Freitag, 11. Mai 2012
Auch gut
Natürlich macht es kaum Sinn, wöchentlich neues Material von der im Juni erscheinenden, selbstbetitelten Platte der Zweifrauenband 2:54 nachzureichen - kürzlich gab es ja schon den Verweis auf die Single "Creeping", das hätte es sein sollen. Nun aber verweist pitchfork.com auf die dazugehörige B-Seite, das wollen wir dann doch nicht versäumen mitzuteilen - "The March", hier.
Donnerstag, 10. Mai 2012
Der Song als Sog
Kofelgschroa
„Kofelgschroa“ (Trikont)
Das hätte sauber schiefgehen können: Da macht man sich so an seine Arbeit, bastelt eine passende Einleitung zurecht – Allgäu, Tschiersch Jockel, Kluftiger, Kässpatzen – nur um dann feststellen zu müssen, dass die Heimstatt des Kofelgschroa, also Oberammergau, gar nicht im Allgäu, sondern Oberbayern verortet ist. Das passiert also, wenn sich ein Fremdsprachler, sprich: Nichtbayer, an Mundartmusik abarbeitet. Glück gehabt. Blieben halt noch die Passionsspiele, der Stückl Christian und der Gemeinderat der Stadt, dessen Aufstellung, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, für sich allein eher wie das Inhaltsverzeichnis einer Wiglaf-Droste-Romanze klingt: Für unser Dorf/Die Frauenliste/Mit Augenmaß/Unabhängiges Mitglied/...
Das hätte sauber schiefgehen können: Da macht man sich so an seine Arbeit, bastelt eine passende Einleitung zurecht – Allgäu, Tschiersch Jockel, Kluftiger, Kässpatzen – nur um dann feststellen zu müssen, dass die Heimstatt des Kofelgschroa, also Oberammergau, gar nicht im Allgäu, sondern Oberbayern verortet ist. Das passiert also, wenn sich ein Fremdsprachler, sprich: Nichtbayer, an Mundartmusik abarbeitet. Glück gehabt. Blieben halt noch die Passionsspiele, der Stückl Christian und der Gemeinderat der Stadt, dessen Aufstellung, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, für sich allein eher wie das Inhaltsverzeichnis einer Wiglaf-Droste-Romanze klingt: Für unser Dorf/Die Frauenliste/Mit Augenmaß/Unabhängiges Mitglied/...
Oder halt der hiesige Hausberg – der Kofel. Da macht sich
einiges dran fest, denn Kofelmusik, noch ganz ohne Gschroa, nannten sich
Matthias Meichelböck, Martin und Michael von Mücke und Maxi Pongratz in ihren
Anfangstagen 2007 – schon da klassisch instrumentiert mit Tenorhorn,
Helikontuba, Flügelhorn und Gitarre. Später dann mit Geschrei, obwohl das nicht
wörtlich zu nehmen ist, denn die vier sind eigentlich recht friedliche
Gesellen. Zudem solche, die neben der beharrlichen Heimatverbundenheit (merke
hier: Dialekt) auch gern die Liebe zur Ursprünglichkeit, zur Natur – ja, so
simpel kann das schon mal klingen – thematisieren. Das ist dann das Wasser, was
ohne menschliches Zutun seinen Weg findet, in fast meditative Zeilen gegossen,
die in ihrer Doppeldeutigkeit doppelt so viel Spaß machen: „Abwärts geht’s aloa,
koaner braucht was do...“ (Eintagesseminar) Später dann die Sonne, der Wind und
das Licht, denen staunend beim Wäschetrocknen zugeschaut wird – „...wie schön
ist das eigentlich“ (Wäsche).
Die kehligen Verse, mal im Stile von Attwenger durch
Endloswiederholung zum hypnotisierenden Mantra gewandelt (Sog Ned/Wann i), mal
durch angedeutetes Zwiegespräch mit dem Hörer in bester Fredl-Fesl-Manier (Eintagesseminar/Oropax),
oftmals mit feinem, bissigen Humor versehen: „Frühner oder spater braucht a
jeder Mensch sein Schlof, die meisten Leut nehm si Zeit dafür und a paar holn‘s
auf im Grab“ (Schlaflied). Weil sie den anderen Teil selbst am besten
beschreiben, darf man hier gern zitieren: „Es geht um Freud und Leid, um
Einsamkeit oder pure Zufriedenheit und überdruckventilische Ausschüttung.“
Und Sehnsüchte, möchte man ergänzen, nach der unbeschwerten,
unbekümmerten Sandltour (14 Dog), und dann plötzlich direkt und
unmißverständlich danach, dass diesem einen Leben, das man gerade genießt, doch
eine Verlängerung von ganz oben zugestanden werden möge. Geschlossen wird mit
der kunstvoll variierten Volksweise vom Hans und der Lies in Ober- oder eben
Unterammergau – die Chöre geschichtet, der Song als Sog, schön zu hören, dass neben
Labelmates und Gleichgesinnten noch immer ausreichend Platz für Neues und
Überraschendes ist.
