Donnerstag, 30. September 2021

Divide And Dissolve x Moor Mother: Meinungsverstärkerinnen

Für all jene, die in den Redaktionsstuben (very vintage, haha) schon über den Jahrescharts brüten, gibt es heute noch einmal den dringenden Hinweis, doch ja nicht die wunderbare Platte "Gas Lit" von Takiaya Reed und Sylvie Nehill alias Divide And Dissolve unter den Tisch fallen zu lassen. Dieses Album nämlich kam fast gänzlich ohne Worte aus und schaffte es dennoch, das Hauptanliegen des Duos aus Australien - systemischen Rassenhass - auf das Eindrücklichste in den Verdergrund zu stellen. Da passt es ganz gut, dass gerade heute als Reminder auf die bald ebenfalls bei Invada Records erscheinende Remix-EP der beiden die zweite Vorauskopplung "Mental Gymnastics" ins Netz ging. Und die hat dann auch noch Moor Mother bewerkstelligt, in der vergangenen Woche selbst wieder mit einem aktuellen Tonträger im Gespräch. Und auch wenn's keine drei Minuten geworden sind - es hätten sich Bessere nicht zusammentun können. Ähnlich loben darf man im Übrigen auch die Neubearbeitung von "Far From Ideal" durch Chelsea Wolfe, die wir natürlich auch nicht unterschlagen wollen.









Mittwoch, 29. September 2021

Bedouine: Heilsame Wirkung

Nicht zu Unrecht wird der Musik ja zuweilen eine heilsame Wirkung zugeschrieben. Nun, das gilt vielleicht nicht gerade für die Werke von Burzum oder Behemoth (obwohl es da aus bestimmter Richtung auch gegensätzliche Meinungen zu geben wird) - wir meinen hier eher die beruhigenden Lieder, die Rastlosigkeit und Groll zum Verschwinden bringen, Stunden plötzlich in mildes Licht tauchen können. Das Oevre von Azniv Korkejian, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Bedouine, darf hierfür als Lehrbeispiel dienen, die Musik der gebürtigen Syrerin, jetzt wohnhaft in Los Angeles, ist von seltener Zartheit und Eindringlichkeit, das gilt für ihre beiden bislang erschienenen Alben und auch für die erste neue Single "The Wave", die vor einigen Wochen die Runde machte. Und nun kommt heute die zweite hinzu, "It Wasn't Me" stammt ebenfalls von kommenden Album "Waysides", das für den 22. Oktober bei The Orchard angekündigt ist.





Dienstag, 28. September 2021

Gone To Color: Populäre Bastelarbeiten

Elektronische Frickeleien werden solche Sachen ja gern etwas abschätzig genannt, aber gerade hier in Deutschland weiß man, dass kluge Bastelarbeiten aus dem Homeoffice durchaus zu Weltruhm führen können - schauen wir nur auf die Weilheimer Werkstatt The Notwist und deren anhaltenden Erfolg. Wenn man noch dazu seine ambitionierten Spielchen mit den passenden Stimmen garniert, ist auf einmal Schluss mit Nische und das Ganze wird zu etwas Größerem. So jedenfalls könnte es bald den Herren Tyler Bradley Walker und Matt Heim aus Atlanta und Washington D.C. ergehen, die gerade mit ihrem Projekt Gone To Color für einiges Aufsehen sorgen. Seit dem Frühjahr haben die beiden in losen Abständen eine Reihe von feinen Singles mit honorigen Features veröffentlicht, wir hätten da zum Beispiel Martina Topley-Bird, Pat Sansone (Wilco), Angus Andrew (Liars), Ade Blackburn (Clinic). Carson Cox (Merchandise) und Jessie Stein als Teil der kanadischen Band The Luyas. Nun gesellte sich auch noch der Welt sympathischster Parkettverleger Kurt Wagner von Lambchop für den Song "Just Smile" hinzu, betreut hat alle Einspielungen im Übrigen Tortoise' John McEntire (quasi Superfrickler). Das komplette Album erscheint am 15. Oktober, wir listen hier schon mal vorab alles verfügbare Material auf.







