Dienstag, 12. Februar 2013
Wenn der Postmann...
Uups, sind's die Pet Shop Boys? Gemach, Gemach, The Postal Service haben uns nur mal einen Blick in ihr "Give Up"-Reissue werfen lassen und mit "A Tattered Line Of String" einen der beiden neuen Titel vorgestellt - hier bei Soundcloud.
Montag, 11. Februar 2013
Tagtraum
Beklagte an gleicher Stelle nicht mal jemand, Platten von Kurt Vile ließen einen immer verdammt alt aussehen? Jawohl, und zwar zu Recht. Nun, der Mann mit der Mähne aus Philadelphia hat ein neues Album angekündigt. "Waking On A Pretty Daze" wird es heißen und das (fast) gleichnamige Eröffnungsstück ('day' statt 'daze') misst ganze neun Minuten und kann in seiner ganzen Schönheit schon bei Pitchfork angehört werden.
Verlässliche Größe
Foals
„Holy Fire“
(Warner Bros.)
Das gleich vornweg: Alle Befürchtungen, die Foals hätten von ihrer hauptsächlichen Berufung, der Tanzmusik, gelassen, können getrost beiseite gelegt werden, „Holy Fire“ hat sich, ebenso wie seine beiden Vorgänger „Antidotes“ und „Total Life Forever“, der rythmisch verzückten Körperbewegung verschrieben, nur die Herangehensweise hat sich im Laufe der Jahre etwas geändert. War es anfangs noch ein friebrig-nervöser, seltsam unfertiger und impulsiver Beat, der einem das Schwitzen und Staunen gleichermaßen beibrachte, ging es hernach in die Breite, wurde es professioneller, glatter, jedoch nicht weniger infektiös. Auch die aktuelle Platte geht den eingeschlagenen Weg konsequent weiter, mehr Volumen, anstelle der vertrackten Skizzen nun großflächige, raumgreifende Soundmalereien, mehr Tiefe, Heavyness, weniger Experiment.
Gleich zu Beginn gibt es mit „Inhaler“ einen veritablen Poprockbastard, derbe Drums, dazu die flirrende, hochliegende Gitarrenspur – quasi das Markenzeichen der Band um den vollbärtigen Yannis Philippakis, auch „My Number“ und „Bad Habbit“ haben gleiche Geberqualitäten, quirliges Pluckern unter geschönter Oberfläche, sie funktionieren wie eine gutgeschmierte Maschine oder besser wie die gutgelaunten Geister aus derselben. „Late Night“ gibt den ersten Höhepunkt – samtweicher Start zu barmender Stimme, später wird es zwar etwas konventioneller, aber auch dichter und der sexy Gitarrenfunk gegen Ende läßt sich am ehesten mit dem gradiosen Saxsolo aus „Tron“ (Antidotes) vergleichen.
Weitere Favoriten: Das zarte Klacken zu anrührend-schwelgerischem Gezupfe von „Stepson“, das Schicht um Schicht in die Höhe wachsende „Milk And Black Spiders“ und die wilde Fahrt in „Providence“. Schon möglich, dass die eine oder andere Überraschung der Platte noch besser zu Gesicht gestanden hätte, über fehlende Detailverliebtheit und einen Mangel an gelungenen Ausschmückungen kann sich jedoch niemand beschweren. Die Foals machen genau da weiter, wo sie vorher aufgehört haben und das keineswegs schlechter. Danach befragt, wovor sie die meiste Angst als Musiker hätten, sagten sie kürzlich: „To be boring.“ Und führen später aus: „... we’re playing the long game, and everyone around us seems to appreciate and respect that.“ Mit diesem langen Atem und der dazugehörigen Neugier werden sie wohl auf längere Zeit eine der interessantesten Erscheinungen des Indiepop bleiben. http://www.foals.co.uk/
18. März Hamburg, Markthalle
19. März Berlin, Astra Kulturhaus
20. März Köln, Live Music Hall
22. März Zürich, M4 Music Festival
„Holy Fire“
(Warner Bros.)
Das gleich vornweg: Alle Befürchtungen, die Foals hätten von ihrer hauptsächlichen Berufung, der Tanzmusik, gelassen, können getrost beiseite gelegt werden, „Holy Fire“ hat sich, ebenso wie seine beiden Vorgänger „Antidotes“ und „Total Life Forever“, der rythmisch verzückten Körperbewegung verschrieben, nur die Herangehensweise hat sich im Laufe der Jahre etwas geändert. War es anfangs noch ein friebrig-nervöser, seltsam unfertiger und impulsiver Beat, der einem das Schwitzen und Staunen gleichermaßen beibrachte, ging es hernach in die Breite, wurde es professioneller, glatter, jedoch nicht weniger infektiös. Auch die aktuelle Platte geht den eingeschlagenen Weg konsequent weiter, mehr Volumen, anstelle der vertrackten Skizzen nun großflächige, raumgreifende Soundmalereien, mehr Tiefe, Heavyness, weniger Experiment.
Gleich zu Beginn gibt es mit „Inhaler“ einen veritablen Poprockbastard, derbe Drums, dazu die flirrende, hochliegende Gitarrenspur – quasi das Markenzeichen der Band um den vollbärtigen Yannis Philippakis, auch „My Number“ und „Bad Habbit“ haben gleiche Geberqualitäten, quirliges Pluckern unter geschönter Oberfläche, sie funktionieren wie eine gutgeschmierte Maschine oder besser wie die gutgelaunten Geister aus derselben. „Late Night“ gibt den ersten Höhepunkt – samtweicher Start zu barmender Stimme, später wird es zwar etwas konventioneller, aber auch dichter und der sexy Gitarrenfunk gegen Ende läßt sich am ehesten mit dem gradiosen Saxsolo aus „Tron“ (Antidotes) vergleichen.
Weitere Favoriten: Das zarte Klacken zu anrührend-schwelgerischem Gezupfe von „Stepson“, das Schicht um Schicht in die Höhe wachsende „Milk And Black Spiders“ und die wilde Fahrt in „Providence“. Schon möglich, dass die eine oder andere Überraschung der Platte noch besser zu Gesicht gestanden hätte, über fehlende Detailverliebtheit und einen Mangel an gelungenen Ausschmückungen kann sich jedoch niemand beschweren. Die Foals machen genau da weiter, wo sie vorher aufgehört haben und das keineswegs schlechter. Danach befragt, wovor sie die meiste Angst als Musiker hätten, sagten sie kürzlich: „To be boring.“ Und führen später aus: „... we’re playing the long game, and everyone around us seems to appreciate and respect that.“ Mit diesem langen Atem und der dazugehörigen Neugier werden sie wohl auf längere Zeit eine der interessantesten Erscheinungen des Indiepop bleiben. http://www.foals.co.uk/
18. März Hamburg, Markthalle
19. März Berlin, Astra Kulturhaus
20. März Köln, Live Music Hall
22. März Zürich, M4 Music Festival
Im Kommen
Och nööö, Justin Timberlake schon wieder, werden einige muffeln, nix dran an dem Jüngelchen, Boybandschnuckelchen. Weit gefehlt, denn gerade in seinem zweiten, nun geleakten Song "Mirrors" läßt er altbekannte Qualitäten wiedererkennen, die man so schon vom Vorgänger "Futuresex/Lovesounds" kennt und vielleicht auch mag - "Lovestones/I Think She Knows" kommt einem da als Muster in den Sinn. Am 15. März ist es jedenfalls soweit - dann kommt "The 20/20 Experience", yep!