Das Kofelgschroa unterwegs:
27.05. München, Kranhalle (Releaseparty mit G.Rag)
31.05. München, Drehleier
15.07. München, Trikont Volkstheater Sommerfest
28.07. Hörbach, Wirtshaus Sandmeier
Das Kofelgschroa unterwegs:
27.05. München, Kranhalle (Releaseparty mit G.Rag)
31.05. München, Drehleier
15.07. München, Trikont Volkstheater Sommerfest
28.07. Hörbach, Wirtshaus Sandmeier
04.08. München, Theatron
08.09. Oberaudorf, Luegstock Festival
18.10. München, Volkstheater
08.09. Oberaudorf, Luegstock Festival
18.10. München, Volkstheater
21.10. Augsburg, Parktheater
Zum Aufwärmen
Neues von den vier Frauen aus München, die mit Vorliebe ihre Songs nach fortlaufenden Nummern benennen und ansonsten und überhaupt ganz wunderbaren Krach fabrizieren: Candelilla haben zu ihrem neuen Stück "23/33" ein frostiges Video gedreht, es stammt von der im Herbst erscheinenden Platte "Heart Mutter" und wurde wie der bald folgende Rest von Steve Albini (ja, dem) produziert.
Er spricht
Bewußt einige Tage stillgehalten, dann aber doch ein kleines Update zum vielleicht (unter Umständen, möglicherweise, eventuell, ...) bald erscheinenden neuen Album von My Bloody Valentine: Ein Drum&Bass-Song soll drauf sein (naja), ohnehin stammt der Großteil der Ideen und Songs aus den 90ern, also aus ihrer aktiven und kreativen Phase - Kevin Shields jedenfalls, sonst eher ein Schweiger, hat theqietus.com ein recht langes und möglicherweise dann doch erhellendes Interview gegeben - hier.
Mittwoch, 9. Mai 2012
Trotzdem: Krach machen!

Keine schöne Nachricht: Gestern ist im Alter von 83 Jahren Maurice Sendak, der Schöpfer des Kinderbuches "Wo die wilden Kerle wohnen", in Danbury verstorben. Nicht nur die Kinder trauern.
“I have nothing now but praise for my life. I’m not unhappy. I cry a lot because I miss people. They die and I can’t stop them. They leave me and I love them more. … What I dread is the isolation. … There are so many beautiful things in the world which I will have to leave when I die, but I’m ready, I’m ready, I’m ready.” (Maurice Sendak/npr books)
With a little help
In der Wochenendausgabe der Süddeutschen noch der Nutzlosigkeit bezichtigt, erweist sich zumindest die Website des Rolling Stone als hilfreich: Hier bekommt man als Gratisdownload den Track "Do It Anyway" vom kommenden Album der Ben Folds Five zugesteckt - ein Heuler, ein Schüttler, hier.
Dienstag, 8. Mai 2012
Ach Gottchen
Das sollte wohl eine ganz und gar oberlustige Nummer werden, die Gwen Stefani da mit ihren Kollegen von No Doubt eingeübt hat: In einem kleinen Videofilmchen kündigt die Band für den September diesen Jahres ihr neues Album an und das so urkomisch, dass einem vom Schenkelklopfen schon alle Gliedmaßen schmerzen. Wollen wir also hoffen, dass die Grinsebacken aus Kalifornien sich für ihre Platte etwas mehr Mühe geben.
