Freitag, 3. August 2012

Post-Pop

Eugene McGuinness „The Invitation To The Voyage“ (Domino)

Frage: Was macht eigentlich Robbie Williams? Hat der sich nicht erst mit seiner überalterten Altherrenband durch die Stadien dieser Welt gespielt und dabei bemerkt, dass er es doch besser wieder allein versuchen sollte, weil die vier anderen es einfach nicht bringen? Kleiner Tipp: Er sollte sich zuvor auch mal das anhören, was er selbst in den letzten Jahren so fabriziert hat und unter Umständen auch mal den Ratschlag von Eugene McGuinness suchen. Der hat zwar auch mit dem neuen Album noch immer nicht sein „Sing When You’re Winning“ abgeliefert – er kommt dem Ziel, wenn es denn eines ist, aber schon verdammt nahe.

Denn auch wenn McGuinness nicht die zwingende Präsenz und das Stimmvolumen des selbsternannten Entertainmentkönigs aus Stoke-On-Trent besitzt, so gelingt dem 27jährigen Londoner doch mit „The Invitation To The Voyage“ einmal mehr das, wozu Williams in den letzten Jahren nicht mehr in der Lage war: luftiger, unterkühlter Britpop, Mitsingnummern mit Wiedererkennungseffekt, variantenreiches, gekonntes Jonglieren mit verschiedenen Stilen, Epochen, Verweisen, und zwar ganz ohne einen Guy Chambers, der im Hintergrund die Noten zusammenklöppelt. „Harlequinade“ und „Sugarplum“ sind so unverschämt eingängig, wie man es von der Insel schon lang nicht mehr gehört hat. Auch der Rockabilly-Swing von „Lion“ macht mächtig Spaß, ähnlich wie sein Bond-Song „Shotgun“ inklusive Duane-Eddy-Zitat.

Vielleicht könnte man McGuinness ankreiden, dass er sich an zu Vielem ausprobiert und dabei nicht bei jedem Song Erstklassiges abliefert – mal wird wie bei „Videogame“ etwas zu dick aufgetragen, auch „Concrete Moon“ und „Thunderbolt“ ächzen ein wenig unter dem Bombast, „Joshua“ wiederum klingt eine Spur zu konventionell und plätschert so über die knapp drei Minuten dahin. Ganz am Schluß aber hat der Junge noch einen feinen Leckerbissen versteckt – „Japanese Cars“ mischt schrägen 80er-Wavepop ins Arragement, Devo, Gang Of Four, auf einmal stört nicht mal mehr sein dünnes Stimmchen. Ausbaufähig allemal und Grund genug, die Einladung für die Reise auf keinen Fall auszuschlagen. Ob wohl auch der Robbie mitkommt? http://www.eugenemcguinness.net/

Olympisch

Schon des Plakates wegen - G. Rag Y Los Hermanos Patchekos plus Kofelgschroa am Theatron, was kann es im Sommer Schöneres geben? Umara Siebene - seid's dabei?

Mittwoch, 1. August 2012

Gar nicht lustig

Über Michael Angelakos, den Kopf der Bostoner Formation Passion Pit und seine neue Platte wird derzeit viel geredet. "Gossamer" heißt das gute Stück, will man dem Übersetzungsprogramm glauben, bezeichnet der fast bajuwarisch anmutende Titel eine Art feines Spinnennetz im Spätsommer, nun ja. Für die einen - zum Beispiel die Süddeutsche - ist die Platte ein wahres "Wunderwerk ... Platte des Jahres, bis jetzt", Spiegel Online dagegen geht mit dem Longplayer hart ins Gericht, hält ihn für "quiekenden Mainstream" und einen "Brei aus Selbstmitleid".

Dazwischen ist, man sieht es unschwer, viel Platz für die eigene Meinung (Komplettstream der Platte auf npr). Dass es Angelakos zur Zeit nicht leicht hat, wird keiner bestreiten, seine psychische Gesundheit ist mehr als labil, die lang geplante Tour bröckelt Termin um Termin in sich zusammen, man hat schon schönere Geschichten von dieser Band gehört. Der Song "Constant Conversation" ist jedenfalls zweifellos ein überaus gelungenes, intelligentes Stück Pop, das Video dazu stammt von Dori Oskowiz und illustriert auf fabelhafte Weise Angelakos' Gedankenspiele über Missverständnisse und falsche Erwartungen.