Sowohl als auch
Paul Banks, Grünspan, Hamburg
9.Februar 2013
Support: Pascal Finkenauer
Die Chancen, Paul Banks zusammen mit Interpol in so beschaulichem Rahmen wie dem Hamburger Grünspan zu erleben, stehen zur Zeit ja mangels neuen Materials und in Anbetracht des sprunghaft gestiegenen Bekanntheitsgrades der New Yorker Wavekombo recht schlecht – nicht wenige werden sich also gedacht haben: Warum den Jungen nicht mal solo respektive mit anderen Begleitmusikern antesten? Kleiner Nachteil bei der Sache: Man bekommt dann eben auch nur die Eigenkompositionen des gebürtigen Briten zu hören – Banks verweigert sich bekanntlich strikt jedweder Nostalgie und gibt nur die Stücke seiner zweieinhalb bisher erschienenen Alben, also auch die seines Alter Egos Julian Plenti, zu Gehör. Und je nach Erwartungshaltung kann dies ein vernachlässigbar kleines oder aber auch ein größeres Problem sein.
Den eigenen Stücken, ohnehin eher rockiger, weniger düster und manchmal recht ruppig und holprig, fehlt auf den Bühnenbrettern fast gänzlich die Eleganz und der hypnotische Sog der Kompositionen von Bandkollege Sam Fogarino. Zu sparsamer Lichtshow präsentierte sich Banks als gut gelaunter Alleinunterhalter, seine Mitstreiter hielten sich trotz einiger schüchterner Rockgesten bewußt im Hintergrund. Der Sound druckvoll bis zu laut – leider gehörte der Mann an den Tonreglern zu jener Sorte Technikern, die meinen, nur ein Maximum an Volumen könne ein prima Konzerterlebnis garantieren. Diesem Irrglauben wurden dann selbst so famose Stücke wie „I’ll Sue You“, „Arise, Awake“ und „Fun That We Have“ geopfert, einzig bei den überraschenden Psychrockanklängen von „Fly As You Might“ und dem agressiven „Paid For That“ schien der übersteuerte Lärm passend.
Folglich waren dann auch die leiser angelegten Songs an diesem Abend deutlich besser zu genießen, „Lisbon“ und „On The Esplanade“ zum Beispiel konnten mit gelungenen Arrangements punkten, das sehnsüchtige „Summertime Is Coming“ geriet ebenfalls grandios. Am Ende dieses durchwachsenen Abends war man jedenfalls um einige Erkenntnisse reicher, was dem einen als willkommene Abwechslung gerade recht kam, legte der andere als wenig ergiebige Erfahrung ab. Banks selbst sagte vor einiger Zeit in einem Interview, er nutze die Zeit seiner Solotouren immer gern dazu, Ideen und Anregungen für zukünftige, mögliche Interpolstücke zu sammeln – ganz so vergeblich können also diese Wochen unterwegs gar nicht sein ...
9.Februar 2013
Support: Pascal Finkenauer
Die Chancen, Paul Banks zusammen mit Interpol in so beschaulichem Rahmen wie dem Hamburger Grünspan zu erleben, stehen zur Zeit ja mangels neuen Materials und in Anbetracht des sprunghaft gestiegenen Bekanntheitsgrades der New Yorker Wavekombo recht schlecht – nicht wenige werden sich also gedacht haben: Warum den Jungen nicht mal solo respektive mit anderen Begleitmusikern antesten? Kleiner Nachteil bei der Sache: Man bekommt dann eben auch nur die Eigenkompositionen des gebürtigen Briten zu hören – Banks verweigert sich bekanntlich strikt jedweder Nostalgie und gibt nur die Stücke seiner zweieinhalb bisher erschienenen Alben, also auch die seines Alter Egos Julian Plenti, zu Gehör. Und je nach Erwartungshaltung kann dies ein vernachlässigbar kleines oder aber auch ein größeres Problem sein.
Den eigenen Stücken, ohnehin eher rockiger, weniger düster und manchmal recht ruppig und holprig, fehlt auf den Bühnenbrettern fast gänzlich die Eleganz und der hypnotische Sog der Kompositionen von Bandkollege Sam Fogarino. Zu sparsamer Lichtshow präsentierte sich Banks als gut gelaunter Alleinunterhalter, seine Mitstreiter hielten sich trotz einiger schüchterner Rockgesten bewußt im Hintergrund. Der Sound druckvoll bis zu laut – leider gehörte der Mann an den Tonreglern zu jener Sorte Technikern, die meinen, nur ein Maximum an Volumen könne ein prima Konzerterlebnis garantieren. Diesem Irrglauben wurden dann selbst so famose Stücke wie „I’ll Sue You“, „Arise, Awake“ und „Fun That We Have“ geopfert, einzig bei den überraschenden Psychrockanklängen von „Fly As You Might“ und dem agressiven „Paid For That“ schien der übersteuerte Lärm passend.
Folglich waren dann auch die leiser angelegten Songs an diesem Abend deutlich besser zu genießen, „Lisbon“ und „On The Esplanade“ zum Beispiel konnten mit gelungenen Arrangements punkten, das sehnsüchtige „Summertime Is Coming“ geriet ebenfalls grandios. Am Ende dieses durchwachsenen Abends war man jedenfalls um einige Erkenntnisse reicher, was dem einen als willkommene Abwechslung gerade recht kam, legte der andere als wenig ergiebige Erfahrung ab. Banks selbst sagte vor einiger Zeit in einem Interview, er nutze die Zeit seiner Solotouren immer gern dazu, Ideen und Anregungen für zukünftige, mögliche Interpolstücke zu sammeln – ganz so vergeblich können also diese Wochen unterwegs gar nicht sein ...
Freitag, 8. Februar 2013
Three is a magic number
Auch "Amok" von den Atoms For Peace ist natürlich eines der Alben, die in diesem Jahr dringend erwartet werden (wir hatten es ja auch schon von den Beach Fossils...). Thom Yorke wird es nun Nick Cave gleichtun und mehrere Release-Partys zur offiziellen Veröffentlichung der Platte veranstalten und es wundert nicht groß, dass es die "großen 3" sind, die ein Stück vom Kuchen abbekommen haben, also London, New York und Berlin. Für letzteres muß es natürlich das Berghain sein, am 8. März soll die ganze Chose dort steigen.