DIVES: Is ned Wuascht

Man kann die Dinge laufen lassen. Den Sommer also drangeben und den grauen Gefühlen die Tür sperrangelweit öffnen. Is ja eh schon Wuascht, draußen ist kalt, draußen ist feindlich, die Politik schert sich einen Dreck um unser Votum. Man kann sich aber auch weniger fatalistisch dagegenstemmen, besser: dagegen ansingen. Machen gerade die Wienerinnen DIVES mit ihrer neuen Single "Streets", erschienen auf Siluh Records. Und begleitet von einem herrlich schrägen Dachterrassenvideo. Zusammen mit "Stay Right Here" und "Burger" wären das schon drei Stücke, die nach einem neuen Album schreien, das letzte "Teenage Years Are Over" stammt aus dem Herbst 2019. Wir hätten also nichts dagegen.






Montag, 27. September 2021

The Lathums: Those were the days

The Lathums
„How Beautiful Life Can Be“

(Island/Universal)

Natürlich kann man das versuchen, aber leicht wird es sicher nicht: Die einzige Möglichkeit, dem Charme des Debütalbums von Alex Moore und seiner Band The Lathums zu entgehen, ist, es komplett zu ignorieren. Gelingt dies nicht, läuft man Gefahr, der Musik des Quartetts aus dem Städtchen Wigan rückhaltlos zu verfallen. Was nicht schlimm und obendrein ziemlich fair wäre, denn außer einem trutzigen Kirchbau, einem maßvoll erfolgreichen Fußballklub (der in der dritten englischen Liga kickt) und der Erwähnung als Geburtsort von Vokuhila-Star Limahl hat die ehemalige Bergarbeitersiedlung nicht viel zu bieten. Und so groß sollte der Schatten, über den man zuvor springen muss, nun auch wieder nicht sein, schließlich werden sich die Älteren unter uns vielleicht daran erinnern, dass auch Coldplay, Keane oder Travis in ihren Anfangsjahren reichlich Sympathiepunkte ernten konnten für Musik, die sich von dieser hier nicht maßgeblich unterscheidet.



Stichwort Sympathiepunkte: Das Schöne ist ja, dass man gar nicht anders kann, als Sänger Alex Moore, gesegnet mit einer verteufelt geschmeidigen Stimme, all das abzukaufen, wovon er in seinen Songs erzählt. Dass er noch immer mit großen Augen auf der Bühne steht und ungläubig auf die Masse starrt, die sich jetzt davor versammelt hat. Wo er doch noch die Zeiten kennt, da man sich für ein paar Pints und den vollen Tank durch die Pubs mucken musste. Dass er diese Erinnerungen nicht missen möchte (schön in „I’ll Never Forget The Time I Spent With You“) ehrt ihn, zurückbleiben im ewig gleichen Trott möchte Moore aber dann auch nicht („I Know That Much“). Keine Frage, das Songwriting dieser Platte ist exzellent – das, was die Briten gern als happy-go-lucky bezeichnen wechselt mit Melancholie und Sentiment, die Gitarren janglen ordentlich und ein ordentliches Solo ist auch mal drin.



Mal sind’s Police, mal The Smiths, dann wieder die deutlich kaputteren Babyshambles, die Gefahr bei alle den famosen Stücken ist eigentlich nur, dass man sie zu schnell zu oft hört und dann überbekommt. Ein wenig Kitsch sollte man zudem vertragen, Album-Motto und Titelsong beispielsweise entstanden bei einem Gespräch zwischen Moore und seiner Mutter auf der heimatlichen Couch, wir hören von Engelsgesang, Love Bombs und dass John Lennon eigentlich nicht hätte sterben dürfen. Wenn Moore zum Kampf aufruft wie in „Fight On“, dann klingt das schon recht vorsichtig, ein Großmaul ist er wohl auch in der Schule nicht gewesen. Eher einer, der sich im Hintergrund hält und beobachtet, der lieber davon erzählt, wie wichtig ihm Blicke und Sprache des Gegenübers sind, wo doch alle nur an ihren „Artificial Screens“ hängen. Rührend das alles, vielleicht etwas simpel – aber hey, wo steht geschrieben, dass alles immer so wahnsinnig kompliziert sein muss?