Was sie will
The Gossip „A Joyful Noise“ (Columbia)
Besprechungen wie diese sind nicht sehr angenehm. Zumindest für jemanden, der gern den alten Zeiten nachhängt und nicht jede neue Kurve so geschmeidig zu nehmen weiß wie andere Zeitgeister um einen herum. Und auch wenn einem im Grunde klar ist, dass das ewige Herumreiten auf den ollen Indiekamellen nichts bringt und, schlimmstenfalls, sogar höchst ungerecht ist, möchte man die grundsympathische Beth Ditto doch mal zur Seite nehmen und ihr ein paar Takte sagen. Allein – es würde nichts helfen. Für ihren Eigensinn und ihre Beharrlichkeit ist sie ja nun mittlerweile weltweit bekannt und dadurch auch zu so etwas wie einem richtigen Star geworden. Und es wird sie ein müdes Schulterzucken, ein glucksendes Lachen kosten, beklagte man sich über die Entwicklung, die ihre Band in den letzten Jahren genommen hat.
Die ersten Schritte in Richtung Disko hatte ihr bei „Music For Men“ noch Rick Rubin beigebracht, Dittos selbstbetitelte EP aus dem letzten Jahr vollzog den Wandel komplett und auf „A Joyful Noise“ ist nun zu hören, dass an eine Rückkehr zum Rock nicht mehr zu denken ist – die Frau hat sich entschieden, das ist ihr Weg. Madonna also, die sie wie keine Zweite als Ikone verehrt, soll es sein, ABBA zudem, auch wenn von dieser Verwandtschaft kaum etwas auf dem aktuellen Album herauszuhören ist, die Wahl des Produzenten Brian Higgins aka Xenomania anstelle eines überarbeiteten Mark Ronson fundamentiert die neuen Eckpfeiler des Gossip-Sounds: souliger Dancepop, der in seinen schwachen Momenten zum Eurotrash zu kippen droht, etwas Italo, etwas House, nicht für die schummrige Studentenbude, sondern für die feierwütigen Clubs sind diese Songs gemacht.
Die ersten Schritte in Richtung Disko hatte ihr bei „Music For Men“ noch Rick Rubin beigebracht, Dittos selbstbetitelte EP aus dem letzten Jahr vollzog den Wandel komplett und auf „A Joyful Noise“ ist nun zu hören, dass an eine Rückkehr zum Rock nicht mehr zu denken ist – die Frau hat sich entschieden, das ist ihr Weg. Madonna also, die sie wie keine Zweite als Ikone verehrt, soll es sein, ABBA zudem, auch wenn von dieser Verwandtschaft kaum etwas auf dem aktuellen Album herauszuhören ist, die Wahl des Produzenten Brian Higgins aka Xenomania anstelle eines überarbeiteten Mark Ronson fundamentiert die neuen Eckpfeiler des Gossip-Sounds: souliger Dancepop, der in seinen schwachen Momenten zum Eurotrash zu kippen droht, etwas Italo, etwas House, nicht für die schummrige Studentenbude, sondern für die feierwütigen Clubs sind diese Songs gemacht.
Und hätte Beth Ditto diese kraftvolle, wunderbare Stimme nicht, die manchmal etwas dünnen Ideen der neuen Stücke würden deutlicher zutage treten – so jedoch schafft sie es (trotzdem wieder), dem krittelnden Argwohn einen saftigen Tritt in den Hintern zu verpassen, so wird dann doch aus fast jedem der Stücke eine Feier ausgelassenen Frohsinns. Gitarren sind mittlerweile vom Gerüst fast zum Fremdkörper verkommen, das bratzige Exemplar im Eröffnungsstück „Melody Emergency“ hätte man sich da eher schenken können. „Perfect World“ ist satt und eingängig, auch die kräftig pumpende Aufarbeitung der eigenen Wegstrecke („Girl you better get a job, girl you need to work real hard“/Get A Job) ist gelungen. Weitere Favoriten finden sich mit dem vergleichsweise zarten und nicht ganz so grellen „Casualities Of War“, dem Soul von „Involved“ und der ansteckenden Funkyness in „Horns“.
Gar nicht dunkel
Nein, das ist keinesfalls Heidi, das berühmte schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo, sondern der nicht minder berühmte Will Oldham in seiner Funktion als Bonnie 'Prince' Billy. Warum der nun so komisch guckt? Nun, er hat sechs seiner alten Songs für die kleine EP "Now Here's My Plan" (Drag City) neu eingespielt und herausgekommen sind deutlich aufgehellte, regelrecht beschwingte Versionen - für das ganz und gar wundervolle "I See A Darkness" gibt es sogar einen putzigen Videoclip, in welchem nach Anweisung von Regisseur Ben Berman allerseits kräftig rumgealbert werden durfte - hier.