Sehen was man nicht sieht

"Miriam, that's such a pretty name,
I'm gonna say it when I make you cry
Miriam, you know you done me wrong
I'm gonna smile when you say goodbye."

Gut, an dieser Stelle ist von Norah Jones bisher nicht oft die Rede gewesen, was vielleicht zu nicht geringen Teilen an ihrer etwas zu braven Erscheinung und dem oftmals allzu gefälligen Coffeeshop-Jazz lag, den sie bisher bevorzugt angeboten hat. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Dame aus Brooklyn zukünftig nicht mehr ganz so berechnbar und plüschig aufzutreten gedenkt. So befindet sich auf ihrer letzten Platte "Little Broken Hearts" mit "Miriam" ein Stück, welches zu zarter Melodie einen recht bösen Text beisteuert, das dazugehörige Video von Phil Andelman tut sein Übriges, man sieht hier eher die Bilder, die man nicht sieht. So ist's gut - hier.

Second best

Machen wir's kurz: Es gibt eine zweite Auskopplung aus "Kill My Blues", dem neuen Album der Corin Tucker Band. "Neskowin" heißt der Spaß, zu haben bei pitchfork.

Freud und Leid

Eine von vielen Erinnerungen an diese große Band ist der Auftritt neben Nick Cave und seinen Bad Seeds in Wim Wenders unübertroffenem Meisterwerk "Himmel über Berlin". Es ist 1987, Crime And The City Solution sind in der Stadt. Sänger Simon Bonney steht klapperdürr und komplett in schwarz gewandet vor einem seltsam in sich gekehrten, nervösen Publikum und singt sein "Six Bells Chime", Solveig Dommartin irrt gedankenverloren durch die dunkle Halle - Bilder, die sich auf ewig in die Netzhaut brennen, Musik, die einem nicht mehr aus dem Kopf will.

Dinge, die vielleicht bald eine kleine Neuauflage erleben könnten, denn die australische Band plant aus Anlaß ihres Ende September bei Mute erscheinenden BestOf-Albums "An Introduction To… Crime And the City Solution/A History Of Crime, Berlin 1987" nicht nur eine kleine Welttournee, sondern für Anfang 2013 auch ein komplett neues Album. Ihre Auftritte werden sie laut quietus.com mit einer überaus klangvollen Mannschaft absolvieren, neben Sänger und Gründer Simon Bonney auch dabei: Bronwyn Adams, Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten), Jim White (The Dirty Three), Troy Gregory (Swans), David Eugene Edwards (16 Horsepower, Woven Hand) und Matthew Smith, um die visuellen Effekte der Tour kümmert sich Danielle de Picciotto.

Einziger Wermutstropfen - es wird in Deutschland nach bisherigen Meldungen nur ein einziges Konzert geben, das in Berlin, natürlich in Berlin, stattfinden soll und zwar am 31. Oktober im C-Club. Dem traurigen Rest bleiben dann die Platten und das eine oder andere Video aus vergangenen Zeiten. http://crimeandthecitysolution.com/

Dienstag, 31. Juli 2012

Abzweigung

Nachtmystium „Silencing Machine“
(Century Media/EMI)

Selten findet man die Abzweigungen von selbstgetretenen, musikalischen Trampelpfaden allein und ohne fremde Hilfe – wer greift schon aus Langeweile, Jux und Dollerei zu einem Album mit Totenschädel, kalkweißen Fingerkrallen und Pentagrammschriftzug? Wie so oft funktioniert der Zugang nur über Multiplikatioren, Verweise, gern auch von Künstlern, die man in diesem Umfeld eher nicht vermutet hätte. Dass dieser Tage der hochverehrte Thurston Moore bekanntgab, er wolle sich nebenbei bei der Black-Metal-Band Twilight verdingen, lies zunächst aufhorchen. Deren Mitglied Blake Judd wiederum ist hauptberuflich Gründer der amerikanischen Brachialkombo Nachtmystium, die just vor ein paar Tagen ihr sechstes Album „Silencing Machine“ veröffentlichten. Eben jenes mit Totenschädel, weißen Finger-… naja.