Freitag, 24. September 2021

Moor Mother: Die Wahl der Waffen

Moor Mother
"Black Encyclopedia Of The Air"

(Anti- Records)

Aus künstlerischer Sicht ist diese Frage natürlich völlig nebensächlich, aber beschäftigt man sich näher/länger mit dem Werk von Camae Ayewa alias Moor Mother, dann taucht sie unweigerlich auf: Tut sich nun leichter mit der Aneignung, wer nur diese neue Platte kennt oder doch diejenigen, denen auch die ersten Veröffentlichungen geläufig sind? Denn unterschiedlich sind sie allemal. Zunächst die elektronischen, experimentellen Skizzen noch auf Tape als Moor Mother Goddess 2015, danach die allmähliche Hinwendung zu düsterem Noise und Hip Hop auf "Fetish Bones" und "Analog Fluids Of Sonic Black Holes" (mit dem tollen "Black Flight" und Saul Williams) – Stimme und Sound fast immer am Anschlag. Mehr Jazz später, weniger harsch, Freiräume, Schwingungen, das wunderbar vielschichtige „Brass“ zusammen mit Billy Woods aus dem vergangenen Jahr. Und nun also dieses Album mit seiner riesigen Gästeliste aus einer so spannenden wie relativ unbekannten Underground-Szene, geschuldet der Pandemie und der Quarantäne. Loops, Samples, Zitate, Geräusche wechselten die Seiten, entwickelten und verdichteten sich zu dem flirrenden, raschelnden, wispernden Klangkosmos, unglaublich beweglich, flüchtig fast.



Die Poesie tritt, so Ayewa, wieder deutlich mehr in den Vordergrund, Worte, die nicht immer drastisch, aber wohl überlegt und kraftvoll sind. „I like to punch people in the heart and then kiss the heart“ hat sie dem Online-Magazin Pitchfork erzählt, das schon. Aber eben auch, dass Härte nicht alles ist und sich rude speech ziemlich schnell verbraucht oder hohl bleibt, wenn nichts folgt. In ihren Worten: "People are making good music, but it’s political? No. Not that I’ve seen. It’s pretty safe. What are they saying beyond 'fuck you' or 'I’ll kill this guy' or 'fuck Donald Trump'? What does that really mean? What does that do? Maybe 'fuck' is not radical enough. It’s too common. Little kids say 'fuck.'" Hier also die dringlichen Themen wie weibliches Empowerment, Umweltzerstörung, systemischer Rassismus, aber eben mit anderem textlichen Schwerpunkt. Und musikalisch ist Moor Mother ohnehin meilenweit entfernt von jeglicher Berechenbarkeit und Langeweile, Free Jazz, Gospel, Rap, "Tarot" klingt wie eine kultische Beschwörung, "Zami" wütet, "Clock Fight" klappert und rasselt, ein wunderbares Spektakel das alles. Es ist am Ende wie immer: Wer sich darauf einlässt, wird gut unterhalten – ohne den Ernst der Sache zu vergessen.



DAF: Als wär's das letzte Mal

"Nur noch einer", das klingt ein wenig wie die letzten Worte aus Ernst Jandls berühmtem Kinderbuch: "Letzter sein". Und kommt daher mit einem Dreh, der sofort irritiert. Das Video, in dem der eine der beiden lebendig scheint und der andere einmontiert, die Bewegungen holzschnittartig, das Gesicht als Maske, künstlich. Wir reden von Gabi Delgado und Robert Görl, zwei wie Pech und Schwefel, zwei zu den drei großen Buchstaben DAF, Deutsch Amerikanische Freundschaft - Lack, Leder, Schweiß, Beat. Legende, nicht weniger. Doch Delgado ist nicht mehr, auch wenn er derjenige ist, der in besagtem Kurzfilm den belebten Part übernimmt. Irgendwie komisch. Aber irgendwie auch reizvoll, ein Verwirrspiel. Görl jedenfalls macht weiter, allein. Mit dem Track "Erste DAF-Probe" und vierzehn weiteren, die sich dem Album mit dem obigen Titel wiederfinden, VÖ am 26. November bei Grönland Records. Eine neuen Sänger zu engagieren, sei nie eine Option gewesen, so Görl. Und weiter: "Ich habe nach Gabis Tod sehr lange gebraucht, um mir darüber klar zu werden, wie es nun weitergehen sollte. Und da dachte ich: Kaum jemand kennt den Gabi so gut wie ich. Also habe ich die Texte selbst geschrieben und eingesungen. Es war zum Teil so, als wäre er in den Momenten bei mir gewesen, ich habe ihn richtiggehend gespürt. Es war aber nie meine Absicht, ihn zu kopieren, das würde man mir auch nicht abnehmen. Manche Texte sind dann aber trotzdem so geworden, wie der Gabi es gemacht hätte, immer mit einem starken Anteil von mir selbst."