Donnerstag, 7. Februar 2013
Best deal [WinWin]
Pissed Jeans
„Honeys“
(Sub Pop)
Niemand wird die Pissed Jeans ernsthaft dafür an den Marterpfahl binden wollen, dass sich ihre vierte Platte „Honeys“ nicht maßgeblich von den Vorgängern unterscheidet, die sie seit ihrer Gründung im Jahr 2004 veröffentlicht haben. Mein Gott, die Jungs haben sich schließlich dem waschechten (Post)Hardcore verschrieben, einer Sparte, in der verlässliche Härte weit mehr zählt als innovativer Ideenreichtum. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Jungs aus Pennsylvania sich redlich Mühe geben, nicht stur das eine Brett durchzuspielen, dass sie sich sehr wohl Unterschiede in Tempo und Instrumentierung erlauben, ohne gleich als verwegene Experimentierer gelten zu müssen. Der Sound erinnert zwar über weite Strecken nach wie vor an Black Flag oder auch die Rollins Band, an deren bleierne Riffs und schwerblütige Ekstase, doch wie auch auf der letzten und ebenso famosen Platte „King Of Jeans“ gibt es durchaus Abstufungen im Repertoire. Was der Opener „Bathroom Laughter“ an Tempo drauflegt, nimmt das träge „Chain Worker“ wieder heraus, während im Hintergrund dezent die Synthieloops pulsieren. „Cafeteria Food“ hätte gut und gern auch auf eines der Grunge-Alben von Mudhoney gepaßt, „Something About Ms. Johnson“ beschränkt sich dagegen auf knorriges Feedback ohne jeden Gesangspart, bis das launige „Cathouse“ wieder kräftig Feuer unter den Hintern legt. Gute dreißig Minuten wüten Matt Korvette und seine Mitstreiter, genau das hatte man erwartet und genau das bekommt man auch – hört sich ganz nach einem guten Deal an. http://www.whitedenim.com/pissedjeans/
WinWin: Für ein erstes, schnelles Mail an info@mapambulo.de inkl. Anschrift gibt's die neue Platte am VÖ-Tag auf dem Postweg gratis.
„Honeys“
(Sub Pop)
Niemand wird die Pissed Jeans ernsthaft dafür an den Marterpfahl binden wollen, dass sich ihre vierte Platte „Honeys“ nicht maßgeblich von den Vorgängern unterscheidet, die sie seit ihrer Gründung im Jahr 2004 veröffentlicht haben. Mein Gott, die Jungs haben sich schließlich dem waschechten (Post)Hardcore verschrieben, einer Sparte, in der verlässliche Härte weit mehr zählt als innovativer Ideenreichtum. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Jungs aus Pennsylvania sich redlich Mühe geben, nicht stur das eine Brett durchzuspielen, dass sie sich sehr wohl Unterschiede in Tempo und Instrumentierung erlauben, ohne gleich als verwegene Experimentierer gelten zu müssen. Der Sound erinnert zwar über weite Strecken nach wie vor an Black Flag oder auch die Rollins Band, an deren bleierne Riffs und schwerblütige Ekstase, doch wie auch auf der letzten und ebenso famosen Platte „King Of Jeans“ gibt es durchaus Abstufungen im Repertoire. Was der Opener „Bathroom Laughter“ an Tempo drauflegt, nimmt das träge „Chain Worker“ wieder heraus, während im Hintergrund dezent die Synthieloops pulsieren. „Cafeteria Food“ hätte gut und gern auch auf eines der Grunge-Alben von Mudhoney gepaßt, „Something About Ms. Johnson“ beschränkt sich dagegen auf knorriges Feedback ohne jeden Gesangspart, bis das launige „Cathouse“ wieder kräftig Feuer unter den Hintern legt. Gute dreißig Minuten wüten Matt Korvette und seine Mitstreiter, genau das hatte man erwartet und genau das bekommt man auch – hört sich ganz nach einem guten Deal an. http://www.whitedenim.com/pissedjeans/
WinWin: Für ein erstes, schnelles Mail an info@mapambulo.de inkl. Anschrift gibt's die neue Platte am VÖ-Tag auf dem Postweg gratis.
Weiße Jungs bringen's nicht
Alles vergeblich: Irgendwie muß man beim Video zur aktuellen Single der Liars zum Song "WIXIW" auch an die Szene aus "Und dann kam Polly" denken, wo sich Philip Seymour Hoffmann ehrgeizig am Erreichen des Basketballkorbes abarbeitet und sein Scheitern mit deftigen Worten kommentiert. Das hier ist dann natürlich die gestylte Variante, hochkünstlerisch, monochrom - aber: Rein geht er trotzdem nicht.
Freispiel
Wer trotz Ermahnung an gleicher Stelle noch immer keine Notiz von Big Harp und ihrer grandiosen Platte "Chain Letters" (Saddle Creek) genommen hat, für den ist auf Vimeo mit dem Clip zum Song "You Can't Save Em All" noch ein Freispiel drin - danach aber ist Schluß, wer's dann noch nicht kapiert hat, bleibt wohl besser bei Heini, um mal Die Ärzte zu zitieren...
Begleiterscheinung
Das muss Liebe sein: Die kanadische Band Stars, im vergangenen Jahr mit ihrem aktuellen Album "The North" in Europa unterwegs und gerade auf Tour in Asien und Amerika, veröffentlicht konzertbegleitend eine kostenlose EP mit dem Titel "You Guys Are Awesome" - darauf enthalten sind eigene Tracks und Stücke der Supports wie Cold Specks (mit Swans-Cover), Yukon Blonde, Milo Greene und Said The Whale. Zugreifen - hier.
Die Optik machts
So also sieht sie aus, die Neue von Justin Timberlake. Nein, das meint diesmal wirklich die "Platte", also "The 20/20 Experience", schließlich ist der Junge mittlerweile seßhaft und seriös geworden. Mehr zum Thema Optik: Das Video zum neuen Song "Suit And Tie" - bisher gibt's dazu nur einen lumpigen Lyrics-Clip - wird David Fincher (The Social Network, Sieben, Verblendung) verantworten, die maßgeschneiderten Anzüge stammen von Tom Ford. So, und nun mal Musik machen, Kleiner!
Mittwoch, 6. Februar 2013
Vehikel
Die Nachricht, dass Konstantin Gropper alias Get Well Soon das nächste Album der deutschen Raphoffnung Casper produzieren wird, ist von eher mäßig erheiterndem Charakter, man kennt die Platten des einen und die des anderen - mhhhh... Abwarten. Das gibt einem aber trotzdem die feine Gelegenheit, dem sensationslüsternen Blogpublikum noch einmal die letzte Folge der unglaublichen "Kurt Krömer Late Night Show" ans Herz zu legen, bei der man Heinz Strunk nicht nur beim gelangweilten Dahindämmern zuschauen durfte, sondern auch Zeuge eines höchst eigenwilligen Zusammenspiels mit eben jenen Get Well Soon und eben jenem Heinz Strunk an der Querflöte wurde - bizarr und tatsächlich gut anzuhören.
Käuflicher Luxus
Den darf man gern noch etwas verspätet nachreichen: Nick Cave hat für seinen neuen Song "Jubilee Street" vom lang erwarteten Album "Push The Sky Away" noch ein Video geliefert - mit dabei Schauspieler Ray Winstone (Sexy Beast, Departed, Hugo Cabret), Regie führte John Hillcoat. Zu besagtem Album wird es im Übrigen auch ein Super Deluxe Box Set geben, reichlich gefüllt mit fettem 180g-Vinyl, CD's, Non-Album-Tracks, Making-Of-DVD und einem Nachdruck von Cave's Notizbuch zur Platte. Wer also 90 Pfund locker hat, der darf hier schon mal vorbestellen. Der Rest wartet vielleicht erst mal ab, ob das Album auch ein gutes ist ...
Dienstag, 5. Februar 2013
"Nur so ein bisschen geht hier nicht"
„Herzmother – Heartmutter – Herzmutter – Heartmother – Ah!“ Candelilla rocken die Stadt, rocken das Land, jederzeit, einmal mehr. Nur heute nicht. Sonntagabend, noch vier Tage bis zum offiziellen Release des neuen Albums “Heart Mutter” im Münchner Milla und drei Viertel der Band liegen ohne Stimme oder vergrippt im Bett. Einzig Schlagzeugerin Sandra Hilpold trotzt den Viren und hat sich in den Proberaum in der Glockenbachwerkstatt zum Trommeln zurückgezogen, bereit, nebenher auch ein wenig zu plaudern – über die Begegnung mit Steve Albini, die Herausforderung gelebter Basisdemokratie und natürlich auch über München. Die Hoffnung, man würde ihr eine Zigarette anbieten können, muss leider gleich enttäuscht werden – „Sorry, Nichtraucher…“ – „Mist!“ Also los.