Besagter Blake Judd gab auch noch sinngemäß zu Protokoll, dass er auf einen Großteil seiner Anteile an diesem Album mit Twilight verzichtet hätte, allein für die Chance, mit seinem Idol Moore zusammenspielen zu können, er liebe Sonic Youth ohnehin über alles. Und das von einem – Klischee, Klischee! – tumben Grobmetaller, da lohnt sich doch der Blick auf’s eigene Werk. Und siehe da – „Silencing Machine“ von Nachtmystium ist keineswegs das abwechslungsarme, stuppides Geklopfe, mit dem das eigene Vorurteil Black Metal gern verkabelt hält, mit etwas Durchhaltevermögen kann man sogar etwas von den Vorlieben des Frontmannes entdecken. Schon beim Titeltrack gibt es durchaus überraschende Breaks, ein Stück wie „Borrowed Hope And Broken Dreams“ hat regelrecht melodische, fast hymnische Stellen, ähnlich vertrackt und gekonnt dosiert wie zuweilen auf den Altwerken der Collegepunks von Sonic Youth.

Noise ist hier sowieso an der Tages-, besser Mitternachtsordnung, das Schlagzeug leistet Schwerstarbeit und Judd gesellt sein eigenes Gekreisch dem der Gitarren hinzu. Und immer wieder es gelingt dem Quartett, vom üblichen, streng orthodoxen Weg abzuzweigen und dem Hörer Verblüffendes anzubieten – die gefälligen, kratzigen Riffs von „I Wait In Hell“ und „Give Me The Grave“ oder die rollend punkigen Beats bei „Decimation, Annihilation“ zum satten Basslauf. Dem altgedienten Fan mag das bekannt sein, der Neueinsteiger, sonst eben eher auf Thurston Moores Seite unterwegs, reibt sich verdattert die Ohren und staunt – das gefällt.

Komplettstream des Albums auf Spin.

Psychoberlin

Wieso die Musik einer Band wie Kadavar auf einem Label mit dem Namen "This Charming Man" erscheint, werden wir so schnell wohl nicht erfahren, "charming" jedenfalls ist so das letzte Wort, was einem zu den drei zugewachsenen Typen aus der Hauptstadt einfallen möchte. Fest steht: Berlin macht jetzt auch in Psycho und das nicht zu knapp - Kadavar brettern mit einer Verve durch die Membranen, gerade so als hätten es die letzten vierzig Jahre nie gegeben - gut so. Für ihr selbstbetiteltes Debüt wird nun jedenfalls dank großer Nachfrage noch einmal die Tourmaschine angeschmissen, mit dabei sicher auch der nachfolgenden Appetithappen vulg. Satansbraten "Creator Of Demon".

01.08.  Halle, Hühnermanhatten
02.08.  Frankfurt, Ponyhof
03.08.  Void Fest, Stamsried
06.08.  München, Hansa 39

08.08.  Stuttgart, Universum
09.08.  Buchloe, Hirsch
17.08.  Römersee Open Air, Bad Rappenau
25.08.  Rockt den See, Arendsee


Teil der Summe

Das neue Album "Algiers" der alternativen Feingeister von Calexico steht knapp vor der Tür, nach "Para" gibt es nun mit "Splitter" einen zweiten Titel zum Reinhören - hier.

Nicht verschwunden

Das letzte, was von Jason Lytle, dem Kopf der verquirlten Indiepopband Grandaddy, in Erinnerung geblieben ist, war seine Zusammenarbeit mit Freunden und ehemaligen Bandmates unter dem Namen Admiral Radley für deren gemeinsames Album "I Heart California". Nun begibt sich der Mann wieder auf Solopfade und kündigt für Mitte Oktober sein nächstes Album mit dem Titel "Dept. Of Dissappearance" an - den Titeltrack dazu gibt es schon via Soundcloud.

Verpixelt

Bald kommen die Liars mit ihrer aktuellen Platte "WIXIW" auf Tour nach Deutschland, bis es soweit ist, kann man sich gern ihr neues Video zum Song "Brats" anschauen - gerenderte Flashgrafik des Regisseurs Ian Cheng, sehr unterhaltsam - hier.