Tocotronic: Let there be Frieden

Natürlich bekommen nur Tocotronic solch einen Albumtitel auf die Bühne: "Nie wieder Krieg". Da sind wir bei Käthe Kollwitz' Plakatmotiv, aber auch bei den tauben Worthülsen der Berufsantifaschisten der ehemaligen DDR. Schwieriges Thema - einerseits. Aber Dirk von Lowtzow darf man eben abnehmen, dass er die Worte genauso meint wie er sie sagt oder niederschreibt und plötzlich wird so aus der Schlagzeile ein Statement zur Zeit, zur Wahl, zu den Umständen unseres Lebens im Deutschland von heute. Lebeneinstellung rules, einmal mehr. Am 28. Januar soll sie dann also erscheinen, die nächste Studioplatte der Hamburger und ob es was heißt, dass die erste Single "Jugend ohne Gott gegen Faschismus" ganz locker Indie-Dad-mäßig dahinrockt, wissen wir wohl erst, wenn der ganze Rest da ist.





Isolation Berlin: Wenn Männer spielen [Update]

Okay, sehen wir mal von dem Fingerzeig mit dem grob geschnitzten Zaunspfahl ab (Start heute Fußball-EM), ist die neuerliche Rückmeldung von Isolation Berlin sehr, sehr erfreulich. Zumal sie mit dem Hinweis verbunden ist, dass am 8. Oktober bei Staatsakt das dritte reguläre Studioalbum der Band erscheinen wird. Und so eine Nachricht macht nicht mal der mögliche und ziemlich hypothetische Gewinn der europäischen Kickmeisterschaft wett. "Geheimnis" wird die Platte heißen und elf mutmaßlich überaus gelungene Songs aus der Feder von Tobias Bamborschke enthalten. Einen haben wir ja mit "(Ich will so sein wie) Nina Hagen" schon vorhören dürfen und nun eben "Ich hasse Fußballspielen" über falsch verstandene Männlichkeit. Anders als der andere Newcomer des Tages zum Thema Diversität (Drangsal mit "Mädchen sind die schönsten Jungs") kommt Bamborschke ohne alle Plattheiten aus und braucht für seine Reime auch keinen Holzhammer. Jetzt wollen wir noch hoffen, dass bald auch ein paar Livetermine folgen und dann kann der Sommer endlich kommen!

Update: Wer hat sie nicht - "Private Probleme"? Du, ich und Tobias Bamborschke auch. Und wie wir alle scheut er sich, darüber zu reden. Also singt er besser mal, die neue Single kommt mit einem knackigen Basslauf und - ganz wichtig - mit den Tourdaten für 2022! Und hinterher gleich noch "Enfant Terrible".

01.03.2022  Augsburg, Kantine
02.03.2022  Freiburg, Jazzhaus
03.03.2022  Wien, Flex
04.03.2022  München, Technikum
05.03.2022  Zürich, Bogen F
06.03.2022  Stuttgart, Im Wizemann
08.03.2022  Frankfurt am Main, ZOOM
09.03.2022  Düsseldorf, Zakk
10.03.2022  Bochum, Rotunde
11.03.2022  Münster, Gleis 22
12.03.2022  Köln, Gebäude 9
14.03.2022  Hannover, Béi Chéz Heinz
16.03.2022  Leipzig, Conne Island
17.03.2022  Kiel, Die Pumpe
18.03.2022  Hamburg, Mojo Club
19.03.2022  Rostock, Peter Weiss Haus
24.03.2022  Dresden, Beatpol
25.03.2022  Berlin, Festsaal Kreuzberg 




Levin Goes Lightly: Konsequent wandelbar [Update]