Montag, 7. Mai 2012
Für den Moment
Beach House „Bloom“ (Bella Union)
Um das vorwegzuschicken: Es hat an gleicher Stelle – und nicht zu Unrecht – schon viel Hähme über allzu Süßliches und beschaulich Flauschiges gegeben, über Bands und Solisten, die unentwegt ihre musikalische Zuckerwatte auf’s Stäbchen drehen und meinen „so wat dat jefällt die Leute.“ Beach House, das frankoamerikanische Dreampopduo aus Baltimore, bestehend aus Sängerin Victoria Legrand und Gitarrist Alex Scally, müssen sich in dieser Hinsicht nichts vorwerfen, denn auch wenn ihre Songs zuweilen das reine Glitzern und Schillern sind und man nicht lang braucht, um sich – rein sinnbildlich natürlich – an ihnen anzuschmiegen, die Süße, die sie verkaufen ist eine bittere, melancholische, sie feiert den Moment, weil sie um das betrübte Davor und Danach weiß.
Drei Platten haben die zwei vor der aktuellen aufgenommen, die letzte mit dem Namen „Teen Dream“ ist so überschwänglich gelobt worden, dass einem fast Angst um die beiden werden mußte – unbegründet, denn die meterhoch gesteckten Erwartungen konnten sie mit „Bloom“ problemlos erfüllen. Es ist, keine Überraschung, wieder ein recht verträumtes, fein gesponnenes Album geworden, die Nähe zu den Cocteau Twins ist nicht zu leugnen und die traurigen Momente gehören Gitarren, die man so schon bei Interpol ins Herz geschlossen hatte. „Lazuli“, „Troublemaker“, „Wishes“ – in diesen Songs funkelt es also nicht nur, es winden sich auch mollgestimmte, dunkle Harmonien um Legrands helles Organ.
Der Opener „Myth“ war als vorausgekoppelte Single schon ein großes, ein faszinierendes Versprechen, der Rest der Platte folgt ihm mühelos, das berückende „Wild“ ebenso wie „On The Sea“ als schwärmerischer, traumverlorener Schunkler („Somebody's tried nobody made you, it's not what you stole its what they gave you, in or out you go, in your silence your soul“). Natürlich muß man aufpassen, dass man nicht zu viel davon bekommt, je tiefer man sich hier fallen läßt, desto schwerer findet man zurück nach draußen. Aber das war schon, um bei den beiden genannten Vorbildern zu bleiben, bei „Blue Bell Knoll“ oder „Pioneers To The Fall“ nicht anders und gehört irgendwie zum Spiel. Sich darauf einzulassen ist auch bei dieser Platte nicht die schlechteste Idee. http://www.beachhousebaltimore.com/
Unverdient
Nein, das hat er nicht verdient, der Adam Yauch. Aber machen kann er - wie so viele andere, die gegangen, aber nicht vergessen sind - nix, und so darf Chris Martin seine klebrige Version des BB-Klassikers "Fight For Your Right" dem tränenumflorten Publikum präsentieren und keiner, wirklich keiner hat den Arsch in der Hose, den Strom abzudrehen. Traurig.
In Hamburg sagt man Tschüss! [Update²]
Es hat nicht gereicht. Tja. Kein Grund zum Jammern, kein Grund für Beileidsadressen, denn der mögliche Aufstieg wurde - wie so oft - nicht im letzten, grandiosen Spiel vergeigt, sondern in den Partien davor. Anders als die Paderborner gehen die Jungs des FC St. Pauli jedoch erhobenen Hauptes vom Platz, denn was sie gestern getan haben, war das Nötige, das Mögliche und noch etwas mehr. Für die neue Saison heißt es jetzt, den Kader zusammenzuhalten und im Sturm nachzulegen - ohne Deniz, ohne Calle, das ist schade, hoffentlich mit Schubert, das wäre schade. Und nun alle Kraft den DDorfern, auf dass sie weniger die Hertha als vielmehr das unsägliche Gespann Rehagel/Preetz eine Etage abwärts und dem Kiezklub vor die Flinte schicken!
Update: Nun ist er doch weg, der André Schubert.
Update²: Haha, nu isser doch nicht weg.
Update: Nun ist er doch weg, der André Schubert.
Update²: Haha, nu isser doch nicht weg.