Beim ersten Treffen mit Rita hieß es schnell: „Oh, bitte nicht das Frauending!“ – ist das ein Thema, mit dem man der Allgirlband Candelilla nicht mehr kommen sollte?
Ach, das hat sich mittlerweile wieder etwas entspannt. Es gab am Anfang natürlich schon Phasen, da war es verkrampft und anstrengend, oft auch ein wenig langweilig, darauf ständig angesprochen zu werden, aber jetzt kommen Dinge wie Sachen wie „Riot Girls“ oder „Feminismus“ nur noch selten um die Ecke. Man muss auch wissen, dass sich die reine Frauenbesetzung bei Candelilla eher zufällig ergeben hat, die Mädels haben in der Zeit, bevor ich dazu gekommen bin, schon mit Jungs gespielt, auch ich war schon in anderen Bands unterwegs. Es gab nicht dieses Zwangsläufige, eben nicht dieses bewusste „Frauending“, sondern es hat sich über gegenseitiges Kennenlernen in der Münchner Musikszene einfach zufällig ergeben.
Gibt es denn musikalische Anknüpfungspunkte, die Ihr als Tradition versteht, Bands eben aus der Riot-Girl-Bewegung, die da maßgeblich waren und sind?
Ja, für die anderen drei schon, ich bin ja nun in der Band die Älteste und komme eher aus dem Pop, bin in den 80ern aufgewachsen – das „Grungige“, da war ich eigentlich schon wieder weg von, fand das aber im Nachhinein ganz spannend, solche Sachen wieder zu hören und dann sagen zu können: Hey, wow, das kenn‘ ich jetzt weniger und doch klingt‘s in der Mischung wieder gut. Genauso ging’s den Dreien wohl auch mit dem Pop, den ich mitbrachte, wo ich dann gesagt habe: Abwarten, vielleicht ergibt sich ja ‘was draus… Nennen wir es also besser einfach Rockmusik, alles andere sollte jetzt nicht mehr vordergründig sein.
Es gibt ja vom Zündfunk die schöne „City Of Pop“-Karte – im Stadtviertel des ‚Rock‘, wo ich Euch jetzt mal wohnen lassen würde, führt da von der Breeders-Entbindungsstation zur Pixies-Promenade die Steve-Albini-Alley. Ihr wart 2011 für „Heart Mutter“ für zwei Wochen mit Steve Albini in Chicago im Studio – wie kam’s?
Das war eigentlich eher Zufall – wir saßen mit unserem Material, das eigentlich schon recht fertig war, zusammen und haben überlegt, was damit tun. Wir wussten eigentlich nur, dass wir einen anderen Sound, mehr Livecharakter, kräftigere Gitarren wollten – Thomas Lechner, der zu der Zeit noch unser Booking gemacht hat, meinte dann: Hey, versucht’s doch mal mit Steve Albini, das müsste Euer Ding sein. Wir haben also einfach hingemailt und zurück kam die Antwort: Okay, Session is booked.
Und er wollte oder musste nichts hören vorher?
Nein, definitiv nicht, er vermeidet das bewusst, will wirklich völlig unvoreingenommen an die Dinge herangehen – er sagt schon auch ab, sicher, aber nach welchen Kriterien er sich dann letzten Endes entscheidet, wissen wir auch nicht. Es hieß dann eben nur noch: Okay, wann? September, passt, fliegen wir mal hin. Was genau uns erwartet, war auch uns bis dahin nicht klar.
Und dann war’s …?
Sehr gemütlich, und riesig, mit unglaublich vielen Zimmern. Die sind normalerweise für seine Katzen reserviert – der Mann hat eine unglaubliche Vorliebe für Katzen, ist ein Freak, überall hängen Bilder und Siebdrucke mit lauter Katzen drauf; wir wussten auch nicht, dass die Katzen jedes einzelne der Zimmer markieren und ich glaube, wie wir hat sich auch keiner getraut, etwas dazu zu sagen. Jedenfalls lief das alles sehr entspannt ab, wir hatten ganze zwei Tage, uns die Instrumente, die wir noch brauchten, zusammenzusuchen, uns im Studio umzuschauen. Und dann kam er, direkt aus dem Urlaub, sehr entspannt im Hawaiihemd und meinte: So, dann können wir anfangen.
Keine große Crew?
Nein, überhaupt nicht – mikrophonieren, verkabeln, da kümmert er sich wirklich selbst drum, nur den Tee lässt er sich bringen. Und er bleibt solange dabei und wach, wie die Band es will und durchhält, wenn wir also gegen zwei oder drei eingeknickt sind, dann ging er auch schlafen. Ansonsten lässt er einen machen, ist auf seine Art angenehm distanziert und kümmert sich eigentlich nur um den Sound, das ist sein Metier – den Rest hat er ganz uns überlassen.
Was hat dann letztendlich die Songs, mit denen Ihr angekommen seid, von denen unterschieden, die Ihr mit nach Hause genommen habt?
Nun, es war die Präsenz, jedes einzelne Instrument hat er irgendwie noch ein Stück lebendiger gemacht. In der Regel wird das Material in so einem Prozess ja eher glatter, steriler – bei ihm ist es das genaue Gegenteil, der gewünschte Livecharakter also. Man nimmt zwar seine Vorstellungen von den einzelnen Songs, so wie man sie vom Rohschnitt kennt, mit ins Studio, Geschwindigkeiten, Strukturen, Stimmungen, all das – aber es wird alles noch einmal komplett neu aufgenommen.
Ist so ein großer Name wie Albini dann eher Ansporn oder Belastung?
Also Druck war’s eigentlich keiner – höchstens zeitlich und finanziell bei der Frage, ob man’s denn stemmen kann. Aber er ist ein wirklich fairer Partner, hat uns sogar Studiotage geschenkt, damit wir’s zu Ende bringen konnten. Er weiß einfach aus Erfahrung, was es für eine kleine Band – und für ihn sind wir ganz klein – bedeutet, so intensiv zu arbeiten, er honoriert auch, dass man schätzt, was man macht. Also kein Druck – wir wollten das ja selbst, wollten das Album genau so machen und es war so unser eigener Anspruch. Jetzt ist es für uns ohnehin schon lange durch und wird nur für die Promotion noch einmal zum Thema.
Wenn man sich Eure älteren Sachen wie „Don’t Rely…“ und „ReasonReason…“ anhört, dann hat man das Gefühl, Ihr seid jetzt deutlich homogener, kompakter geworden – die extremen Ausschläge, in welche Richtung auch immer, die bei den ersten Stücken noch dominierten, sind weniger geworden – richtiger Eindruck?
Ja, das stimmt. Wir haben das unter dem Punkt Reduktion zusammengefasst, dass wir also früher oft so viele Brüche und Ideen in einem Song hatten, dass man daraus auch hätte drei neue machen können. Das meint jetzt eher die Aussage eines Stücks, denn die Instrumente sind ja nicht weniger geworden. Man spielt halt nur schon über eine so lange Zeit miteinander und muss jetzt nicht mehr jede dieser Ideen bis zum Ende verfolgen.