Auch dieser junge Mann kommt von der dunklen Seite und ist dort zudem schon eine Zeit lang unterwegs. Levin Stadler alias Levin Goes Lightly startete seine wandelvolle Karriere 2013 mit der EP "Dizzy Height", das Debütalbum "Neo Romantic" erschien zwei Jahre später und brachte ihm den Ruf eines schillerndern Pop-Chamäleons ein. Wieder zwei Jahre darauf gelang mit "GAPS" der endgültige Durchbruch, Vergleiche mit David Bowie kamen postwendend und wogen natürlich schwer. 2019 folgte mit "Nackt" eine deutliche Wende, die Texte deutsch jetzt und der Sound weit weniger dunkel. Schwierig für alle, die sich mal auf eine Richtung festgelegt hatten. Dass Stadler sich davon nicht irritieren lässt und im bewährten Rhythmus weiterarbeitet, nötigt Respekt ab - am 5. November wird bei Tapete Records nun der vierte Longplayer "Rot" erscheinen, er soll härter, intimer sein und ganz am Ende erwartet uns mit "Knowing Me, Knowing You" sogar ein Abba-Cover. Bevor wir das hören dürfen, kommt heute erst mal die Vorabsingle "Flirren" heraus, begleitet von einer Reihe Tourterminen.

09.10.  Winterthur, Akzent Festival 
07.12.  München, Milla 
08.12.  Nürnberg, Z-Bau 
09.12.  Linz, Kapu 
11.12.  Berlin, Schokoladen 
12.12.  Hamburg, Goldener Salon 
13.12.  Hannover, Lux 
14.12.  Mainz, Schon Schön 
15.12.  Köln, Jaki 
16.12.  Dresden, Ostpol 
17.12.  Stuttgart, Merlin   
 
Update: Gerade noch von DAF gesprochen, da stellt der Levin seinen DAF-Track ins Netz - hier ist der "Liebhaber".



Montag, 20. September 2021

Shady Nasty: Aus dem Rahmen

Außergewöhnlich ist vielleicht ein allzu starkes Wort, aber gewöhnlich ist das, was das australische Trio Shady Nasty anbietet, nun auch wieder nicht. Die Stücke der ersten EP von Kevin Stathis (Gitarre, Gesang), Haydn Green (Bass) und Luca Watson (Drums) aus dem Jahr 2017 klangen noch ziemlich analog und angerockt, das Klangbild wandelte sich allmählich und mittlerweile sind die drei bei einer eigenwilligen Melange aus Post-Punk, Rap und Elektronika angekommen. Und wo der Sound schon nicht in ein gängiges Raster passt, da fallen auch die Videos (in Zusammenarbeit mit Harry Welsh) aus dem Rahmen - alles zwischen Billig-DIY und Filmkunst ist dabei, gern irritierend, nur nicht langweilig. Für den 8. Oktober ist nun die Veröffentlichung ihrer vierten EP "Clubsmoke" mit vier Tracks bei Royal Mountain Records angekündigt, drei davon (IBIZA, PRETTYB0YZ, R0LL1N' H1LLZ) können wir hier in Audio plus Video präsentieren.







Christin Nichols: Eine Sehnsucht namens Malibu

Bevor wir uns als Hinterherläufer allzu arg blamieren, sei hier noch, gerade rechtzeitig zur Veröffentlichung ihrer neuen Single "Malibu", auf Christin Nichols' aktuelle Soloaktivitäten hingewiesen. Die Schauspielerin und Musikerin, auch bekannt als weibliche Hälfte des Berliner Electro-Punk-Duos Prada Meinhoff (zusammen mit René Riewer), hatte in diesem Jahr bekanntlich schon drei recht unterschiedliche Singles, mal deutsch, mal englisch, ins Rennen geschickt - "Sieben Euro Vier", "Neon" und "Today I Choose Violence" - als Nummer vier kommt nun die sehnsuchtsvolle Erinnerung plus Roadmovie dazu. Sie selbst ergänzt: "Malibu. Ein Song wie eine Jugend in einer Kleinstadt. In einer Zeit, wo die größten Probleme die aufleuchtenden Straßenlaternen waren und man vom Spielen nach Hause musste, nachdem man den ganzen Tag draußen in der Sonne war. Samtvorhänge, VHS-Kassetten, Eistee und ein besonderes Gefühl von Sicherheit, während man gleichzeitig die unendlich scheinenden Möglichkeiten des Lebens zum ersten Mal erlebt hat. Malibu ist das Gefühl zwischen erwachsen werden, sich sicher fühlen und gleichzeitig so frei sein, wie man es danach nie wieder war." Alle Songs werden sich auf dem Album "I'm Fine" befinden, das am 21. Januar 2022 erscheinen soll.