Sonntag, 6. Mai 2012
Nur Mut
Man weiß nicht, wie groß die Versuchung für Corinna Repp und
Joe Haege, die Hauptakteure des Quartetts Tu Fawning aus Portland war, etwas am
Konzept der Band zu drehen, den Sound vielleicht etwas weniger sperrig, etwas
glatter zu produzieren. Wer will schon Zeit seines Musikerlebens als Geheimtipp
gelten? Keine Angst offenbar, welche die beiden umtreibt, keine Frage, die sie
sich stellen – genaugenommen haben sie für den Nachfolger des herrlichen „Hearts
On Hold“ so gut wie nichts geändert, Nuancen vielleicht, ein paar mehr Kabel
für elektronische Ausschmückungen eingestöpselt, das Ganze um ein paar mehr
Klangspuren erweitert, nicht mehr. Das zu tun und das Ergebnis „A Monument“ zu
nennen ist kein Understatement, sondern fast Übermut. Der sich, das kann man
konstatieren, gelohnt hat.
Dieses Album weist nicht ein Weniger, sondern ein Mehr all der Sachen aus, die schon den Vorgänger so reizvoll gemacht haben. Das stetige trockene, harte Getrommel als treibende Kraft ist geblieben, noch immer ist der Stil der Band nicht einzuordnen und hat nichts von seiner Mystik und seinem Zauber eingebüßt. Die helle, teils brüchige Stimme Repps schwebt auch weiter über all dem düsterdunklen Gepolter – wenn sie zu Beginn („Anchor“) „all the wrestlers in your heart“ beschwört und dazu somnambule Gestalten durch eine karge Küstenlandschaft taumeln, dann entfaltet das schon eine recht geheimnisvolle, eigenwillige Aura.
Dieses Album weist nicht ein Weniger, sondern ein Mehr all der Sachen aus, die schon den Vorgänger so reizvoll gemacht haben. Das stetige trockene, harte Getrommel als treibende Kraft ist geblieben, noch immer ist der Stil der Band nicht einzuordnen und hat nichts von seiner Mystik und seinem Zauber eingebüßt. Die helle, teils brüchige Stimme Repps schwebt auch weiter über all dem düsterdunklen Gepolter – wenn sie zu Beginn („Anchor“) „all the wrestlers in your heart“ beschwört und dazu somnambule Gestalten durch eine karge Küstenlandschaft taumeln, dann entfaltet das schon eine recht geheimnisvolle, eigenwillige Aura.
Neun Stücke zählt „A Monument“, weniger gelungene oder gar
schwache sind dabei nicht auszumachen: An manche Überraschung muß sich der
Hörer zwar erst gewöhnen, etwa wenn beim eingängigen Gothrock von „Wager“
plötzlich bratzige Gitarren den Rhythmus brechen, um gleich danach von
purzelndem Gezupfe abgelöst zu werden – das nennt man, erfolgreich gegen die
Erwartungen zu arbeiten. Viele der Stücke wirken wie für einen Filmscore
arrangiert, für „Build A Great Cliff“ lassen Tu Fawning die Kavallerie von der
Leine, Ennio Morricone läßt grüßen. Bei „Skin And Bone“, noch mehr bei „In The
Center Of Powder White“ geht’s in die Höhe und in die Breite gleichermaßen,
mehrschichtige Chöre, verzerrte Stimmsequenzen, näher kann man den Glanztaten
von Portishead nicht kommen.
Der beste Song vielleicht „To Break Into“ – ein anrührender Wechselgesang zwischen Repp und Haege, im Hintergrund eine klagende Trompete vor tiefschwarzem Gewummer, ein Lied wie ein Sog, ein Zurück kaum denkbar. Die siebeneinhalb Minuten von „Bones“ als Finale, klirrend, hektisch, tonnenschweres Piano dazu, das ist dann wirklich monumental und sehr dick aufgetragen. Am Ende kann man das „Über“ vor „Mut“ getrost streichen, es ist eine beeindruckende Rückkehr und zugleich eine gelungene Fortsetzung geworden, ob diese Beharrlichkeit auch belohnt wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. www.tufawning.com
Der beste Song vielleicht „To Break Into“ – ein anrührender Wechselgesang zwischen Repp und Haege, im Hintergrund eine klagende Trompete vor tiefschwarzem Gewummer, ein Lied wie ein Sog, ein Zurück kaum denkbar. Die siebeneinhalb Minuten von „Bones“ als Finale, klirrend, hektisch, tonnenschweres Piano dazu, das ist dann wirklich monumental und sehr dick aufgetragen. Am Ende kann man das „Über“ vor „Mut“ getrost streichen, es ist eine beeindruckende Rückkehr und zugleich eine gelungene Fortsetzung geworden, ob diese Beharrlichkeit auch belohnt wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. www.tufawning.com
Freitag, 4. Mai 2012
Kein Krach mehr
Das ist ganz bitter: Wie die Netzplattform TMZ.com meldet, ist Adam Yauch mit 47 Jahren seiner 2009 diagnostizierten Krebserkrankung erlegen. Das letzte Album, die Konzerte dazu - wohl alles trügerische Hoffnung, die Beastie Boys sind nunmehr zu zweit. R.I.P.