Zweisprachig die Texte, das Mikro wandert in der Band genauso wie die Instrumente – das wirkt alles recht vielschichtig. Wie kann man sich bei Euch die Entstehung eines Stücks vorstellen?
Eher anstrengend. Manchmal läuft es fein durch, aber oft kommt jemand mit einer Idee, diese geht dann durch drei weitere ‚Kanäle‘ und wird regelrecht zerrupft – und das, was am Anfang da war ist dann selten auch das, was am Ende dabei herauskommt. Man muss also lernen, diese Idee auch abgeben zu können, tut man das nicht, ist man nicht selten enttäuscht.
Keine strikte Arbeitsteilung also, sondern Basisdemokratie pur?
Klar gibt’s dadurch viele Reibereien, Kränkungen auch – es funktioniert eben nicht einfach, weil es so basisdemokratisch ist, es ist wirklich Arbeit, die man aushalten muss. Aber das klappt dann eben auch, am Ende ist ein Song da und man kann befreit aufatmen – zum Schluss stehen all dahinter und keine hat vorher den Raum verlassen müssen, weil es zusammen nicht ging. Das passiert so auch mit den Texten, die von der Mira, der Rita oder der Lina kommen, sie gehören dann allen und können auch verändert werden.
Kann man eigentlich sagen, dass sich momentan junge, deutschsprachige Bands – ihr spielt ja auch mit einigen auf Eurer Tour – wieder etwas leichter tun, ihr Publikum zu finden, dass das Umfeld interessierter, aufgeschlossener geworden ist?
Also es hat sich mehr vernetzt, das ist schon richtig, das sind wohl auch die Nachwehen von Plattformen wie MySpace, wo viele Bands erst gelernt haben, sich selber zu supporten. Auch auf unseren Konzerten merkt man das, es kommen einfach mehr Leute und es gab immer wieder Bands, die das Potential hatten, wo man sich gewundert hat, dass es da nicht klappen will und die jetzt draußen sind. Wir sind da eher mittendrin, haben ja doch schon einige Jahre zusammengespielt, sind zum Beispiel auch schon mit Slut getourt. Aber auch wir haben das lernen müssen, haben uns selbst erst vernetzen müssen mit anderen Bands, um auch mal diese komplette Tour durch Deutschland spielen zu können.
Letzte Frage: Friedrich Ani, der Münchner Schriftsteller, hat letztens in einem Interview gemeint, seine Bücher könnten genausogut in jeder anderen Großstadt Deutschlands spielen, den lokalen Bezug zu Bayern, zu München gäbe es für ihn nicht. Bei ihm hätte man den wohl erwartet – wie sieht’s mit Candelilla aus, was macht Euch zu einer Münchner Band?
Also ich glaube schon, dass das etwas macht mit uns, dass wir hier sind. München ist wahrscheinlich das Uncoolste, was man in der deutschen Musiklandschaft sagen darf, was wohl daran liegt, dass viele eher hier weggehen. Aber ich bin seit fünfzehn Jahren hier, die anderen drei sind hier geboren und keine will weg. Ich denke, man darf das nicht verleugnen, dass einen das auch verändert. Eine gewisse Bequemlichkeit, ja, dazu aber keinen großen Luxus, auch die anderen drei nicht, wir müssen uns den Arsch aufreißen, dass wir hier Musik machen können bei den Mieten, mit Nebenjobs und so. Das entwickelt einen bestimmten Druck, eine Dringlichkeit, fast einen gewissen Zwang. Und dieser Zwang, der ist vielleicht woanders weniger vorhanden. Deshalb ist München für uns auch keine gemütliche Stadt, sondern eher eine, die eine innere Unruhe erzeugt. Es ist vielmehr so, dass man sich gut kennt untereinander, man weiß, wer wirklich Bock hat, etwas zu machen, und diejenigen, die versuchen, so ein bisschen was zu machen, die fallen eigentlich ganz schnell weg – das kann woanders klappen, in München geht das nicht.
Das Album "Heart Mutter" erscheint am 15. Februar bei ZickZack Records
Candelilla live unterwegs, weitere Termine unter www.candelilla.de
07.02. München, Milla
08.02. Regensburg, W1
09.02. Passau, Zeughaus
12.02. Darmstadt, Oettinger Villa
13.02. Marburg, Trauma
14.02. Giessen, Ludwigstraße 6
15.02. Dresden, Ostpol
17.02. Leipzig, Nullunendlich
18.02. Jena, Cafe Wagner
tbc ...
Beim ersten Treffen mit Rita hieß es schnell: „Oh, bitte nicht das Frauending!“ – ist das ein Thema, mit dem man der Allgirlband Candelilla nicht mehr kommen sollte?
Ach, das hat sich mittlerweile wieder etwas entspannt. Es gab am Anfang natürlich schon Phasen, da war es verkrampft und anstrengend, oft auch ein wenig langweilig, darauf ständig angesprochen zu werden, aber jetzt kommen Dinge wie Sachen wie „Riot Girls“ oder „Feminismus“ nur noch selten um die Ecke. Man muss auch wissen, dass sich die reine Frauenbesetzung bei Candelilla eher zufällig ergeben hat, die Mädels haben in der Zeit, bevor ich dazu gekommen bin, schon mit Jungs gespielt, auch ich war schon in anderen Bands unterwegs. Es gab nicht dieses Zwangsläufige, eben nicht dieses bewusste „Frauending“, sondern es hat sich über gegenseitiges Kennenlernen in der Münchner Musikszene einfach zufällig ergeben.
Gibt es denn musikalische Anknüpfungspunkte, die Ihr als Tradition versteht, Bands eben aus der Riot-Girl-Bewegung, die da maßgeblich waren und sind?
Ja, für die anderen drei schon, ich bin ja nun in der Band die Älteste und komme eher aus dem Pop, bin in den 80ern aufgewachsen – das „Grungige“, da war ich eigentlich schon wieder weg von, fand das aber im Nachhinein ganz spannend, solche Sachen wieder zu hören und dann sagen zu können: Hey, wow, das kenn‘ ich jetzt weniger und doch klingt‘s in der Mischung wieder gut. Genauso ging’s den Dreien wohl auch mit dem Pop, den ich mitbrachte, wo ich dann gesagt habe: Abwarten, vielleicht ergibt sich ja ‘was draus… Nennen wir es also besser einfach Rockmusik, alles andere sollte jetzt nicht mehr vordergründig sein.
Es gibt ja vom Zündfunk die schöne „City Of Pop“-Karte – im Stadtviertel des ‚Rock‘, wo ich Euch jetzt mal wohnen lassen würde, führt da von der Breeders-Entbindungsstation zur Pixies-Promenade die Steve-Albini-Alley. Ihr wart 2011 für „Heart Mutter“ für zwei Wochen mit Steve Albini in Chicago im Studio – wie kam’s?
Das war eigentlich eher Zufall – wir saßen mit unserem Material, das eigentlich schon recht fertig war, zusammen und haben überlegt, was damit tun. Wir wussten eigentlich nur, dass wir einen anderen Sound, mehr Livecharakter, kräftigere Gitarren wollten – Thomas Lechner, der zu der Zeit noch unser Booking gemacht hat, meinte dann: Hey, versucht’s doch mal mit Steve Albini, das müsste Euer Ding sein. Wir haben also einfach hingemailt und zurück kam die Antwort: Okay, Session is booked.