Freitag, 17. September 2021

Figure Of Speech: Herz und Faust

Ein Album, das man mit großer Spannung erwarten darf, wird am 1. Oktober von Figure Of Speech erscheinen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Musiker, MC und Autor Derek Edwards, wohnhaft in Bristol. Seiner Hautfarbe wegen oft genug selbst mit Rassismus konfrontiert, setzte der Mord an George Floyd den endgültigen Startpunkt für diese Platte - gemeinsam mit dem Label Boca 45 spielte er die mutmaßlich fünfzehn Tracks ein, von denen wir hier "Stand Firm" schon einmal anspielen dürfen. Auf dem Cover des Longplayers werden sich übrigens zwei simple Piktogramme befinden - ein Herz und eine Faust. Wenn wir hier nicht ganz danebenlieben, sollte es also um Kampf, Stolz, Liebe und Leidenschaft gehen - als Überschrift über das Ganze schreibt Edwards in aller Deutlichkeit: "This is an anti-racist album." Wer nicht warten möchte, kann auf seiner Soundcloud-Page schon einige ältere Stücke anhören.

Pa Salieu: Rebel for a cause

Zwei Veröffentlichungen gilt es heute noch zu erwähnen - eine gerade erschienene und eine, die erst noch kommt. Von Pa Salieu Gaye aus dem britischen Coventry, kurz Pa Salieu, haben wir erst kürzlich in Verbindung mit bad guy Slowthai gehört, der auf der Single "Glidin'" als prominentes Feature auftauchte, unbekannt ist der Rapper mit gambischen Wurzeln aber beileibe nicht. Im vergangenen Jahr nämlich droppte der Junge eine Reihe erfolgreicher Singles, die sich hernach alle auf dem Mixtape "Send Them To Coventry" fanden, vor einigen Tagen wiederum erschien die neue EP "Afrikan Rebel" mit drei starken Tracks zwischen Grime, Drill und Afrobeat. Für letzteres gesellt sich Obongjayar zu Salieu, den wir auch von einer Collabo mit Little Simz von deren Album "Sometimes I Might Be Introvert" kennen. Palieus Statement zu seiner 12" liest sich im Übrigen wie folgt: "Fundamentally Afrikan Rebel is about being proud and loud about where you come from in. For me that is Africa. Growing up in the UK especially having spent my early years in Gambia wasn’t always easy being black and especially not black African with an African accent, but I have always been taught to be proud of who I am and have never shied away from that fact for better or for worse." Er ergänzt: "I see the word ‘Rebel’ only in the most positive sense. Those figures through history that have fought against the odds to stand up for what they believe in have always intrigued and inspired me. ‘Rebel’ is a mindset that helps keep me strong and I hope I can encourage others to be vocal about their beliefs and stand up for what they feel is right."



Donnerstag, 16. September 2021

Courtney Barnett: Das Große im Kleinen [Update]

Wo wir gerade gedanklich in Australien sind - auch von der folgenden Dame ist in diesem Jahr noch Neues zu erwarten: Courtney Barnett hat soeben die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums angekündigt. Und weil wir wissen, dass sie ein Talent dafür hat, die großen Dinge auf die kleinen, alltäglichen herunterzubrechen und das auf eine sehr gefühlvolle, unverstellte Art, kann das gerade in Zeiten des emotionalen Durcheinanders, in das uns die Pandemie zwingt, nur eine gute Nachricht sein. Und es überrascht nicht, dass dies auch das Thema der Platte und der ersten Single "Rae Street" geworden ist. Hier nämlich - visuell sehr schön umgesetzt von W.A.M. Bleakley - geht es darum, den Blick auf die Mitmenschen, die Fürsorge nicht zu vergessen, das eben, was uns ausmachen und lenken sollte. "Things Take Time, Take Time", so der Titel der am 12. November erscheinenden Liedersammlung, wird zehn neue Songs enthalten, produziert wurde sie von Stella Mozgawa, die Fachkündigen auch als Drummerin der Kapelle Warpaint ein Begriff ist. Und folgt damit dem Debüt "Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit" aus dem Jahr 2015 und dem Nachfolger "Tell Me How You Really Feel" (2018) - wir dürfen gespannt sein.