Güle güle, Digger!
Ein herzliches Servus geht Ende dieser Woche schweren Herzens an Cenk Batu, der am Sonntag in seinem letzten Tatort den Filmtot stirbt und an Mehmet Kurtulus, der als interner Ermittler in Diensten des NDR den Job an den Nagel hängt. Schade drum, was danach kommt, kann nicht besser werden. Ein letztes Interview zur Sachlage bei Spiegel Online, Klappe.
Hexerei
Für manche Songs ist es nicht unbedingt ein Vorteil, dass diese noch visuell aufbereitet werden. Neneh Cherrys Version von Madvillains "Accordion", aufgenommen für ihr Coveralbum "The Cherry Thing", ist ein ganz wunderbares Stück Musik, ein Hexentanz, nur die grünlich gruseligen Nachtaufnahmen schmeicheln ihrem Teint nicht gerade. Für die seit längerem bekannte Variantion des Suicide-Songs "Dream Baby Dream" gibt's gottlob nur den Audiostream.
Tote Hose [2] Schnittmenge
Man muß Die Toten Hosen nicht mögen. Man muß auch den FC Bayern nicht mögen. Doch manchmal kommt der Moment, da die Schnittmenge aus beidem durchaus sympathisch rüberkommt. So geschehen bei der Magical Mystery Tour der Hosen, Tag 10, München, Partykeller Jens Jeremies. Oft gepostet, natürlich auch hier.
Tote Hose [1] Stimmt.
Q "In den Neunzigern sind sie den Leuten ziemlich auf den Geist gegangen."
A "Sehe ich heute auch so."
Campino im SZ-Magazin 18/2012
A "Sehe ich heute auch so."
Campino im SZ-Magazin 18/2012
Plus zwei
Ende Mai ist es endlich soweit - 2:54 werden dann ihr erstes Studioalbum veröffentlichen. Dass Colette und Hannah Thurlow derzeit gut im Geschäft sind kann man auch daran ermessen, dass die beiden als Support für die ersten Gigs von The XX gebucht sind, mehr Aufmerksamkeit ist derzeit wohl kaum zu bekommen. Die erste Single des neuen Albums ist zwei Minuten länger als der Bandname, heißt aber "Creeping" und kann hier vorgehört werden.
Donnerstag, 3. Mai 2012
Neues Pflänzchen
Dass Ingolstadt außer dem Geburtshaus von Horst Seehofer, Audi und einem zweitligatauglichen Fußballverein noch einiges mehr zu bieten hat, wird zumindest dem musikalisch vorgebildeten Rockisten ein müdes Gähnen entlocken, weiß er doch, dass mit Slut und Pelzig zwei Bands aus der oberbayerischen Großstadt kommen, die sich schon einige Meriten in der deutschen Indieszene erarbeitet haben. Seit letztem Jahr wächst nun aus diesem Kreativpool ein neuer Absenker heran, diesmal allerdings in München beheimatet: Renè Arbeithuber, sowohl bei Slut als auch Pelzig mit von der Partie, hat zusammen mit Stella Lindner das Duo Gender Bombs gegründet, die beiden waren zusammen im Studio und haben mit Piano, Gesang und allerlei elektronischen Ausschmückungen versucht, ihren Sound zu finden. Zu hören gibt es davon bisher das Demo "Danube", der Rest steht wohl für Ende des Jahres in Aussicht. Vorerst sind zunächst Liveauftritte geplant - unter anderem auf dem Traumtaktfestival am 14. Juli in - genau: Ingolstadt. http://www.genderbombs.com/
Ein paar Töne mehr, bisher Ungehörtes und Unbenanntes auch bei:
Detektor.FM im Musikzimmer
Ein paar Töne mehr, bisher Ungehörtes und Unbenanntes auch bei:
Detektor.FM im Musikzimmer
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