunlich groß ausgefallen. Die Rollen für überspannte Popgeschwister sind ohnehin mit Haim, Hockeysmith oder Cocorosie schon ausreichend besetzt, da kann es sicher nicht schaden, wenn man bei beginnendem Bodenfrost und der Aussicht auf jede Menge trübe und dunkle Tage eine Extraportion wohlkalkulierter Streicheleinheiten anzubieten hat.

Samstag, 4. Oktober 2014

Mogwai: Nächster Versuch

Nicht wenige haben ja mit dem letzten Album "Rave Tapes" gehadert (Warum eigentlich?), vielleicht kann da ja folgende Nachricht trösten: Mogwai planen für den 1. Dezember die Veröffentlichung einer neuen EP mit dem Titel "Music Industry 3. Fitness Industry 1.", das gute Stück wird drei brandneue Tracks und weitere drei Bearbeitungen von Songs des letzten Longplayers enthalten, das folgende "Teenage Exorcists" zählt zu den bislang unbekannten Sachen. Nebenbei - wer in oder bei Düsseldorf wohnt, darf sich die Jungs auch noch live anhören.

10.10.  Düsseldorf, New Fall Festival

Aluna George: Super super

Im vergangenen Jahr waren die beiden in Sachen klug verbasteltem Pop spitzenplatztauglich, jetzt wollen sie nachlegen. Aluna George, also Aluna Francis und George Reid, arbeiten laut Turntablekitchen an dem Nachfolger für ihr feines Debüt "BodyMusic" - ob der neue Titel "Supernatural" darauf zu finden sein wird, ist zwar nicht sicher, die Richtung stimmt aber noch immer - wie würde Pep Guardiola sagen: Super super.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Ryan Adams: The times they are a changin'

Zeiten ändern sich, Menschen auch: Früher pflegte Ryan Adams regelmäßig jeden aus seinen Konzerten schmeißen zu lassen, der sich einen Scherz zum Namensdouble mit dem 'B' erlaubt hatte - nun spielt er dessen Songs selbst. Ha! Gestern Abend gab's vor einem einigermaßen überraschten Publikum eine, seine Version von "Run To You" - Bryan Adams, kein Scheiß!

Dirk Darmstaedter: Das was bleibt

Dirk Darmstaedter
„Before We Leave“
(Teaneck Records)

Grau ist er geworden, schmal auch, der stylische Undercut betont das eher noch. Das Bild, dass uns Dirk Darmstaedter auf seinem neuen, dem fünften Soloalbum vermittelt, ist das eines abgeklärten, nachdenklichen Mannes. Im nächsten Jahr wird der Hamburger fünfzig und die altbekannten Markierungen wie die Jeremy Days, Me And Cassity und „Brand New Toy“ scheinen immer weiter zu verschwimmen. Im Begleitbrief zum Album ist viel vom Kürzertreten, vom Bremsen und Abschiednehmen die Rede, der Titel der Platte schlägt dieselbe Kerbe – Darmstaedter hat sich gerade als Labelboss seiner Firma Tapete Records zurückgezogen und will sich fortan eher dem Ungewissen widmen: „Manchmal muss man sich einfach mal von Sachen trennen, um zu sehen, was sonst noch auf einen wartet.“ Nun, so schwer ihm das sicherlich gefallen ist – ganz falsch liegt er damit sicher nicht.

Man kann hier einiges hören von dieser neuen Aufgeräumtheit. Darmstaedter ist als Songwriter erfahren genug um zu wissen, dass sich die wirklich perfekten Stücke nicht im Dutzend aus dem Ärmel schütteln lassen – „Before We Leave“ bietet deshalb viel Solides zwischen Pop und Rock, mal kräftig, mal verhalten, dazu die eine oder andere obligatorische Ballade, aber eben auch Lieder, die sein feines Gespür für das richtige Zusammenspiel und Timing, für außergewöhnlich schöne Melodien offenbaren. Der Opener des Albums „(You Hold Me) Captive“ ist eine von diesen Nummern, für die man ihn nicht nur hierzulande liebt, die Gitarre von David Rieken crispy und gern auch mal lauter, die Worte versonnen und etwas wehmütig, wenn sie dem „blue-eyed boy“ hinterherspüren „with a Dylan-Thomas-Shirt and his soul on flame…“

Auch „Seashells“ muss sich keinesfalls verstecken, wiewohl deutlich geschmeidiger, gefühliger angelegt – wenn jedoch im Hintergrund die Elektrische emporzüngelt, dann hat das schon einen Zauber, dem man sich kaum entziehen kann. Unbedingt erwähnenswert auch das funkig-quirlige Orgelspiel von Gastmusiker Mike Finnigan. Der Mann ist knappe siebzig und unter Fachleuten das, was man einen Altstar nennt, schließlich spielte er schon gemeinsam mit Jimi Hendrix, Leonard Cohen, Rod Stewart und Taj Mahal und war offenbar von Darmstaedters Einladung so begeistert, dass er gleich für zwei Stücke („The Half Life“ und „Capetown“) in die Tasten griff. Kein Werk der großen Überraschungen also, sondern ein stets wamherziger, mal nüchterner, mal augenzwinkernder (und deshalb wohl altersgerechter) Blick auf das was bleibt, mit der Hoffnung, dass die Sache noch lange nicht rum ist, dass da noch was kommen kann, auch wenn man drüber ist übers halbe Leben. http://www.dirkdarmstaedter.com/