Update: Ganz frisch und ebenso erfrischend ist das Video zur neuen Single "Before You Gotta Go", unter Regie der Australierin Claudia Sangiorgi Dalimore versucht sich Barnett am Field-Recording.





Mittwoch, 15. September 2021

A Place To Bury Strangers: Sonderangebot

Remix-Alben liegen noch immer im Trend und würden im Dow Jones wahrscheinlich Höchstkurse erzielen. Die Währung, in welcher der Erfolg von Musik gemessen wird, sind aber immer noch Streams und Verkäufe. Und weil sich an einem Record Store Day die treuesten, neugierigsten und auch die potentesten Kunden bei ihrem Dealer einfinden, werden eben dort die speziellsten Tonträger präsentiert. Remix-Alben beispielsweise. Auch A Place To Bury Strangers haben eines davon gemacht. Erst kürzlich mit ihrer EP "Hologram" erfolgreich reüssiert, gibt es von dieser 12" nun eine erweiterte Variante zu erwerben. Ihr eigenes Imprint Dedstrange wird also am 26. November "Hologram: Destroyed And Disassembled" veröffentlichen - ganze dreizehn Tracks werden sich darauf finden, Arbeiten von Daniel Fox (Girl Band), Penelope Isles, Do Nothing, Bodega, Ganser, Plattenbau, Randy Randall (No Age) und vielen mehr. Zeitgleich mit dieser Nachricht geht heute übrigens auch das Video zum Song "Playing The Part" unter Regie von Heather Bickford raus.

09.03.  Hamburg, Hafenklang
10.03.  Dresden, Beatpol
29.03.  Zürich, Bogen F
20.03.  München, Backstage
05.04.  Münster, Gleis 22
12.04.  Berlin, Hole 44
13.04.  Köln, MTC
 




Talk Show: Auf der Suche nach dem Momentum

Es gibt Dancetracks, die haben etwas ganz Spezielles, das auch dann nicht verschwindet, wenn sie wieder und wieder gespielt werden. "Blue Monday" von New Order ist ebensowenig totzukriegen wie "A New Error" von Moderat, und auch Underworlds "Born Slippy" bleibt, auch wegen "Trainspotting", für immer im Gedächtnis haften. Es ist also nicht Ehrenrühriges dabei, will man als Band eben dieses Momentum erreichen, ein paar Takte für die Ewigkeit einspielen. Talk Show aus London sind noch jung und gierig, sie haben 2020 mit ihrer Debüt-EP "These People" einen beachtlichen Erfolg gelandet und setzen nun alles dran, dies zu toppen. Und so wird das Quartett im nächsten Jahr eine weitere 12" mit dem Namen "Touch The Ground" veröffentlichen, aufgenommen mit Hilfe der Herren Joe Goddard und Al Doyle von Hot Chip. Und die erste Single, die wir heute vorstellen, heißt also "Underworld" - Sänger Harrison Swann erläutert dazu: "This was the first of the “new batch” we started with. It’s our own 'Born Slippy'. Finding a groove and locking into it collectively really shaped the way we approached the other tracks. Rhythm first. Vocals and guitars second. Stemming from the thumping techno drum beat and lots of noisy rhythms, this track’s a high energy intro to the new EP and a statement of intent."



Dienstag, 14. September 2021

Makthaverskan: Auf ewig

Es ist noch nicht allzu lange her, da kam gefühlt jede volle Stunde eine neue Shoegazing-Band mit einem hoffnungsvollen Song um die Ecke, die Hälfte dieser Gruppen stammte wiederum aus Schweden und nur wenige davon blieben wirklich im Gedächtnis. Zu letzteren aber zählen mit Sicherheit Makthaverskan aus Götheburg, und zwar seit Jahren - schließlich sind sie seit 2009 zusammen und haben schon drei Studioalben veröffentlicht. Nummer vier ist nun für den 11. November unter dem Namen "För Allting" (zur deutsch "Bis in alle Ewigkeit") bei Run For Cover Records angekündigt, die erste Single nennt sich "This Time" und kommt heute zu Gehör.