Und er wollte oder musste nichts hören vorher?
Nein, definitiv nicht, er vermeidet das bewusst, will wirklich völlig unvoreingenommen an die Dinge herangehen – er sagt schon auch ab, sicher, aber nach welchen Kriterien er sich dann letzten Endes entscheidet, wissen wir auch nicht. Es hieß dann eben nur noch: Okay, wann? September, passt, fliegen wir mal hin. Was genau uns erwartet, war auch uns bis dahin nicht klar.
Und dann war’s …?
Sehr gemütlich, und riesig, mit unglaublich vielen Zimmern. Die sind normalerweise für seine Katzen reserviert – der Mann hat eine unglaubliche Vorliebe für Katzen, ist ein Freak, überall hängen Bilder und Siebdrucke mit lauter Katzen drauf; wir wussten auch nicht, dass die Katzen jedes einzelne der Zimmer markieren und ich glaube, wie wir hat sich auch keiner getraut, etwas dazu zu sagen. Jedenfalls lief das alles sehr entspannt ab, wir hatten ganze zwei Tage, uns die Instrumente, die wir noch brauchten, zusammenzusuchen, uns im Studio umzuschauen. Und dann kam er, direkt aus dem Urlaub, sehr entspannt im Hawaiihemd und meinte: So, dann können wir anfangen.
Keine große Crew?
Nein, überhaupt nicht – mikrophonieren, verkabeln, da kümmert er sich wirklich selbst drum, nur den Tee lässt er sich bringen. Und er bleibt solange dabei und wach, wie die Band es will und durchhält, wenn wir also gegen zwei oder drei eingeknickt sind, dann ging er auch schlafen. Ansonsten lässt er einen machen, ist auf seine Art angenehm distanziert und kümmert sich eigentlich nur um den Sound, das ist sein Metier – den Rest hat er ganz uns überlassen.
Was hat dann letztendlich die Songs, mit denen Ihr angekommen seid, von denen unterschieden, die Ihr mit nach Hause genommen habt?
Nun, es war die Präsenz, jedes einzelne Instrument hat er irgendwie noch ein Stück lebendiger gemacht. In der Regel wird das Material in so einem Prozess ja eher glatter, steriler – bei ihm ist es das genaue Gegenteil, der gewünschte Livecharakter also. Man nimmt zwar seine Vorstellungen von den einzelnen Songs, so wie man sie vom Rohschnitt kennt, mit ins Studio, Geschwindigkeiten, Strukturen, Stimmungen, all das – aber es wird alles noch einmal komplett neu aufgenommen.
Ist so ein großer Name wie Albini dann eher Ansporn oder Belastung?
Also Druck war’s eigentlich keiner – höchstens zeitlich und finanziell bei der Frage, ob man’s denn stemmen kann. Aber er ist ein wirklich fairer Partner, hat uns sogar Studiotage geschenkt, damit wir’s zu Ende bringen konnten. Er weiß einfach aus Erfahrung, was es für eine kleine Band – und für ihn sind wir ganz klein – bedeutet, so intensiv zu arbeiten, er honoriert auch, dass man schätzt, was man macht. Also kein Druck – wir wollten das ja selbst, wollten das Album genau so machen und es war so unser eigener Anspruch. Jetzt ist es für uns ohnehin schon lange durch und wird nur für die Promotion noch einmal zum Thema.
Wenn man sich Eure älteren Sachen wie „Don’t Rely…“ und „ReasonReason…“ anhört, dann hat man das Gefühl, Ihr seid jetzt deutlich homogener, kompakter geworden – die extremen Ausschläge, in welche Richtung auch immer, die bei den ersten Stücken noch dominierten, sind weniger geworden – richtiger Eindruck?
Ja, das stimmt. Wir haben das unter dem Punkt Reduktion zusammengefasst, dass wir also früher oft so viele Brüche und Ideen in einem Song hatten, dass man daraus auch hätte drei neue machen können. Das meint jetzt eher die Aussage eines Stücks, denn die Instrumente sind ja nicht weniger geworden. Man spielt halt nur schon über eine so lange Zeit miteinander und muss jetzt nicht mehr jede dieser Ideen bis zum Ende verfolgen.
Zweisprachig die Texte, das Mikro wandert in der Band genauso wie die Instrumente – das wirkt alles recht vielschichtig. Wie kann man sich bei Euch die Entstehung eines Stücks vorstellen?
Eher anstrengend. Manchmal läuft es fein durch, aber oft kommt jemand mit einer Idee, diese geht dann durch drei weitere ‚Kanäle‘ und wird regelrecht zerrupft – und das, was am Anfang da war ist dann selten auch das, was am Ende dabei herauskommt. Man muss also lernen, diese Idee auch abgeben zu können, tut man das nicht, ist man nicht selten enttäuscht.
Keine strikte Arbeitsteilung also, sondern Basisdemokratie pur?
Klar gibt’s dadurch viele Reibereien, Kränkungen auch – es funktioniert eben nicht einfach, weil es so basisdemokratisch ist, es ist wirklich Arbeit, die man aushalten muss. Aber das klappt dann eben auch, am Ende ist ein Song da und man kann befreit aufatmen – zum Schluss stehen all dahinter und keine hat vorher den Raum verlassen müssen, weil es zusammen nicht ging. Das passiert so auch mit den Texten, die von der Mira, der Rita oder der Lina kommen, sie gehören dann allen und können auch verändert werden.
Kann man eigentlich sagen, dass sich momentan junge, deutschsprachige Bands – ihr spielt ja auch mit einigen auf Eurer Tour – wieder etwas leichter tun, ihr Publikum zu finden, dass das Umfeld interessierter, aufgeschlossener geworden ist?
Also es hat sich mehr vernetzt, das ist schon richtig, das sind wohl auch die Nachwehen von Plattformen wie MySpace, wo viele Bands erst gelernt haben, sich selber zu supporten. Auch auf unseren Konzerten merkt man das, es kommen einfach mehr Leute und es gab immer wieder Bands, die das Potential hatten, wo man sich gewundert hat, dass es da nicht klappen will und die jetzt draußen sind. Wir sind da eher mittendrin, haben ja doch schon einige Jahre zusammengespielt, sind zum Beispiel auch schon mit Slut getourt. Aber auch wir haben das lernen müssen, haben uns selbst erst vernetzen müssen mit anderen Bands, um auch mal diese komplette Tour durch Deutschland spielen zu können.
Letzte Frage: Friedrich Ani, der Münchner Schriftsteller, hat letztens in einem Interview gemeint, seine Bücher könnten genausogut in jeder anderen Großstadt Deutschlands spielen, den lokalen Bezug zu Bayern, zu München gäbe es für ihn nicht. Bei ihm hätte man den wohl erwartet – wie sieht’s mit Candelilla aus, was macht Euch zu einer Münchner Band?