21.10.   Berlin, Volksbühne / Roter Salon
22.10.  Köln, Studio 672
23.10.  Hamburg, Knust
24.10.  Bremen, Schnürschuhtheater
25.10.  Bad Frankenhausen, Panorama Museum
28.10.  Göttingen, Nörgelbuff
29.10.  Ludwigshafen, Kulturzentrum Das Haus
30.10.  Bonn, Mausefalle
31.10.  Aachen, Raststätte
10.01.  Hoisdorf, Landhaus Hoisdorf
06.03.  Schwerin, Speicher
07.03.  Magdeburg, Moritzhof TBC
08.05.  Nienburg, Kulturwerk

Dienstag, 30. September 2014

Haerts: Bald komplett

Nicht mehr lang hin, dann erscheint es, das erste Album der Haerts aus New York City. Bislang hat das Quintett ja vor allem mit seiner EP "Hemiplegia" von sich Reden gemacht, nun folgt endlich am 27. Oktober ein Longplayer. Darauf enthalten auch die vier bislang bekannten Stücke "Call My Name", "Hemiplegia", "All The Days" und "Wings" - das Cover des selbstbetitelten Albums ziert im Übrigen Sängerin Nini Fabi.

Nick Cave: Ganz allein

Etwas unverhofft, aber trotzdem sehr gern genommen: Nick Cave hat für den Mai nächsten Jahres eine Solotour durch Europa angekündigt, zwei Termine führen ihn auch nach Deutschland:

06.05.  Berlin, Friedrichstadtpalast
07.05.  Stuttgart, Liederhalle

Aretha Franklin: Respekt!

Schon klar, normalerweise läuft das andersherum. Da covern die jungen, ambitionierten Küken die Hits der Alten und hoffen, dass keiner mehr die Originale kennt und so vielleicht merkt, dass früher vielleicht doch nicht alles so schlimm, sondern manchmal sogar eine Idee besser war. Umgekehrt ist eher selten - Johnny Cash, Tony Bennett sind da eher die Ausnahme. Jetzt bringt Aretha Franklin ein Album mit dem Titel "Aretha Franklin Sings The Great Diva Classics" heraus und schnappt sich dabei neben Gloria Gaynor, Etta James und Gladys Knight auch die Songs deutlich jüngerer Kolleginnen - Sinead O'Connor, Alicia Keys und Adele müssen sich, ob sie wollen oder nicht, einem Vergleich unterziehen. In der Latenight-Show bei David Letterman gab die Queen Of Soul gerade "Rolling In The Deep" zum Besten, Respekt!

Montag, 29. September 2014

Erlend Øye: Come rain, come shine

Mit klaren Entscheidungen tut sich der Mann wohl etwas schwer: Okay, von seiner mehr als okayen Hipsterband The Whitest Boy Alive hatte er sich im Sommer getrennt, aber eigentlich sollte er im vergangenen Jahr dem italienischen Song "La Prima Estate" ein ganzes Album folgen lassen und auf seiner Wiki-Seite ist das auch verzeichnet - allein, es ist nie erschienen. Italienisch scheint auch nicht mehr ganz so angesagt zu sein, denn sein neuestes Stück nennt sich "Rainman" und ist, das darf man ruhig mal sagen, trotzdem vor allem eines: zauberhaft. "Loving you is like waiting for the rain to come" singt Erlend Øye darin und eine Reihe ganz wunderlicher Strichmännchen und -mädchen tummeln sich dazu. Auch hier soll's eine Platte geben, "Legao" heißt sie und ihr Erscheinen ist für diese Woche angekündigt - nun, man wird sehen...

Belle And Sebastian: In Frieden gelassen

Das Wort 'Frieden' bekommt beim Blick auf die jüngste Geschichte Schottlands einen besonderen Beigeschmack - es hätte vor ein paar Tagen nicht viel gefehlt und mit diesem Frieden wäre es für längere Zeit vorbeigewesen. Ob andererseits die knappe Entscheidung der streitbaren Inselbewohner gegen eine Abspaltung der Segen schlechthin war - nun, wir wissen es nicht. Schottlands liebenswerteste Band Belle And Sebastian jedenfalls sind - ein Blick auf den neuesten Presseshot reicht aus - auch noch sehr mit dem Referendum beschäftigt, nicht genug allerdings, um nicht gleich zu Beginn des kommenden Jahres ein neues Album herauszubringen, das auf den hübschen Rufnamen "Girls In Peacetime Want to Dance" hört. Produziert hat der Amerikaner Ben H. Allen, der sich auch schon mit Gnarls Barkley und Animal Collective mühte, ein erstes Ergebnis schwirrt zwar als Schnipsel schon durch's Netz, ist aber hierzulande dank GEMA noch nicht verfügbar.

G.Rag & Die Landlergschwister: Tanz den Biertourismus!

Über die Münchner Wiesn muss man in diesen Tagen wohl kein Wort verlieren - die einen können's nimmer hören und die anderen sind ohnehin jeden Tag blau. Gar nicht oft genug kann man dagegen von der Oiden Wiesn schwärmen (auch wenn sich das mittlerweile ein bisserl verbraucht hat: "...viel ursprünglicher, keine Deppen, mit Kindern eh viel besser, ..."), zumindest aber das Herzkasperlzelt gehört wieder einmal hoch gelobt für sein Programm. In den letzten Tagen waren dort unter anderem Coconami, Attwenger, Hasemanns Töchter, die Zwirbeldirn und gleich mehrmals G.Rag und Die Landlergschwister zu hören. Letztere haben in guter Tradition einen Soundstream ins Netz gestellt und zwar heuer ihre höchsteigene Version des NDW-Klassikers "Der Räber und der Prinz" von der Deutsch Amerikanischen Freundschaft, pfundig!