Mittwoch, 18. Januar 2012

Ende einer Irrfahrt



First Aid Kit „The Lion’s Roar“ (Wichita)
Wenn alles vorbei ist, man sich eine Pause und etwas Besinnung gönnt, glaubt man zu verstehen, wie sich Odysseus gefühlt haben muss, als er, gerade der Schattenwelt entronnen, an der Sireneninsel vorbeischipperte. Wann hat es das in letzter Zeit schon gegeben, dass man mit entrücktem Blick und in versunkener Andacht Stimmen wie denen der schwedischen Geschwister Johanna und Klara Söderberg lauschen durfte – kindlich und kräftig zugleich, einschmeichelnd, voller Widerhaken? Von irgendwoher schreit jemand noch fix „Amy MacDonald“, doch für solche Warnungen ist es jetzt zu spät, kein Mastbaum weit und breit, an den man sich ketten könnte, und so geht es hinab, betört, betäubt, verfallen ... „And I'm a goddamn coward, but then again so are you, and the lion's roar, the lion's roar, has me evading and hollering for you, and I never really knew what to do“, natürlich könnte man hier, nach dem Titelsong, noch von der Fahne gehen, aber man will’s ja gar nicht, will diesen flauschigen Countrypop so schnell gar nicht fliehen. Nicht bei „Emmylou“ und auch nicht nach dem bezaubernden „In The Hearts Of Men“. Schon klar, dass man hier keine tiefschürfenden Erkenntnisse erwarten kann, sondern den Alltagsweisheiten und Tagträumereien zweier knapp zwanzigjähriger Mädchen lauscht. Und wenn sich diese beim Königsjodler von „To A Poet“ ohne jede Angst emporschwingen – „And so I ask where are you now, just when I needed you, I won’t ask again because I know there’s nothing we can do“ – dann ist man danach trotzdem noch dabei, weil man sich dem Charme und der Simplizität der Songs einfach nicht entziehen kann. Und will. Und wenn’s nur für die Dauer dieser Dreiviertelstunde ist, die einen glauben macht, diese wohltuende Wärme, die Klarheit wäre das Leben. http://thisisfirstaidkit.com/

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