Body/Dilloway/Head: Kalkulierter Kontrollverlust

Jemanden in die Mitte zu nehmen hat immer eine fürsorgliche, beschützende Komponente, ob das bei diesem Beispiel auch zutrifft, können wir allerdings nicht ergründen: Kim Gordon, äußerst umtriebige Musikerin und bildende Künstlerin, hatte sich ja vor ca. zehn Jahren mit Bill Nace zusammengetan, um auch nach der Auflösung von Sonic Youth unter dem Namen Body/Head weiterhin der Improvisation, dem Gitarrenspiel und hier natürlich besondern dem Noise und dem Feedback zu huldigen, zwei Alben haben die beiden zusammen aufgenommen ("Coming Apart", 2013 und "The Switch", 2018) und diverse Konzerte gespielt. Nun wurde das Projekt um Aaron Dilloway erweitert, es liest sich jetzt Body/Dilloway/Head und veröffenlicht nunmehr als Trio bei Three Lobed Recordings eine neue Platte mit drei Tracks. Dilloway ist manchem als Mitbegründer der experimentellen Band Wolf Eyes aus Detroit bekannt, wie man liest, steuert er zum Sound der Gitarren geloopte Elektronik bei, einen ersten Eindruck gibt es hier und heute mit dem Stück "Goin' Down". Kim Gordon zu der neuen Partnerschaft: "Making this record with Aaron Dilloway, who I have always admired so much, added in another layer of unknown and another way of giving up control. Aaron took our sounds / music as a source and had ‘his way with it’ so to speak, crushing whatever narrative that existed in order to enter into it and making something different than what we would have done as Body/Head."

Montag, 13. September 2021

Familienalbum # 37: Mac McCaughan

Wenn ein Bandleader sich entschließt, ab und an solo zu arbeiten und dieser noch dazu Mitbegründer eines ziemlich bekannten Indielabel ist, dann kann man a) davon ausgehen, dass der Mann Ahnung vom Handwerk hat und dass sich b) auch eine Reihe von Musikmenschen finden werden, die gern mit ihm gemeinsame Sache machen wollen. Beides trifft für den hier geschilderten Fall zu - Mac McCaughan ist einerseits Frontmann der Kapelle Superchunk und hat zudem die Merge Records mit aus der Taufe gehoben. Und, darüberhinaus, gibt es für seine nunmehr zweite Eigenarbeit mit dem Titel "The Sound Of Yourself", die am 24. September quasi im Eigenverlag erscheinen wird, viele engagierte Mitstreiter*innen, so zum Beispiel Yo La Tengo und Jon Wurster, Michael Benjamin Lerner von Telekinesis und bei der aktuellen Single "Burn A Fax" dann Mackenzie Scott alias Torres und Matt Douglas (The Mountain Goats). Als ob das nicht schon genug wäre, ziert die Platte ein Bund Bananen und da haben wir wieder einmal unsere Suchmaschine angeworfen und reichlich gebogene Südfrüchte aus allen Epochen und in verschiedensten Reifegraden gefunden, allseits bekannte, ikonografische und auch weniger berühmte Exemplare. Das alles wie gewohnt von links nach rechts und oben nach unten.

Mac McCaughan "The Sound Of Yourself", The Charlatans "Between 10th and 11th", The Dead Milkmen "Smoking Banana Peels", The Dandy Warhols "The Monkey House", Chris Rea "Gods Great Banana Skin", Ween "Bananas And Blow", No Frills "Haulin' State Of Mind", Niki And Gabi "Hair Tie", Chk Chk Chk (!!!) "As If", Deep Purple "Bananas", The Velvet Underground "The Velvet Underground And Nico", Full Of Fancy "The Acid Creeps", Conkarah "Banana Feat. Shaggy", Pisse "Kohlrübenwinter", The Dickies "Bananasplits", Kraan "Dancing In The Shade"