Also ich glaube schon, dass das etwas macht mit uns, dass wir hier sind. München ist wahrscheinlich das Uncoolste, was man in der deutschen Musiklandschaft sagen darf, was wohl daran liegt, dass viele eher hier weggehen. Aber ich bin seit fünfzehn Jahren hier, die anderen drei sind hier geboren und keine will weg. Ich denke, man darf das nicht verleugnen, dass einen das auch verändert. Eine gewisse Bequemlichkeit, ja, dazu aber keinen großen Luxus, auch die anderen drei nicht, wir müssen uns den Arsch aufreißen, dass wir hier Musik machen können bei den Mieten, mit Nebenjobs und so. Das entwickelt einen bestimmten Druck, eine Dringlichkeit, fast einen gewissen Zwang. Und dieser Zwang, der ist vielleicht woanders weniger vorhanden. Deshalb ist München für uns auch keine gemütliche Stadt, sondern eher eine, die eine innere Unruhe erzeugt. Es ist vielmehr so, dass man sich gut kennt untereinander, man weiß, wer wirklich Bock hat, etwas zu machen, und diejenigen, die versuchen, so ein bisschen was zu machen, die fallen eigentlich ganz schnell weg – das kann woanders klappen, in München geht das nicht.
Das Album "Heart Mutter" erscheint am 15. Februar bei ZickZack RecordsCandelilla live unterwegs, weitere Termine unter www.candelilla.de
07.02. München, Milla
08.02. Regensburg, W1
09.02. Passau, Zeughaus
12.02. Darmstadt, Oettinger Villa
13.02. Marburg, Trauma
14.02. Giessen, Ludwigstraße 6
15.02. Dresden, Ostpol
17.02. Leipzig, Nullunendlich
18.02. Jena, Cafe Wagner
tbc ...
Eine eigene Welt
My Bloody Valentine
„mbv“
Man kann Kevin Shields wirklich nicht dankbar genug sein, nach 22 – zweiundzwanzig! – Jahren und all den verklausulierten Ankündigungen, Hoffnungsschimmern und Gerüchteköcheleien nun doch ein neues Album mit My Bloody Valentine gezwungen zu haben. Eine Platte, deren Stücke sich wie erhofft jenseits aller handelsüblichen Songstrukturen bewegen, kein klassisches Verse-Bridge-Chorus-Gedöns, nichts also für routinierte Nebenherhörer und iLiker. Man darf sich schräg anschauen lassen, wenn das Gespräch auf die Iren und ihren speziellen Sound kommt und fühlt sich trotzdem gut dabei. Schließlich haben wenige ein eigenes Genre, das des Shoegazing-Pops, gleichermaßen so verinnerlicht und geprägt wie My Bloody Valentine und man ist mehr als froh, sie nicht mit dem alles verschlingenden Mainstream teilen zu müssen.
Die Frage, ob sich denn das Warten nun auch gelohnt habe, steht nun recht bedrohlich im Raum und die Antwort, eigentlich doch so sehnsüchtig erwartet, fürchtet der Fan wie Per Steinbrück die nächste Wahlprognose. Doch anders als der unglücklich agierende Wackelkandidat darf der hoffnungsfrohe Zuhörer alle Angst fahren lassen: Das neue Album steht den beiden grandiosen Vorwerken „Isn’t Anything“ und „Loveless“ in nichts nach und man kann der Band wirklich kein größeres Kompliment machen als den lapidaren Hinweis: Es hat sich nichts geändert.
Was auch wieder nur bedingt stimmt – natürlich klingen die Stücke, auch im Kontext ihrer aktuellen musikalischen Umgebung, für manchen etwas anders als noch in den 90ern, insofern trifft es sich vielleicht wirklich ganz gut, dass sie wegen des anhaltenden Revivals, das albernerweise unter dem Etikett Nu-Gaze firmieren muss (Pains Of Being Pure At Heart, School Of Seven Bells, The Twilight Sad, Beachhouse, etc.), auf fruchtbaren Boden treffen. Dennoch, My Bloody Valentine präsentieren sich mit „mbv“ eindeutig als „oldschool“-Variante in der Nische und weil fast alles wie immer ist, so sind es auch die kleinen Feinheiten, die man an ihnen so liebgewonnen hat: Das Fade-in, das den Eindruck entstehen lässt, jemand habe den Song nur für die Aufnahme lauter gestellt, die aufgetürmten Noise-Wände, deren Gitarrentöne nicht selten um einen Halbton versetzt wurden, was ein leichtes Leiern ergibt, die wabernden Textspuren, behutsame Drumsets – fabelhaft!
Die agressiveren Stücke fallen besonders positiv auf, „Only Tomorrow“ und „Who Sees You“, das kratzt und stolpert ganz wunderbar, ab und an kommen ein paar klare Hooks zum Vorschein, aber generell gilt: Keiner schichtet feiner. Als Extreme mit dabei: „Is This And Yes“, sehr zart, fast vorsichtig – dagegen der wüste Industrialkrach von „Nothing Is“, der einen etwas an die frühen Nine Inch Nails denken lässt. Der Schlußtrack „Wonder 2“ hat dann fast orchestrale Dimensionen, nach dem Flugzeuglärm wird es immer dichter, lauter, verzerrter, da lassen My Bloody Valentine noch einmal alle Zügel locker und erweisen sich einmal mehr als die unbestrittenen Meister ihres Fachs. Am Ende ist die Birne weich und es kommt einem vor, als wären sie nie weg gewesen – 2035 kann also getrost kommen... http://www.mybloodyvalentine.org/
„mbv“
Man kann Kevin Shields wirklich nicht dankbar genug sein, nach 22 – zweiundzwanzig! – Jahren und all den verklausulierten Ankündigungen, Hoffnungsschimmern und Gerüchteköcheleien nun doch ein neues Album mit My Bloody Valentine gezwungen zu haben. Eine Platte, deren Stücke sich wie erhofft jenseits aller handelsüblichen Songstrukturen bewegen, kein klassisches Verse-Bridge-Chorus-Gedöns, nichts also für routinierte Nebenherhörer und iLiker. Man darf sich schräg anschauen lassen, wenn das Gespräch auf die Iren und ihren speziellen Sound kommt und fühlt sich trotzdem gut dabei. Schließlich haben wenige ein eigenes Genre, das des Shoegazing-Pops, gleichermaßen so verinnerlicht und geprägt wie My Bloody Valentine und man ist mehr als froh, sie nicht mit dem alles verschlingenden Mainstream teilen zu müssen.
Die Frage, ob sich denn das Warten nun auch gelohnt habe, steht nun recht bedrohlich im Raum und die Antwort, eigentlich doch so sehnsüchtig erwartet, fürchtet der Fan wie Per Steinbrück die nächste Wahlprognose. Doch anders als der unglücklich agierende Wackelkandidat darf der hoffnungsfrohe Zuhörer alle Angst fahren lassen: Das neue Album steht den beiden grandiosen Vorwerken „Isn’t Anything“ und „Loveless“ in nichts nach und man kann der Band wirklich kein größeres Kompliment machen als den lapidaren Hinweis: Es hat sich nichts geändert.
Was auch wieder nur bedingt stimmt – natürlich klingen die Stücke, auch im Kontext ihrer aktuellen musikalischen Umgebung, für manchen etwas anders als noch in den 90ern, insofern trifft es sich vielleicht wirklich ganz gut, dass sie wegen des anhaltenden Revivals, das albernerweise unter dem Etikett Nu-Gaze firmieren muss (Pains Of Being Pure At Heart, School Of Seven Bells, The Twilight Sad, Beachhouse, etc.), auf fruchtbaren Boden treffen. Dennoch, My Bloody Valentine präsentieren sich mit „mbv“ eindeutig als „oldschool“-Variante in der Nische und weil fast alles wie immer ist, so sind es auch die kleinen Feinheiten, die man an ihnen so liebgewonnen hat: Das Fade-in, das den Eindruck entstehen lässt, jemand habe den Song nur für die Aufnahme lauter gestellt, die aufgetürmten Noise-Wände, deren Gitarrentöne nicht selten um einen Halbton versetzt wurden, was ein leichtes Leiern ergibt, die wabernden Textspuren, behutsame Drumsets – fabelhaft!