Montag, 30. Juli 2012

Wieder da

Das wird nicht wenige Menschen freuen, auch wenn sich der Herr von seinen wilden Zeiten doch schon ein Stück weit entfernt hat: Bob Mould, ergraute Eminenz des Indierock und Frontmann der wegweisenden Hüsker Dü und auch danach mit Sugar oder komplett solo erfolgreich unterwegs, wird Anfang Oktober mit seinen Begleitern Jon Wurster (Schlagzeug) und Jason Narducy (Bass) eine neue Platte mit dem Titel "Silver Age" veröffentlichen. Das Tracklisting gibt's hier, ein Cover existiert auch schon - mangels einer Hörprobe vorerst etwas mit Patina.

Verstaubt

Neues von dem Traumpaar dieses Sommers: Im September werden bekanntlich David Byrne und St. Vincent ihr gemeinsames Album "Love This Giant" (4AD) an die Käufer bringen, nach der ersten Auskopplung "Who" gibt es davon nun den zweiten Titel zu hören - nennt sich "Weekend In The Dust" und kommt als Stream auf der Website der beiden.

Da kommt was

"Could it be? Yes, it could. Something's coming, something good, if I can wait! Something's coming, I don't know what it is, but it is gonna be great!" So singt Tony in Bernsteins West Side Story, und sinngemäß stimmt die komplette Musikbranche diesen Gesang immer dann an, wenn Avey Tare, Panda Bear, der Geologist und Deakin, befremdliche Pseudonyme, die unter dem Sammelbegriff Animal Collective geführt werden, zu einer neuen Platte Anlauf nehmen. Anfang September soll es wieder soweit sein, "Centipede Hz" wird sie heißen und die Nachrichtenmaschine kommt so langsam ins Rollen. Mit "Today's Supernatural" gibt es jedenfalls schon mal einen ersten Song, der erwartungsgemäß freaky klingt, der Rest dann beizeiten. Vorhang auf bei Soundcloud.

Warmmachen

Am Freitag gehts also los, für St. Pauli stehen die ersten Punkte gegen Aue im Feuer und neben dem millionenschweren Rummel in London wirkt unsere sympathische Laienspieltruppe vom Kiez (Sorry, reines Understatement!) sicher angenehm geerdet. Wer sich den aktuellen Kader nebst Mannschaftsfoto, Betreuerstab und Baukulisse noch einmal in Ruhe anschauen will, der sollte dies am besten bei http://www.afroh.de/ tun - unter saison 12/13 findet man das komplette Anschauungsmatertial.

Sonntag, 29. Juli 2012

Nichts für Diabetiker

Wollen wir doch mal hoffen, Bloc Party sind für ihr neues Album "Four" nicht bei Coldplay in die Lehre gegangen - der neue Track "Day Four" ist jedenfalls recht süßlich geraten und somit nichts für Diabetiker - hier.

Wolkenkuckucksheim

Vor knapp vier Jahren waren die Bücher von David Mitchell die ersten, die hier Erwähnung fanden, nicht nur deshalb muss natürlich der Hinweis auf die Verfilmung des hochkomplexen, virtuosen Werkes "Der Wolkenatlas" an gleicher Stelle verbloggt werden. Angenommen haben sich des Stoffes die beiden Wachowski-Brüder (Matrix, V wie Vendetta) und Tom Tykwer (Das Parfüm, Der Krieger und die Kaiserin, Lola rennt), das Argument der "Unverfilmbarkeit" zählt bei solch hochkarätiger Regiebesetzung erst, wenn der Film wirklich draußen ist. Die Riege der Schauspieler, welche sich für "The Cloud Atlas" durch die verschiedenen Zeitebenen schlagen, ist nicht minder eindrucksvoll: Tom Hanks, Hugh Grant, Halle Berry, Susan Sarandon - der Vorabteaser misst ungewöhnliche fünfeinhalb Minuten.

Freitag, 27. Juli 2012

Kurzes Vergnügen

Schon lustig: Wie an fast jedem Freitag schafft es Schätzchen Lana Del Rey, das Wochenende elegant einzuläuten. Diesmal mit einem Videomitschnitt vom gestrigen Konzert in Sidney - dort coverte sie einfach mal Nirvanas "Heart Shaped Box", leider bricht der Mitschnitt nach etwas mehr als zweieinhalb Minuten unvermittelt ab - schade.

Töröhhh!

Da haben die Leute mal Recht: "...these guys are doing better than just about anyone else right now." Das jedenfalls meint Pitchfork über die neue Single "Elephant" der Australier Tame Impala. Anfang Oktober erscheint deren neues Album "Lonerism", und wenn die Stücke darauf alle so fein klingen wie dieses hier, steht einem neuerlichen Erfolg nach dem des Debüts "Innerspeaker" nichts im Weg.

Batmanchen

The Dark Knight Rises (Warner Bros.)
Die Hoffnung, Christopher Nolan könnte nicht nur den Erfolg, sondern auch die Qualität seines Meisterwerks „The Dark Knight“ halten, vielleicht sogar übertreffen, war ja durchaus berechtigt. Was man von Trailern und Teasern zu sehen, vom Storyboard zu lesen bekam, war recht verheißungsvoll – psychopathischer Warlord bringt Gotham in seine Gewalt und Erzfeind Batman an seine Grenzen, die Einwohner ergehen sich in wilder Meuterei und Lynchjustiz und die Schutzmacht muß dem Spektakel ohnmächtig zuschauen, eine Neutronenbombe gar am Set – da stand ein wilder Tanz bevor.

Und Nolan gibt sich alle Mühe, den Erwartungen gerecht zu werden – die Wiederauferstehung der Fledermaus ist noch lauter, noch bildgewaltiger und düsterer als der Vorgänger, vom Start weg grinst das Böse aus allen Gesichtern und Gesten, das Verderben scheint allgegenwärtig. Doch was Nolan an Opulenz und beeindruckenden Effekten in die Geschichte bringt, das läßt er dieses Mal bei den Figuren liegen. Den Superhelden selbst bzw. sein Alter Ego Bruce Wayne einen großen Teil des Films recht ramponiert und arbeitsmüde agieren zu sehen, hat ansich schon einen gewissen Charme. Dass allerdings Nolan, der Mann also, der noch bei seiner letzten Glanztat „Inception“ die Zuschauer durch unzählige Traumebenen jonglierte und so zur Verzweiflung trieb, sein Publikum in einer Schlüsselszene des Film schneller kombinieren läßt als den sonst so übermächtigen Helden, enttäuscht doch sehr – während Batman noch entgeistert erstarrt, hakt man die vorhersehbare Wendung im Kinosessel schon mal ab.

Auch die anderen Charaktere präsentieren sich eher zwiespältig: Anne Hathaway als neue Catwoman ist bestenfalls hübsch anzuschauen, für die Dramaturgie aber verzichtbar, Michael Caine darf ohnehin nur tränenumflort durch die Kulisse stolpern. Nur Joseph Gordon-Levitt als unerschrockenem Officer gelingt es, ein Gegengewicht an Esprit und Energie zum melancholischen Flügelmann zu setzen, die beiden alten Haudegen Gary Oldman und Morgan Freeman machen, was man erwartet: eine respektable Figur.

Was die böse Seite anbelangt, dann muss man konstatieren, dass Tom Hardy den brutalen Schurken Bane zwar ziemlich eindrücklich hinbekommt, allein der hintergründige Zynismus und die perfiden Ideen von Heath Ledgers Joker sind ihm völlig fremd – letztendlich bleibt also auch er zu eindimensional. Marion Cotillard als Miranda Tate wiederum bleibt zwischen Betthäschen und Karrieretante leider viel zu wenig Platz, um in ihre Rolle zu finden.

Bei zweieinhalb Kinostunden und einem etwas langatmigen Start bleiben am Ende jede Menge handwerklich perfektes, apokalyptisches Feuerwerk, ein Humor, der oft nur auf Stelzen läuft und eine mäßig spannende Story. Dass Nolan die letzte Viertelstunde fast hektisch zur Vorbereitung des nächsten Sequels nutzt und dafür den alten Caine nahezu deckungsgleich aus „Inception“ vor die Kamera zitiert, hätte es so sicher auch nicht gebraucht. Als Fazit: Beileibe kein schlechtes Kino, ordentliche Unterhaltung sogar – gemessen an den Erwartungen aber eher enttäuschend. http://www.thedarkknightrises.com/