Die agressiveren Stücke fallen besonders positiv auf, „Only Tomorrow“ und „Who Sees You“, das kratzt und stolpert ganz wunderbar, ab und an kommen ein paar klare Hooks zum Vorschein, aber generell gilt: Keiner schichtet feiner. Als Extreme mit dabei: „Is This And Yes“, sehr zart, fast vorsichtig – dagegen der wüste Industrialkrach von „Nothing Is“, der einen etwas an die frühen Nine Inch Nails denken lässt. Der Schlußtrack „Wonder 2“ hat dann fast orchestrale Dimensionen, nach dem Flugzeuglärm wird es immer dichter, lauter, verzerrter, da lassen My Bloody Valentine noch einmal alle Zügel locker und erweisen sich einmal mehr als die unbestrittenen Meister ihres Fachs. Am Ende ist die Birne weich und es kommt einem vor, als wären sie nie weg gewesen – 2035 kann also getrost kommen... http://www.mybloodyvalentine.org/
Montag, 4. Februar 2013
Immer das selbe
Nachgelegt heißt es für Suede: Nach "Barriers" gibt es nun mit "It Starts And Ends With You" die zweite Nummer aus dem Mitte März erscheinenden Comeback-Album "Bloodsports" - hach...
Hallelujah!
Bitte nicht stören!
Aufgabe für einen jungen, aufstrebenden A+R-Manager: Finden Sie einen Musikredakteur, der heute Zeit hat, sich mit Ihnen über dieses neue, unglaublich verheißungsvolle Projekt zu unterhalten, dass zwar noch kein Schwein kennt, aber in kürzester Zeit garantiert durch die Decke gehen wird. Möglichkeit A: Sie finden einen - Hände weg, der taugt nix! Möglichkeit B: Die Such bleibt erfolglos. Grund: Jeder Redakteur, der etwas auf sich hält, wird den heutigen Tag in einem schalldichten Raum bzw. bestückt mit möglichst leistungsfähigen Kopfhörern damit verbringen, sich das lang ersehnte Album von My Bloody Valentine mit dem Titel "mbv" anzuhören - zu finden: hier.
Samstag, 2. Februar 2013
Gefährliches Gebräu
Unknown Mortal Orchestra
„II“
(Jagjaguwar)
Keine Ahnung, ob man da von Zwangsläufigkeit sprechen kann, doch der Umzug von Ruban Nielson mitsamt seinem Unknown Mortal Orchestra zu Jagjaguwar sollte sich eigentlich wie eine Heimkehr angefühlt haben, wo doch dort mit Black Mountains mindestens eine Band zu Hause ist, mit der sie ihre Vorliebe für versponnenen Okkultismus teilen können, von den musikalischen Parallelen ganz zu schweigen. Janet Farrar also ziert das Cover der zweiten Platte der amerikanisch-neuseeländischen Formation, britische Fachfrau in Sachen Hexerei und Neopaganismus – auch akkustisch bietet „II“ wieder ein höchst gefährliches Gebräu aus Psychrock, Soul und Funk, nahe bei Tame Impala, wenn man aktuelle Anknüpfungspunkte sucht, jedoch deutlich experimenteller und verschrobener.
Sicher haben die drei die Songbooks von Pink Floyd und den Beatles mit Heißhunger verschlungen, deren Sound vermischen sie mit fetten Drums und funky Beats zu erstklassigem Retro – „So Good Being In Trouble“ und „No Need For A Leader“ sind wahre Musterbeispiele für die elektrisierende Wirkung dieser aufgepimpten Rockclassics. Das groovt, scheppert und jault, dass es eine Freude ist, bei „One At A Time“ und „Faded In The Morning“ wäre man kaum verwundert, würde olle Hendrix posthum in den Linernotes auftauchen. „Monki“ wiederum gönnt sich ein wenig von der betäubenden Schwere der damaligen Zeit, „Secret Xtians“ bekommt zum Schluß ohnehin einen Extrapunkt für den neckischen Songnamen. Alles in allem eine Platte, die Laune macht, wenn man das mal so platt formulieren darf – es bleibt zu hoffen, dass demnächst mehr als dieser eine Livetermin für Deutschland drin ist. http://unknownmortalorchestra.com/
08.02. Berlin, Prince Charles
„II“
(Jagjaguwar)
Keine Ahnung, ob man da von Zwangsläufigkeit sprechen kann, doch der Umzug von Ruban Nielson mitsamt seinem Unknown Mortal Orchestra zu Jagjaguwar sollte sich eigentlich wie eine Heimkehr angefühlt haben, wo doch dort mit Black Mountains mindestens eine Band zu Hause ist, mit der sie ihre Vorliebe für versponnenen Okkultismus teilen können, von den musikalischen Parallelen ganz zu schweigen. Janet Farrar also ziert das Cover der zweiten Platte der amerikanisch-neuseeländischen Formation, britische Fachfrau in Sachen Hexerei und Neopaganismus – auch akkustisch bietet „II“ wieder ein höchst gefährliches Gebräu aus Psychrock, Soul und Funk, nahe bei Tame Impala, wenn man aktuelle Anknüpfungspunkte sucht, jedoch deutlich experimenteller und verschrobener.
Sicher haben die drei die Songbooks von Pink Floyd und den Beatles mit Heißhunger verschlungen, deren Sound vermischen sie mit fetten Drums und funky Beats zu erstklassigem Retro – „So Good Being In Trouble“ und „No Need For A Leader“ sind wahre Musterbeispiele für die elektrisierende Wirkung dieser aufgepimpten Rockclassics. Das groovt, scheppert und jault, dass es eine Freude ist, bei „One At A Time“ und „Faded In The Morning“ wäre man kaum verwundert, würde olle Hendrix posthum in den Linernotes auftauchen. „Monki“ wiederum gönnt sich ein wenig von der betäubenden Schwere der damaligen Zeit, „Secret Xtians“ bekommt zum Schluß ohnehin einen Extrapunkt für den neckischen Songnamen. Alles in allem eine Platte, die Laune macht, wenn man das mal so platt formulieren darf – es bleibt zu hoffen, dass demnächst mehr als dieser eine Livetermin für Deutschland drin ist. http://unknownmortalorchestra.com/
08.02. Berlin, Prince Charles
Freitag, 1. Februar 2013
Frau macht Ernst
Im vergangenen Jahr endete fast jede Woche auf mapambulo.de wahlweise mit einem Video von Lana Del Rey oder 'nem neuen Song der Trällergöre Azealia Banks. Damit hat sich's nun, denn das Wochenende leitet heute das Stück "Misogyny Drop Dead" von Janine Rostron alias Planningtorock ein. ARD/ZDF, eat your heart out - das ist die neue Härte, der erste ernstzunehmende Beitrag in der Sexismusdebatte. Der Track stammt von einer Anfang März erscheinenden EP und zu hören ist eine wirklich nur noch zu erahnende Stimmverwandschaft zu früheren Veröffentlichungen der Dame - hier.
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